Tricky Dick, dirty Hartmut, Fritz the cat

Mit Erstaunen, Schadenfreude und ohne jedes Mitleid nehme ich die Abgänge der vergangenen Tage zur Kenntnis. Krokodilstränen, Uneinsichtigkeit, verletzter Stolz, Realitätsverlust, alles war dabei, aber jetzt mal systematisch:

Da haben wir zunächst den freiwillig aufgegeben habenden Kölner Oberbürgermeister Fritz Schramma, der über sein miserables Krisenmanagement in Sachen „Severinsloch“ gestolpert ist. Man kann ihn schon verstehen, den alten Fritz, der es in der Vergangenheit so gut verstand allen Vorwürfen Richtung Mauschelei, Klüngel, Korruption katzengleich auzuweichen. Nein das wäre kein lustiger Wahlkampf gewesen mit den gegen ihn gerichteten Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wegen mutmaßlicher „Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes“ im Kreuz, von anderen Ermittlungsverfahren im Zusammenhang mit dem Einsturz des Stadtarchivs ganz zu schweigen. Ich frage mich schon, wie ein altgedienter Stratege solche Anfängerfehler machen kann: Interne Sitzungen mitschneiden? Das kommt raus Fritz, das kommt raus! Behaupten, man habe Protokolle bestimmter Baustellenbesprechungen nicht erhalten? Das geht schon in die Richtung „Mein Hund hat die Hausaufgaben gefressen“. Letzten Endes konnte auch der bauerngeopferte Baudezernent nichts mehr retten. Lustig war übrigens die Begründung für den Verzicht auf die erneute Kandidatur: Die Katastrophe würde im Wahlkampf instrumentalisiert werden. Mensch Fritz, was denn sonst? Wenn die Mitbewerber himmelschreiende Schlamperei, Schlingerkurs und offensichtliche Pflichtverletzungen nicht kritisieren dürften, dann könnte man sich den Wahlkampf gleich sparen und an dessen Stelle ein öffentliches Wattebällchenwerfen veranstalten.

Der nächste gefallene Engel ist Rick Wagoner, der ehemalige Obermacker bei General Motors. Bei dem fragt man sich nun wieder, wie er sich überhaupt so lange halten konnte. Die Probleme bei GM sind seit Jahren Legion, auch ohne die internationale Finanz- und Wirtschaftskrise wäre der Konzern vor die Wand gefahren. Wenn man Wagoner in den vergangenen Wochen im Fernsehen sah, dann kam er mehr und mehr wie ein Außerirdischer rüber. Besonders bei der Befragung anlässlich der Bettelei im Kongress wirkte er peinlich irritiert, wie auf Tranquilizern. So und nur so konnte es passieren, dass ihm seitens der US-Regierung der Rücktritt auch noch ausdrücklich nahegelegt werden musste. Wäre das nicht der Fall gewesen, hätte „Tricky Dick“ noch ein paar Monate weiter rumgepfuscht. Ob das Unternehmen noch zu retten ist? Ich habe da erhebliche Zweifel. Man wird es versuchen müssen, aber wahrscheinlich ist der Entwicklungsvorsprung der Konkurrenz auch in Jahren nicht aufzuholen.

