Mein Feiertag

So Leute, heute ist „SYSTEM ADMINISTRATOR APPRECIATION DAY“. Ich erwarte entsprechende Huldigungen. Es gibt ein nettes Interview in der Süddeutschen dazu und am besten gefiel mir dieser Abschnitt:

Worüber lachen denn SysAdmins? Also, was ist Ihr Lieblings-SysAdmin-Witz?

Der beste Witz ist: „Ich mach das mal schnell“, direkt gefolgt von: „Da kann eigentlich nichts passieren.“

Note to self: Reicht jetzt mit Sommer. Wirklich. Musik: Monochromatic Black, Carnifex, He Is Legend, Nostromo, Wormed.

Ein Klumpen Fleisch

Es war klar, dass dieser Tag kommen würde. Ich habe es gewusst, aber nicht versucht mir auszumalen, wie es sein würde. Ich habe aufgehört mir auszumalen, was uns, was Dir und mir, noch alles zustoßen könnte. Ich begrüße Dich, Du zeigst keine Regung. Ich schaue Dir in die Augen, Du erkennst mich nicht. Ich küsse Dich auf die Stirn, Du bemerkst es nicht mehr. Noch vor ein paar Monaten habe ich gedacht: “ Wenn es so weit ist, ist das Schlimmste geschafft.“ Das stimmt aber nicht. Dein Dasein in den letzten drei Jahren hat mir bedeutet, dass ich mir Sorgen machte, dass ich für Dich da sein konnte, dass ich mir den Kopf darüber zerbrach, was machbar, sinnvoll, richtig für Dich war, dass ich zu Dir zurückkehren konnte. All das ist jetzt vorbei. Andere Fragen drängen sich auf: Haben wir uns voneinander verabschieden können? Wie werde ich Dich in Erinnerung behalten? Wenn ich Dir wünsche, Dein Leiden möge enden, ist es dann nicht eher so, dass ich das Ende meines Leidens herbeisehne?

Noch vor ein paar Wochen haben wir im Garten gesessen, das war bevor der Sommer kam. Ich habe viel erzählt, den Arm um Deine Schultern. Du hast Dich mächtig zusammengerissen, um zuhören zu können. Das habe ich gemerkt. Auch dass es Dir dann irgendwann ein bisschen zu frisch wurde. Vielleicht werde ich diesen Tag übrig behalten. Und vielleicht wird all das, was vorher war, eines Tages nicht mehr blechern ins Leere fallen, so wie heute Abend, sondern zu mir zurückkommen und seinen Platz finden. So, wie es sein sollte, wenn man jemanden sehr lieb hat.

Elternschule

Danke für diesen Film. Danke, dass es noch Menschen gibt, die wissen, wie man Kindern „gerecht wird“:

http://mediathek.daserste.de/Reportage-Dokumentation/Elternschule/Video?bcastId=799280&documentId=64477848

Dieser Film ist ein Politikum. Wenn man mich fragt, ist schon das schlimm genug. Wir sind Primaten. Alle höheren Primaten leben in Hackordnungen. Wir wollen uns einordnen. Wir wollen unsere Grenzen kennen. Ob wir 50 Jahre alt sind, oder 14 Monate. Wir brauchen das. Es tut uns gut. Es hindert uns nicht daran zu lieben und geliebt zu werden.

Note to self: Mir doch egal, wer wie beleumundet ist. Musik: Orchid, Feral Light, The Chemical Mind, The Claypool Lennon Delirium, Heartplace.

Tisch und Hölle grün

Nach den Ergebnissen des Top30-Qualifyings war die Sache für mich klar: Ein AMG GT3 oder ein Porsche 911 würde die diesjährige Ausgabe des 24-Stunden-Rennens auf dem Nürburgring gewinnen. Die BMW M6 konnte man nicht richtig einschätzen, da sie nach der Qualifikation noch mal 10kg ausladen durften. Und Audi? Naja, ein R8 schaffte es in die dritte Startreihe, aber im bisherigen Verlauf der GT-Saison (Masters, Blancpain, Bathurst) fuhr die neue Ausbaustufe, der R8 LMS Evo 2019 meistens auf den hinteren Rängen. Ingolstadt trat mit drei werksunterstützten Teams an: Land, Phönix und Car Collection. Und eben mit einer Riege erfahrener Werksfahrer: Stippler, Mies, Haase, Rast, dazu ein paar Rookies mit van der Linde und Vanthoor. Gute Leute, aber die Piloten der anderen Marken waren ganz bestimmt auch keine Nasenbohrer.

