Billie the Kid

Popmusik, tja. Ich kenne mich nicht mehr wirklich damit aus. Wenn ich tatsächlich mal in die Verlegenheit komme, länger einen Top-40-Radiosender hören zu müssen, kenne ich in der Regel keinen einzigen Interpreten. Trotzdem bekommt man natürlich mit, was in der Musikabteilung populärer Internetpublikationen geschrieben wird und damit auch den kometenhaften Aufstieg von Billie Eilish, die bei der Grammy-Verleihung kürzlich die vier wichtigsten Preise abräumte (Bestes Album, beste Single, bester Song und bester Newcomer), dazu den Preis für das beste Pop-Album. Ihr Bruder gewann zwei Preise als bester Produzent des Jahres und für die beste Produktion des Jahres. Das Album, um das es hier geht ist Eilishs erster Longplayer: When We All Fall Asleep, Where Do We Go? Zu diesem Werk später mehr.

Pop-Interpreten beziehen ihren Glanz und Erfolg immer nur zum Teil aus ihrem musikalischen Leistungsvermögen, so viel ist klar. Es wird ein Gesamtpaket verkauft. Ich will gerne zugeben, dass Billie Eilish ein ganz anderes und erfrischend neues Paket anbietet als etablierte Cash-Cows der Branche wie Beyoncé, Rihanna oder Pink, Britney Spears und Shakira vor ein paar Jahren. Eilish verkauft keine Sexyness, kann nicht tanzen und war angesichts ihres jugendlichen Alters auch noch nicht beim plastischen Chirurgen (würde wohl auch nicht hingehen). Sie ist ein Freak, das ist ihr Konzept: Schlabber-Look, Tourette-Syndrom, Depressionen, Veganismus, nie auf einer öffentlichen Schule gewesen, eine Vogelspinne als Haustier. Man soll nicht „über einen anderen Krieger urteilen, bevor man nicht drei Monde lang in seinen Mokassins gegangen ist“, aber ganz ehrlich: Mich wundert überhaupt nicht, dass obige Mischung derzeit so tierisch gut ankommt. Lassen wir es dabei. Zur Musik:

Seit ein paar Wochen befindet sich Billies Album nun auf meinem iPhone in der Alltagsplaylist und ich darf wirklich schreiben, dass ich versucht habe, mir dieses Elaborat schön zu hören. Tut mir leid, es will mir nicht gelingen. Minimalistische Arrangements? OK warum nicht, kennt man aber schon. Verfremdete Gesangsspuren mit und ohne Autotune? Kann man mal machen, nutzt sich aber schnell ab. Anspruchsvolle Akkordfolgen, witzige rhythmische Ideen, irgendwas halbwegs originelles? Fehlanzeige. Es gibt auf diesem Album wirklich kein einziges überdurchschnittliches Stück, will sagen, eines das aus dem sonstigen poppigen Gedudel wirklich herausragt. So viel zu Komposition und Arrangement.

Frau Eilishs Gesangsstimme ist allenfalls Durchschnitt, eher knapp darunter. Das ist keine Geschmacksfrage, man kann dieses Urteil an objektiven Parametern wie Stimmumfang, Phrasierungs- und Intonationsvermögen festmachen. Es gibt keine Disziplin in der Billies Stimme das Niveau oben genannter Genregrößen auch nur annähernd erreicht.

Zur Produktion: Das Album soll ein geschwisterliches Werk sein, das in Billies Schlafzimmer entstanden ist. Wer das glaubt, der glaubt auch, dass Zitronenfalter Zitronen falten und hat in seinem ganzen Leben noch nie ein gut bestücktes ProTools-Rack gesehen. Ich würde wirklich gerne mal den Rohmix vor dem Mastering hören. Um es ganz klar zu sagen: In der Gesamtschau habe ich bei diesem Album einfach Probleme mit der Schöpfungshöhe. Es ist nicht schlimm, das so etwas auf den Markt kommt, extrem populär ist und sich wahnsinnig gut verkauft. Ich bin da neidfrei und gönne Frau Eilish ihren Erfolg. Nur bin ich davon überzeugt, dass es im letzten Jahr zig Alben gegeben hat, die in jeder Hinsicht besser waren. Egal, der Hype ist in der Welt und nicht mehr zu stoppen: Billie Eilish singt den neuen Bond-Song:

Tja.