So und nun zu dem lieben Hartmut. Ich hätte jede Wette angeboten, dass er mindestens bis zur Bundestagswahl durchhält, die Neubesetzung des Postens dürfte die große Koalition aufs äußerste belasten: Tiefensee darf vorschlagen, die Union will aber natürlich bestimmt keinen SPD-Mann. Mit dem von Schröder installierten Mehdorn konnte man leben, der war bei so Vielen ohnehin so dermaßen unten durch, das ging schon Richtung Narrenfreiheit. Dabei ging es einerseits um seinen hemdsärmeligen Stil, seine Scheuklappenmentalität und zum Schluss um offensichtliche Rechtsbeugung mit dem Ziel, die eigene Position im Unternehmen zu stärken und den Gegnern in den eigenen Reihen das Wasser abzugraben. Dass Mehdorn Vorverurteilungen und Spekulationen beklagt und diese als Grund für seine Entscheidung nennt, ist der Treppenwitz überhaupt. Wahrscheinlich ist es eher so gewesen: Er hat mit seinen Rechtsanwälten gesprochen und die haben ihm klar gemacht, dass die Luft jetzt verdammt dünn geworden ist. OK, andererseits war Mehdorn immer auch eine Zielscheibe für die Gegner der Bahnprivatisierung, und diese Kritik war oft genug unter der Gürtellinie. Dabei wurde verkannt, dass dieses Unterfangen von Seiten der Politik vorgegeben wurde. Mehdorn traf eben nur die Entscheidungen, die ihm zur Umsetzung dieser Vorgabe angezeigt schienen: Rückzug aus der Fläche, Vernachlässigung des Schienennetzes, prestigeträchtige Flottenumbauten und Bauvorhaben, Verteuerung der Tickets, Einsparungen beim Service. Ansonsten wurde alles dafür getan, die gigantische Enteignung von Volksvermögen zugunsten der neuen Anteilseigner still und heimlich durchzuziehen, das war der eigentliche Skandal. Hätte ja auch beinahe geklappt, aber zum Glück nur beinahe.

Note to self: Kein Frühjahr ohne Frühjahrsputz? Musik: Joni Mitchell, Team Sleep, Isis.

Cobekater

Die Überbleibsel des gestrigen Abends: Zwei völlig durchweichte Schuhe, ein Loch von 3 Uhr bis ca. 5, ein leichtes Brummen im Schädel und die neue CD von Cobe. So geht ein Kapitel in kaiserstädtischen Musikgeschichte zu Ende. Ich wünsche den Kosmischen, dass sie ganz schnell einen neuen Gitarrero an Land ziehen und uns, dass wir auf die nächste Scheibe nicht zu lange warten müssen. Material ist ja genügend vorhanden.

Note to self: Schade Kati, verdammt schade. Musik: Cobe

Aachens finest

Leute, ich mache es kurz: Kauft euch diese Platte, oder hört euch zumindest dieses Material an. Ist das nicht wonnig? Mein lieber Scholli, was für eine Band und was für ein geiles Konzert gestern Abend (Ich weiß, ich wiederhole mich, egal).

Note to self: Unzugehörig, wegbleiben. Musik: Parajubu.

Schuldig

Der letzte Beitrag („parteien sind wenn man trotzdem lacht“) in der „Flusslandschaft“ gibt mir zu denken. Gut, bei den dort versammelten Übeln verhält es sich eben so, wie bei allen anderen Widrigkeiten auch: Es muss immer jemand schuld sein, sonst fehlt uns was. Ob man in den genannten Fällen wirklich den politischen Parteien den Schwarzen Peter zuschieben kann, so wie der Autor dies in der Überschrift andeutet, das sollte man freilich kritisch beleuchten. Arbeiten wir die Punkte mal der Reihe nach ab:

Angeblicher Frühling/Erkältungskrankheiten: Vordergründig scheint hier die vermaledeite Neigung der Erdrotationsachse, sowie die Verschlagenheit gewisser Halblebewesen mit Minimalgenom verantwortlich zu sein. Tatsächlich handelt es sich aber jeweils um ein Verteilungs- bzw. Verdrängungsproblem: 1.) Hätte der moderne Mensch die nördlichen Gefilde den eiszeitlichen Großwildjägern mit den beeindruckenden Überaugenwülsten überlassen, dann könnten wir uns ganzjährig die Sonne auf den gut pigmentierten Bauch scheinen lassen. 2.) Bei den fiesen Erregern verhält es sich genau umgekehrt, müssen wir ihnen doch attestieren, dass uns ihre lästige Anwesenheit zumindest vorübergehend zu einer gesünderen Lebensweise (frühes Schlafengehen, Alkohol- und Nikotinverzicht, vitaminreiche Kost) zwingt und das Besteck unserer Immunabwehr fortwährend scharf hält. Unserem Sitznachbarn in der Regionalbahn, der schniefend und hustend zur Verbreitung der drolligen kleinen Kerle beiträgt, müssen wir folglich dankbar sein. Schuldig in diesem Anklagepunkt: Nicht die vornehmsten Organe der politischen Willensbildung, sondern ich, du, wir alle und die Altvorderen.