Der Start und die frühe Phase des Rennens verliefen einigermaßen zivilisiert und so wie von mir vermutet: Ein AMG von Black Falcon setzte sich ab und keiner konnte seine Pace mitgehen. Weitere Mercedes und einige Porsche hingen dahinter, die ersten Audi rangierten so ab Position 7, 8. Gut zurecht kam die Scuderia Glickenhaus mit ihrem SGC003. Im frühen Abend ging es dann los: Einige Defekte und sehr heftige Kollisionen schüttelten das Feld durch. Ein Ferrari 488 brannte auf der Grandprix-Strecke ab, der Manta geriet in ein BMW/Mercedes Sandwich, einige Fahrzeuge der kleineren Klassen erlitten Motorschäden aber vor allem erwischte es BMW: Die beiden ROWE fielen kurz hintereinander aus, der Schnitzer-BMW wurde bei einem heftigen Einschlag völlig zerstört. Inzwischen hatte der Grello-Porsche von Mantey die Spitze fest im Blick und übernahm sie dann auch. Dann fuhr auf der Döttinger Höhe ein Cayman fast ungebremst auf einen Nissan GTR auf. Ich habe selten einen heftigeren Rennunfall gesehen.

Die Nacht erbrachte keine Vorentscheidung: Der lange führende Mercedes zerstörte seine Lenkung durch eigenes Verschulden in Kurve 1 und war damit raus. Der Manta bekam zwei neue Achsen (einfach klasse) und beim Girls-only-Team mit ihrem Golf-GTI von Giti Tyres bauten ungefähr 10 Mechanikerinnen einen komplett neuen Motor in ihr Fahrzeug ein (sie brauchten die ganze Nacht dafür, aber dann fuhren sie raus: Spitze!). Und die Audi kletterten still und leise die Rangfolge hoch: Kein Defekt, kein Plattfuß, kein schwerer Fahrfehler.

Nach ein paar Stunden Schlaf ergab sich für den Zuschauer mit seinem Morgenkaffee folgendes Bild: Vorne der Grello, dann die gelbe Mamba von AMG, gefolgt vom Frikadelli-Porsche. Diese Autos waren relativ dicht zusammen. Außerdem in den Top10 weitere Mercedes, drei Audi, der SCG003 und der zweite Nissan. Um die Mittagszeit überschlugen sich die Ereignisse: Die flotte Frikadelle hatte Reifenschaden und zerstörte beim Weg in die Box ihre Elektronik und Hydraulik. Die MAN-Filter-Mamba flog nach Aufhängungsbruch ab und kam nicht mehr zurück und der Grello wurde mit 172 Stundenkilometern einer Gefahrenzone gemessen und erhielt eine Zeitstrafe von 5:32 Minuten.

Damit waren die drei Führenden im Grunde aus dem Rennen. Der Black-Falcon AMG von Auto-Arena lag jetzt sehr aussichtsreich. Aber Rene Rast im Land-Audi saß ihm im Nacken. Als Rast kurz vor der Antoniusbuche zum Überholen aus dem Windschatten ansetzte, machte der Mercedes-Pilot nach links dicht und zwang den Audi mit Tempo 300 ins Gras. Ein unfassbares Manöver, bei dem sich der Mercedes allerdings das Heck beschädigte und in die Box musste. Plötzlich schien ein Audi-Doppelsieg möglich, auch wenn er durch die Entscheidung der Kommissare gegen Porsche am grünen Tisch erst in Reichweite kam: Land lag vor Phönix, kurz dahinter fuhr Car Collection.

