Brüder (und Schwestern) zur Sonne…

So Genossen, da habt ihr die Quittung. Und wer jetzt den Schuss noch nicht gehört hat, dem ist nicht mehr zu helfen. Es ist an der Zeit jetzt endlich das ganze Gerede von der neuen Mitte ad acta zu legen. Es ist an der Zeit wieder Politik für die kleinen Leute zu machen. Es ist an der Zeit in Klausur zu gehen und die Scherben zusammen zu kehren. Vielleicht ist der katastrophale Einbruch von heute die Gelegenheit, die die alte Tante gebraucht hat, um zu beginnen, sich neu zu erfinden: Mit neuen Leuten an der Parteispitze, mit politischen Inhalten, die wahrhaft sozialdemokratisch, also links im besten Sinne sind, mit einem vernünftigen, unemotionalen Umgang mit der Linken. Sollte das gelingen (und wenn ich Münte und Frank W. heute abend höre, dann habe ich daran durchaus meine Zweifel), dann, ja dann wird die SPD auch wieder mindestens eine Stimme im Westzipfel mehr erringen, meine Stimme nämlich.

Dem Land stehen 4 kalte, harte Jahre bevor, so viel ist klar. Sollte wirklich der Irrweg der Deregulierung, der Steuergeschenke für Bonzen und Geldsäcke, der Gängelung der armen Schlucker und der Entsolidarisierung der Gesellschaft eingeschlagen werden, dann sehe ich schwarz.

Note to self: Dicke Ausnahme, reine Frustbekämpfung. Musik: Podmix Neue Helden 12.

PTLs Burg, ANNAs Scheune

Es war schön endlich mal wieder auf der Bühne zu stehen und abzurocken. Das hat mir echt gefehlt. Am vergangenen Freitag spielte die Kohlenrockcombo anlässlich des runden Geburtstags ihres Schlagzeugers in der Burg in Baesweiler auf, wobei man allerdings dazu sagen muss, dass die Burg eigentlich mehr an einen Gutshof erinnert: Keine Zinnen, keine Türmchen, keine Zugbrücke, aber eine Riesenscheune mit rustikalem Charme. Wir durften über ein Monster von Anlage spielen, die Komponenten aufwies, bei denen ich noch nicht mal weiß, wozu sie eigentlich gut sind. Jede Menge Displays, Regler, Racks, alleine die Aufnahmeeinheit war größer als unsere Endstufe.

AD

Auch wenn sich der eine oder andere Schnitzer in unseren Vortrag einschlich, hatten wir trotzdem jede Menge Spaß (zum Teil auch gerade wegen der Schnitzer) und Spaß hatten auch die Zuhörer, die natürlich besonders den Jubilar überschwänglich feierten. Mein persönliches Highlight war die Welturaufführung von „In Vain“, so gesehen freue ich mich auf die kommenden Monate und die neuen Stücke, die wir jetzt anzugehen gedenken.

Als Headliner des Abends fungierten Phil T. Lizzy aus Belgien, die sich in den letzten Jahren, man hört es schon am Namen, als erfolgreiche und überregional bekannte Thin Lizzy Coverband profiliert haben. Sie spielten große Ausschnitte des unglaublichen Albums „Live And Dangerous“ des irischen Quartetts, das ich im Schlaf auswendig mitsingen kann, und brachten den Saal (wenigstens die vorderen 15 Meter) zum Kochen. Wirklich Klasse! Spätestens bei der zweiten Zugabe „Whisky In The Jar“ gab es kein Halten mehr.

Fotos vom Auftritt gibt es demnächst auf der Homepage von ANNA1. An dieser Stelle nur noch ein dickes Dankeschön an den Gastgeber für einen extrem gelungenen Abend.

Note to self: Du kannst sie nicht zwingen und du brauchst nicht noch mehr an dir herumzubiegen, um was zu ändern. Musik: Wolves In The Throne Room, Immortal, Opeth.

Jetzt reicht es!