Grußaugust Horst: Man ist geneigt der Bundesversammlung die Schuld zu geben. Tatsächlich sind aber Johannes Rau und Roman Herzog verantwortlich, die die unselige Tradition der präsidialen Ruck- und Grundsatzreden begründeten. Hätten sie sich auf die alljährlich wiederkehrende Begrüßung von exotischen Botschaftern in bunten Burnussen und die Ausrichtung eines Gartenfestes beschränkt, wie ihre Vorgänger dies im wesentlichen taten, dann bliebe uns die rhetorische Blässe der Köhlerschen Ausflüsse erspart. Von einer Schuld der Parteien kann somit gar keine Rede sein

Das Kölner Loch: Nicht die KVB, nicht der OB, nicht der Baudezernent, schon gar nicht die Parteien im Stadtrat sind die Bösen, sondern die Eiszeiten, die zur Kumulation kohäsionsloser Lockersedimente im Kölner Untergrund führten. Da in der Domstadt Bau- und Buddelvorhaben stets mit besonders großer Entschlossenheit, sozusagen „wie geschmiert“, durchgeführt werden, konnte man auf die geringen Haltekräfte im zum hydraulischen Grundbruch neigenden Korngerüst keine Rücksicht nehmen. Scharf rügen muss man außerdem diejenigen, die ausschließlich das abgepumpte Wasser verantwortlich machen wollen, denn merke: „Dat Wasser vun Kölle es jot.“ Punkt. Übrigens ist völlig klar, wer die Teilschuld für die fluidinduzierten Feststoffbewegungen übernehmen muss: Malin wars!

Termin der Kommunalwahlen in NRW: Ich hätte ja nun, naiv wie ich bin, erwartet, dass die Zugehörigkeit zum Landesverfassungsgericht und die Mitgliedschaft in einer Partei sich gegenseitig ausschließen. Trotzdem sollte man die Bedeutung dieser Normenkontrollklage nicht zu hoch hängen. Egal wann in NRW gewählt wird: Ich bin überzeugt davon, dass unser Bundesverteidigungsminister (genau: Der, dem man immer anmerkt, dass er den Kotzbrockenjob abbekommen hat) im Bedarfsfall rechtzeitig diverse mit Silberiodid bestückte Fliegerstaffeln in die Lufträume der im Westen liegenden Verbündeten entsenden wird, um damit für Sonnenschein zu sorgen. Jeder weiß, dass die Sozen dann ins Freibad bzw. Kaffeetrinken fahren und nicht zur Wahl gehen, also was solls.

Fazit: Die üblen Launen der Natur und die versammelten inneren Schweinehunde sind es hauptsächlich, die uns zusetzen. Dagegen wird die Bedeutung der Parteien für politische und sonstige Fehlentwicklungen und Katastrophen häufig überschätzt. Im Gegenteil: die so lang aufgeschobene prozentuale (!) Rentenerhöhung, die segensreiche Abwrackerweiterung, die so ungemein wirkungsvolle KiPo-Sperrung, das ausgezeichnete Klima in der großen Koalition, der von allen Oppositionsparteien gemeinsam (!) beschlossene U-Ausschuss zur HRE, läuft doch super bei uns!

Note to self: iTunes-Bibliothek doch gesichert (?), mit feuchten Fingern. Musik: Anacrusis, Obscura, Strapping Young Lad.

