Im Wald und auf der Heide

Fortsetzung der Dreiländertour auf Schusters Rappen. Heute ging es bei schönstem Wetter zum Nationaalpark De Meinweg zwischen Wassenberg und Roermond. Kiefernwälder und Heideflächen auf sandigem Boden dominieren die Landschaft, ein schönes, fast topfebenes Stückchen Erde.

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Unsere Route begann am Parkplatz „De Kievit“ in der Nähe des Weilers Rothenbach. Von dort ging es nach Norden, über den „Eisernen Rhein“. Wenig später erreichten wir die von wenigen Birken und Eichen durchsetzten Heideflächen.

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Dem Unkundigen sei an dieser Stelle gesagt, dass Heide eine Kulturlandschaft ist, die ohne menschlichen Einfluss gar nicht existieren würde. Nur durch die regelmäßige Beweidung wird das Aufwachsen des Waldes verhindert, so bleiben die charakteristischen Freiflächen erhalten. In De Meinweg weiden Schafe, urtümliche Rinder und wilde Pferde. Leider haben wir diese Tiere nicht zu Gesicht bekommen und auch „het wild zwijn“ ließ sich nicht blicken. Dagegen war der Waldmistkäfer (Anoplotrupes stercorosus) sehr häufig anzutreffen.

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Informationstafeln und Standortkarten sind in diesem Wandergebiet dünn gesät, dafür gibt es zahlreiche Wegmarkierungen in Form farbig lackierter Pfähle und mit Zahlen versehener Fahrradrouten, denen wir aber keine Beachtung schenkten. Natürlich hatten wir auch keine Karte dabei, sondern folgten mehr unserem Spürsinn. Das sollte sich im weiteren Verlauf der Tour als verhängnisvoll erweisen.

Im frühen Nachmittag erreichten wir das Maharishi Center, also das Hauptquartier der TM-Bewegung und ließen uns für eine Rast im angegliederten Park nieder. Leider gab es keine Yogischen Flieger und auch keinen Maharishi Effekt zu bewundern, wahrscheinlich lag es am Baulärm, denn auf dem Grundstück des Sektenzentrums wurde gerade ein Riesenzelt für Massenmeditationen aufgebaut.

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Nach Umgehung des transzendentalen Geländes erreichten wir die Kapelle des ehemaligen Klosters St. Ludwig und spätestens kurz danach kam uns der letzte Rest an Orientierungssinn abhanden. Das Problem am Nationalpark De Meinweg ist die Gleichförmigkeit des Geländes und die Ähnlichkeit der meist schnurgerade verlaufenden Wege. Zum Glück trafen wir zwei Niederländerinnen, die offensichtlich ebenfalls nicht so genau wussten, wo sie eigentlich waren, aber immerhin eine Karte dabei hatten. Dieser Karte war unser ungefährer Standort zu entnehmen und außerdem, dass wir den roten Pfählen zu folgen hatten, was uns auch über einige Kreuzungen hinweg gelang, bis eben jene Wegmarkierungen einfach nicht mehr vorhanden waren (die Pfähle waren jetzt hauptsächlich gelb). Also kehrten wir zum Navigationsbauchgefühl zurück, fabulierten über die Nützlichkeit von GPS-Empfängern und trotteten weiter. Glücklicherweise konnte man bald in der Ferne die Geräusche der Straße vernehmen und wir kamen nach 16 zurückgelegten Kilometern tatsächlich genau bei unserem Startpunkt an.

Nach einem Kaffee im Besucherzentrum des Nationalparks, das von zahlreichen Pfadfindern jeder Größe bevölkert war, und einem leckeren Döner in Hückelhofen holten wir die noch fehlenden Höhenmeter nach und erklommen die 400 Stufen der „Himmelsleiter“ bis auf die Aussichtsplattform auf der Millicher Halde („Die schlafende Schöne“). Von dort hat man einen wunderbaren Blick auf das Gelände der ehemaligen Zeche Sophia-Jacoba, die anderen Halden des Aachener Reviers und insgesamt 106 Windkraftanlagen. Ein würdiger Abschluss eines erfüllten Tages.

