Die Besten

Schon wieder ein Fußball-Beitrag. Ich bitte um Entschuldigung, aber es ist die Zeit der Endspiele. Das gestrige Finale der europäischen Spitzenklasse stand stellvertretend auch ein bisschen für den Wettstreit unterschiedlicher Vereinsphilosophien: Auf der einen Seite steht ManU, wo man, wie es sich für die höchste englische Spielklasse offenbar ziemt, mit Unsummen hantiert, um den Traumkader zusammen zu bekommen. Gegenüber Barca, wo man sehr viel stärker auf eigene Nachwuchsarbeit und ein taktisches System setzt, das im Grunde schon seit Jahrzehnten besteht.

Ich verfolgte die Partie mangels Privatfernsehen per chinesischem Videostream, ein Quell stetiger Heiterkeit. Davon abgesehen war das Spiel ein absoluter Leckerbissen. Wenn man den Spaniern bei der Spielkontrolle, beim Verschieben im Mittelfeld, bei der Variation des Tempos, beim schnellen Spiel in die Spitze zusah, dann konnte man nicht anders als mit der Zunge schnalzen. Über Lionel Messi brauche ich nichts zu schreiben, ohne Zweifel einer der besten Spieler aller Zeiten. Und ManU? Uninspiriert, zweikampfschwach, zögerlich, abschlußschwach, kopflos. Eine einzige Enttäuschung! Vielleicht waren sie einfach schon zu satt. Wundern würde es mich nicht.

Note to self: Hochgeschwindigkeitssurfen? Das war nicht nett, mein Lieber. Musik: Mayhem, Limbonic Art, The Black Dahlia Murder, Wolfes in the Throne Room.

DRONEnung)))

Ich will nicht so tun, als sei ich profunder Kenner der Drone Metal Szene, oder als würde mir diese Art von „Geräuschen“ nun besonders zusagen. Im Gegenteil: Musik, die so rüberkommt, als sei sie in erster Linie dazu gemacht, beim unbedarften Hörer einen schizoiden Schub auszulösen, erfüllt mich erstmal mit Befremden. Allerdings habe in letzter Zeit ziemlich viel aus der Grenzregion zwischen Black Metal und Dark Ambient gehört (und empfehle dem experimentierfreudigen Leser, sich zum Beispiel mal die Machwerke von Infetu zu geben), man möchte schließlich den eigenen musikalischen Horizont erweitern, und bin dabei fast zwangsläufig auch über Drone gestolpert.

Ob es sich dabei noch um Metal handelt (immerhin gibt es oftmals kein Schlagzeug und viel elektronisches Gebastel) sei jetzt mal dahingestellt, die Stimmung kommt jedenfalls hin. Ein Beispiel: Die neue Platte von Sunn O))) „Monoliths & Dimensions“, die sogar heute von Herrn Wigger besprochen wurde (eins rauf für Herrn Wigger!).

SO

Vor allem die ersten beiden Stücke versetzen mich in einen nachtdunklen eiskalten norwegischen Wald, der von Nebeln durchwabert und von enthaupteten Trollen durchwandert wird. Daher verwundert es mich auch nicht zu lesen, dass der Sänger der Urschwarzmetaller Mayhem, Attila Csihar, sich bei der Herstellung der Scheibe wieder mal der Zusammenarbeit mit Sunn O))) hingegeben hat.

AC

Genau deshalb fällt meine Begeisterung für die zweite Hälfte des Albums auch ein bisschen gedämpfter aus, die geht mir zu sehr in Richtung „Neue Musik“ und klingt eher nach der epischen staubigen Leere der nordamerikanischen Prärie als nach schwärzester Dunkelheit. Wer es weniger aride haben möchte, dem sei das 2008er-Album „Dømkirke“ kältestens ans Herz gelegt. Die Platte wurde in der Domkirche St. Olav im norwegischen Bergen aufgenommen und bietet die dichteste Annäherung an die finstere skandinavische krüppelbirkige Abgründigkeit, die man sich vorstellen kann.

Note to self: Einfach zum Kotzen! Musik: Sunn O))).

Bäumchen wechsel dich!

Die Bundesligasaison 2008/2009 ist gerade mal beendet, da kommt gewaltige Bewegung in den Transfermarkt und die genannten Ablösesummen brechen wieder mal sämtliche Rekorde. Es ist unglaublich!