Gerettet vom Stachelschweinbaum

Man freut sich natürlich zunächst mal, wenn der Bus halbwegs pünktlich kommt. Besonders wenn man in der vermutlichen Mitte der Walachei im Windschatten einer wackeligen Bretterbude bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt in sturmgepeitschtem Schneeregen ausgeharrt hat. Doch drinnen erwartet mich die Hölle. Die Hölle besteht aus knapp 40 pubertierenden Schulkindern, die kreischend, nölend, Klingelton vergleichend das Gefährt in Beschlag genommen haben. Merkwürdige Buchstabenkombinationen, von Herzformen umrahmt, werden an die beschlagenen Fensterscheiben gemalt. Ein Turnbeutel fliegt hin und her. Allgemeines Gegacker, während der Besitzer des Beutels, ein zu kurz geratener blasser Rotschopf mit Glasbausteinbrille hinter dem Flugobjekt her hechtet. Das kommt mir alles verdammt bekannt vor. Mobbing ist nichts Neues, denke ich mir.

Ich versuche meinen Frieden mit ihnen zu machen. Es ist schließlich irgendwie ihr Bus, ich bin nur Gelegenheitsgast, vom schlechten Wetter an der Zweiradbenutzung gehindert. Aber es will mir nicht gelingen. Es nervt. Nach 10 Minuten nervt es bereits gewaltig. Der Fahrer muss ein Stoiker sein, nur wenn ein Mobiltelefon auf laute Musikwiedergabe geschaltet wird, gibt es eine Durchsage von vorn.

Beim Einsteigen wurde ich noch angewiesen, meinen MP3-Player auszuschalten. Natürlich habe ich gehorcht. Die Sinnhaftigkeit des Gebots scheint mir aber nun, da hinten abzählreimartige Spottgesänge zu Gehör gebracht und vorne Variationen des immer gleichen überhaupt nicht komischen Witzes erzählt werden, gegen Null zu gehen. Ich schaue auf die Uhr. Noch eine gute halbe Stunde. Nee, sorry: Stöpsel in die Ohren, bis zum Anschlag aufgedreht: „Hair blown in an open car…“ Augen zu. Alles ist gut.

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Note to self: Hoffrichter, meine Scharfrichterin. Fingers crossed. Musik: Porcupine Tree.

Stück für Stück weiter weg

Man denkt, man kennt sich. Nach über 10 Jahren, nach so vielen gemeinsamen Abenden im Bunker. Man hatte zwar schon manchmal Magengrummeln in letzter Zeit, aber man ging davon aus, es würde sich schon alles wieder einrenken.

Keine Aussprache, keine Argumente, nicht mal ein Streit. Vollendete Tatsachen. Einfach so. Eine Mail aus fast heiterem Himmel. Und wahrscheinlich kommst Du auch noch damit durch. „Verdammt schade“ reicht da nicht. „Verdammter Sturkopf“ kommt schon eher hin.

Leuchtturmwärter, das wäre wohl Dein Traumberuf. Die Schaumfetzen der großen Brecher, das wäre alles, was Dich noch träfe. Da machst Du es Dir ganz schön einfach. Die Webseite bleibt erst mal unangetastet, mein Bester, erst will ich Dir ins Gesicht sehen.

Note to self: Jaja, Krüge und Brunnen, ich weiß. Musik: Mr. Bungle, Wolves In The Throne Room, The Stooges, State Radio.