Note to self: Wir kriegen den Kasten leer, alles wird gut. Musik: Billie Eilish.

2019-nCoV

Na denn Prost!

Vielleicht ist es ganz gut, dass wir nicht wirklich wahrnehmen, wie dünn das Eis ist auf dem inzwischen 7 Milliarden von uns tagtäglich herumlaufen. Sonst bliebe uns möglicherweise nur die angstvolle Erstarrung, fortwährende Weltuntergangsparty oder die Hinwendung zum Religiösen übrig. Das kann ja keiner wollen. Wenn in populärwissenschaftlichen Fernsehsendungen Szenarien für den Untergang der Menschheit vorgestellt und deren Eintrittswahrscheinlichkeiten angegeben werden, so mag uns ein Schauer den Rücken hinunterlaufen, wirklich beeindruckt sind wir nicht. Der Ausbruch eines Supervulkans, der Einschlag eines größeren Meteoriten, der thermonukleare Weltkrieg oder eben ein neuer höchstpathogener Erreger – geschenkt. Sportschau fängt gleich an, wir schalten um.

Kann man derzeit seriös abschätzen wie gefährlich das neue fiese Eiweißhäufchen aus China wirklich ist? Immerhin gibt es einige bemerkenswerte epidemiologische Kenndaten: Die Übertragung von Mensch zu Mensch per Tröpfcheninfektion ist mit Abstand der gefährlichste Übertragungsweg, in Verbindung mit der langen Inkubationszeit vor dem Auftreten erster Symptome resultiert ein enorm hohes Ansteckungsrisiko. Das Ansteigen der Fallzahlen unter Berücksichtigung von milden Krankheitsverläufen und der daher zu vermutenden Dunkelziffer kann folglich nicht überraschen. Die Letalität (ca. 4/100) liegt deutlich höher als bei der berühmten Spanischen Grippe, die eigentlich eine US-Amerikanische Grippe war (ca. 2,5/100).

Die Bekämpfung der Krankheit durch die chinesischen Behörden war und ist amateurhaft. Allerdings muss man berücksichtigen, dass die Volksrepublik bezüglich des Gesundheitswesens immer noch ein Entwicklungsland ist: Auf 1000 Einwohner kommen ganze 5 Krankenhausbetten. Die Versorgung auf dem Land existiert praktisch nicht. Mögen uns die jetzt eingeleiteten Maßnahmen, wie die Abschottung von Städten mit insgesamt mehr als 50 Mio Menschen drastisch erscheinen, sie sind unzureichend und sie kamen zu spät. Und ob die verfügbaren Informationen tatsächlich die Wahrheit über die Verhältnisse in den am stärksten betroffenen Gebieten wiedergeben, darf bezweifelt werden. Allerdings sollte man sich nicht einbilden, dass ein Ausbruch in Europa wirksamer hätte bekämpft werden können. In diesem Zusammenhang: Die Entscheidung der WHO, bis heute keinen Internationalen Gesundheitsnotstand auszurufen, ist eine Katastrophe.

2019-nCoV wird die Menschheit nicht ausrotten. Aber sein Ausbruch könnte sehr leicht die Auswirkungen von SARS übertreffen, das als Pandemie eingestuft wird. Spätestens wenn in den benachbarten asiatischen Ländern die Fallzahlen chinesische Ausmaße annehmen, wird in den Medien bohrend gefragt werden, warum man die Reisefreiheit nicht beizeiten vorübergehend außer Kraft gesetzt hat. Und die Sportschau wird dann kaum noch einer gucken, wir werden Wichtigeres zu tun haben.

Note to self: Netter sein! Musik: Stray From the Path, Mando Diao, Razorlight, Tri Continental.

Chefchaouen

Mal endlich wieder was schreiben. Ah, ja. Anlass ist dieser Artikel im Spiegel. Manchmal tut es gut, sich an Gutes zu erinnern:

Im Überlandbus von Tetouan kamen wir an. In eben jenem Bus, in dem ein Mitglied unserer kleinen Reisegruppe eine Bekanntschaft vom letzten Marokko-Urlaub wiedergetroffen hatte: Osman. Ein etwas verschlagen wirkender Mann um die 30, eben aus diesem kleinen Ort im Rif stämmig und dortselbst bekannt wie ein bunter Hund. Ein Kümmerer, der sofort den Transport zum Campingplatz organisierte, der malerisch in einem kleinen Zedernhain auf dem Hügel über der Stadt lag.