Für den größten Wirbel dürfte der Wechsel von Gomez vom VfB zu den Bayern sorgen, wobei ich mich ernsthaft frage, ob München nächste Saison grundsätzlich mit drei Stürmern agieren will und van Gaal somit den deutschen Rekordmeister auf das niederländische 4-3-3 umstellen will, denn sonst macht der Wechsel überhaupt keinen Sinn. Ich hätte gern das Gesicht von Olic gesehen, als er die Nachricht vernahm, denn wenn Toni bleibt, wird Ivica wohl in der nächsten Saison auf der Bank Platz nehmen dürfen. Tja, shit happens. Aber Olic kommt eben ablösefrei und was nix kostet, ist auch nix.

Die Fans der Stuttgarter heulen derweil bittere Krokodilstränen, man kann sie verstehen. Das gleiche gilt für die Anhänger von Werder Bremen. Wer gesehen hat, wie die Mannschaft ohne Diego im Uefa-Cup-Finale von einem bestenfalls mittelmäßigen Team aus Donezk gegen die Wand gespielt wurde, der muss sich für die kommende Spielzeit erhebliche Sorgen machen. Andererseits sieht man, wie schmal der Grad ist, auf dem ein Verein ohne dicke Rücklagen bzw. ohne milliardenschweren Mäzen wandelt. Ohne die Einnahmen aus dem internationalen Wettbewerb war Diego nicht zu halten, jetzt hat man wenigstens ein bisschen Spielgeld in der Hand, um den Neuaufbau einzuleiten, denn der ist ohne Zweifel bitter nötig.

Die Bayern wiederum werden Schwierigkeiten haben, Ribery zu halten, vielleicht pokern sie aber auch nur. Wenn Uli rumposaunt, bei einem Angebot von 40 Mio würde man noch nicht mal den Telefonhörer abnehmen, dann weiß man Bescheid. Übrigens: Auch Alex Baumjohann sollte die Sommerpause nutzen, um sich ein paar Schwielen am Hintern anzusitzen, sein Platz auf der Ersatzbank ist ebenfalls fest gebucht, die Gladbacher sehens und staunen (und schließen Wetten ab, wo Marin hingehen wird, es ist ein Jammer!).

Ich frage mich ernsthaft, wie lange man noch brauchen wird, bis man einsieht, dass Spielergehälter und Ablösesummen gedeckelt gehören, damit der Profifussball langfristig interessant bleibt. Mit Sozialismus hat das übrigens nix zu tun, nur mit gesundem Menschenverstand.

Note to self: Spiegel-Wahl-O-Mat für die kommende Europawahl ausprobiert. Das Ergebnis gibt mir zu denken, sehr sogar. Musik: Tundra, Scars, Batillus, Kreng, Marțolea.

Benno

Vor ungefähr 42 Jahren wurde in Berlin ein junger Mann erschossen. Jeder halbwegs interessierte Mitbürger wird, ein gewisses Alter vorausgesetzt, schon mal etwas von Benno Ohnesorg gehört haben. In diesen 42 Jahren ist Benno Unruhestifter, Staatsfeind, unbeteiligtes Opfer, Märtyrer und Symbolfigur gewesen, seit gestern ist er anscheinend zudem ein Stasi-Opfer.

Wenn man sich die Merkwürdigkeiten des Verbrechens vor Augen führt, die Unverhältnismäßigkeit der polizeilichen Gewalt im Vorfeld, den Wahnsinn des Schußwaffengebrauchs, die Vertuschungsversuche der Ordnungskräfte und politisch Verantwortlichen, die Manipulationen an der Leiche, die unglaubliche Rechtsbeugung in den nachfolgenden Strafprozessen, dann muss man sich wundern, dass so ein Aufhebens um die neuen Erkenntnisse der Birthler-Behörde gemacht wird.

Nehmen wir mal den Extremfall an: Nehmen wir an, es habe tatsächlich einen Aufrag an den IM „Otto Bohl“ gegeben, bei den Berliner Studentenprotesten anlässlich des Schah-Besuchs einen Demonstranten zu erschießen, um die linke Szene zu radikalisieren und den westdeutschen Staat zu destabiliseren. Hätte diese Absicht Aussicht auf Erfolg gehabt, wenn die Umstände der Tat, so weit sie damals bekannt waren, im Nachhinein schonungslos aufgeklärt worden wären? Ich meine nein. Hätten sich die Organe der Strafverfolgung und Rechtspflege gemäß ihres eigentlichen Auftrags verhalten, hätte es nie eine „Bewegung 2. Juni“ gegeben. Die Tat wäre als grobes Fehlverhalten eines überforderten Beamten verbucht worden.

