Rot, bunt, rot, bunt

Als ich das letzte Mal in Sheffield war, wußte ich noch nichts von der Bedeutung dieser Stadt für den Billardsport. Meine Arbeit bestand damals vor allem daraus, Erosionsmessgeräte in die umliegenden Flüsse und Seen zu werfen und dann mit Hilfe lauter Generatoren und Geländewagen die sich ebenfalls dort aufhaltenden Angler zu verärgern und zu vertreiben. In der spärlichen Freizeit genoss man ein „Murphy’s“ oder ging sich die „Owls“ (Sheffield Wednesday) anschauen, wobei man eine Menge über englische Fussballkultur lernen konnte. Das Crucible Theatre, in dem seit 1977 die Weltmeisterschaften im Snooker ausgetragen werden, habe ich leider nicht besucht und könnte mich heute deswegen in den Hintern beißen, denn das „Wimbledon des grünen Tuchs“ wird zur Zeit umgebaut und wohl eine Menge seines unvergleichlichen Flairs verlieren. Keine knarzenden Holzfussböden mehr, keine Zuschauer, die von den Spielern nur eine Armeslänge entfernt sitzen, dafür wahrscheinlich VIP-Lounges und eine Klimaanlage. Schade drum.

Zur Zeit findet also dieses wichtigste Turnier der Saison zum letzten Mal im alten Rahmen statt. Der bisherige Verlauf ist überraschend: Bereits in der ersten Runde schieden einige Exweltmeister und inzwischen auch der amtierende Champion aus. Auch die jungen Chinesen, die in letzter Zeit mit Macht in die Weltspitze drängen, haben sich bislang nicht mit Ruhm bekleckert. Das Crucible hat eben seine eigenen Gesetze, man braucht sich nur die Geschichte von Jimmy White vor Augen zu führen, der mit seinem versoffenen Gesicht und jeder Menge Cue Power sechs mal ins Finale vorstieß, doch nie gewinnen konnte. Die Frage ist folglich: Wer macht diesmal das Rennen? Mein Tipp: Ronnie O’Sullivan!

Man muss ihn nicht mögen, diesen Ausnahmekünstler, der innerhalb eines Breaks beliebig oft von rechts auf links wechselt und Snooker vom anderen Stern spielt. Es fällt schwer, ihm sein arrogantes Genöhle auf Pressekonferenzen oder die Spielaufgabe bei der UK Championship 2006 zu verzeihen, als er Steven Hendry nach nur 5 gespielten Frames am Tisch stehen ließ. Andererseits stehen die 5 schnellsten Maximum Breaks der Snookergeschichte auf seinem Konto. Hier das schnellste:

[youtube http://www.youtube.com/watch?v=WTtZqAnxyxo&hl=de]

Es gibt keinen anderen Spieler auf der Welt, der so etwas auch nur annähernd erreicht hat. „The Rocket“ kann sich wohl auch dieses Jahr nur selbst schlagen, wenn ihm die Nerven durchgehen und wir den anderen Ronnie zu Gesicht bekommen, den der hadert, sich mit dem Publikum anlegt, oder einfach auf den Teppich rotzt. Dann ist er wieder der Gassenjunge aus Birmingham, der bereits wegen Cannabiskonsums vom Verband disqualifiziert wurde und mehrfach seine Depression behandeln lassen musste. Genie und Wahnsinn liegen eben dicht beieinander, auch bei millionenschweren Snooker-Profis.

Note to self: Mini-Maibaum rechtzeitig eingetopft. Musik: Machine Head, Korn, Iron Maiden.