Was Fröhliches

Nö. Nix Winnenden. Immerhin gab es heute mal einen halben Tag SPON ohne eben jenes Amokkaff, jetzt stehen die Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung gegen den waffengeilen Vater ganz oben auf der Seite (4800 Schuss Munition zu Hause? Einsperren, Gummizelle, aber ganz schnell!). Mir geht es so ähnlich wie dem Blogghead, der in seinem letzten Beitrag die sehr ausführliche Berichterstattung zum großen Einsturz in Köln beleuchtete, oder wie Asterix mit Alesia. Ich will gar nicht mehr wissen, wo dieses Winnenden eigentlich liegt bzw. was sich dort ereignet hat. Erst recht will ich nichts von Killerspielen, Schützenvereinen, Waffenbesitzkarten, Kampfanzügen, heroischen Ersthelfern, ambulanten Therapieversuchen hören. Ehrlich, es reicht mir. Ein soziopathisches Arschloch ist gründlich ausgeflippt. Verdammt bitter und sehr tragisch, sicher. Aber mehr ist dazu auch nicht zu sagen. So.

Mir ist heute nach etwas Fröhlichem. Ein bisschen Hoeneß-Bashing vielleicht? Der Uli hat sich doch tatsächlich zu der Forderung verstiegen, jeder deutsche Haushalt solle die Vereine der Bundesliga mit einem Sonderzuschlag zur GEZ-Gebühr fördern, sonst gerate der deutsche Fussball gegenüber den Engländern, Spaniern und Italienern ins Hintertreffen. Reife Leistung Uli! Man könnte jetzt natürlich anführen, dass die Mehrzahl der Spitzenvereine in den genannten Ländern so dermaßen verschuldet ist, dass sie in Deutschland überhaupt keine Lizenz für den Spielbetrieb bekämen. Man könnte sich fragen, ob Otto Zuwenigverdiener nicht tatsächlich den Gürtel noch ein bisschen enger schnallen muss, damit sich die Nobelkicker nicht mit einem Ferrari, einem Penthouse, einer Yacht bescheiden müssen. Ein Sieg in der Champions-League macht doch auch satt, nicht wahr. Sicher ist es an der Zeit das alte „panem et circenses“-Missverständnis zu beseitigen: „panem aut circenses“ muss es richtig heißen: Brot oder Spiele, beides geht nicht. Ach Ulli, schau Dir einfach an, was deine millionenschwere Gurkentruppe in dieser Saison für einen Käse zusammengespielt hat, und wisse: Beim Fussball ist das Ganze mehr als die Summe der Teile: Zusammenhalt, harte Trainingsarbeit, Motivation, all das kann man nicht kaufen. Zum Glück.

OK. Klappt irgendwie heute nicht so ganz, das Fröhliche. Ich versuche es mal so:

[youtube http://www.youtube.com/watch?v=XAg5KjnAhuU&hl=de&fs=1]

Note to self: Lässt mich die Alte doch tatsächlich noch mal zurückschlurfen. Ungenügend. Musik: Batillus, The Arcade Fire, Behemoth, Kodiak, Salome.

How to: Stoner-Doom

Also, wie geht eigentlich Stoner-Doom? Da stellen mer uns mal janz dumm. Zunächst besorgen wir uns eine handelsübliche Elektrogitarre. Die stimmen wir tief – richtig tief. Nicht 410 Hz a la Death Metal, sondern viel tiefer. So tief, dass die Saiten gut sichtbar beim Anschlagen schlackern. Den zugehörigen Gitarrenverstärker stellen wir so ein, dass sämtliche Höhen verschwinden und dafür bloßer Schalldruck übrig bleibt. Genau so verfahren wir mit der Bassgitarre (!). Das Schlagzeug muss ebenfalls angepasst werden: Snare, Crash und Hihat können wir von der Stange nehmen. Floortoms normaler Größe ersetzen die Standardtoms. Dann brauchen wir noch eine Standard-Bassdrum, die wir als Floortom verwenden und eine Bassdrum, die so groß ist, dass eine vierköpfige Familie darin baden könnte, wenn man ein Fell abnimmt. Ähnlich groß ist das Ride-Becken. Fertig ist die Kiste.