Kurras war nur einer von hunderten Schutzpolizisten, die an diesem Tag „Jubelperser“ gewähren ließen, angebliche Rädelsführer halbtot schlugen, die medizinische Versorgung verletzter Demonstranten verhinderten und so nachdrücklich den Eindruck vermittelten, dass die damals noch recht junge Bundesrepublik alles andere als der perfekte Rechtsstaat war. Daran ändern auch die neuen Erkenntnisse nichts.

Note to self: „Truppen reorganisieren“ – sehr witzig. Musik: Garstig, Disdained, Terror Inside, Thin Lizzy.

Astrale Projektion

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Sie sind wieder da! Wie ich dem zugehörigen Eintrag in der Wikipedia entnehme, hat ein Hardcore-Fan Kohle locker gemacht, um „maudlin of the Well“ die Produktion eines neuen Albums zu ermöglichen (Ich könnte besagten Fan abknutschen, aber das nur am Rande). Ich hatte ehrlich gesagt nicht damit gerechnet, noch einmal etwas von dieser genialen Formation zu hören, zu verschroben, abgehoben und überhaupt nicht radiotauglich waren ihre bisherigen Veröffentlichungen. Das Nachfolgeprojekt „Kayo Dot“ hatte mich nicht so ganz überzeugt, der Metallgehalt ging irgendwie immer weiter zurück. Auch wenn die neue „Part the second“ nicht ganz an die ersten drei Alben herankommt, es lohnt sich auf jeden Fall mal eine knappe Stunde zu investieren und sich die Scheibe anzuhören.

Wer das Experiment wagen möchte findet hier einen ganz legalen Downloadlink für die Torrentdatei. Viel Spaß und gute Reise!

Note to self: Sollen wir alle ersäuft werden? Musik: maudlin of the Well, Mauracher

Only Rock`nRoll, but…

Olala! Der Zuspruch war ausbaufähig beim gestrigen bunten Liederabend im MuBu. Schätze mal, dass kaum mehr als ein dreckiges Dutzend den Weg dorthin gefunden hatten. Die Gäste, Groupies und Roadys der Gruppen waren eindeutig in der Überzahl. Zum ersten Mal nach langer Zeit hatte ich bei einem Konzert das Gefühl, dass meine Anwesenheit den Altersdurchschnitt senkte. Naja.

Eins noch vorweg: Wenn man „Doors 19:00“ aufs Ticket schreibt, aber der Einlass auch um kurz nach Acht noch nicht gewährt wird, man dann nach heftigem Hämmern an die Bunkertür endlich reingelassen wird und der Soundcheck (Scooby rewiring the board) immer noch nicht abgeschlossen ist, dann wirft das kein gutes Licht auf die Professionalität des lokalen Bodenpersonals. Nuff said. MuBu halt.

Eröffnet wurde der Abend von Green Pitch. Ich fand sie zauberhaft. Zwar wird auf ihrer Webseite Anna Ternheim nicht als musikalischer Einfluss genannt, aber der zerbrechliche Gesang und die skandinavisch zurückhaltende Präsentation erinnerten mich stark an die Schwedin. Jedenfalls hätte das Trio mehr als eine halbe Stunde verdient gehabt. Nett!

Dann folgte der eigentliche Grund für den Besuch der Veranstaltung, nämlich Dan Baird & Homemade Sin, eine dringende Empfehlung unseres Schlagzeugers, der ja (immer noch) ein heftiger Verehrer der Stones ist. Genau in diesem erdig-rockigen Fahrwasser präsentierten sich die Südstaatler, wirkten dabei aber um einiges frischer (OK, keine Kunst) und spielfreudiger. Ohne Allüren, stets mit einem lockeren Spruch auf den Lippen und grundsolide im Vortrag kam die Band rüber, sehr sympathisch. Der Schlagzeuger sah aus, wie eine Mischung aus Rory vom Rover und Frank Zappa und er hatte während des Spielens ein so merkwürdiges debiles Dauergrinsen im Gesicht, das es eine Wonne war. Extrapunkte konnte der Bassist verbuchen, dessen zweistimmige Kabinettstückchen zu gefallen wussten. Die komische Mütze, die Dan während der ersten Hälfte des Gigs trug, würde ich auch gerne mal ausprobieren. Cool.