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Note to self: Ausgenudelt, abgenabelt, staugenässt. Musik: The Strokes, Paul McCartney, Pink.

Cascade du Bayehon

Es muss ja nun nicht immer der Oecher Bösch sein. Heute erkundeten wir die Schönheiten Ostbelgiens in der Nähe von Ovifat und Xhoffraix (was für Namen!). Die abwechslungsreiche Strecke begann an der Moulin du Bayehon, begleitete erst das muntere Flüsschen Bayehon, dann die Warche. Das erste Etappenziel war mit dem Steinbruch Carrieres du Warche erreicht.

CDB1Die Warche

CDB2Carrieres de la Warche

Von dort ging es bergauf Richtung Xhoffraix. Sehr beschaulich, allerhand Rehwild und außer uns keiner unterwegs. Schön!

Die belgischen Ortschaften im Grenzgebiet zeigen ja immer sehr eindrücklich, wie zersiedelt ein Dörfchen daherkommen kann, wenn Bebauungsvorschriften fast nicht vorhanden sind. Manch architektonische Geschmacksverirrung lässt sich bewundern, andererseits macht das resultierende wirre Ensemble eben auch den ganz besonderen Charme dieser Gegend aus.

CDB3In Xhoffraix

Hinter Xhoffraix enterten wir den Hargister-Wald und gelangten unter Missachtung sämtlicher Wegzeichen (rote Rauten, grüne Rauten, rote und grüne Rechtecke, grüne und blaue Kreuze sowie blaue Dreiecke mit zwei Kreisen drunter) in den nördlich von Longfaye gelegenen Zipfel des Hohen Venns. Dort hatte es Fliegen und Morast, aber auch Wachholderbüsche, malerisches Totholz und jede Menge Heidelbeeren. Wenn wir gewusst hätten, dass „Vieux Chene“ unseren nächsten Etappenpunkt, eine uralte Eiche, bezeichnet, dann hätten wir es auch gefunden, die Hinweisschilder waren zahlreich. So aber gelangten wir auf schmalem Pfade über die typischen Holzstiegen schließlich zur Cascade du Bayehon, einem kleinen Wasserfall.

CDB4Cascade du Bayehon

Einen ausgewachsenen Spaziergang über Stock und Stein beschließt man am besten mit einer dicken belgischen Fritte (und einem Kaffee). Achja, das hat gut getan.

Note to self: Planet wieder still. Das ist gut. Musik: Maximo Park, The Mars Volta.

Das sechste Boot

Die Bundesrepublik Deutschland ist der drittgrößte Waffenexporteur der Welt. Das ist zwar gar nicht komisch, aber dafür sehr einträglich, abgesehen davon ist es logisch: Eine gewissenlose Clique, die Arschlöcher vom Schlage eines Alfried Krupp und Friedrich Flick hervorgebracht hat, macht nach 2 Weltkriegen und über 72 Millionen Toten nicht einfach so Schluss, sondern munter weiter und zwar hauptsächlich im Ausland, das rentiert genauso und verhindert den Flurschaden und die damit verbundenen Unappetitlichkeiten vor der eigenen Haustür.

Die Finanzierung der militärischen Ausrüstung der Nationen erfordert in der Regel abenteuerliche Konstruktionen (wie z.B. Mefo-Wechsel) oder eine ungesunde Überschuldung, denn der Kram ist unglaublich teuer und man kann nie genug davon haben. Deshalb konnte es auch nicht verwundern, dass unser toller Bundesaußenminister sich jüngst in Griechenland dafür einsetzte, dass das bankrotte Land mit dem großzügig zur Verfügung gestellten Krisenkapital doch bitteschön Eurofighter kaufen wolle, denn dann verdienen nicht nur deutsche Banken an der Ausleihung, sondern auch noch EADS an den Flugzeugen.