Der Rest ist schnell erzählt: Der Land-Audi mit van der Linde am Steuer hatte einen Plattfuß rechts hinten und zwar im ersten Drittel der Nordschleife. Er schaffte es nicht mal zurück in die Box, das Heck löste sich komplett auf. Phönix lag eine knappe Minute vor dem Zeitstrafen-Porsche, die anderen Teams lagen zu weit zurück, um noch um den Sieg mitzufahren. Dries Vanthoor rettete mehr als 30 Sekunden über die Zeit und der R8 gewann die 47. Auflage des zweitbesten Rennens der Welt vor Porsche und Mercedes. Glückwunsch ans Team Phönix! Heute ist ein schöner Tag.

Foto: Stefan Baldauf / Guido ten Brink

Note to self: Nur eine Woche. Musik: keine, Glotze.

Quer oder nicht quer

Heute nachmittag werde ich mir das WM-Achtelfinale der DFB-Frauen gegen Nigeria anschauen. Könnte ein spannendes Spiel werden, ich freue mich darauf. Auch wenn sich dieser Beitrag mit Frauenfußball beschäftigt, so wird es dennoch keinen sportlichen Vergleich zum Männerfußball geben. Ich werde mich nicht dazu äußern, ob ich den inzwischen sehr bekannten Werbespot mit der Kernaussage „Wir brauchen keine Eier, wir haben Pferdeschwänze!“ für gelungen halte. Und auch zum Spielniveau beim diesjährigen Weltturnier gibt es hier nichts zu lesen.

Im Vorfeld und auch während der Vorrunde gab es zahlreiche Stellungnahmen deutscher und anderer Spielerinnen, von Sportjournalisten und Funktionären zum Thema Gleichbehandlung von Fußball-Frauen und -Männern. Natürlich ging es dabei in erster Linie um Geld. Und es ging dabei ziemlich viel daneben, zB. wenn sich jemand im Rahmen einer eigentlich recht gelungenen Kolumne den Frust von der Seele schreibt.

Fußball ist kommerzielles Spektakel, dargeboten von bezahlten Unterhaltungsprofis. Entsprechend richtet sich ihre Bezahlung nach Angebot und Nachfrage. Wenn also beispielsweise Vereine der Frauenbundesliga ihren Spielerinnen weniger zahlen als Männern, kann man das blöd finden, aber das einzige, was man dagegen tun kann ist: Fleißig ins Stadion gehen, die entsprechenden Merchandising-Artikel kaufen und ans Fernsehen schreiben, dass man die Spiele sehen will.

Auch Verbandsfußball, also die Spiele und Turniere der Nationalmannschaften, ist kommerziell, aber er gehorcht anderen Gesetzen: Es kommen nämlich gesellschaftliche Anforderungen wie Förderung des Breitensports, Vermittlung von Fairness und Sportsgeist usw. dazu. Wenn also prominente Spielerinnen fordern, dass ihre Prämien und Antrittsgelder denen der Männer anzugleichen sind, oder zumindest vergleichbarer sein sollten, sollte man da nicht einfach drüberbügeln. Auch Vergleiche mit Randsportarten wie Rudern oder Badminton machen wenig Sinn. Der DFB dürfte mit Abstand der profitabelste Sportverband Deutschlands sein, so kommen natürlich andere finanzielle Größenordnungen ins Spiel.

Ich wünsche mir folgendes: Der DFB sollte offenlegen, welche Erlöse er durch die Produkte „Frauennationalmannschaften“ und „Männernationalmannschaften“ erzielt. Außerdem sollte er angeben, welcher Anteil dieser Erlöse wiederum für Trainerstab (und übriger Tross), Trainingslager usw. aufgewendet wird. Schließlich sollte er veröffentlichen, wie hoch der Prozentsatz ist, der bei Männer und Frauen in Form von Prämien und Antrittsgeldern an die Spielerinnen bzw. Spieler zurückfließt. Liegen diese Zahlen auf dem Tisch, so gibt es vier Szenarien:

1.) Die Ausschüttungs- und Kostenquote liegt bei den Frauen niedriger als bei den Männern, dann gäbe es einen erheblichen Bedarf an Maßnahmen zu einer Besserstellung der Fußballfrauen.

