Optimismus

Ich will kein schlechter Verlierer sein. Die Mehrheit der Aachener (Keine Krokodilstränen an dieser Stelle wegen der Wahlbeteiligung, ich hatte Schlimmeres erwartet.) wollte Marcel Philipp als Oberbürgermeister und sie bekommt ihn. Wünschen wir ihm ein glückliches Händchen. Hoffen wir dass seine Auffassungsgabe so gut entwickelt ist, dass er all das schnell genug dazulernen kann, was man als Verwaltungschef eines Oberzentrums braucht. Hoffen wir, dass er wirklich das Wohl aller Aachener im Blick hat und nicht die Fehler seines Vaters wiederholt. Hoffen wir, dass er nicht nur als Karnevals- und Sportfreak reüssieren kann, sondern sich auch im harten politischen Alltag bewährt, in dem ein Kinderschokoladenbubilächeln nicht weiter hilft.

Die Ergebnisse der Wahlen zum Stadtrat entsprechen meiner Voraussage: Das Patt ist da und nun muss eine der kleineren Parteien über ihren Schatten springen. Entweder die Grünen gehen mit der CDU zusammen oder die FDP sagt ja zur „Ampel“. Beides ist äußerst unwahrscheinlich. Bleibt die große Koalition als Notlösung, oder eine schwache Rot-Rot-Grüne-Piraten-Koalition. Ehrlich gesagt bin ich froh, dass ich in den kommenden Tagen keine Sondierungsgespräche führen muss.

Ich warte gespannt, welche meiner Wunschziele (Eröffnung der 4. Gesamtschule, Umsetzung eines integrativen Schulkonzepts für alle städtischen Haupt- und Realschulen, Einführung des Sozialtickets für den ÖPNV, Einstellung der Videoüberwachung am Elisenbrunnen) vielleicht doch umgesetzt werden. Träumen darf man doch noch, oder?

Note to self: Lass Dir Mut machen und bleib dran: Noch 2! Musik: Manic Street Preachers, Björk, Noir Desire, Butthole Surfers, Type O Negative, Biffy Clyro.

Die frohe Botschaft

Sie kommt, wie sollte es auch anders sein, aus Polen. Vor ein paar Tagen erschien das neue Album von Behemoth mit dem Titel „Evangelion“. Bevor ich weiter ausschweife: Diese Platte gehört zum Besten, was im Bereich technischer Extrem-Metal in den letzten Jahren rausgekommen ist, und wer jetzt noch über Behemoth herzieht (unskandinavisch, aufgesetzt, wollen Black aber können nur Death, haben alles von Karl Sanders übernommen), der sollte mal seine Ohren untersuchen lassen.

Behemoth

Schon die Vorgänger „Demigod“ und „The Apostasy“ waren Meilensteine des Genres, wobei das erstgenannte Werk tatsächlich vom Nile-Mastermind Sanders inspiriert war, einerseits vom Songwriting her, andererseits was die Güte der Produktion und die Verwendung schräger Midi-Sounds anbelangt, da hatte der gute Karl im Studio kräftig mit an den Knöppen gedreht. Mit „The Apostasy“ zeigten Behemoth dann, dass sie nicht nur in der Black-/Death-Championsleague angekommen waren, sondern sich endgültig freigeschwommen und ihren eigenen Stil gefunden hatten.

Dass die Mannen um den Frontmann Nergal inzwischen perfekte Handwerker sind, darüber braucht man nicht zu diskutieren. Vom bemühten Geknüppel der Frühwerke („Sventevith“, „Grom“) ist man bereits seit Jahren meilenweit entfernt. Dass Black Metal auch ganz anders rüberkommen kann, als so manches in Szenekreisen hochgelobte Rumpelwerk norwegischer Provenienz, ist ebenfalls nichts Neues. Aber dass Behemoth nicht nur technische Schmankerl en masse abliefern, sondern dabei noch die auswegloseste Düsternis, die schwärzeste abgrundtiefe Schwärze glaubhaft transportieren können, das ist das Faszinierende und Einzigartige auf „Evangelion“.

Da, wo das Vorgängeralbum noch verspielt wirkte, hat man bei der aktuellen Scheibe bereits die Faust im Gesicht. Jeder Blast-Teil, jeder Fill, jeder Breakdown-Part ist auf dem Punkt, so böse und so tight gespielt, dass man als mäßig talentierter Hobbymusiker in die Tischkante beißen möchte. Wenn man nach den beiden flotten Anfangsstücken mit bereits schmerzendem Nacken beim elegischen „Ov Fire And The Void“ anlangt, dann offenbart sich innerhalb weniger Sekunden endgültig die erschütternde Größe von Behemoth: Es wird Nacht über Polen, Inferno schnitzelt feine Späne aus seinen Becken, Seth und Orion gießen Teer aus und Nergal speit eine pyroklastische Wolke in die Finsternis. Ihr merkt, das Stück macht mich wirklich fertig.