Doch es geht auch andersrum: Der Rüstungsexport in Krisenregionen ist zwar besonders lukrativ, aber eigentlich verboten. Im Einzelfall wird aber großzügig darüber hinweg gesehen und besonders großzügig ist man hierzulande, wenn die Kunden in Israel sitzen, die Gründe dafür sind allseits bekannt. So hat sich Israel in den vergangenen Jahren drei schöne dieselelektrische deutsche U-Boote zugelegt (und sehr wahrscheinlich mit nuklear-bestückten Marschflugkörpern ausgestattet). Diese Boote operieren übrigens angeblich zurzeit vor der iranischen Küste. Zwei weitere hochmoderne Boote mit Brennstoffzellenantrieb für Israel sind derzeit im Bau. Die Kosten für diese Angriffswaffen hat zu einem großen Anteil die Bundesrepublik (Kabinette Kohl III und Schröder I) übernommen, wir habens ja.

Um ein Zeichen gegen die unbestritten böse iranische Atompolitik zu setzen, hat Benjamin Netanjahu nun beschlossen, es sei doch eine schöne Sache ein weiteres U-Boot zu beschaffen und sich teilweise von Deutschland bezahlen zu lassen. Man könnte denken, der Mann hat aber Chuzpe, nö, der versteht einfach nur sein Handwerk. Immerhin hat Mutti neulich verlauten lassen, dass Israels Existenzrecht ein Teil der „deutschen Staatsräson“ sei und so ein Existenzrecht erfordert eben mindestens eine schicke Kriegsmarine. Das sechste Boot -Stückpreis ca. 500 Mio Tacken- wird also genau so mit Steuermitteln teilfinanziert werden, wie seine Vorgänger. Ich schlage vor, dass die Kinder einkommensschwacher Haushalte, denen ja nun leider das Elterngeld ganz oder teilweise gestrichen wird, demnächst zum Ausgleich zur Abenteuerkreuzfahrt im persischen Golf eingeladen werden.

Note to self: Schultern hoch, Brust raus. Musik: Sólstafir, Kodiak, Dissolution.

Vamos a la playa

Wenn es den Westzipfler in der hochsommerlichen Hitze nach Strand, Backfisch und frischem Seewind gelüstet, dann packt er sich für 2,5 Stunden auf die Bahn und landet in Domburg. Das ist ein ehernes Gesetz. Zwar ist meine Vorliebe für Backfisch nicht sonderlich ausgeprägt (ich esse eigentlich nichts, was aus dem Wasser kommt. Ja, da entgeht mir einiges.), aber für Seewind, Meerwasser, Abhängen am Strand, Gänge an der Gezeitenlinie und Drachen steigen lassen bin ich durchaus zu haben.

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Also haben wir am Freitag viel zu viel Sack und Pack in ein viel zu kleines Auto gestopft und uns ein Wochenende in Zeeland gegönnt. Bis auf einen Schauer am Samstagmorgen hatten wir Glück mit dem Wetter (der unvermeidliche Sonnenbrand kündet davon), der Strand war nicht zu überlaufen (im Gegensatz zur Domburger Hauptstraße) und das Campingidyll einschließlich Entenrudeln, Animationshasen und Einweggrills perfekt.

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Ich kenne kaum jemanden, für den die See nicht eine enorme Anziehungskraft besitzt. Und wenn man dann endlich den Wellen beim Hereinrollen zuschauen und zuhören kann und das Salz auf den Lippen schmeckt, dann berührt uns das auf eine ganz merkwürdige Art und Weise, so ähnlich, wie beim fortwährenden Starren in ein Feuer. Wie kommt das?

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Man könnte denken, dass ein archaisches Moment der Naturverbundenheit dafür verantwortlich ist. Immerhin sind unsere Urahnen dereinst aus dem Meer gekommen und jeder von uns hat vor der Geburt ein Fischstadium im Salzwasser durchlaufen, aber diese Erklärung greift meiner Ansicht nach zu kurz. Ebenfalls naheliegend ist der Anhauch der Ewigkeit und Unendlichkeit, der uns überkommen könnte: Das Meer wird immer noch an die Küste rollen, wenn wir Menschen diesen Planeten nicht mehr besiedeln und seine schiere Größe sorgt dafür, dass wir uns sehr klein und sehr zerbrechlich vorkommen, angesichts der ungeheuren Menge an Wasser auf einem Haufen.