2.) Die Prämien- und Kostenanteile bei Frauen und Männern entsprechen sich in etwa, deutliche Unterschiede gibt es nicht. Dann könnte der Verband die Ausschüttungen und Aufwendungen für die Frauen anheben, dies aber allenfalls als besonderen Förderungsbedarf oder ähnliches verkaufen.

3.) Prämien und Kosten der Frauenmannschaften haben einen höheren oder sogar wesentlich höheren Anteil gegenüber dem Erlös aus Spielbetrieb und sonstiger Vermarktung als bei den Männern. Eine Erhöhung wäre kaum zu begründen.

4.) Der Erlös der Frauenmannschaft deckt die Summe aus Kosten und Prämien nicht ab. Dann würden die Männer, oder sonstige Einnahmen des DFB den Spielbetrieb der Frauen quersubventionieren und die Forderung nach einer Erhöhung der Prämien wäre ziemlich dreist.

So oder so. Her mit den Zahlen, damit wir dieses Thema vom Tisch haben.

Note to self: Noch 31 Minuten! Musik: keine, Glotze.

Mobiles

Ah, ich muss nochmal klimamäßig nachlegen. Das hat mit der gestrigen Meldung zu tun, dass der Bundesverkehrsminister Inhabern des Führerscheins für PKW unter bestimmten Voraussetzungen auch das Fahren von kleinen Motorrädern erlauben will. Über Herrn Scheuer will ich mich hier nicht weiter äußern. Beachtenswert ist vielmehr, dass Inhaber der alten Führerscheinklasse 3, die den Schein vor einem bestimmten Stichtag erwarben, ohnehin die Fahrzeuge bewegen dürfen, um die es jetzt geht. Ebenfalls sollte man wissen, dass entsprechende Regelungen in europäischen Nachbarländern schon immer bestanden. In der Bundesrepublik ist das Führerscheinwesen dagegen ziemlich rigide.

Ganz ehrlich: Selbst wenn ich es dürfte, ich würde mich -auch nach 5 Übungsstunden- nicht hinter den Lenker eines Leichtkraftrades setzen, dass locker über 100 km/h fährt. Ich traue mir das einfach nicht zu. Aber ich habe jahrelange Zweiraderfahrung mit 50ccm und kenne deswegen die Vorzüge dieses Mobilitätskonzepts ganz gut. Also, wenn ich Bundesverkehrsminister wäre, dann würde ich dies hier vorschlagen:

Jeder, der einen PKW-Führerschein besitzt oder erwirbt, sollte Zweiräder mit einer Höchstgeschwindigkeit von 70km/h fahren dürfen. Praktische Fahrfähigkeiten (Vollbremsung, Achtenfahren, Regenfahrten) sollten bei der Ausbildung obligatorisch vermittelt werden, ggfs. im Rahmen einer Nachschulung. Solche Fahrzeuge stellen im Stadtverkehr kein Hindernis dar, im Gegensatz zu den auf 45 km/h begrenzten Rollern. Als Versicherung sollte die bisherige Haftpflicht mit kleinem Versicherungskennzeichen reichen.

Diese neue Fahrzeugklasse könnte, wenn sie elektrisch betrieben und der Strom entsprechend erzeugt wird, was beispielsweise in China bereits 10.000fache Praxis ist, ganz erheblich CO2 einsparen. Der Materialeinsatz bei der Herstellung, dem Betrieb und der Entsorgung wäre gegenüber einem Auto auch sehr überschaubar. Mit 70 Stundenkilometern wäre das tägliche Pendeln vom Stadtrand bzw. Vorort vernünftig zu machen, die Reichweite von gängigen E-Scootern liegt zum Teil über 200 km. Man kann solche Fahrzeuge so auslegen, dass die Batterie entnehmbar ist. Damit könnte auch der durchschnittliche Innenstadtbewohner ohne eigene Garage elektrisch unterwegs sein, ohne Aufbau einer teuren Ladeinfrastruktur.