Wir waren zu viert, hatten gerade erst Abi gemacht und wussten noch nicht viel vom Leben. Vier Landeier, das trifft es ganz gut. Durch Frankreich, Spanien mit dem Zug, dann übers Mittelmeer nach Tanger und dann waren wir in Afrika. Um die Hektik der Küste hinter uns zu lassen, nahmen wir sofort den Bus ins Gebirge. Ein bisschen weg von den Arabern hin zu den Kabylen. Es hieß, man würde dort nicht versuchen, uns Teppiche zu verkaufen. Das war uns recht. Dass Chefchaouen überdies ein Sehnsuchtsort europäischer Hippies war, kam uns gut zu pass. Wir waren Hippies, zumindest wollten wir welche sein.

Als wir an der Rezeption des „Camping municipal“, einer Bretterbude mit improvisiertem Vorzeit, anlangten, begann es gerade zu dämmern. Laute Musik aus den 70ern quäkte aus irgendwelchen Lautsprechern. Ein junger Bursche regelte den Checkin: Er musterte uns, fragte dann nach unseren Reisepässen und begann die vorgeschriebenen Formulare auszufüllen. In eben jenen Formularen musste jeweils eingetragen werden, woher man kam und wohin man weiter zu reisen gedachte. Ohne zu zögern und ohne eine Miene zu verziehen trug er in beiden Rubriken jeweils „Fès“ ein. Wir mussten grinsen, machten es aber später im Verlauf der Reise meistens genau so. „Fès“ war einfach kurz und schnell hingeschrieben. Das passte schon. Und noch während er mit dem Papierkram beschäftigt war, bröselte er und baute und rauchte an und reichte rüber. Ebenfalls ohne jede Regung. Zwei Minuten später saßen wir schon mit dem beeindruckenden Gerät um einen wackeligen Tisch beim Tee und sahen der Sonne dabei zu, wie sie rot wie nie im Dunst des Abends hinter den Bergen verschwand. Wie einfach und schön das Leben sein konnte!

Noch ein bisschen später saß ich mit Steffi im letzten Licht auf dem Bordstein am Straßenrand. Eine alte Frau schlurfte mit ein paar Enkeln, Enkelinnen und einem Esel den Berg hinauf. Sie kam auf uns zu, sagte etwas, von dem ich bis heute nicht weiß, ob es arabisch oder das alte Spanisch der Rif war und schenkte jedem von uns eine Hand voll Nüsse. Und bei all der Paranoia, die wir dann ein paar Tage später schoben, als es hieß, dass Osman uns suche und sich herausstellte, dass er ein Mann von zweifelhaftem Ruf war und wir das Städtchen verstohlen verließen: Genau diesen Abend, das Licht, das Singen der Zikaden, die Leichtigkeit und das sich aufgehoben Fühlen in der Fremde werde ich immer von Chefchaouen übrig behalten.

Lese ich den oben verlinkten Artikel, scheint von dem Zauber von damals nicht mehr viel übrig zu sein. Chinesen, die gruppenweise für Instagram fotografieren? Wie weit muss man denn inzwischen fahren, um irgendwas halbwegs Unverbrauchtes zu finden? Und sind nicht die Individualreisenden mit ihren Rucksäcken die ersten, die ihre sozialen Profile mit Fotos von den letzten einsamen Ecken füttern und damit den Wahnsinn starten? Wenn wir heute noch mal losliefen, von dieser Passhöhe oberhalb von Teloulet, wie wir es damals auf der zweiten Marokko-Tour taten, durch den Atlas, bis unsere Füße von Blasen übersät, die Lippen vor Trockenheit aufgesprungen, die Wasserflaschen schon lange leer waren und wir in einem kleinen Berberdorf mitten im Nichts aufgenommen und gerettet wurden, würden dann auch Gruppen von kichernden Chinesen mit ihren Mobilfunken den Weg säumen? Weh uns!