Es gibt keinen Füller, keinen Ausfall auf diesem Album. Wenn nach einer guten halben Stunde das sphärische, schwere „Lucifer“ beginnt (endlich mal mit polnischem Text, mehr davon!), dann ist man so durchgeschüttelt, dass man dankbar für die letzten satten 8 Minuten ist, mit denen sich die Prachtburschen vergleichsweise sanft in Richtung ihrer Gruft verabschieden. Danach legt man das Debüt von Bathory aus dem Jahr 1984 auf, die erste Black Metal-Platte der Musikgeschichte, und möchte entweder dem großen Gasförmigen, oder seinem gehörnten Gegenspieler danken, dass die Welt sich seitdem weitergedreht hat.

Note to self: Kein S5 wegen kaputtem Internet, wie dämlich ist das denn? Musik: Behemoth, Bathory.

Wer nicht kämpft,

hat schon gewonnen. Genau nach diesem Rezept scheint das Ringen um die Wählerstimmen diesmal komponiert zu werden, sehr zum Leidwesen der Medien und Beobachter der politischen Szene. Die treffende Beschreibung eines möglichen Dialogs beim bevorstehenden großen Kandidatenduell lieferte gestern bei „Unter den Linden“ der gelbe Guido: Die Kanzlerin blinzelt ihrem Herausforderer halb verschwörerisch, halb verliebt zu und meint: „Ja, Frank Walter, es war nicht alles schlecht.“ Genau so läuft es zur Zeit.

Wenn Steinbrück das Ackermann-Dinner verteidigt (Eigene Leichen im Keller? Mit Diekmann gesoffen?), Oettinger auf die erfolgreiche Krisenbewältigung der Großkoalitionäre verweist (Guttenbergs Wirken und Wollen kann er nicht meinen) und die versammelte Opposition sich in Rolle des Stichwortgebers (Gabriel und Trittin bei Plasberg = Pat und Patterchon) ohne wirkliche Kenne fügt, dann ist das schon ein deutlicher Indikator für die Konsenskultur des Jahres 2009.

Lediglich eine Pressekonferenz der Linken brachte gestern etwas Farbe ins Spiel: Oskarchen organisierte mal eben die Weltfinanzwirtschaft um, durchaus überzeugend, in der Sache richtig und fast schon gemäßigt, aber immer nur eine Haaresbreite vom Größenwahn entfernt. Und Gregor? Der brachte die Sache auf den Punkt und erklärte der staunenden Journaille kurzerhand, es käme ohnehin nurmehr auf das Wahlergebnis der Linken an, alle anderen Parteien hätten sich längst auf die systematische Ausplünderung der breiten Masse verständigt. Ganz so weit würde ich dann doch nicht gehen wollen. Aber naja, die Zwischentöne und der Klassenkampf halt, man konnte, wenn man die Augen zusammenkniff, eine zarte Erscheinung Franz Josef Degenhardts hinter den Protagonisten am Pult schweben sehen. Als Gysi die Argumente zum Mindestlohn vortragen wollte, brauchte es dann aber doch den Stichwortgeber von der Saar, sonst wäre die Sache in die Hose gegangen.

Nicht nur die Masse der Kreuzchenmacher ist desillusioniert, auch so mancher Wahlkämpfer scheint des Kämpfens müde zu sein. Zum Thema „everything must go“ fällt mir dann nur noch ein, dass die Liebesgaben mit dem jeweiligen Parteilogo ja schließlich aus Steuermitteln finanziert werden, nicht aus Parteivermögen. Eine Gruppierung, die in ihrem Internetangebot darauf hinweisen würde, dass sie auf dumme, hässliche Plakate, Kugelschreiber und sonstigen Tand und Werbespots im Fernsehen verzichtet, würde bei mir schon mal kräftig Sympathiepunkte sammeln.

So. Noch zwei Tage bis zur Kommunalwahl. Die Kaiserstädter haben bei der Entscheidung über den zukünftigen OB im Grunde nur die Wahl zwischen einem altgedienten Schlachtross, das es immer verstand im Zweifelsfalle den Kopf einzuziehen und das Gewitter vorüberziehen zu lassen, und einem ahnungslos wirkenden Jungspund mit schönen weißen Zähnen (und Protektion!), der eines ganz bestimmt nicht besitzt: Leidenschaft. Beide Kandidaten liegen gleich auf. Während Schultheis seinen Zielen (kennt er sie wirklich?) erst mal in aller Breite die vermeintlichen Errungenschaften der Aachener Sozialdemokratie voranstellt (immerhin lese ich im weiteren Verlauf was von „Privatisierung der Sparkassen verhindern“ und „längerem gemeinsamen Lernen“, gut so), informieren uns die Schwarzen mit einem 4,5MB schweren PDF, das vor allem viele schöne Bilder zu bieten hat, viel mehr aber auch nicht („Ausweitung der Videoüberwachung gegen Graffiti“ und „Erhalt der Hauptschulen“ ist bei mir hängengeblieben, tja.). Im Grunde genommen steht bei beiden Parteien das Gleiche: Wir sind toll, Aachen ist schon toll, wird aber noch viel toller. Also: Alles wird gut. Puh!