Rechnerkriege

Ich kam zum Mac wie die Jungfrau zum Kinde: Das Hauptstudium neigte sich dem Ende zu und die Anfertigung der Diplomarbeit mit Hilfe der vorhandenen Schreibmaschine kam nicht in Frage. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich mich für Computer nie interessiert: Die Nerds waren damals wirklich noch blasse, pickelige Gestalten, die seitenlange Code-Listings aus irgendwelchen Zeitschriften abtippten. Man spielte gerne mal eine Runde am Rechner (Zum Beispiel „Switchblade“ auf Thomas‘ Amiga oder SimCity in schwarz-weiß auf Jans 286er) aber damit hatte es sich dann auch. Vom Internet war noch nichts zu sehen und IT-Kompetenz hieß in den meisten Fällen, dass man in der Lage war eine Textverarbeitung wie „Word Perfect“ oder „Ami Pro“ ohne größere Unfälle (=Text weg) zu bedienen. Als ich mich dann zum Rechnerkauf entschloss, waren 486er das Maß aller Dinge, der Pentium erblickte gerade das Licht der Welt, erschien mir aber überdimensioniert und überteuert. Es war deswegen eine merkwürdige Epoche, weil über eine Zeitspanne von wenigen Monaten ein Macintosh der Performa-Baureihe tatsächlich günstiger war als ein gleichwertiger 486DX. So kam es also, dass wir zu viert bei einem kleinen Laden, der inzwischen längst nicht mehr existiert, zu einem vorteilhaften Preis mit Mengenrabatt 4 P475 mit Performa Plus Monitor (grauenhaftes Teil) und Stylewriter II erwarben.

Es kam wie es kommen musste: Bereits nach wenigen Wochen kam ich kaum noch vom Schreibtisch los, dunkle Ringe unter den Augen und eine verärgerte Freundin waren die allseits bekannten unschönen Nebenerscheinungen einer beginnenden Leidenschaft. Hin und wieder besuchte ich sogar die Mac-Abende des lokalen Computerclubs, wo sich gestandene Männer mit Lötkolben-Brandmalen auf den Unterarmen und verhornten Fingerkuppen mit leuchtenden Kinderaugen um neue Festplatten und Laptops scharten und dabei geheimnisvolle Botschaften austauschten, deren tieferer Sinn sich mir erst nach und nach erschloss. Mit dem sich erweiternden Horizont wurde mir dann auch klar, dass ich innerhalb der sich ständig vergrößernden Szene zu einer kleinen Splittergruppe gehörte. Die Apfeljünger waren damals genau wie heute als elitäre, arrogante Sekte mit zu viel Kohle und wenig technischem Verständnis verschrien. Umgekehrt überzogen wir Macianer die Windowsanwender mit beißendem Spott, dies wurde einem durch die erheblichen Unzulänglichkeiten von Windows 3.11 und 95 allerdings auch kolossal erleichtert. Dass der böse Bill Gates seinen Produkten Ideen einverleibte, die er aus unserer Sicht beim Mac abgekupfert hatte (und die zum Teil Apple von Xerox kopiert hatte, aber das nur nebenbei), machte uns zu den Guten, während die „DOSentreiber“ zur dunklen Seite gehörten. Rechnerkrieg eben.

Allerdings wurden mir mit den Jahren einige Illusionen genommen: Einerseits dadurch, dass die PPC-Macs der Baureihen 6100-G4 Quicksilver ihren Pentium-Gegenspielern nicht nur in der Taktung, sondern auch in der gefühlten Arbeitsgeschwindigkeit unterlegen waren, anderseits dadurch dass Windows ab der 98er-Version gewaltig aufholte, so gewaltig, dass in meinem Institut ständig neue PC in Betrieb genommen wurden und die Mac-Fraktion zuletzt nur noch durch mich vertreten wurde. Tatsächlich wissen wir heute, dass Apple damals nur durch eine gewaltige Finanzspritze des Microsoft-Imperiums überlebte. Außerdem lernte ich die folgende fundamentale Regel: Was jemand aus einem Rechner rausholt, liegt zu allererst an seinen grauen Zellen und erst in zweiter Linie an CPU-Modell und Betriebssystem.

Und heute? Die Zeit der Rechnerkriege ist vorbei. Die Bedürfnisse des durchschnittlichen Anwenders werden bereits mit einem preisgünstigen Lowend-Rechner vollkommen abgedeckt. Ob es sich dabei um einen Mac oder einen IBM-kompatiblen handelt, spielt kaum noch eine Rolle. Die Hardware unterscheidet sich im Grunde gar nicht mehr. Auf der Betriebssystem-Seite hat Apple zwar die Nase vorn, dies fällt aber wegen der ständig zunehmenden Bedeutung von Standard-Protokollen und webbasierten Applikationen kaum noch ins Gewicht. Im professionellen Umfeld spielen IBM und Co. die Hauptrolle und Apple wird, nicht zu unrecht, als iPod- und Musikvertreiber belächelt. Mir ist schleierhaft, warum Cupertino nicht mit einem stark verbesserten Gewährleistungs- und Serviceangebot versucht, in diesem Segment zu expandieren, denn hinsichtlich Performance, Stabilität, Skalierbarkeit, Parallelisierung und Virtualisierung brauchen sich die Apfelrechner wahrlich nicht zu verstecken.