Der Kaffeekonsum wird für mindestens zwei Wochen auf Null runtergefahren. Bevor wir mit dem Spielen beginnen, sprechen wir gemeinsam unsere Mantren: „In der Ruhe liegt die Kraft.“ „Eile mit Weile.“ „Wer sich zuerst bewegt, hat verloren.“ Dann geht es los: Akkorde bleiben stets wie Säulen stehen. Einfache Muster sind gefragt und werden mindestens 10 mal wiederholt. Zwei Grundtöne pro Stück reichen locker aus und ein Stück dauert durchschnittlich 8 Minuten. Gesungen wird selten. Entweder werden ohne jeden Impetus halb-atonale Silbenrätsel oder gutturale Krächzereien, angereichert mit möglichst vielen Halleffekten, vorgetragen. Das Tempo ist variabel: Lahm, extrem lahm und extra lahm. Innerhalb eines Stückes wird es gerne mal verschleppt, für einen Break zwischendurch kurz angezogen und dann wieder in wabernde Rhythmusrudimente aufgelöst. Klappt ja schon ganz gut!

Irgendwie ist diese Musik die Antwort auf hektisches Geknüppel a la Cryptopsy, Nile & Co. Da es trotz Drum-Trigger und drohender Sehnenscheidenentzündung nicht mehr schneller geht, feierte man mit Doom, Sludge und Stoner-Doom die Neuentdeckung der Langsamkeit. Der Kram wird immer populärer. Gestern im La Zone in Lüttich gab es eine extragroße Portion:

LaZone

Von Mary Bell bekamen wir leider nur noch die letzten 3 Stücke mit (Kein Wunder, wenn man halb Aachen erst mal in ganz Aachen einsammeln muss. Räusper). Mir fiel nur auf, dass es nicht ganz so vorteilhaft ist, wenn man als Frontmann einer Sludgeformation mit College-Pullöverchen und blonder Bürste aufläuft. Da kann man noch so sehr dem Publikum den Rücken zukehren, alle zwei Minuten auf die Bühne rotzen (und ich meine wirklich rotzen), gleichzeitig schreien, rauchen und Jupiler aus Dosen trinken. Kommt einfach nicht rüber. Außerdem wars viel zu leise. Ansonsten war die Mucke schon OK und der Gitarrist hatte einen sehr schönen Bart.

Die Show von Toner Low begann mit allerlei psychodelischen Projektionen, ebensolchen Samples, und damit, dass der Schlagzeuger in aller Ausführlichkeit das Aufsetzen seiner Pilotensonnenbrille zelebrierte. Sodann kauerte er sich mit hängenden Schultern hinter seine Kiste, senkte den Kopf wie ein bußfertiger Mönch und verharrte eine gefühlte halbe Stunde in dieser Position. Irgendwann hob er unvermittelt die Stöcke und ein unglaubliches Brausen hob an. Ehrlich: So einen Schalldruck habe ich noch nie mitbekommen, sogar die Bartstoppeln wippten. Normalerweise brauche ich bei Doom & Co immer ein paar Minuten, bis ich mich reingeswingt habe. Gestern ging es instantmäßig sofort los. Einfach klasse, auch wenn ich mir solche Musik zu Hause nur selten geben kann. Aber live glich die Performance einer unheiligen Messe: Die Stücke gingen ineinander über, zäher wummernder Brei ward ausgegeben und cooler als die drei Musiker kann man sich nicht geben. Apropos Musiker: Die Bassistin war wahrscheinlich das Aufregendste, was je im La Zone auf der Bühne gestanden hat, und alle, wirklich alle Männer im Publikum verliebten sich sofort. Hach ja.

Note to self: Sonntag ohne Morgen. Musik: Toner Low

F*** U Funke!