Man kann solche Zweiräder für den Lastentransport konzipieren und auch das Verbringen des Nachwuchses in die Kita wäre mit entsprechenden Anhängern kein Problem. Dachkontruktionen mit Wetter- und Überrollschutz wären ebenfalls denkbar. Somit könnten sehr viele Menschen auf ein eigenes Auto verzichten und diese Umstellung wäre in zwei, drei Jahren machbar. Es gibt aber eine weitere Voraussetzung:

Wir müssten alle ein bisschen vorsichtiger fahren. Schaffen wir das?

Note to self: Morgen wird’s grün. Ich freue mich. Musik: Demon Hunter, Ironhide, Rammstein.

Fridays vor Ort

Als ich gestern am Hauptbahnhof ein paar Unentbehrlichkeiten einkaufte (immer diese religiösen Feiertage!) kamen die ersten Protestler per Sonderzug an: Heute ist Großdemo der FFF in meiner Heimatstadt. Durch die geöffnete Balkontür dringen Sprechchöre und Polizeisirenen. Man hat Glück: bestes Wetter, ein lauer Wind, mit 20.000 Teilnehmern rechnen die Ordnungskräfte.

Ja die Klimapolitik, was für ein schwieriges Thema. Vor zwei Wochen saß unser kleines Grüppchen vor der Stammkneipe zusammen und es ging genau darum. Aus psychologischer Sicht habe ich diese Situation als gegenseitiges Belauern empfunden, gesagt wurde viel Allgemeines, aber was wurde gedacht? Vielleicht so etwas:

A: „Zwar bin ich dieses Jahr schon zweimal in Urlaub geflogen, aber ich esse kein Fleisch und habe kein Auto. Alles gut!“

B: „Zwar fahre ich jede Woche an die 500Km mit meinem alten Diesel, aber Urlaub mache ich im Harz oder in Bayern. Alles gut!“

C: „Zwar esse ich jeden Tag Fleisch und mein privates Netzwerk verbraucht massig Strom, aber ich fahre mit dem Bus zur Arbeit und geflogen bin ich seit Jahren nicht. Alles gut!“

D: “ Zwar fliege ich nächsten Monat nach Neuseeland, aber ich habe keine Kinder. Alles gut!“

Man muss wirklich aufpassen, denn der eigene vorgebliche Verzicht hat stets etwas Wohlfeiles. Ich mache das immer am „Fisch-Beispiel“ fest. Ich hasse Fisch und alles, was aus dem Wasser kommt. Ich mag das einfach nicht essen. Wenn ich mich nun angesichts der globalen Überfischungsproblematik lautstark gegen die kommerzielle Fischerei einsetze und deren sofortiges Ende fordere, dann habe ich möglicherweise recht, aber ich habe es eben auch sehr leicht.

Ohne jetzt die Gründe im Detail zu erläutern: Ich bin dafür, dass wir in Europa eine Klimapolitik machen, die weniger auf die persönliche Freiheit Rücksicht nimmt, als das zurzeit der Fall ist. Es muss gewaltigen Druck von Oben geben, denn sonst werden wir Einschränkungen unseres dekadenten Lebenswandels nicht hinkriegen, dafür genießen wir ihn einfach zu sehr. Wie kann man das halbwegs gerecht und transparent hinkriegen?

Ich befürworte ein personenbezogenes CO2-Kontingent. Was man damit anfängt, muss jedem selbst überlassen bleiben. Wird dieses Kontingent überschritten, muss das sehr teuer sein. Alle werden sich gleichermaßen übervorteilt fühlen, so viel ist klar. Aber alle werden sich, nicht aus Einsicht, die ist uns nicht ausreichend gegeben, sondern aus wirtschaftlichen Gründen in ihr Schicksal fügen müssen. Und was ist mit denen, die die Strafe kaltlächelnd bezahlen, weil sie ihnen nicht wehtut? Nun, wir müssen dafür sorgen, dass es von denen möglichst wenige gibt. Ja, das ist mein Ernst.

Note to self: Schnappatmung. Bitter. Musik: Gaahls WYRD, The National, Baroness, Dreadnought.