Note to self: Mistwetter und schweigende Telefone. Musik: Alkaline Trio, The Cat Empire, Chevelle, Anna Ternheim, Converge.

Wenn der Schutzmann ums Eck kommt…

…nimmt der Ede Reißaus. Soweit alles in Ordnung. Nun nehmen wir einmal an, es geht nicht um Ede, sondern um einen Aktivisten, dessen politische Ausrichtung eher bzw. sehr links ist. Auf der anderen Seite steht auch nicht ein Schutzmann, sondern vermutlich (dazu später mehr) das BKA und die Bundesanwaltschaft.

Es begab sich nämlich, dass die emsigen Beamten gegen den Aktivisten wegen einfacher Brandstiftung und des Verdachts der Zugehörigkeit zu einer terroristischen Vereinigung ermittelten. Der Verdächtige hatte zur falschen Zeit mit den falschen Leuten mobil telefoniert, die Gespräche wurden abgehört. Außerdem verhielt sich der Mann „konspirativ“, was auch immer das heißt. Da verwundert es kaum noch (Das heißt, mich wundert es schon, aber darum geht es hier zunächst mal nicht), dass die Ermittler den PKW des Verdächtigen mit einem Peilsender versahen. Jedoch wurde dieser vom Besitzer des Fahrzeugs alsbald entdeckt und der Redaktion der taz in Hamburg übergeben. Die Redaktion und die Rechtsanwältin des Bespitzelten recherchierten, wem der Sender gehöre, aber niemand meldete Besitzansprüche an – auch kein Wunder. Damit könnte man die Geschichte eigentlich ad acta legen, aber es kam anders:

Ein Jahr später flatterte nämlich dem (immer noch?) Verdächtigen (dem man übrigens auch Auto und Wohnung verwanzt hatte) eine Klageschrift des Kieler Innenministeriums ins Haus. Geklagt wurde (man fasst es nicht) auf Herausgabe des Ortungsgeräts oder ersatzweise auf Zahlung von 2500€. Der Besitzer des Fahrzeugs habe das Gerät „bösgläubig“ ausgebaut, hieß es. Nach wie vor bleibt unklar, an wen der GPS-Sender zurückzugeben ist, denn die eifrige Bundesanwaltschaft wurde inzwischen mittels Bundesgerichtsbeschluss dazu verdonnert, die Untersuchung an die Staatsanwaltschaft Flensburg abzugeben, weil die fraglichen Straftaten (Sachbeschädigung und minderschwere Brandstiftung) die staatliche Ordnung nicht gefährdeten und folglich Ermittlungen aufgrund Paragraph 129a Strafgesetzbuch („Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung“) nicht gerechtfertigt seien. Somit könnte die gesamte Bespitzelung illegal gewesen sein. Das Verfahren ist zur Zeit beim Staatsschutzsenat des Landgerichts Flensburg anhängig.

Es ist ja nun nichts Neues, dass die Bundesanwälte (hier Monika Harms) unbescholtene Bürger mit linker Gesinnung mit einer wahren Flut von Überwachungsmaßnahmen überziehen (Erinnert sich noch jemand an den entsprechenden Bericht von „frontal21“?). 129a StGB wird allzu schnell herangezogen und mit allen Konsequenzen angewandt. Berücksichtigt man die hier beschriebene Posse, kann man denjenigen, die in das Fahndungsraster geraten, nur den Tipp geben, im Zweifelsfalle lieber mal das Auto zu verkaufen, auf keinen Fall selbst Hand anzulegen. Das könnte nämlich teuer werden. Ach ja, passiert ist das Ganze nicht in irgendeiner Bananenrepublik und auch nicht während des deutschen Herbstes, sondern in unserem so genannten Rechtsstaat (zum totlachen) in den Jahren 2007/2008.

Note to self: Jürgen Großmann kann kündigen und bekommt sein Millionengehalt trotzdem weiter – merkt hier überhaupt noch einer was? Musik: Dry Kill Logic, Drowning Pool, Portishead (Spitze, die Neue!)