Beim Verfolgen der Bundestagsdebatte zum HRE-Enteignungsgesetz wurde eines ziemlich schnell klar: Der Zersetzungsprozess unserer Gesellschaft tritt angesichts der globalen Bankrotterklärung des Casinokapitalismus in die entscheidende Phase ein. Oskar und Gregor versuchten nach Kräften, den Begriff „Populist“ mit Leben zu füllen: In der Sache richtig, in Argumentation, Wortwahl und Lautstärke aber unter aller Sau. Die fast schon abgehalfterten Koalitionisten wirkten durchgehend bemüht aber träge. Solms und Brüderle von der unsäglichen Pünktchenpartei ohne Pünktchen schwebten auf Wolke 17 und trugen bodenhaftungslos ihr wohlbekanntes marktliberales Scheuklappengewäsch vor: Man kann es nicht mehr hören, aber das ficht die Herren überhaupt nicht an, wissen sie doch einen immer höheren Prozentsatz der Absahner und Ellenbogenmenschen hinter sich. Aber zur Sache:

Wie enteignet man etwas, das tatsächlich wertlos ist? Wo wäre der Kurswert der HRE-Aktie, wenn der Staat nicht mit roundabout 100MRD gebürgt hätte? Welchen Erlös würden die Aktionäre bei einer Insolvenz des Geldinstituts erzielen? Eben. Die gesamte Diskussion ist überflüssig wie ein Kropf und die Argumente der Marktradikalen könnten fadenscheiniger und doppelbödiger nicht sein. Trotzdem macht unser Bundesfinanzminister bei dieser Sache keine glückliche Figur. Es darf schon gefragt werden, warum man so lange unentschlossen hin und her lavierte, das unfähige und verlogene Management nicht viel früher der strafrechtlichen Verfolgung ausgesetzt hat und vor allem die Schieflage der Bank genau einen Tag nach dem Ablauf der Verjährungsfrist für Schadensersatzansprüche gegen das Vorgängerinstitut Hypovereinsbank publik machte. Man muss annehmen, dass Steinbrück diese Ungeheuerlichkeit mit Absicht eingefädelt hat, er hat am Kabinettstisch nichts mehr verloren, sein Vorgehen ist ein Skandal.

In vielen Staaten, genannt seien die Vereinigten Staaten und das Vereinigte Königreich, wurde um die Teilverstaatlichung von Pleitebanken kein großes Aufhebens gemacht. Mit gesundem Pragmatismus tat man dort das Notwendige, um Schlimmeres zu verhindern. Solche bauernschlaue Vernunftlösungen scheinen wir in Deutschland nicht hinzukriegen. Stattdessen wird das DDR-Kärtchen gespielt, es wird sich entrüstet aufgeplustert. Das Absonderliche ist nur, dass man damit auch noch durch kommt: Die FDP legt zu, der Wirtschaftsflügel der Union windet sich. Der neue Star der Regierung, der ahnungslose Herr von und zu, windet sich noch viel mehr. Was für ein widerliches Kasperletheater!

Zum Schluss noch ein paar Bemerkungen zu Funke (klar!). Die Unverfrorenheit, mit der der für das HRE-Desaster Hauptverantwortliche auf seinen Gehaltsforderungen besteht, ist ein ausgezeichneter Indikator für die amoralische zynische Geisteshaltung seiner Kaste. Tatsächlich gehört dieser Mann wegen Untreue ein paar Jahre wegesperrt und für den entstandenen Schaden haftbar gemacht. Reicht das? Eigentlich nicht. In einem kürzlich veröffentlichten Interview sagte ein britischer Wirtschaftsjournalist sinngemäß, man sollte vielleicht zu einem mittelalterlichen Brauch zurückkehren und jede Woche den abgetrennten Kopf eines Pleitebankers auf der London-Bridge zur Schau stellen. Das würde zwar die Konsequenzen ihres schändlichen Tuns nicht abmildern, aber trotzdem für ein schönes warmes Bauchgefühl sorgen. Der Mann hat recht, irgendwie.

Note to self: Stoner-Rock im „La Zone“? Ja, bitte. Musik: A Perfect Circle, Queens Of The Stoneage, Pantera, Opeth.