Und? Schon das Neuste von unserem Oberschnüffler Wolle Schäuble vernommen? Was, noch nicht? Hier gibt es einen Einblick in seinen Wunschzettel für die Koalitionsverhandlungen (Auch wenn das Ministerium dies bestreitet. Nachtigall ick hör dir trapsen.) „Prost Mahlzeit!“ kann man da nur sagen, der Mann und seine Mannen haben ganz offenbar schwer einen an der Waffel. Tut mir ja leid, mich an diesem sattsam bekannten Thema öffentlich wundscheuern zu müssen, aber wer denkt „Nicht schon wieder“, der ist bereits zu gründlich eingewickelt.

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Die einzelnen Forderungen aus diesem feuchten Traum der sicherheitspolitischen Berufsparanoiker von der Union lesen sich wie ein Kochrezept aus dem MfS. „Quis custodit custodes?“ fragt man sich nicht zum ersten Mal. Schäuble tut es jedenfalls nicht. Übrigens: Die ehemals liberale Partei, die ihren Einsatz für Bürgerrechte wie ein Banner vor sich herträgt, tut es auch nicht, das hat ihr Abstimmungsverhalten bei der Einführung der Onlinedurchsuchung in Sachsen und NRW deutlich gezeigt. Wer also hofft, die FDP würde sich im Falle eines schwarz-gelben Wahlsiegs als Korrektiv betätigen, der sollte sich mal untersuchen lassen (Entsprechende Hoffnungen bezüglich der Sozialdemokratie habe ich angesichts ihrer Abnickpolitik in der vergangenen Legislatur ohnehin nicht mehr).

Zitat aus der Süddeutschen: „…es [das besagte Konzept. Anm. d. Verf.] wurde vom Abteilungsleiter für Öffentliche Sicherheit gebilligt. In dieser Abteilung sind von Minister Schäuble die (wegen des Trennungsgebots) früher getrennten Abteilungen P (Polizei) und V (Verfassungsschutz) zusammengefasst worden.“ Merkt hier eigentlich überhaupt noch einer was? Wenn man erste Schritte unternimmt, um Geheimdienst und Polizei zusammen zu führen, was kriegt man dann? GEPO! Und am noch fehlenden STA wird sicher auch schon gearbeitet.

Dass SPON den Artikel nach zwei Stunden an prominenter Stelle gleich mal ins Kleingedruckte verschoben hat, wundert mich überhaupt nicht mehr. Dass das Konzept einen Tag vor der Wahl ins Licht der Öffentlichkeit gerückt wurde, und zwar von der Süddeutschen, passt ebenfalls wie die Faust aufs Auge. Verschwörungstheoretisieren wir noch ein bisschen weiter: Natürlich gibt es im Innenministerium auch viele Sozen, denen das Lancieren eines solchen Papiers zu diesem Zeitpunkt gut ins Konzept passt. Natürlich könnte es auch eine Finte der Merkelin sein, um ihren alten Widerpart in der eigenen Partei endlich los zu werden, da die Fortsetzung ihrer Kanzlerschaft ja so oder so kaum zu verhindern sein wird (Bei hoher Wahlbeteiligung koaliert man mit der SPD, bei niedriger Wahlbeteiligung mit der FDP). Natürlich könnte man annehmen, dass die Piratenpartei ein U-Boot im Ministerium hat und jetzt so richtig einen raushaut. So oder so: Innen- und Sicherheitspolitik unter der Ägide der etablierten Parteien heißt seit geraumer Zeit: Spaltung statt Einigkeit, Willkür statt Recht und heimlicher Würgegriff statt Freiheit. Mir ist schlecht!

Note to self: Zwacken, es wird eng! Musik: Opeth, Immortal.