Der Headliner der Veranstaltung waren die Quireboys aus Großbritannien. Naja, wenigstens hatten sie einen guten Sound. Ansonsten fand ich sie affektiert (besonders den Sänger mit seinem unsäglichen Little-Richard-Kopftuch), abgenudelt und unglaublich langweilig. Ernsthaft: Solche Songs haut unser Bass/Gitarren-Jan ohne nachzudenken in Serie raus, der Quintenzirkel lässt grüßen. Aber am schlimmsten waren die Animationsversuche (Clap your haaaaands!) des mikroständerwerfenden Frontmanns. So was braucht heute echt keiner mehr. Ehrlich gesagt, habe ich nicht bis zum Schluss durchgehalten.

Note to self: Dunkle Schokolade! Musik: Björk, Siouxsie and the Banshees.

Schiller, Boëthius, Wittgenstein, Voltaire

P

Was für ein Morgen: Erst muss ich feststellen, dass heftige Böen die -hm- Dekoration auf meinem Balkon heftig umdekoriert haben, dann bemerke ich, dass die Chinahacker sich inzwischen nicht mehr auf Portscans beschränken, sondern sich auf meinem FTP-Server tummeln und danach trachten, diesen durch eine Flut von Loginversuchen in die Knie zu zwingen und den krönenden Abschluss bildet ein neuer Artikel in der Flusslandschaft, in dem ein Video einer spärlich bekleideten Kandidatin der letzten DSDS-Staffel zu bewundern ist. Es liebt die Welt, das Strahlende zu schwärzen und das Erhabene in den Staub zu ziehen.

Es bliebe noch Einiges nachzutragen aus den vergangenen Tagen, angefangen bei Colleen, Adretta, Agria und ihre knolligen Schwestern, die nun schon ein paar Tage im besten handgesiebten Kompost vor sich hin keimen, fortgesetzt mit einem Gebirge aus dunkelsten Ärgerwolken (si tacuisses), das Richtung Zuckerrübensavanne zieht und noch immer nicht abgeregnet ist und abgerundet mit einem kräftigen Schuss übler Vorahnungen, die sich auf den unverhältnismäßig teuren kulturellen Höhepunkt des heutigen Tages beziehen (vielleicht auch nur Nachwehen der intensiven MuBU-Woes vom letzten Mal). Wovon man nicht sprechen kann, darüber muß man schweigen. OK, OK.

Finale Randnotiz: Die Insassen der hiesigen Psychiatrie des Uniklinikums haben versucht, den Monumental-Legostein abzufackeln. Das ist fast schon rührend, nicht wahr (Das Bessere ist der Feind des Guten.). Ungefähr genau so rührend, wie wenn ich mir wünsche, Flowers zu vermöbeln. Dem Redakteur sei aber ins Stammbuch geschrieben, dass das Klinikum nicht einen „Turm D“ sondern die Türme D1 bis D6 aufweist und ein Leiterwagen ein Behältnis für Bierkästen, Bierkastenaussaufer, Kinderspielzeug und Spielzeuganwender ist.

Note to self: Kein Frosch sein. Musik: Behemoth, Grinderman, Radiohead.

Sich wehren

Nachrichten prasseln tagtäglich auf uns herein, teils dringt der Inhalt gar nicht mehr wirklich ins Hirn: Die Kaperung eines weiteren Frachtschiffs einer deutschen Reederei vor der somalischen Küste nehme ich nurmehr achselzuckend zur Kenntnis. Magaths Wechsel nach Schalke entlockt mir gerade noch ein müdes Grinsen. Die Entrüstung der luxemburger Steuerhinterziehungsexperten angesichts der neuerlichen Verbalattacke Steinbrücks macht das Grinsen kurzfristig ein bisschen breiter, das war es dann aber auch schon.