Geknechtet von Rechenknechten

Computer sind etwas Wunderbares. Wenn sie funktionieren. Wenn sie nicht funktionieren verursachen sie Kopfschmerzen, Aggressionen, ein Gefühl der Leere. Aus gegebenen Anlässen beschäftigt sich dieser längliche Beitrag deshalb mit den schönen und nicht ganz so schönen Aspekten unserer digitalen Knechtschaft:

Nicht mal ein Knacken gab mein getreuer G4 von sich, als sein Netzteil vor kurzem verstarb. Nun sind besagte Bauteile in dieser Modellserie für ihr spontanes und zu frühes Hinscheiden berüchtigt, von daher also keine Überraschung. Ein neues Netzteil kostet mehr als der Blaugrüne noch wert ist. Also Ende Gelände. Ein paar halbherzige Wiederbelebungsversuche machte ich noch, dann betrachtete ich die Kiste als austherapiert. Heute war Schlachtfest: Wiederverwertbares (A 400MHz CPU? Anyone?) wurde entfernt, die nackte Kiste zu dem anderen Elektroschrott gepackt. An manchem Bauteil hängen kostspielige Erinnerungen, aber ich will hier nicht wehklagen. Allerdings bringe ich es auch nicht übers Herz, die einstmals gute Grafikkarte, den damals sündhaft teuren Speicher, die heute lächerlich kleinen 40GB-Platten bei Ebay für Nüsschen zu verhökern: Einlagern und vergessen.

Zu einem schöneren Thema: Ein tiefer Seufzer der Erleichterung kam über die Telefonleitung: Apple hat endlich den neuen Mac mini vorgestellt und Brüderchen hat es tatsächlich geschafft, sich eines der zwei ersten Exemplare, die in der Kaiserstadt, genauer gesagt beim kleinen g, aufschlugen, zu sichern. Wie sich die Zeiten geändert haben: Früher wurden marginale Neuerungen auf Keynotes zum Weltereignis. Vorgestern gab es nur eine dürre Pressemitteilung, aus der die Runderneuerung der gesamten Desktop-Produktlinie hervorging. Natürlich musste das Kistchen, gepimpt mit maximalem Speicher, sofort angeschlossen und eingerichtet werden und siehe, die Grafikleistung ist wonnig, der Migrationsassistent machte auch mit und der Übergang verlief butterweich (während Bayer Bayern in Grund und Boden spielte, das Grinsen wurde immer breiter). Glückwunsch, Ödli!

Ich gestehe, dass ich den Bonsaiquader auch ziemlich schick finde und eigentlich schon allein wegen der sehr geringen Leistungsaufnahme ein Kauf zu rechtfertigen wäre, da der Stromverbrauch meiner „G5-Käsereibe“ mit ihrem 600W-Netzteil natürlich ganz schön ins Kontor schlägt. Na gut, ich übe mich in Geduld und träume noch ein bisschen von Green IT tief im Westen.

Im Siegerland sieht es nicht ganz so rosig aus: Eine kleine Festplatte (natürlich von Toshiba, der Rest ist Schweigen) verstarb just beim Backup und die Sicherungsplatte wurde vor der Sicherung geplättet: Worst Case. In genau diesen Momenten bewahrheitet sich wieder die alte Weisheit der Backup-Fetischisten: Die Daten sind das wahrhaft Wertvolle, die Hardware dagegen ein Nichts. Ohne jede Häme (während mein Backup im Hintergrund läuft) deshalb der Hinweis auf das „Tao of Backup“. Es ist mir unbegreiflich, wie viele User niemals eine Sicherungskopie durchführen. Und wenn es nur um ein paar Urlaubsbilder geht, der geringe Aufwand ist es alle mal wert, sich um die eigene Datensicherung zu sorgen. Und? Wann hat der geneigte Leser zuletzt die Sicherung angeworfen? Na? Dann aber hurtig!

Note to self: Kümmern gegen Kummer. Musik: Murder By Death, Naglfar, Poison The Well, Muse.