Ach weisste Joe…

…billige Propaganda können andere besser, Du brauchst Dich also gar nicht so vehement ins Zeug zu legen. Außerdem läuft es doch für Dich: Die G20 verwässert die eh schon verwässerten Vorschläge noch weiter, Guttenberg warnt genau wie Du vor allzu heftigen Vorschriften zur Eigenkapitalausstattung der Kreditinstitute, die Wirtschaftsweise jeder Coleur für unabdingbar halten und unser lieber Steinbrück weiss zwar was er will, doch verhallen seine Rufe in der Wüste. Ah, das Eigenkapital. Du schreibst dazu: „Höhere Eigenkapitalanforderungen bedeuten engere Grenzen für die Höhe der Bank-Aktiva“ und folgerst daraus, dass dann weniger Geld für Investitionskredite zur Verfügung stünde. Sieh mal Joe, wenn das Geschäft der Banken in den letzten Jahren zuvorderst daraus bestanden hätte Investitionen zu finanzieren, dann hätte es die Finanzmarktkrise nie gegeben. In Wahrheit machten die Banken ihr Geld aber hauptsächlich mit Verbriefungsgeschäften und brachten so toxische Papiere im Gegenwert eines 4stelligen Milliardenbetrages auf den Markt. Man will Euch ja nicht vorschreiben, das in Zukunft nicht mehr zu tun (warum eigentlich nicht?), man möchte nur, dass ihr einen größeren Teil des Risikos übernehmt, schließlich lasst ihr Euch dafür bezahlen.

Außerdem machst Du Dir Sorgen über die Zukunft des europäischen Finanzplatzes, wenn strengere Regularien tatsächlich nicht in Pittsburg sondern im nationalen oder kontinentalen Rahmen verabschiedet würden. Man könnte hinter amerikanische und chinesische Institute zurückfallen. Weisste was Joe, ob ihr das tut oder nicht, das geht mir am Pöppes vorbei. Eure Großmannssucht und Gewinngier hat uns allen eine Suppe eingebrockt, die ihr in hundert Jahren nicht auslöffeln könnt. Auch wenn Du Deinen Fuss bis zum Knöchel in der Tür der Entscheider von Pittsburg und Deinen Kopf bis zum Hals im Hintern der Kanzlerin hast, so ein kleines bisschen Anstand und Realitätssinn hätte ich Dir dann doch zugetraut. Dein unverschämtes Anspruchsdenken kommt fast schon an das der Wanderheuschrecken heran.

Und wir lassen uns das auch noch bieten, wir setzen uns selbst Euren Fuß auf den Nacken. Ja Joe, Du hast recht, Du kannst nichts dafür, dass wir es Euch so leicht machen. In diesem Sinne: Weiterhin viel Spaß mit meiner Kohle.

Note to self: „Oben“ ist es nicht. Der erste richtige Aussetzer von Pixar. Musik: Opeth, Ørnen-Soundtrack.

Glückwunsch Dieter

60 Jahre und kein bisschen leise. Also hau weiterhin schön drauf:

DB

Note to self: Schal, Tee, Daumendrücken! Musik: Immortal, Mayhem, Biohazard, Zero 7, Dissection.

Organ2/ASLSP

Manche Dinge sind so skuril, dass man die Menschen, die sie sich ausgedacht und realisiert haben, einfach gern haben muss. In diese Kategorie gehört das John-Cage-Orgelprojekt Halberstadt. Dabei geht es um die Aufführung der Komposition „Organ2/ASLSP“ (das Akronym ASLSP steht für „as slow as possible“) die im Jahre 2001 begann und insgesamt 639 Jahre in Anspruch nehmen wird.

ASLSP

Zu den Hintergründen sei auf die Homepage des Projekts hingewiesen. Wie das Ganze klingt, davon kann man in diesem Video einen Eindruck gewinnen. Um die zeitliche Dimension dieser Aufführung besser zu erfassen, kann man sich mal überlegen, was in Europa vor 639 Jahren, also im Jahr 1362 (gerechnet von 2001) los war: Die Mauren saßen in Spanien, eine große Sturmflut an der Nordsee führte zur Entstehung der Insel Sylt, die Päpste residierten nicht in Rom, sondern in Avignon, das oströmische Reich lag nach dem Fall von Adrianopel in seinen letzten Zuckungen.