Ganz anders verhält es sich aber bei diesem Artikel. Meine Wut breitet sich aus der Nackengegend langsam bis zur Zirbeldrüse vor. Gleichzeitig macht sich Ratlosigkeit breit. Mir ist klar, dass man sich eigentlich gegen Soziopathen vom Schlage eines Flowers wehren müsste. Damit meine ich kein Gerichtsverfahren (das wird zum Beispiel im Falle der Hypo Real Estate sowieso kommen), denn die Wahrscheinlichkeit, dass dieser hochintelligente Schädling sich mit Hilfe seiner Meute von Anwälten von Instanz zu Instanz Richtung Hintertür verdrückt und schließlich mit einem dicken Stück von der Sahnetorte auf der Gewinnerseite verbleibt, ist zweifellos sehr groß. An eine tiefgreifende und wirksame Anpassung der gesetzlichen Rahmenbedingungen im Sinne der Allgemeinheit glaube ich ohnehin nicht mehr, zwar hätte die aktuelle Weltfinanzkrise dafür eine ausgezeichnete Gelegenheit geboten, doch sitzen die Lobbyisten a la „Initiative neue soziale Marktwirtschaft“ an prominenter Stelle viel zu fest im Sattel. Wer die Redebeiträge der gelbblauen Kotzbrocken bei der Lesung des HRE-Enteignungsgesetzes noch im Ohr hat, der weiß, was ich meine.

MS

Also warum nicht mal die political correctness für ein paar Momente der Klarheit beiseite legen? Warum nicht eine Sanktion nach der Strafprozessordnung in Kauf nehmen und ein Zeichen setzen? Warum nicht einfach mal versuchen, ob man diesem asozialen Parasiten Flowers noch ein bisschen Anstand in den Leib geprügelt bekommt?

Note to self: Der wankelmütige Herr Sushimidas, ich werde nicht schlau aus ihm. Musik: Jamiroquai, Foo Fighters, Helmet, Camaron de la Isla.

Schlitzaugen portscanning

In den letzten Tagen bekomme ich in schöner Regelmäßigkeit elektronische Post von meiner Firewall. Sie vermeldet, dass die Absicherung meines kleinen heimischen Netzwerks auf Schwachstellen abgeklopft wird, die einen groß angelegten Angriff auf die Integrität meiner Daten ermöglichen würden. Solche Portscans sollten den aufgeklärten Computernutzer immer hellhörig machen, deshalb habe ich mich bemüht den Absender dieser tückischen Anfragen ausfindig zu machen.

Eine entsprechende Whois-Abfrage ergab nun, dass die Absenderadresse dem „Data Communication Bureau“ der zentralchinesischen Provinz Sechuan, genauer der „Zigong Sciences Informations Academe“ (sic!) zugeordnet ist. Verantwortlich zeichnet ein gewisser „Xiaodong Shi“, den ich hiermit ganz herzlich grüßen möchte. Nach dem Motto „Wie man in den Wald hinein ruft…“ habe ich nun ebenfalls einen Portscan der Absenderadresse durchgeführt und noch einen zünftigen traceroute hinterhergeschickt. Herr Xiaodong gibt sich aber ziemlich zugeknöpft, die große chinesische Feuermauer tut ein übriges. Bleibt also die Frage: Was zum Teufel wollen die Chinesen von mir?

CD

Natürlich ist zunächst mal Industriespionage zu vermuten, man liest ja ständig davon. Lieber Herr Xiaodong, das Einzige, was diesbezüglich für Sie interessant sein könnte, sind meine wohlgehüteten Rezepte für Tiramisu und den unschlagbaren Sauerkraut-Hackfleischauflauf meiner Mutter. Die würde ich Ihnen aber freiwillig zur Verfügung stellen, im Sinne der Völkerverständigung.

Sollten Sie den Plan verfolgen, eine üble Schadsoftware bei mir einzuschleusen, um von hier aus die Lähmung der Rechnernetze des Klassenfeindes einzuleiten, so möchte ich Sie hiermit warnen: Wir lassen uns Hinrichtungen aus nichtigen Gründen, Folter und Umerziehungslager gefallen, unter Umständen sogar die brutale Unterdrückung des tibetischen Volkes, aber wenn wir nicht mehr bei Amazon und ebay einkaufen können, man uns am Zugriff auf youtube und myspace hindert, oder wir unsere tägliche Dosis SPON nicht bekommen, dann können wir verdammt ungemütlich werden.

Falls der Hintergrund Ihrer Angriffsversuche die aktuellen Absatzprobleme der chinesischen Tabakindustrie sein sollten, so seien Sie hiermit versichert, dass Sie da im Grunde schon richtig bei mir sind. Einen Umstieg auf volksrepublikanische Rauchwaren würde ich bei Überlassung eines entsprechenden Warenmusters (Europalette) zwecks gründlicher Verkostung durchaus in Erwägung ziehen.