Note to self: Zum Notar und weiter Schritt für Schritt. Musik: Nile, Sophie Hunger, Alcest, Refused, Mayhem.

Mein Feiertag

So Leute, heute ist „SYSTEM ADMINISTRATOR APPRECIATION DAY“. Ich erwarte entsprechende Huldigungen. Es gibt ein nettes Interview in der Süddeutschen dazu und am besten gefiel mir dieser Abschnitt:

Worüber lachen denn SysAdmins? Also, was ist Ihr Lieblings-SysAdmin-Witz?

Der beste Witz ist: „Ich mach das mal schnell“, direkt gefolgt von: „Da kann eigentlich nichts passieren.“

Note to self: Reicht jetzt mit Sommer. Wirklich. Musik: Monochromatic Black, Carnifex, He Is Legend, Nostromo, Wormed.

Ein Klumpen Fleisch

Es war klar, dass dieser Tag kommen würde. Ich habe es gewusst, aber nicht versucht mir auszumalen, wie es sein würde. Ich habe aufgehört mir auszumalen, was uns, was Dir und mir, noch alles zustoßen könnte. Ich begrüße Dich, Du zeigst keine Regung. Ich schaue Dir in die Augen, Du erkennst mich nicht. Ich küsse Dich auf die Stirn, Du bemerkst es nicht mehr. Noch vor ein paar Monaten habe ich gedacht: “ Wenn es so weit ist, ist das Schlimmste geschafft.“ Das stimmt aber nicht. Dein Dasein in den letzten drei Jahren hat mir bedeutet, dass ich mir Sorgen machte, dass ich für Dich da sein konnte, dass ich mir den Kopf darüber zerbrach, was machbar, sinnvoll, richtig für Dich war, dass ich zu Dir zurückkehren konnte. All das ist jetzt vorbei. Andere Fragen drängen sich auf: Haben wir uns voneinander verabschieden können? Wie werde ich Dich in Erinnerung behalten? Wenn ich Dir wünsche, Dein Leiden möge enden, ist es dann nicht eher so, dass ich das Ende meines Leidens herbeisehne?

Noch vor ein paar Wochen haben wir im Garten gesessen, das war bevor der Sommer kam. Ich habe viel erzählt, den Arm um Deine Schultern. Du hast Dich mächtig zusammengerissen, um zuhören zu können. Das habe ich gemerkt. Auch dass es Dir dann irgendwann ein bisschen zu frisch wurde. Vielleicht werde ich diesen Tag übrig behalten. Und vielleicht wird all das, was vorher war, eines Tages nicht mehr blechern ins Leere fallen, so wie heute Abend, sondern zu mir zurückkommen und seinen Platz finden. So, wie es sein sollte, wenn man jemanden sehr lieb hat.

Elternschule

Danke für diesen Film. Danke, dass es noch Menschen gibt, die wissen, wie man Kindern „gerecht wird“:

http://mediathek.daserste.de/Reportage-Dokumentation/Elternschule/Video?bcastId=799280&documentId=64477848

Dieser Film ist ein Politikum. Wenn man mich fragt, ist schon das schlimm genug. Wir sind Primaten. Alle höheren Primaten leben in Hackordnungen. Wir wollen uns einordnen. Wir wollen unsere Grenzen kennen. Ob wir 50 Jahre alt sind, oder 14 Monate. Wir brauchen das. Es tut uns gut. Es hindert uns nicht daran zu lieben und geliebt zu werden.

Note to self: Mir doch egal, wer wie beleumundet ist. Musik: Orchid, Feral Light, The Chemical Mind, The Claypool Lennon Delirium, Heartplace.

Tisch und Hölle grün

Nach den Ergebnissen des Top30-Qualifyings war die Sache für mich klar: Ein AMG GT3 oder ein Porsche 911 würde die diesjährige Ausgabe des 24-Stunden-Rennens auf dem Nürburgring gewinnen. Die BMW M6 konnte man nicht richtig einschätzen, da sie nach der Qualifikation noch mal 10kg ausladen durften. Und Audi? Naja, ein R8 schaffte es in die dritte Startreihe, aber im bisherigen Verlauf der GT-Saison (Masters, Blancpain, Bathurst) fuhr die neue Ausbaustufe, der R8 LMS Evo 2019 meistens auf den hinteren Rängen. Ingolstadt trat mit drei werksunterstützten Teams an: Land, Phönix und Car Collection. Und eben mit einer Riege erfahrener Werksfahrer: Stippler, Mies, Haase, Rast, dazu ein paar Rookies mit van der Linde und Vanthoor. Gute Leute, aber die Piloten der anderen Marken waren ganz bestimmt auch keine Nasenbohrer.