Man kann sich also nur wünschen, dass das Werk wirklich bis zum Ende gespielt werden wird. In diesem Fall hätte unser Kontinent wahrscheinlich eine äußerst seltene und langanhaltende Phase der Stabilität erlebt. Wenn ich mir die Bilder aus der Kirche anschaue, dann finde ich, dass man keinen besseren Ort für das Projekt hätte finden können und ich wünsche mir, dort mal eine entschleunigte halbe Stunde mit Zuhören und Meditation zu verbringen (Und natürlich hatte ich zuerst den Impuls: Mensch, warum stellen sie keine Webcam auf und übertragen das Ganze live ins Internet. Ja warum nicht? Überlegt mal.). Bis es dazu kommt, freue ich mich erst mal auf die neue Platte von Immortal, die am 25. dieses Monats rauskommt. Knüppel aus dem Sack statt Dauerflöten. Varietas delectat.

Note to self: Lampenfieber? Zu früh! Musik: Opeth, Mastodon, Meshuggah.

Erlösung

Es folgt ein Fußballartikel, aber vielleicht ist er auch für diejenigen Konsumenten lesenswert, die sich nicht für das beste Spiel, das die Menschen erfunden haben, interessieren.

NT

Manchmal machen mich Fußballspiele, unabhängig von ihrem Ausgang, sehr nachdenklich. Wenn ich mit ein paar tausend Anderen in der Kurve stehe und es so ein Tag ist, dann frage ich mich merkwürdige Fragen. Zum Beispiel: Das entscheidende Tor für uns ist gerade gefallen. Für wie viele der Anwesenden war das der beste Moment der Woche? Wie viele schaffen es, genau wegen dieses Heimsiegs, sich noch einmal zusammenzureißen und nicht das Gas aufzudrehen? Wie viele Frauen und Kinder entspannen sich, weil sie wissen, dass sie heute nicht verprügelt werden? Wie viele werden beseelt lächeln und nicht heulen, während sie sich ins Koma saufen? Wie viele haben es gar nicht wirklich mitbekommen, auch nicht mitbekommen wollen, weil sie nur dastehen, weil sie immer da stehen und schon so viele gewonnene und verlorene Spiele gesehen haben, die nichts änderten?

Ich bin einer von euch. Ich schreie, singe, klatsche mit euch. Wir sind so laut, dass es mir in den Ohren klingelt, so laut, dass der Schall, der vom Dach auf den Rasen geworfen wird, das Spielfeld ruinieren, zumindest aber große Stücke herausreißen müsste. Mein Nebenmann ist eigentlich ein Nebenjunge. Wenn sein Ellenbogen meine Seite trifft, fühlt es sich gut und richtig an. Die erste Minute der Nachspielzeit. Es ist zu warm für Ende September. Ich kann euch riechen. Von der Grundlinie wird der Ball in den Strafraum gespielt, dort steht Auer. Es wird still, ganz still für eine Zehntelsekunde. Er stoppt das Leder gekonnt ab und legt es sich noch ein kleines Stückchen vor. Eine weitere Zehntel vergeht, langsamer als die letzte. Sein starker Fuß, der rechte Fuß, trifft den Ball. Er schlägt am kurzen Pfosten ein. Der Lärm kehrt unvermittelt und mit voller Wucht zurück. Wir reißen die Arme hoch. Danke danke. Bitte bitte. Bibiana Steinhaus pfeift ab. Das Plastik zerbrochener Bierbecher knirscht unter meinen Füssen. Die Sonne steht über der Stadt. Ich drehe mich um. Zwischen den Betonrippen werden Schwarzgelbe herausgespuckt und dahin zurückgeworfen, wo sie herkamen. Es hat sich nichts geändert, denke ich mir. Neben mir lacht einer. Ca. 50, übergewichtig, rotgesichtig, die Klamotten abgetragen, den Becher in der Hand, Schaum überm Mund. Er brüllt über den Vorplatz: „Aachen ist die schönste Stadt der Welt.“ Das Licht auf dem Pflaster ist goldgelb wie Bier. Einer, der erlöst wurde. Und für ein paar Sekunden macht er mich heil.