E.

E. hat einen Menschen erschossen. Politischer Mord, begangen von einem rassistischen Nazischwein. Auch wenn die Bundesstaatsanwaltschaft jetzt das Verfahren an sich gezogen hat: Das Netzwerk, in dem E. sich radikalisiert hat, wird wohl nicht aufgeklärt werden. Es wird auch nicht zur Verantwortung gezogen werden. Zwar können wir froh sein, dass mit Peter Frank ein Mann verantwortlich ist, dem man im Unterschied zu solchen Figuren wie Hans-Georg Maaßen keinen rechtsextremistischen Dünkel unterstellen muss. Trotzdem ist zu befürchten, dass inzwischen die polizeilichen und geheimdienstlichen Strukturen derart faschistoid durchsetzt sind, dass sie die Aufklärung der Hintergründe der furchtbaren Tat zu verhindern wissen werden. Der Ausgang des NSU-Prozesses und die Einlassungen der V-Leute in eben diesem Prozess sprechen da eine eindeutige Sprache.

E. ist mehrfach einschlägig vorbestraft. Seine Nachbarn schildern ihn als freundlichen Familienvater, der immer nett grüßte und nicht weiter auffiel. Im Schützenverein war er auch. Gleichzeitig verfasste er Kommentare in den sozialen Netzen, dass es „Tote geben werde“. Da passt was nicht zusammen. Wenn es reicht, nicht südländisch auszusehen und nett zu grüßen, dann passen ganze Wolfsrudel in den Schafspelz. Genau an diesem Punkt sind wir gerade. Und wer hat mit E. beim letzten Schützenfest am Tisch gesessen und als es dann nach dem 6. Bier ein bisschen unappetitlich wurde, wer hat da zustimmend genickt und ihm auf die Schulter geklopft?

E. ist einer von viel zu vielen. Zwar nehme ich am sozialen Netzwerken nicht teil, aber was mir auf YouTube und in diversen Webforen an Hass und Dummheit entgegenschwappt, das reicht mir schon. Was ich in diesem Zusammenhang am schlimmsten finde, ist der stets mitschwingende rechtfertigende Notstand: Die links-grün-versiffte Mischpoke lässt uns ja keine andere Wahl. Dann frage ich mich immer, ob ich tatsächlich in einem anderen Land lebe. Also mal Klartext: Ich will nicht von solchen Faschistenschweinen gerettet werden. Dieses Land kommt gut ohne sie klar. Und denjenigen, die gerade mal wieder einen Hasskommentar in die Tastatur hämmern wollen, sei dieses gesagt:

Achte auf Deine Gedanken, denn sie werden Worte. 
Achte auf Deine Worte, denn sie werden Handlungen. 
Achte auf Deine Handlungen, denn sie werden Gewohnheiten. 
Achte auf Deine Gewohnheiten, denn sie werden Dein Charakter. 
Achte auf Deinen Charakter, denn er wird Dein Schicksal.

(Talmud)

Note to self: Es bleibt morgen trocken und der Rasen kommt ab. Musik: Queen, The Claypool Lennon Delirium, The Cat Empire, Demon Hunter.

Löcher in Tankern

Die Welt am Rande eines Krieges? Man muss es fast befürchten. Die aktuellen Entwicklungen am persischen Golf geben Anlass zur Sorge, das ist mal sicher. Wie soll man die Angriffe auf die beiden Schiffe in der Straße von Hormus bewerten?