Schlapphüte und andere Unappetitlichkeiten

Wie sagte schon Otto von Bismarck: „Gesetze sind wie Würste. Man sollte besser nicht dabei sein, wenn sie gemacht werden.“
So ähnlich verhält es sich wohl auch mit der sich im Verborgenen abspielenden Tätigkeit der „Dienste“. Egal ob Verfassungsschutz, MAD oder die Schlapphüte aus Pullach, nützlich sind die durch sie beschafften Information ganz bestimmt (Man denke nur an die mobilen Kampfstofflabore im Irak: Hätte der BND da nicht aufgepasst, hätten wir heute möglicherweise ein paar hunderttausend zivile Opfer weniger), und wie die Informationsbeschaffung nun im Detail abgelaufen ist – geschenkt! Allein die Vorstellung, die Geheimniskrämer würden sich durch Vertreter des Parlaments in irgendeiner Weise kontrollieren oder gar maßregeln lassen, ist aberwitzig. Von einer Bundesbehörde, die bis ins Jahr 1990 ohne jede gesetzliche Grundlage als Nachfolger der „Organisation Gehlen“ vor allem im ehemaligen Ostblock operierte und deren Personal sich noch 1970 zu ca. 30% aus ehemaligen SS-, SD- und Gestapoangehörigen zusammensetzte, ist wohl auch nichts anderes zu erwarten.

In letzter Zeit wird nun besonders Unappetitliches zu Tage gefördert. Deutsche Journalisten, Beschäftigte des ÖRR, Minister befreundeter Regierungen wurden anscheinend bespitzelt, ihre Telefone abgehört. Leider konnte man sich bislang nur darauf einigen, ein paar Bauern zu opfern, der Chef der Spione darf weiterhin schalten und walten. Diese Ungeheuerlichkeiten haben möglicherweise mit Einigkeit zu tun, mit Recht aber ganz bestimmt nicht und schon gar nicht mit Freiheit. Dabei hatten wir doch gerade erst die widerwärtigen Verstrickungen der BND-Agenten in die Folterverhöre und Verschleppungen der US-amerikanischen CIA mühsam verdrängt und den Spruch vom Zweck und den Mitteln herauf und herunter gebetet. Hellauf begeistert waren wir vom Ermittlungserfolg gegen die islamistischen Wasserstoffperoxid-Dilettanten, denen das BKA mit Unterstützung anderer „Sicherheitsbehörden“ im September des letzten Jahres das Handwerk gelegt hatte. So ist es eben: Liegt die Wurst erst auf dem Teller, lassen wir sie uns auch schmecken. Von Separatorenfleisch will dann keiner mehr etwas wissen. Guten Hunger!

Note to self: Großeinsatz am Gelbsacktag. Musik: Prong, Entombed.

Nur nach vorn…

So, die erste heftige Enttäuschung ist überwunden. Zwar schmerzt der Hals immer noch gehörig, aber das Fieber ist weg und die aufmunternden Reaktionen per Email und Telefon haben die Frustration ein wenig gelindert. Schönen Dank dafür – ihr seid spitze!

Inzwischen ist Torsten zurück aus dem Reich der Mitte und hat natürlich viel Interessantes zu erzählen. Zum Glück hat er nicht die ganze Zeit nur schuften müssen, so dass er auch einige touristische Erfahrungen machen konnte. Die Fotos sind jedenfalls ziemlich beeindruckend, einerseits wegen dem enormen Smog über der chinesischen Hauptstadt, andererseits wegen der unglaublichen städtebaulichen Dynamik, die man erahnen kann. Ödlis Berichte (besonders von penetranten Straßenhändlern, schwächelnden Messe-Hilfsarbeitern, allgegenwärtigen Sicherheitskräften und den Fahrkünsten von Bus- und Taxichauffeuren) sind jedenfalls eine kurzweilige Angelegenheit.

Ich habe die deprimierten Stunden, besonders am Sonntagabend, genutzt, um meinen Mp3-Streaming Server zu renovieren. Wer sich also im Applecrest auskennt und das entsprechende Kennwort hat, sollte sich mal dort umschauen. Es sind einige Titel dazugekommen. Viel Spaß dabei.

Note to self: Die Chinesen boykottieren Carrefour, allmählich wird es aberwitzig! Musik: Opeth, Primus.

What a shame!