Note to self: Du musst wissen, was Du tust. Für uns beide ist es schon seit Jahren zu spät. Etwas Respekt hätte ich erwartet, vorschreiben kann ich ihn Dir nicht. Aber ich habe es satt, Dir goldene Brücken zu bauen, die Du nicht betreten willst. Musik: Between the buried and me – Mordecai.

Yes WICANN

Ich nehme die heutige halbstündige Störung meines Internetanschlusses mal zum Anlass eine ganz einfache Frage aufzuwerfen (und zu beantworten): Wem gehört eigentlich das Internet? Blöde Frage, wird der eine oder andere sagen, das Netz gehört allen, zumindest allen, die daran teilnehmen. Das ist zwar irgendwie richtig, gleichzeitig ist es aber völlig falsch.

Sicher, auf den ersten Blick besteht das Internet aus allen weltweit vernetzten Rechnern, also auch aus dem, an dem gerade dieser Artikel verfasst wird. Und weil mir mein Provider eine einmalige IP-Adresse zugeteilt hat, die meinen Mac (den ich an guten Tagen manchmal Gandalf den Grauen nenne, an schlechten Scheißkiste, das nur nebenbei.) zum Teilnehmer am globalen Datenverkehr macht, hat das Internet hier im Westzipfel also sozusagen ein Knötchen mehr. Und trotzdem gehört mir nicht mal ein winziges Stückchen vom Internet: Ich bezahle meinen Provider in erster Linie dafür, dass er die Hardware für die Vernetzung bereitstellt und unterhält, außerdem entfallen Kosten auf die Nutzung von Leitungen und Verteilungsknoten bis hin zu den globalen Backbones, die im Besitz anderer Provider sind. Also gehört diesen Diensteanbietern in Wirklichkeit das Internet? Nein, auch nicht.

Also, wem gehört es dann? Des Rätsels Lösung liegt einerseits in der Vergabe der schon genannten IP-Adresse, andererseits im DNS-System. Der Reihe nach: Es ist klar, dass jeder Teilnehmer am Datenaustausch als solcher eindeutig zu erkennen sein muss. Also werden IP-Adressblöcke von kontinentalen Verwaltern an die Provider verkauft. In Europa kümmert sich das RIPE darum und finanziert sich auch durch diese Dienstleistung. Aber auch dem RIPE gehört nicht das europäische Internet, es erhält seine IP-Adressen von der ICANN. So, da haben wir es: Das Netz gehört der ICANN, denn die regelt nicht nur die Adressvergabe, sondern kontrolliert auch die berühmten 13 RootLevel-Server des DNS-Systems, die dafür sorgen, dass man skidman.de bekommt, wenn man skidman.de als Zieladresse einträgt.

So, jetzt komme ich endlich zum Punkt, bzw. zu der Frage: Wem gehört die ICANN? Nun eigentlich ist es eine unabhängige Stiftung, de facto untersteht sie aber, und jetzt wird es unappetitlich, dem US-Amerikanischen Handelsministerium. Zwar wird schon seit Jahren darüber gestritten, dass die Organisation durch eine internationale Kontrollstelle (World-ICANN oder WICANN) ersetzt werden soll, aber bislang konnten sich die Staaten nicht einigen, wie eine solche Einrichtung auszusehen hat und wie sie kontrolliert werden soll. Und solange man sich nicht einigt, macht die ICANN eben weiter. Den USA ist das nur recht, sie sehen sich in der „historischen Verantwortung“ für die Netzsicherheit und haben sich verpflichtet für einen störungsfreien Betrieb zu sorgen.

Kann die amerikanische Regierung das Internet „abschalten“? Ja und nein. Die RootLevel-Server sind rund um den Globus verteilt. Würden die auf dem Boden der USA befindlichen aus dem System genommen, würde sich der Zugriff verlangsamen, aber es wäre kein Problem zusätzliche Server außerhalb der USA kurzfristig in Betrieb zu nehmen. Ob das DNS-System in einem solchen Fall den Ansturm der Anfragen bewältigen könnte, das ist reine Spekulation.