Was die künftige Zusammensetzung des Stadtrates angeht, die ja viel wichtiger ist, so ergibt sich in Aachen im Prinzip das „grüne Patt“, soll folgendes heißen: Egal ob die SPD ein wenig verliert (davon muss man ausgehen), die CDU ein wenig gewinnt und die FDP sich verbessert (auch das ist abzusehen), bleiben knapp 20% der Stimmen bei den Grünen. Eine Mehrheitbildung im Rat wird folglich nicht ohne sie stattfinden können. Diesen Umstand will ich gar nicht weiter bewerten, ich lehne mich hier ohnehin schon viel zu weit aus dem Fenster, aber den Hinweis, dass die Parteitreue der grünen Anhängerschaft damit zum stabilisierenden Regulativ wird, den kann ich mir nun doch nicht verkneifen.

Note to self: Bist Du wahnsinnig, denke doch mal an die Personaler! Musik: Morbid Angel, Porcupine Tree, Moonsorrow, Wolves In The Throne Room, Zero 7.

Paddling the Lesse

Da hat jemand einen grausamen Plan gefasst, nämlich den, ein malerisches munteres Flüsschen in den belgischen Ardennen durch Tausende und Abertausende von Hobbykanuten systematisch verprügeln zu lassen, bis ihm jeglicher Charme, jeder romantische Anhauch abhanden kommt. Der Plan geht auf, an jedem Sommerwochenende zwischen Houyet und Dinant auf der Lesse, einem Nebenfluss der Maas.

Le BayardLe Bayard, Dinant

Die Organisation des Freizeitvergnügens nimmt industrielle Ausmaße an: Boote, Paddel und wasserdichte Eimer, die der trockenen Aufbewahrung der Wertsachen dienen, werden mit Sattelschleppern transportiert. Beim Transfer zum Startpunkt, der von der Société Nationale des Chemins de fer Belges geleistet wird, werden die Massen von ungeduldigen Schaffnern mit Trillerpfeifen in bester Zuchtmeistertradition vom überfüllten Bahnsteig in die Waggons getrieben. Anstehen heißt es, sich gedulden, bis man in sein Kajak steigt und es die Rampe heruntergeht. An diesem Uferabschnitt spucken mehrere Auslässe im Sekundentakt Boote in den Fluss, als seien es Produkte der Massenfertigung auf einem Förderband.

CaleuxLes Aiguilles de Chaleux

Es folgen 21 Flusskilometer mit Grölen, Jauchzen, Kentern, Rammstößen und Paddelkantenschlägen. Wunderlich, was in einem Sportboot so alles transportiert werden kann: Dosenbier, normalgroße Hunde und winzige Hundeminiaturen, Ghettoblaster, Wikingerhelme. Auf jeder Kiesbank liegen Kajaks und ihre Fahrer, die dem Chaos für 20 Minuten zu entkommen trachten. Dort wird gegrillt, sich gesonnt, Karten gespielt, gepicknickt, gesoffen, gekifft. Mitten in dem Tohuwabohu riskieren immer wieder Badende ihren Kopf, denn das fahrerische Vermögen der Paddler würde im Zweifelsfalle nicht ausreichen, um ausweichen (wohin denn auch) oder abbremsen zu können (An dieser Stelle sei dem Idiotenpärchen, das meinte, sein Boot über mein Knie prügeln zu müssen, ein herzliches Hallo zugerufen.). Der Blick voraus zeigt ein schmales Band von zuckenden bunten Paddeln, das zwischen dem Grün der Uferbewaldung liegt, ein Streifen hektisches Plastik, da wo eigentlich Stille sein sollte. Erst auf den letzten Kilometern, wenn die Meute sich heiser gebrüllt hat oder gut angeschickert ist, man das Kajak über die zahlreichen Flachstellen geschoben hat, die Schultern schmerzen, der Nacken rot verbrannt ist, dann bekommt die Lesse ein Stück ihrer Würde zurück und die Schönheit der Landschaft kann ein bisschen auf den Flusswanderer wirken.

Chateau de WalzinLe Chateau de Walzin

Note to self: Moppern, mosern, Preise vergleichen: Macht doch, was Euch unzufrieden macht. Musik: Darkthrone, Psyopus, Lamb of God.

177 Stunden

Wenn man die Unterschiedlichkeit des durchschnittlichen Lohnniveaus weltweit darstellen will, dann bedient man sich einer Größe, die auch dem Unbedarftesten deutlich macht, was Sache ist. Bis vor kurzem wurde dazu die Arbeitszeit angegeben, die man ableisten muss, bis man sich an einem doppelstöckigen Frikadellenbrötchen eines global tätigen amerikanischen Fastfood-Konzerns laben konnte. Schon dieses Vorgehen musste jedem Nachrichtenkonsumenten mit einem halbwegs entwickelten Realitätssinn befremdlich erscheinen.