Da sitze ich nun: Draußen ist endlich mal Frühling, hier drinnen Erkältung. Das Konzert heute Abend, auf das ich mich so gefreut habe, ist abgesagt.

Gestern morgen gings los, mit einem leichten Kratzen im Hals. Na gut, dachte ich mir, alles Psychologie, mach‘ dich nicht verrückt. Kräutertees getrunken und gegurgelt, Hustenbonbons gelutscht, warm eingepackt, Schal um den Hals, keine Kippen, auf die Couch, Brust und Rücken eingeschmiert, hat alles nix genützt. Abends lief die Nase, Kopfschmerzen, Nasennebenhöhlen und Stirnhöhle dicht. Ich bringe nur ein heiseres Krächzen heraus. An Singen ist nicht zu denken. Dazu der Megafrust und die schwindende Hoffnung, der Nachtschlaf möge Wunder wirken. Hat er nicht. Desolat gehts. Heute morgen dann die Kollegen verständigt, Emails geschrieben, Rundruf, Webseite angepasst. Es ist einfach zum Heulen. Manchmal kriegt man vom Schicksal mitten in die Fresse und heute ist so ein Tag für mich.

Note to self: Es gibt keine Gerechtigkeit. Musik: keine.

Im Globalen Dorf

Man macht sich als Blogger und Betreiber einer privaten, persönlichen Webseite ja schon so seine Gedanken: Wer liest den Kram überhaupt? Wie verhält es sich mit der eigenen „Gläsernheit“? Sollte man den ganzen Kram nicht einstampfen und lieber eine unverfängliche Seite zu solch weltbewegenden Themen wie diesem hier ins Netz stellen?

Hin und wieder gibt es aber dann doch Momente, die einem warm ums Herz werden lassen. Dann fühlt man sich tatsächlich als Bürger des globalen Internetdorfs:

Note to self: Ramsch mit 4 Bauern gewonnen: Premiere! Musik: Entombed, Ensiferum, AFI.

Auf gepackten Koffern

So, die Generalprobe haben wir hinter uns und können feststellen, dass die Verdoppelung der Übungseinheiten in den letzten beiden Wochen durchaus Früchte getragen hat. Nachdem wir gestern das Set in Rekordzeit durch hatten, haben wir uns daran gemacht unser Equipment für den Transport zusammenzustellen.

Die Anordnung des Gesamtkrempels auf der viel zu kleinen Bühne im Rover gibt uns noch Rätsel auf. Das liegt einerseits an den gewaltigen Ausmaßen von Dieters Kiste, aber auch daran, dass die Gitarreros nunmehr jeweils zwei fette Boxen (3 Marshalls und ein Engl, guter Titel für einen Western, wie?) an den Start bringen (Man würde sie sonst nicht hören bzw. sie würden sich sonst nicht hören. Beim Antesten hat Dirk mir vorgestern fast das Trommelfell rausgeblasen.). Abgesehen von daraus resultierenden logistischen Problemen (Wer bringt den 7,5-Tonner mit?), schwebenden Damoklesschwertern (Wird die Schraube an der Fußmaschine durchhalten? Wieviele der -gründlich getesteten- Kabel geben diesmal den Geist auf?) und der generellen Frage des zumutbaren Grades der Schlüpfrigkeit der Ansagen (Ja die Pädagogen habens schon schwer!) sind wir somit ready, willing and able.

Note to self: Nie wieder die ID3-Tags in V2.4 konvertieren, nie wieder! Musik: Incubus, Kreator, Isis.

Böse Mucke

Als ich begann mich wirklich für Musik zu interessieren, war das wahrlich nicht die beste Zeit für solch ein Unterfangen. Es waren die 80’er: Man hörte Sendungen wie „Schlagerrallye“ oder „Mal Sondocks Hitparade“; dort wurde damals vor allem Betroffenheitsmusik (BAP, Hans Hartz, Gänsehaut) gespielt, außerdem die Unsäglichkeiten der Neuen Deutschen Welle. Synthiepop war groß in Mode, mir ging er auf den Senkel, wer so was hörte war ein Popper und mit Poppern wollte man nichts zu tun haben. Zum Punk reichte es andererseits auch nicht, so blieb das übrig, was ich für ehrliche (schauder) handgemachte Rockmusik hielt: Queen, Bruce Springsteen, Bryan Adams (ja es ist schrecklich). Und dann war da noch dieses komische Zeugs namens „Heavy Metal“. Zu jener Zeit vor allem „Hair Spray Metal“ (Europe, Bon Jovi, Poison). Die Anhänger dieses „Lärms“ fuhren 80’er, trugen Jeanskutten und machten auf Parties komische Kopfbewegungen, die nicht gesund sein konnten. Also nix für mich.