Die Angelegenheit hat jedenfalls ein Geschmäckle. Mir wäre wesentlich wohler, wenn die Kontrolle in den Händen einer wirklich unabhängigen Institution liegen würde. Darauf sollte mit Nachdruck hingearbeitet werden: Yes WICANN!

Note to self: Gerade noch rechtzeitig, puh ich freu mich. Musik: Krisiun, Iron Maiden, Manowar, Me First And The Gimme Gimmes.

DieeinstmitdemBärenrangen

Manche Mitmenschen finden ja, mir sei der sichere Geschmack für gute Musik irgendwann in den letzten Jahren abhanden gekommen. Ich kann dann immer nur mit Schultern zucken. Auch Debatten darüber lohnen sich nicht: Was dem einen sin Uhl, ist dem anderen sin Nachtigall. Für mich spielt keine Rolle, wie erfolgreich sich der Kram, den ich gerne mag, verkauft. Weder in der einen, noch in der anderen Richtung. Ich höre gern Musik, bei der man auch wirklich zuhören muss, um etwas davon zu haben. Ich höre gern Musik, die mit virtuosem Können und Spielfreude gemacht ist. Ich höre gern Musik, die extreme Emotionen transportiert. Aus genau diesen drei Gründen habe ich eine Schwäche für Mathcore.

Nun muss ich allerdings zugeben, dass die Auswahl in diesem Genre überschaubar ist. Wenn man die Scheiben von Converge, The Locust, The Dillinger Escape Plan und Psyopus durchsichtig gehört hat, dann freut man sich diebisch, wenn etwas gänzlich Innovatives in der Richtung rauskommt. Eine solche Offenbarung sind die beiden Tonträger von iwrestledabearonce, besonders das gerade erschienene erste Full-length-Album „Its All Happening“.

iwabo

Also: Man nehme The Dillinger Escape Plan, Björk, Ghengis Tron, Circa Survive und Flyleaf, schüttele einmal kurz durch und das Ergebnis ist der wirrste, verstörendste und gleichzeitig rührendste Mathcore, den man sich vorstellen kann. Harte, extrem flotte Teile wechseln sich mit polyrhythmischen elektronischen Passagen ab, witzige Samples mischen das Ganze noch zusätzlich auf, dazu kommen Versatzstückchen, die auch als Fusion oder Jazzrock durchgehen würden. Kaum hat man sich auf ein Thema eingestellt, stellt die Band das bisher gespielte auf den Kopf. Die Musik des Sextetts aus Louisiana ist ein Überraschungsei im Überraschungsei im Überraschungsei.

Liest man sich mal ein paar Interviews durch, dann wird schnell klar, dass die Bärenringer nichts ernst nehmen, auch sich selbst nicht. Und angesichts ihrer Werke scheint das auch keine oberflächliche Attitüde zu sein. Man fragt sich schon, wie man sich solche Musik aus dem Kopf drücken kann (und Mucke für den Kopf ist es zweifellos, da groovt nix, da wird nicht mit dem Fuß gewippt), wenn man aus einer Kleinstadt im Süden der USA kommt. Ich hoffe jedenfalls, dass sich die Kapelle ihre Unbekümmertheit noch eine Weile erhalten kann, auch wenn sie jetzt bei Century Media unterschrieben haben.

Die Sängerin heißt Krysta Cameron und sie hat alles drauf: Tiefe Death Metal Growls, hysterische Hardcore Screams, wunderschönen Klargesang, halb atonal Kippendes, ein unglaubliches Spektrum, das mich grün vor Neid werden lässt. Dass sie dabei auch noch aussieht, wie eine Buchhalterin, rundet das Bild ab. Iwrestledabearonce sind ein Phänomen. Und dass wahrscheinlich 99% aller Hörer den Kram nicht mal 10 Sekunden durchhalten, ficht mich nicht im Geringsten an. Vorschlag: Versucht es doch mal mit den folgenden 3 Minuten 22 Sekunden:

[youtube http://www.youtube.com/watch?v=ZrFTR9fucr8&hl=de&fs=1&]

Note to self: Du lässt sie wirklich verhungern? Erbärmlich! Musik: Porcupine Tree, Naglfar, Iwrestledabearonce.