Diese Kenngröße wurde nun zugunsten einer anderen verworfen, der Zeitgeist hat unvermittelt heftig zugeschlagen. Seit neustem wird nämlich angegeben, wie lange der potentielle Konsument arbeiten muss, bis er sich einen iPod nano leisten kann. Ja doch! Das quietschbunte Kästchen wurde deshalb gewählt, weil es weltweit angeboten wird und der Abgabepreis durch den Hersteller rund um den Globus annähernd konstant ist.

So haben wir heute erfahren, dass Aude Darms-Hirschi aus Zürich 9,0 Arbeitsstunden für den MP3-Player aufwenden muss und Karl-Heinz Müller aus Frankfurt 13,5 Stunden. Und Anirudhha Prakash? Der wohnt in Mumbai. Und für ihn ist der Erwerb eines iPod nano ungefähr eine so realistische Option, wie für uns eine Reise zum Mond. Immerhin wissen wir jetzt Bescheid.

Note to self: Wenn es so nervig ist, warum tun wir es uns trotzdem immer wieder an? Musik: Krisiun, Ella Fitzgerald, Agoraphobic Nosebleed.

Auf dem Bitburger Wall

Wenn eine durchschnittliche, gelangweilte Zweitligamannschaft auf dem noch ungewohnten Grün des Rasens, vor einem den Aufstieg fordernden Publikum vom zum Erfolg verdammten Präsidium des Vereins und dem desillusionierten Trainer ohne Unterlass bis vor den gegnerischen Strafraum getrieben würde, erbarmungslos danebengrätschend, bis zur Erschöpfung vergeblich kämpfend, sich in der Tiefe des Raums verlierend, das eigene Tor entblößend, und wenn dieses Spiel unter den fortwährenden Zurufen der Anhänger und dem beständigen Surren der Fernsehkameras von Saison zu Saison sich fortsetzte, begleitet von den immer gleichen Gesängen, die eigentlich Spotttrufe sind – vielleicht eilte dann ein Stehplatzinhaber hinunter, überspränge die Werbebande, stürzte auf das Gras – rief das Halt! durch das Grollen der Trommeln und das auf- und abschwellenden Lärmen der Fans.

Da es aber nicht so ist; eine Zierde des deutschen Profifussballs, schwarz und gelb, hinein schwebt durch den Spielertunnel, vor dem das weite Rund sich öffnet, wie eine süße Verheißung; der Trainer voller Vertrauen, Güte und Wärme ausstrahlend, wie ein liebender Vater, ein wandelndes Einzelgespräch, jeden noch einmal abklatscht und jedem noch einmal den Rücken stärkt, jeden Spielzug mit bewundernden Zurufen begleitet, in 90 Minuten nicht einmal zum Sitzen kommt, den Mannschaftsarzt und den Zeugwart zu äußerster Sorgfalt ermahnend, vor dem entscheidenden Strafstoß die Inhaber der Business-Seats auffordert, das Mobiltelefonieren einzustellen, schließlich nach dem Abpfiff den Mittelstürmer herzt und beglückwünscht, den unglücklich agierenden Linksverteidiger tröstet, mit dem Team auf die Ehrenrunde geht und keine Huldigung des Publikums für genügend erachtet, während die Mannschaft, ohne Anzeichen von Pomadigkeit und Konditionsproblemen, die Hände in den Himmel streckt und das ganze Stadion umarmen möchte – da dies so ist, legt der Stehplatzinhaber seinen Kopf auf das Absperrgitter und, in den Siegeschören wie in einem schönen Rausch versinkend, weint er, ohne es zu wissen.

Note to self: Jetzt noch eine Karte haben. Musik: Slayer, Agalloch.

Global, regional, drissejal?

Ich nehme die Diskussionen über die Feinheiten der deutschen Hochsprache zum Artikel „Blind summits and hidden dips“ und diesen Artikel aus dem SPON, der sich mit den Schwierigkeiten eines saarländischstämmigen Pädagogen in Niederbayern beschäftigt (erhellend sind übrigens auch die Foren-Beiträge auf SPON dazu), zum Anlass, mich über den Zusammenhang zwischen Herkunft, Identität und Sprache zu äußern. Könnte etwas länger werden.

Als geborener Westzipfler bin ich damit groß geworden, dass kaum 4 km vom Heimatdorf entfernt, in „Lettebüsch“ (also Lichtenbusch), Menschen wohnten, die zwar auch rheinisches Platt sprachen, aber Belgier waren und überhaupt keine Deutschen sein wollten. Bei uns in der Grundschule sprach keiner Platt, der Ortsteil bestand im wesentlichen aus einer Werkssiedlung, aber selbst die Gastarbeiterkinder (ja, die hießen damals so) sprachen passables Deutsch. Mit dem oecher Platt kam man natürlich in Berührung, aber es wurde bei uns zu Hause nicht gesprochen, da es für meine ostpreussischen bzw. pommerischen Eltern eine Zweitsprache war, die sie nach der Vertreibung lernen mussten, um den schlimmsten Anfeindungen durch die Eingeborenen zu entgehen.