Der Start und die frühe Phase des Rennens verliefen einigermaßen zivilisiert und so wie von mir vermutet: Ein AMG von Black Falcon setzte sich ab und keiner konnte seine Pace mitgehen. Weitere Mercedes und einige Porsche hingen dahinter, die ersten Audi rangierten so ab Position 7, 8. Gut zurecht kam die Scuderia Glickenhaus mit ihrem SGC003. Im frühen Abend ging es dann los: Einige Defekte und sehr heftige Kollisionen schüttelten das Feld durch. Ein Ferrari 488 brannte auf der Grandprix-Strecke ab, der Manta geriet in ein BMW/Mercedes Sandwich, einige Fahrzeuge der kleineren Klassen erlitten Motorschäden aber vor allem erwischte es BMW: Die beiden ROWE fielen kurz hintereinander aus, der Schnitzer-BMW wurde bei einem heftigen Einschlag völlig zerstört. Inzwischen hatte der Grello-Porsche von Mantey die Spitze fest im Blick und übernahm sie dann auch. Dann fuhr auf der Döttinger Höhe ein Cayman fast ungebremst auf einen Nissan GTR auf. Ich habe selten einen heftigeren Rennunfall gesehen.

Die Nacht erbrachte keine Vorentscheidung: Der lange führende Mercedes zerstörte seine Lenkung durch eigenes Verschulden in Kurve 1 und war damit raus. Der Manta bekam zwei neue Achsen (einfach klasse) und beim Girls-only-Team mit ihrem Golf-GTI von Giti Tyres bauten ungefähr 10 Mechanikerinnen einen komplett neuen Motor in ihr Fahrzeug ein (sie brauchten die ganze Nacht dafür, aber dann fuhren sie raus: Spitze!). Und die Audi kletterten still und leise die Rangfolge hoch: Kein Defekt, kein Plattfuß, kein schwerer Fahrfehler.

Nach ein paar Stunden Schlaf ergab sich für den Zuschauer mit seinem Morgenkaffee folgendes Bild: Vorne der Grello, dann die gelbe Mamba von AMG, gefolgt vom Frikadelli-Porsche. Diese Autos waren relativ dicht zusammen. Außerdem in den Top10 weitere Mercedes, drei Audi, der SCG003 und der zweite Nissan. Um die Mittagszeit überschlugen sich die Ereignisse: Die flotte Frikadelle hatte Reifenschaden und zerstörte beim Weg in die Box ihre Elektronik und Hydraulik. Die MAN-Filter-Mamba flog nach Aufhängungsbruch ab und kam nicht mehr zurück und der Grello wurde mit 172 Stundenkilometern einer Gefahrenzone gemessen und erhielt eine Zeitstrafe von 5:32 Minuten.

Damit waren die drei Führenden im Grunde aus dem Rennen. Der Black-Falcon AMG von Auto-Arena lag jetzt sehr aussichtsreich. Aber Rene Rast im Land-Audi saß ihm im Nacken. Als Rast kurz vor der Antoniusbuche zum Überholen aus dem Windschatten ansetzte, machte der Mercedes-Pilot nach links dicht und zwang den Audi mit Tempo 300 ins Gras. Ein unfassbares Manöver, bei dem sich der Mercedes allerdings das Heck beschädigte und in die Box musste. Plötzlich schien ein Audi-Doppelsieg möglich, auch wenn er durch die Entscheidung der Kommissare gegen Porsche am grünen Tisch erst in Reichweite kam: Land lag vor Phönix, kurz dahinter fuhr Car Collection.