Lieber Herr Xiaodong, im Grunde genommen möchte ich Ihnen einfach nur mitteilen, dass Sie Energie, Bandbreite und Zeit verschwenden. Sollten Sie Ihre Portscannerei nicht umgehend einstellen, dann lade ich mir das Internet herunter, drucke es mir aus und klemme die Kabel ab. Freundschaft, Ihr Skidman.

Note to self: Frau Clever, wir kommen voran. Musik: Devin Townsend, Scornage, The Dave Brubeck Quartet, Darkthrone.

Der Zorn des göttlichen Lamms

Peinlich, peinlich: Da ist die neue Platte „Wrath“ von Lamb Of God schon seit Februar raus und ich habe es gar nicht mitbekommen. Ich höre schon wieder die Puristen der Black Metal und Death Metal Fraktion kollektiv aufstöhnen, man solle aufhören Mallcore-Kapellen wie LOG zu hypen, dabei haben die Jungs aus Richmond ungefähr so viel mit Metalcore zu tun, wie Ägyptens Schweine mit der Sombrero-Sieche. Hören wir mal rein:

Dem Vorgänger „Sacrament“ konnte man allenfalls die gekünstelte Produktion und die Einseitigkeit des Materials vorwerfen. Offensichtlich hat sich die Band diese Kritik zu Herzen genommen. Auf „Wrath“ besinnt sich LOG einerseits auf die eigenen groovigen Metallwurzeln, besonders auf Pantera, entdeckt aber die rohe Wut, die vor allem die frühen Releases a la „Burn The Priest“ und „As The Palaces Burn“ auszeichnete, zum Glück wieder neu. Ebenfalls neu ist das Bekenntnis zur metallischen Düsternis, das man so deutlich bislang auf keinem Longplayer der Band vernommen hat. Insgesamt muss man der Formation dazu gratulieren, in den vergangenen zwei Jahren keine Langrille veröffentlicht und sich mehr Zeit fürs Songwriting genommen zu haben. Der einzige Kritikpunkt sind hier die zwei Bonustracks, vor allem „We Die Alone“ wäre besser in der Versenkung geblieben.

Eine deutliche Weiterentwicklung bemerkt man sofort bei Randy Blythes Gesang, der variantenreicher und vor allem ausdrucksstärker geworden ist. Natürlich wird immer noch weltmeisterlich gegrowlt, doch kommen Passagen hinzu, die sich durch hysterisches Gekrächze, prächtiges tiefes Grollen und fast melodiöses Shouten auszeichnen. Wirkten solche Teile auf den Vorgängern oftmals aufgesetzt und alibimäßig, muss man dem Frontman attestieren, dass er mittlerweile ganz „bei sich selbst“ angekommen ist und alles, aber auch wirklich alles rausholt. Ansonsten mag er halt Anselmo, aber wie könnte man den auch nicht mögen.

RB

In den Rubriken Drumming und Riffing waren Lamb Of God schon immer ganz weit vorne. Daran hat sich nichts geändert, allerdings zeigen besonders die Midtempo-Passagen und Break-Down-Parts des neuen Albums, dass die Band es nicht mehr nötig hat, sich ausschließlich dem Moshpit anzudienen. Was diesbezüglich auf „Sacrament“ angestoßen wurde, wird mit dem letzten Release konsequent fortgesetzt. Auch hier hat man den Eindruck, dass LOG endgültig bei sich angekommen sind. Chris Adler scheint ganz und gar begriffen zu haben, dass weniger manchmal mehr ist und man als Schlagzeuger nicht ausschließlich Leistungssportler sein muss. Und was Herr Morton und der jüngere der Adler-Brüder da aus ihren Klampfen rausholen ist zum Teil wirklich atemberaubend: Einerseits gibt es Parts, die eindeutig als Hommage an Dimebag verstanden werden wollen, andererseits ist der Gesamtsound der Gitarrensektion so erdig und groovig, wie man das bei LOG noch nie gehört hat.

Seit die Scheibe bei mir dreht begeistert mich vor allem der zwanglose Umgang mit klassischen Metalelementen, wahrscheinlich weil ich ein alter Sack bin. Der Oedli würde sicher bei manchem Intro und Solo sagen, dass die Welt so etwas nicht mehr braucht, aber das sehe ich eben anders. Jedenfalls ist das Album bei mir auf der Liste für die Platten des Jahres vorgemerkt.

Note to self: Nöthe, Christoph Nöthe? Egal, die Serie muss halten Jungens! Musik: Lamb Of God.