In meiner Jugend fühlte ich mich nicht als Deutscher, das war unchic, auch nicht als Rheinländer, sondern als Europäer, das war chic. Wie sollte man sich auch als Bewohner eines Landes fühlen, das nur halb da war und besetzt und sich als potentielles Schlachtfeld eines Weltkriegs zwischen zwei Machtblöcken präsentierte.

Als mir später dann eine schnuckelige Wohnung im benachbarten Vaals angeboten wurde, griff ich beherzt zu, ich war ja Europäer und würde mich dort sicher wohl fühlen. Zu meiner Überraschung traf man dort aber nicht auf Europäer, nicht mal auf Niederländer, sondern auf Zuidlimburger und die sprachen eben Zuidlimburgisch, dem rheinischen Platt verwandt aber doch irgendwie anders. 10 Jahre blieb ich Vaalser, lernte aber kaum ein paar Brocken Niederländisch und erst recht nicht den lokalen Dialekt, man wurde nämlich von den meisten Vaalsern grundsätzlich auf Deutsch angesprochen, sobald man als Fremder erkannt wurde (und das ging schnell, Vaals ist ein Dorf). In dieser Zeit wurde ich Deutscher, hört sich komisch an, ist aber so.

Die Diskriminierungen durch die eingeborenen Vaalser und Niederländer waren überschaubar, kaum so zu nennen. Mal wurde man als Deutscher beim Metzger nicht bedient, obwohl man dran war, mal wurde man auf der Gemeinde oder bei der Fremdenpolitie in Heerlen mit hochgezogenen Augenbrauen konsequent auf Zuidlimburgisch angesprochen und antwortete dann in einem Mix aus Niederländisch und Englisch, als Zeichen des guten Willens. Aber mir wurde etwas anderes klar und das hatte auch mit dem Ende der DDR und dem Heraufdämmern der Berliner Republik zu tun: Ich begann mich auf eine andere, bislang mir völlig fremde Art mit meinem Deutschsein zu identifizieren. Das lag eben an dem neuen Staatsgebilde, dem Aufenthalt im Ausland aber vor allem am kurz nach der Wende aufkeimenden Neonazitum. Ich begann zu verstehen, dass die Identifikation mit dem eigenen Land, die Auseinandersetzung mit seinen guten und schlechten Seiten untrennbar mit mir verbunden war. Ich verstand, dass Patriotismus, wenn er mit Augenmaß gelebt wird, etwas Gutes und Richtiges ist, etwas, das man nicht den Faschistenschweinen überlassen durfte.

Mir scheint es heute so zu sein, dass sich viele Menschen zu allererst als Bewohner ihrer Heimatregion sehen und ein bisschen geht mir das auch so. Egal, wo man hinschaut, ob nach Belgien (Flamen, Wallonen, Deutsche), nach Spanien (Basken, Katalanen, Andalusier), nach Frankreich (Bretonen, Basken, Elsässer, usw.), überall in Europa nimmt die Bedeutung des Regionalen zu. In Deutschland ist es nicht anders: Die Bayern, die Sachsen, die Schwaben, die Rheinländer: Alle verweisen mit stolzem Trotz auf ihre Andersartigkeit, auf ihren Dialekt. Man mag das für harmlos und allenfalls ein bisschen kauzig halten, in Wirklichkeit ist es Ausdruck eines tiefgreifenden Mangels: In einer Welt, in der jede Ladenstraße einer Großstadt mit den gleichen Filialen der internationalen Ketten zugepflastert ist, in der jedes zweite Kind als Lieblingsgericht „BigMac“ angibt, in der die eigene Sprache zu einem Gutteil aus englischen Buzzwords besteht, kann man kaum noch sagen, was eigentlich die Heimat ist, worin sie sich unterscheidet. Und da jedem klar ist, dass der Verlust der Heimat etwas Furchtbares ist, wird um die verbliebenen Reste umso heftiger gerungen.

Natürlich ist diese Regionalisierung eine zweischneidige Angelegenheit: Keiner bricht sich einen Zacken aus der Krone, wenn er in einer bayerischen Bäckerei zwei Semmeln ordert, in einer berlinerischen zwei Schrippen. Aber genau so selbstverständlich möchte man in Bayern nicht als Saupreiss, preissischer oder in Schwaben als Fischkopf tituliert werden, weil man des lokalen Idioms nicht mächtig ist. Und selbstverständlich darf man es auch furchtbar finden, wenn deutschstämmige Schulkinder aus dem Ostviertel im Bus inzwischen ihr kaputtes Ghettotürkisch sprechen, weil sie sonst als Kartoffeln verspottet werden.