Aber wenig später war ich dann so weit. Erst Whitesnake, Van Halen, Scorpions (aller Anfang ist schwer), dazu die Klassiker wie Deep Purple und Led Zeppelin. Von Black Sabbath ließ ich die Finger, erstens wegen des Namens, zweitens weil es hieß, dass satanische Nachrichten hörbar wurden, sobald man die Platten rückwärts laufen ließ. Tja, irgendwann bekam ich das Album „Master of Puppets“ von Metallica zu hören (In Schniedels rotem Derby mit Drehzahlmesser). Spätestens mit dieser Scheibe war die Sache für mich gelaufen, hunderttausend Anderen ging es genauso. Aus einer Subkultur wurde Mainstream.

Natürlich kann man nicht ständig Songs über reitende Leichen und Kettensägenmassaker hören. Ich mag Klassik (vor allem die späten Romantiker) und Jazz (besonders den chilligen Kram) ohne Kenner der jeweiligen Szenen zu sein, kann mich für die Größen des Progressive und Psychodelic Rock immer noch begeistern, verehre Avantgardisten wie Zappa und Waits und habe im Bereich Punk und Hardcore so manches nachgeholt. Ich kann mit Genuss ganze Abende mit Eels, Yo La Tengo, Modest Mouse, Muse und Nada Surf verbringen. Funk, Stoner, Industrial, Drum’N Bass, Ambient, Lounge, hin und wieder auch Emo, Shoegazing, Postpunk: kann man sich alles anhören: varietas delectat. Aber Schwermetal ist nach wie vor Nummer 1, von den NWoBHM-Klassikern über Thrash-, Death-, Prog-, bis hin zu Blackmetal (auch wenn er einsam macht). Dazu gerne eine Prise Screamo, Metal-, Grind- und Mathcore. Hauptsache es knackt.

Ein bisschen Selbstironie muss sein ;-). Möglicherweise ist Metal Musik für alte Männer mit Bauch und schütterem Haar oder Möchtegernmachos mit Minderwertigkeitskomplexen, das ficht mich nicht an. Wer sich über die Stereotypen und das Posing der Metaller lustig macht, sollte sich diese Vollpfosten hier geben: Darum höre ich Metal.

Note to self: Die 200 reichsten Menschen besitzen so viel Kohle, wie über 40% der Ärmsten der Welt. Wann fliegt uns der Laden um die Ohren? Musik: Children of Bodom, Mors Principium Est, Agoraphobic Nosebleed und natürlich Slayer!

The Story of Stuff

Eigentlich ist die Geschichte ganz einfach. Ich meine die Geschichte des ganzen Krempels der produziert, verkauft, verbraucht und schließlich entsorgt wird. Um diese verdammt traurige Geschichte zu erzählen braucht Annie Leonard etwas länger als 20 Minuten. Es sind 20 Minuten in denen in aller Eindringlichkeit gezeigt wird, wie zynisch und blödsinnig unsere Konsumgesellschaft wirklich ist.

Ich möchte alle Leser dieses Blogs einladen, diese 20 Minuten und 40 Sekunden zu investieren. Alles was uns Annie erzählt wissen wir eigentlich schon. Manches erscheint nicht nur auf den ersten Blick zu stark simplifiziert und der Vortragsstil ist sicher sehr stark auf den amerikanischen Zuschauer „Joe Sixpack“ zugeschnitten. Und auch wenn am Ende des Films darauf hingewiesen wird, dass die kritisierten Zustände nicht naturgegeben sind und damit von uns selbst verändert werden können, fällt der Glaube daran jedem durchschnittlich begabten Misanthropen, und zu dieser Gattung zähle ich mich auch, ziemlich schwer. Aber vielleicht hilft uns „The Story of Stuff“ dabei, hin und wieder einen winzig kleinen Schritt in die richtige Richtung zu machen. Das wäre doch schon mal was.

Note to self: Auswärtssieg, ein bisschen spät. Musik: Earth Flight, Marazene, Georg Danzer.