Zusammenkehren, aufwischen, auswringen

Also denn: Dreimal ist göttlich, entsprechend beschäftigt sich der dritte Beitrag dieses in Wirklichkeit nicht besonders aufregenden Sonntags auch mit drei Themen, die sozusagen noch offen, bzw. übrig geblieben, bzw. quasi selbstähnlich sind. Der umgekehrten Reihenfolge nach:

Zunächst sei einem ambitionierten Radfahrer, der heute bei Wind und Regen Teile des nordkölschen Speckgürtels unter die Pedalen genommen hat, folgendes zugerufen: Egal, ob Kölle, Berlin, München… – wenn man der so genannten Mittelschicht (leider immer noch) Pendlerpauschale und (glücklicherweise nicht mehr) Eigenheimzulage vorne und hinten reinstopft, dann darf man sich nicht wundern, wenn die Mitnahmeeffekte in Reihenhausform fröhliche Urständ feiern. Diese Siedlungskultur ist die großmaßstäbliche Abbildung der naiven und gleichzeitig überheblichen Ablehnung alles Urbanen und das vorörtliche Ghetto am Stadtrand die Fluchtburg der profillosen Biederleutchen, der Somazellen des gesellschaftlichen Binde- und Fettgewebes, deren Dasein sich in normgetreu gemähten handtuchgroßen Vorgärten in Wahrheit eben doch nicht erfüllen kann, auch wenn sie alle ganz fest daran glauben. Zu hart? Ah, mir ist gerade nicht nach Zwischentönen und Legato zumute.

Zwotens geht es um die Auflösung des Haifischrätsels, das in Wirklichkeit ein Käferrätsel war. (Die Flusslandschaftsstammleserschaft ahnt was. Allen Anderen wird dieser Abschnitt höchst spanisch vorkommen, aber da müsst ihr jetzt durch). Ich gebe zu, den Namen von Käfer II (war doch Käfer II, oder?) völlig verdrängt zu haben. Tatsächlich bilde ich mir ein, genau zu wissen, bei welcher Gelegenheit das Foto aufgenommen wurde (Für alle Nichtinsider: Der Typ da auf dem Beifahrersitz nennt sich jetzt Skidman). Die Fahrt endete im grenznahen benachbarten Ausland und der Tag ganz merkwürdig, wenn ich mich nicht irre. Ich kann mich außerdem noch an eine Fahrt abends aus der Stadt erinnern, bei der Schneeflöckchen durch irgendein Loch in der Verkleidung des Armaturenbretts drangen. Das müsste auch der himmelblaue Hai gewesen sein. Sämtliche andere Volkswagen-Erinnerungen aus dieser Zeit haben mit dem Goldenen (Käfer III) zu tun, zum Beispiel die Helmstedt-Episode. OK, to be continued.

Und das noch offene Thema? Ganz klar: 90 Minuten Schmusekurs. Nichts Neues. Frank Walter in den Sympathiewerten vorn, die Kanzlerin bei der Kompetenz. Münte feiert trotzdem schon mal überschwänglich. Ein Thema kam nicht vor, dabei ist es das wichtigste Thema, das alle-blockieren-alle-Thema, das alle-werden-aneinander-schuldig-Thema: Die Bildungspolitik! Oder soll ich wirklich glauben, die politisch Verantwortlichen nehmen die rasant fortschreitende Verblödung des Volkes hin, fördern sie sogar, damit sie ungestört weiter wurschteln können. Ja das soll ich.

Note to self: Tugend ist ein Produkt der Arbeit an sich selbst. Musik: keine, Glotze.