Die mehr oder weniger unverhohlene Ablehnung der Andersartigen war lange Zeit in erster Linie Wesensmerkmal unserer Spezies, Ausprägung einer menschlichen Urangst vor dem Fremden, die man bekämpfen wollte und auch konnte, da sich das Fremdsein auflöste, sobald man den Anderen wirklich kennenlernte. Das ist inzwischen anders: Die Verachtung und Verächtlichmachung ist zum Ausdruck einer erlebten Orientierungslosigkeit geworden, zur Abwehrstrategie in einer globalisierten Gesellschaft, deren Tragwerk sich in einer Geschwindigkeit ändert, die selbst die Flexibelsten überfordert. Beliebigkeit und Entwurzelung sind die Begleitumstände, die Hinwendung zu Brauchtum, Tradition und Religiosität die Folge. Die Aussicht in einer Welt zu leben, in der man sich untereinander zwar insgesamt immer ähnlicher wird, aber sich selbst immer fremder, hat nämlich nichts Tröstliches. Et ess jet vüür ze frecke.

Note to self: Noch 2,8. Musik: King Crimson, Meshuggah, KT Tunstall, Led Zeppelin, Konkhra.

Möpse und Mondflüge

Ok, es ist Wahlkampf, nicht die Zeit für Feinsinnigkeiten und Zwischentöne. Man muss Abstriche machen, wenn um die Stimmen der Stammtischbesatzungen und Dauerberieselten gefochten wird. Außerdem muss man als Beobachter des Kampfgeschehens natürlich immer im Blick behalten, was da wo aus welchen Gründen ans Tageslicht gezerrt wird. Oft genug scheint es ausschließlich darum zu gehen, die Auflage bzw. Klickrate zu erhöhen. Wenn sich namhafte Nachrichtenmagazine nun in den letzten Tagen vermehrt an den Schwarzen abarbeiten, vielleicht weil Frank Walter nicht mal mehr als lohnendes Ziel taugt, dann wird höchst Absonderliches zu Tage gefördert, man möchte sich mitunter kneifen.

Ich kann nicht glauben, dass bei der Süddeutschen die regulären Redakteure arbeiten, oder sie agieren ohne Chef vom Dienst. Anders ist das unterirdische Sommerlochniveau nicht zu erklären. Wenn man schon über das für Unionsverhältnisse unglaublich freche Wahlplakat von Frau Lengsfeld, die noch nie dazu neigte Gefangene zu machen, berichten will, ist es dann wirklich nötig, die bierernste und bemüht politisch-korrekte Attitüde einer Frauenunionsvorsitzenden absatzlang auszuwalzen. Kaum. Nicht besser ist der Artikel über die lunaren Ambitionen eines endgelagerten Peter Hintze, der in Wirklichkeit ja gar nichts dafür kann, sondern den Schwachsinn nur rausposaunt hat, weil er immer schon von einem unstillbaren Mitteilungsbedürfnis gesteuert war.

Da lobe ich mir den Spiegel, der trifft wenigstens den Nerv. Man denkt unwillkürlich: Ja Wolle und ich weiß, was Du die letzten 4 Jahre getan hast. Schäm Dich was. Schämen sollte sich auch der neue Star Baron von und zu, der in seinem Übereifer schon mal Outsourcing und Zypriesüberholen übt. Letzteres könnte ja noch wichtig werden, wenn bei der Süddeutschen die Stammmannschaft wieder zur Hochform aufläuft.

Note to self: Weg ist die Leitung nach Baku. Das kann den Beitrag aber nicht mehr retten. Fussball oder Blog, beides geht nicht. Musik: Kyuss, John McLaughlin, Shakti.

Last but not least (Scotland 11)

So, mit diesem Beitrag beschließe ich die Aufarbeitung unseres Urlaubs. Ich hoffe, die Schilderungen waren nicht zu langatmig und ausufernd. Ihr wißt schon: „Wenn einer eine Reise tut…“

SL51

Zwei Themen sollen heute noch abgehandelt werden: Das Wetter und die Eigentümlichkeiten der schottischen Bevölkerung. Beides hängt irgendwie zusammen, denn tatsächlich beginnt so mancher Plausch mit den Einheimischen tatsächlich mit den unvermeidlichen Bemerkungen über das meteorologische Tagesgeschehen, das ist kein Klischee, sondern Realität.

Falls jemand die Comedy-Serie „Little Britain“ kennt, dann wird er sich an das immer wiederkehrende Motiv erinnern, das den launigen Streichen dieses spinnerten schottischen Hotelbesitzers mit seiner Flöte („You know too much“) vorausgeht: Ein Pärchen in Badekleidung auf Liegestühlen in Sturm und Regen vor einem Schloss und dazu die Stimme aus dem Off: „A favourite destination for holidaymakers after Siberia is Scotland.“ Ernsthaft: Ganz so schlimm ist es nicht.