Der Rest ist schnell erzählt: Der Land-Audi mit van der Linde am Steuer hatte einen Plattfuß rechts hinten und zwar im ersten Drittel der Nordschleife. Er schaffte es nicht mal zurück in die Box, das Heck löste sich komplett auf. Phönix lag eine knappe Minute vor dem Zeitstrafen-Porsche, die anderen Teams lagen zu weit zurück, um noch um den Sieg mitzufahren. Dries Vanthoor rettete mehr als 30 Sekunden über die Zeit und der R8 gewann die 47. Auflage des zweitbesten Rennens der Welt vor Porsche und Mercedes. Glückwunsch ans Team Phönix! Heute ist ein schöner Tag.

Foto: Stefan Baldauf / Guido ten Brink

Note to self: Nur eine Woche. Musik: keine, Glotze.

Quer oder nicht quer

Heute nachmittag werde ich mir das WM-Achtelfinale der DFB-Frauen gegen Nigeria anschauen. Könnte ein spannendes Spiel werden, ich freue mich darauf. Auch wenn sich dieser Beitrag mit Frauenfußball beschäftigt, so wird es dennoch keinen sportlichen Vergleich zum Männerfußball geben. Ich werde mich nicht dazu äußern, ob ich den inzwischen sehr bekannten Werbespot mit der Kernaussage „Wir brauchen keine Eier, wir haben Pferdeschwänze!“ für gelungen halte. Und auch zum Spielniveau beim diesjährigen Weltturnier gibt es hier nichts zu lesen.

Im Vorfeld und auch während der Vorrunde gab es zahlreiche Stellungnahmen deutscher und anderer Spielerinnen, von Sportjournalisten und Funktionären zum Thema Gleichbehandlung von Fußball-Frauen und -Männern. Natürlich ging es dabei in erster Linie um Geld. Und es ging dabei ziemlich viel daneben, zB. wenn sich jemand im Rahmen einer eigentlich recht gelungenen Kolumne den Frust von der Seele schreibt.

Fußball ist kommerzielles Spektakel, dargeboten von bezahlten Unterhaltungsprofis. Entsprechend richtet sich ihre Bezahlung nach Angebot und Nachfrage. Wenn also beispielsweise Vereine der Frauenbundesliga ihren Spielerinnen weniger zahlen als Männern, kann man das blöd finden, aber das einzige, was man dagegen tun kann ist: Fleißig ins Stadion gehen, die entsprechenden Merchandising-Artikel kaufen und ans Fernsehen schreiben, dass man die Spiele sehen will.

Auch Verbandsfußball, also die Spiele und Turniere der Nationalmannschaften, ist kommerziell, aber er gehorcht anderen Gesetzen: Es kommen nämlich gesellschaftliche Anforderungen wie Förderung des Breitensports, Vermittlung von Fairness und Sportsgeist usw. dazu. Wenn also prominente Spielerinnen fordern, dass ihre Prämien und Antrittsgelder denen der Männer anzugleichen sind, oder zumindest vergleichbarer sein sollten, sollte man da nicht einfach drüberbügeln. Auch Vergleiche mit Randsportarten wie Rudern oder Badminton machen wenig Sinn. Der DFB dürfte mit Abstand der profitabelste Sportverband Deutschlands sein, so kommen natürlich andere finanzielle Größenordnungen ins Spiel.

Ich wünsche mir folgendes: Der DFB sollte offenlegen, welche Erlöse er durch die Produkte „Frauennationalmannschaften“ und „Männernationalmannschaften“ erzielt. Außerdem sollte er angeben, welcher Anteil dieser Erlöse wiederum für Trainerstab (und übriger Tross), Trainingslager usw. aufgewendet wird. Schließlich sollte er veröffentlichen, wie hoch der Prozentsatz ist, der bei Männer und Frauen in Form von Prämien und Antrittsgeldern an die Spielerinnen bzw. Spieler zurückfließt. Liegen diese Zahlen auf dem Tisch, so gibt es vier Szenarien:

1.) Die Ausschüttungs- und Kostenquote liegt bei den Frauen niedriger als bei den Männern, dann gäbe es einen erheblichen Bedarf an Maßnahmen zu einer Besserstellung der Fußballfrauen.

2.) Die Prämien- und Kostenanteile bei Frauen und Männern entsprechen sich in etwa, deutliche Unterschiede gibt es nicht. Dann könnte der Verband die Ausschüttungen und Aufwendungen für die Frauen anheben, dies aber allenfalls als besonderen Förderungsbedarf oder ähnliches verkaufen.