Also, ich bin kein Freund von Verschwörungstheorien, im Gegenteil. Für einen Naturwissenschaftler sollte das wichtigste Werkzeug zur Beurteilung von Sachverhalten Ockham’s Razor sein. So gesehen wäre der Iran Schuld an den Angriffen auf die zivilen Wasserfahrzeuge. Andererseits lehren Erfahrungen mit der US-Amerikanischen Außenpolitik in den letzten Jahrzehnten (Colin Powell und die „weapons of mass destruction“ anyone?), dass gerade das heute vorgelegte Bildmaterial mit Vorsicht zu genießen ist, insbesonders wenn man folgendes berücksichtigt:

  • Die Besatzung des japanischen Tankers spricht von mehreren anfliegenden Objekten. Das spricht für die Einwirkung von Anti-Schiff-Raketen oder Granaten, nicht für Haftminen.
  • Die sichtbaren Beschädigungen an den Schiffen liegen weit oberhalb der Wasserlinie, auch dies spricht für eine Beschuss- oder Raketeneinwirkung.
  • Die Überwachung des in Rede stehenden Seegebiets aus der Luft durch amerikanische Satelliten, Flugzeuge und Drohnen dürfte gerade jetzt lückenlos sein. Wahrscheinlich kann man dort zurzeit nicht mal mit einem Ruderboot unbeobachtet unterwegs sein. Dann sollten die US auch in der Lage sein, Kurs und Heimathafen des angeblichen iranischen Patrouillenboots festzustellen.
  • Warum sollte der Iran gerade jetzt Öl ins Feuer gießen? Und wenn doch, würden sie nicht eher ihre Hisbollah-Hilfstruppen in Marsch setzen oder gegen Saudi-Arabien vorgehen?
  • Cui bono? Im Moment scheint vor allem die Trump-Administration und ihr grenzdebiler Chef von einer Eskalation zu profitieren. Man könnte die Europäer disziplinieren, Russland ans Bein pinkeln und China zeigen, wo Bartel den Most holt: Win win win.

Note to self: Morgen gehts los. Vorfreude! Musik: Paco de Lucia, Norah Jones, NoiSays, Orange Goblin.

Bebendes Bergland

Ein lauer Freitagnachmittag. Mit einem Auge verfolge ich das WM-Spiel der Italienerinnen gegen Jamaika, mit sehenswerten Toren, leider alle für Italien. Mit dem anderen scrolle ich durch die Seite der Süddeutschen. Dort gibt es gerade wieder einen frischen Artikel, den dritten am heutigen Tage, zum Frauenstreiktag in der Schweiz. Das ist auch deswegen bemerkenswert, weil dieses Ereignis in den anderen Webpublikationen, die ich regelmäßig lese, überhaupt nicht vorkommt, nicht mal in der taz. Also, was lesen wir?

Natürlich, der Gender-Pay-Gap. In der Schweiz beträgt er angeblich 18%. ich benötige 10 Minuten um sauber heraus zu recherchieren, dass bei der Ermittlung dieser Zahl die gleichen statistischen Taschenspielertricks angewandt werden, wie in der Bundesrepublik. Also lassen wir das: Wer sich so verdummen lassen will, dem ist ohnehin nicht mehr zu helfen. Außerdem geht es natürlich um Sexismus, das wird nicht weiter ausgeführt, wozu auch? Wer die Deutungshoheit hat, der braucht nicht zu argumentieren, er hat einfach recht. In einem Interview mit einer Aktivistin lese ich zudem, dass die Beteiligung von Männern bei den Demonstrationen durchaus erwünscht ist, aber „bitte nur in den hinteren Reihen“ (kein Scherz, das steht genau so da). Ja, es kann den denkenden Menschen staunend zurücklassen, wenn der Femifaschismus sein wahres Gesicht zeigt.

Von dieser Lektüre aufgeschreckt, wechsle ich zu watson.ch, das ist ein eher linkes Nachrichtenportal mit inzwischen ca. 64.000 Hits pro Tag. Das SPON der Schweiz sozusagen. Nun, dort wird in epischer Breite über den Kampftag der Schweizerinnen berichtet und man erfährt, was sich da heute sonst noch so tut, nämlich gemalte Vulven auf Plakaten, Klitoris-Wanderungen und BH-Verbrennungen. Mit einem Wort: Alles, was zur Rettung des Abendlandes erforderlich ist.

Italien schlägt Jamaika 5 zu 0. Ich schalte auf den ZDF-Krimi am Freitag um: „Die Chefin“. Rats.

Note to self: Austrocknen. Wie hoch ist der Eigenanteil? Musik: The National, Sunn O))), Queen, Orchid.