SL52

Wenn man das schottische Wetter mit einem Wort charakterisieren wollte, dann würde sich „veränderlich“ anbieten. Tatsächlich kann man, vor allem an der Westküste, „five seasons in one day“ erleben. Hat es eben noch Bindfäden geregnet, zeigt sich kurz darauf das Zentralgestirn in seiner ganzen Pracht, ein paar Minuten später und einige Höhenmeter höher ist es wiederum so nebelig, dass man kaum die sprichwörtliche Hand vor Augen sieht. Das bedeutet für den Reisenden, dass ihm Flexibilität und eine gute Portion Humor abverlangt wird. In dem Zusammenhang erinnere ich mich an eine Szene, die sich in Portpatrick zugetragen hat: Es regnete schon eine ganze Weile, wir hielten uns an dem einzigen Ort am Hafen auf, der einigermaßen trocken war, einer überdachten Informationstafel. Von den Klippen kam ein Grüppchen englischer Touristen in Regenjacken herunter, schwarz und glänzend, wie ein Rudel Robben. Ich konnte mir den Zuruf: „Scotland is wonderfull, ain`t it?“ nicht verkneifen, der mit Gelächter quittiert wurde. 10 Minuten später kam die Sonne raus, das Licht veranstaltete mit den schwarzen Wolkenrändern ein hochdramatisches Spiel (das man leider kaum fotographisch dokumentieren konnte). Einfach schön.

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Die Aussage „Wir haben Glück mit dem Wetter!“, die ich bei einem Telefonat mit der Heimat rausließ, entwickelte sich im Laufe der Tour zu einem „running gag“. Ich bin aber nach wie vor der Ansicht, dass sie stimmte. Wir hatten Glück mit dem Wetter! Punkt.

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Für die Einwohner Schottlands gilt das, was für die Bevölkerung auf der britischen Insel ganz allgemein zutrifft: Es sind, bis auf ganz wenige Ausnahmen, einfach „lovely people“: Sie sind höflich und zuvorkommend, dabei aber nie aufdringlich. Sie sind unglaublich freundlich und offen und halten gerne ein Schwätzchen. Sie sind sportbegeistert, vor allem, wenn es um Golf und Bowling (=Petanque) geht. Sie können sehr ironisch sein und manchmal ein bisschen exzentrisch, das ist gewiß kein Nachteil. Egal ob im Supermarkt, am Campingplatz, an der Bushaltestelle, oder an der Theke: Die Briten und ihre Mentalität sind für mich ein ganz dicker Pluspunkt wenn man GB oder Schottland als Urlaubsziel ins Auge fasst und sie entsprechen so ganz und gar nicht dem Klischee vom rotverbrannten, lauten, bereits vormittags besoffenen Rabauken, das von Mittelmeerurlaubern oft verbreitet wird.

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Was uns auffiel war, dass sehr viele junge Frauen sich so kleiden und frisieren, als wollten sie an einem „Vicky-Pollard-Look-A-Like-Wettbewerb“ teilnehmen. Das gilt besonders für den oberaufgebrezelten Look, der für das Ausgehen „on a friday night“ ausgewählt wird. Sehr merkwürdig. Entsprechende Fotos fehlen aus naheliegenden Gründen.

Außerdem ist man in Schottland ein bisschen aber- und gespenstergläubiger, als in Deutschland. Nicht nur, dass jedes Schloss mindestens einen eigenen Geist, jedes Haus seinen „gremlin“ hat und darüber hinaus „brownies“ das Land unsicher machen. Man liebt es, genau wie in Cornwall und Wales, Stofffetzen in heilige Quellen („clootie well“) zu tauchen und sie danach in Bäume zu binden damit das dabei Gewünschte in Erfüllung geht. Hier zum Beispiel auf der Black Isle:

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Dass Schotten genauso so verbohrt und spießig sein können, wie so mancher Deutsche, das haben wir in Dunnet erfahren müssen, damit wären wir bei den eben angesprochenen seltenen Ausnahmen: Auf dem von uns in der Folge nur noch „Faschistenplatz“ genannten Caravan-Park wollte man uns erst gar nicht haben („We are very expensive“), dann legte man uns ein DinA4-Blatt vor, in dem wir ausführlich dokumentieren mussten, wer wir eigentlich waren („Are you sure, you don`t want our email address?“), schließlich wies man uns nicht nur einen nummerierten Pitch zu, sondern hatte auch noch Vorschriften parat, wo der Zelteingang hinzuzeigen hatte und auf welcher Seite des Zelts das KFZ abzustellen war. Das gesamte Gespräch fand betreiberseitig in einem äußerst unfreundlichen und distanzierten Ton statt. Alle 10 Meter stand ein Schild, das auf die 5mph Geschwindigkeitsbegrenzung hinwies und keiner hätte sich getraut schneller als 5mph zu -laufen-. Das merkwürdige Benehmen färbte offensichtlich auch auf manche Besucher ab: Auf ein freundliches „Hi there!“ drehte man den Kopf weg und reckte die Nase noch ein bisschen höher gen Himmel. Komisch das.