3.) Prämien und Kosten der Frauenmannschaften haben einen höheren oder sogar wesentlich höheren Anteil gegenüber dem Erlös aus Spielbetrieb und sonstiger Vermarktung als bei den Männern. Eine Erhöhung wäre kaum zu begründen.

4.) Der Erlös der Frauenmannschaft deckt die Summe aus Kosten und Prämien nicht ab. Dann würden die Männer, oder sonstige Einnahmen des DFB den Spielbetrieb der Frauen quersubventionieren und die Forderung nach einer Erhöhung der Prämien wäre ziemlich dreist.

So oder so. Her mit den Zahlen, damit wir dieses Thema vom Tisch haben.

Note to self: Noch 31 Minuten! Musik: keine, Glotze.

Mobiles

Ah, ich muss nochmal klimamäßig nachlegen. Das hat mit der gestrigen Meldung zu tun, dass der Bundesverkehrsminister Inhabern des Führerscheins für PKW unter bestimmten Voraussetzungen auch das Fahren von kleinen Motorrädern erlauben will. Über Herrn Scheuer will ich mich hier nicht weiter äußern. Beachtenswert ist vielmehr, dass Inhaber der alten Führerscheinklasse 3, die den Schein vor einem bestimmten Stichtag erwarben, ohnehin die Fahrzeuge bewegen dürfen, um die es jetzt geht. Ebenfalls sollte man wissen, dass entsprechende Regelungen in europäischen Nachbarländern schon immer bestanden. In der Bundesrepublik ist das Führerscheinwesen dagegen ziemlich rigide.

Ganz ehrlich: Selbst wenn ich es dürfte, ich würde mich -auch nach 5 Übungsstunden- nicht hinter den Lenker eines Leichtkraftrades setzen, dass locker über 100 km/h fährt. Ich traue mir das einfach nicht zu. Aber ich habe jahrelange Zweiraderfahrung mit 50ccm und kenne deswegen die Vorzüge dieses Mobilitätskonzepts ganz gut. Also, wenn ich Bundesverkehrsminister wäre, dann würde ich dies hier vorschlagen:

Jeder, der einen PKW-Führerschein besitzt oder erwirbt, sollte Zweiräder mit einer Höchstgeschwindigkeit von 70km/h fahren dürfen. Praktische Fahrfähigkeiten (Vollbremsung, Achtenfahren, Regenfahrten) sollten bei der Ausbildung obligatorisch vermittelt werden, ggfs. im Rahmen einer Nachschulung. Solche Fahrzeuge stellen im Stadtverkehr kein Hindernis dar, im Gegensatz zu den auf 45 km/h begrenzten Rollern. Als Versicherung sollte die bisherige Haftpflicht mit kleinem Versicherungskennzeichen reichen.

Diese neue Fahrzeugklasse könnte, wenn sie elektrisch betrieben und der Strom entsprechend erzeugt wird, was beispielsweise in China bereits 10.000fache Praxis ist, ganz erheblich CO2 einsparen. Der Materialeinsatz bei der Herstellung, dem Betrieb und der Entsorgung wäre gegenüber einem Auto auch sehr überschaubar. Mit 70 Stundenkilometern wäre das tägliche Pendeln vom Stadtrand bzw. Vorort vernünftig zu machen, die Reichweite von gängigen E-Scootern liegt zum Teil über 200 km. Man kann solche Fahrzeuge so auslegen, dass die Batterie entnehmbar ist. Damit könnte auch der durchschnittliche Innenstadtbewohner ohne eigene Garage elektrisch unterwegs sein, ohne Aufbau einer teuren Ladeinfrastruktur.

Man kann solche Zweiräder für den Lastentransport konzipieren und auch das Verbringen des Nachwuchses in die Kita wäre mit entsprechenden Anhängern kein Problem. Dachkontruktionen mit Wetter- und Überrollschutz wären ebenfalls denkbar. Somit könnten sehr viele Menschen auf ein eigenes Auto verzichten und diese Umstellung wäre in zwei, drei Jahren machbar. Es gibt aber eine weitere Voraussetzung:

Wir müssten alle ein bisschen vorsichtiger fahren. Schaffen wir das?

Note to self: Morgen wird’s grün. Ich freue mich. Musik: Demon Hunter, Ironhide, Rammstein.