Wie geschrieben: So etwas wird man nur äußerst selten erleben, denn im Grunde ist den Schotten eine derartige nervenaufreibende Ablehnung viel zu ungemütlich, sie würden in der überwiegenden Mehrzahl auch dann noch gelassen und nett bleiben, wenn das Ende der Welt nahe wäre:

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So, damit mache ich den Laden jetzt aber endgültig zu. Ich denke Ihr habt mitbekommen, wie sehr wir diesen Urlaub genossen haben und ich glaube nicht, dass das mein letzter Aufenthalt in diesem wunderschönen Land war, oder wie man es mit einem leicht abgewandelten schottischen Sprichwort sagen würde: „One good tour deserves another!“ Slainte Mhath!

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Note to self: Die Garage des Grauens! Musik: Darkthrone, Limbonic Art.

Blind summits and hidden dips (Scotland 10)

Natürlich macht man sich im Vorfeld einer Reise auf die britische Insel auch Gedanken über die eigene Eignung für den Linksverkehr, erst recht, wenn man nur selten autofährt (Schreibt man das so?) und die Erfahrungen „on the wrong side of the track“ schon ein paar Jahre zurückliegen (Sweet sweet South Yorkshire). Ehrlich gesagt war ich doch erleichtert, als Ödli nach der Fährpassage anbot, die erste Schicht am Steuer zu übernehmen und sozusagen ins kalte Wasser zu springen, was er übrigens mit Bravour erledigte. Insgesamt ist das Linksfahren aber weit weniger problematisch, als zuvor vermutet und durchaus „enjoyable“, wenn man guten Metal auf dem iPod hat.

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Natürlich war hin und wieder ein mehr oder weniger panisches „Falsche Seite“ vom Beifahrer zu hören, wobei das Geisterfahren umso wahrscheinlicher ist, je weniger andere Autos zur Orientierung unterwegs sind. Außerdem ist es schon ein Nachteil bei Überholvorgängen und engen Kurven, dass man auf der falschen Seite am Steuer sitzt. Der Beifahrer hat stets die bessere Übersicht.

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OK, jetzt muss ein Absatz zum Thema „Kreisverkehre“ kommen, denn jeder, der Großbritannien mit dem Auto bereisen will, sollte sich damit vorher beschäftigen, auch wenn er nicht nach Swindon will. Gegeben sei ein Roundabout mit zweispurigen Einfahrten. Wir wollen mal annehmen, dass man die zweite Ausfahrt nehmen, also sozusagen geradeaus fahren möchte. In diesem Fall sollte man sich tunlichst auf der rechten Zufahrt einordnen und im Kreisverkehr innen fahren, denn in GB biegt man auch von den inneren Spuren ab. Es gilt die Regel: Wer außen fährt, der nimmt die nächstfolgende Ausfahrt. Tut man dies nicht, dann könnte ein von innen Kommender die Außenbahn kreuzen und bei einem Unfall im Recht sein. Das war es im Prinzip auch schon. Hat man es einmal gerafft, ist der Rest „piece of cake“. Trotzdem hatte ich auf dem Weg nach Glasgow eine stressige Erfahrung in einem beampelten Roundabout, weil die Beschriftung der etwas versetzten Spuren im Kreisverkehr für mich irreführend war und ich deshalb eine Ehrenrunde drehen musste.

Großbritannien ist das Mekka der „Speed Cameras“, das Land ist quasi gepflastert damit. Es ist unbedingt zu empfehlen, ein Navi mit Blitzenwarner mitzuführen und ansonsten den Gasfuss zu mäßigen, es reist sich einfach entspannter. Man wird zudem ständig vor allen möglichen Gefahren gewarnt, die Schilderaufsteller müssen Extraschichten eingelegt haben. Besonders schön: Blind summits, hidden dips, ducks and golf balls.

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Eine Spezialität der abgelegeneren Hochlandbereiche sind die so genannten „single track roads“, einspurige Straßen, die man vorausschauend befahren sollte. Es gilt die Regel, dass derjenige am nächstgelegenen „Passing Place“ dem Gegenverkehr die Durchfahrt zu gewähren hat, der näher dran ist. Das klappt prima, man bedankt sich durch freundliches Handzeichen und wird so zu einer vorsichtigen Fahrweise gezwungen, die zudem das Abräumen der zum Teil suizidal veranlagten frei laufenden Hochlandschafe verhindert.

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Unsere Fahrt verlief im Grunde ohne jeden unschönen Zwischenfall. Und unser Autochen erwies sich als treuer, zuverlässiger Begleiter. Nur in Rosemarkie machte es ein bisschen Ärger, als sich plötzlich die Heckklappe nicht mehr öffnen lassen wollte und wir die fehlerhafte Elektronik austricksen mussten. Gewusst wie:

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Noch ein letztes: Gerade in Großstädten ist man als Fussgänger, der den Rechtsverkehr gewohnt ist, mitunter gefährdeter als als Autofahrer. Auch hier gilt: Immer schön gucken!

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Note to self: Peinliche Rakerei, war das nun nötig? Musik: Wargasm.