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Wenn ich an der Waterkant stehe und meine Füsse kalt umspült werden, dann frage ich mich immer, wie viele Menschen gerade in diesem Moment das gleiche tun und sehen, mit den gleichen komischen Gedanken im Hirn. Und ich sage mir, dass gerade jetzt eigentlich nichts zwischen uns ist. Wie heisst es bei Element of Crime: „Ein Schritt nur vor uns ist die See, dahinter liegt New York.“ Und das macht mich immer sehr glücklich und gleichzeitig sehr traurig.

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Note to self: Niemals verkrampfen. Lern es, es lohnt! Musik: Futile, Pat Metheny, Kowloon Walled City, Motorjesus.

Kügelchen

Ich gebe es zu: Meine streng biochemisch / mechanistisch geprägte Sichtweise medizinischer Behandlungsmethoden ist möglicherweise arg einseitig. Auch kann ich nicht bestreiten, dass in vielen Fällen Krankheiten des Körpers tatsächlich Krankheiten der Seele sind, also eine psychosomatische Komponente aufweisen, die sich mit Pillen, Diäten und Krankengymnastik nicht behandeln und auch nicht wegoperieren lässt.

Andererseits lasse ich mich auch nicht von der Ansicht abbringen, dass alternative Behandlungsmethoden in vielen Fällen eigentlich Quacksalberei sind und dazu gehört auch die Homöopathie. In einem teilweise sehr emotionalen Interview auf SPON mischt sich ein Schulmediziner mit homöopathischen Wurzeln in die aktuelle Diskussion dazu ein. Mir geht es in diesem Beitrag gar nicht so sehr um die Kosten für die Kügelchen-Behandlung, um deren Übernahme durch die Krankenkassen derzeit heftig gestritten wird, denn es wird im medizinischen Sektor durch Mehrfachdiagnostik, überflüssige Anschlussverschreibungen und unwirksame, überteuerte Medikamente so viel Kohle verschwendet, dass ein paar Globuli nicht ins Gewicht fallen. Kernaussage des oben verlinkten Interviews ist für mich, dass neben dem Placebo-Effekt positive Effekte der homöopathischen Medizin dem ausführlichen und von Empathie geprägten Patientengespräch zugeschrieben werden. Dies scheint mir sehr plausibel und sollte bei der Budgetierung und Honorierung im Gesundheitswesen viel stärker berücksichtigt werden.

Zum Schluss noch ein Amoröllchen aus Zivildienstzeiten: Ein befreundeter Zivi leistete seinen Dient in einem Altenpflegeheim und berichtete von folgendem Sachverhalt: Eine Patientin bekam zum besseren Einschlafen im frühen Abend einerseits ein Gläschen Rotwein und andererseits Placebos verabreicht, die ein Schlafmittel vortäuschten. Nun gingen die bisher gegebenen Scheinmedikamente (rote Kapseln) irgendwann aus und mussten durch andere (weiße Pillen) ersetzt werden. Die Patienten konnte über Wochen hinweg nicht vernünftig einschlafen und klagte über starke Nebenwirkungen des neuen Präparats. Menschen sind merkwürdige Tiere.

Note to self: Versterbendes Handy. Dreck, billiger. Musik: Plague of Violence, Sniper.

Zugelaufen

Beim gemeinsamen Gucken des WM-Finales (über dessen Qualität ich mich hier nicht äußern will, zu viele Kraftausdrücke, aber immerhin ein verdienter Weltmeister) sind mir zwei Seh- d.h. Antiblendhilfen zugelaufen, die sehnsüchtig auf ihre Besitzer warten:

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Note to self: Keine Bindung zum Spiel. Musik: Cro-Mags, Imogen Heap, Prong.

An: europabuero.schulz@spd.de Betreff: SWIFT II

Sehr geehrter Herr Schulz,

wie ich heute der Webseite abgeordnetenwatch.de entnommen habe, haben Sie bei der Abstimmung zum so genannten SWIFT II-Abkommen der Weitergabe sensibler Daten, die Zahlungsvorgänge ins Nicht-EU-Ausland betreffen, an US-amerikanische Regierungsstellen zugestimmt. Mit Bestürzung habe ich zur Kenntnis genommen, dass fast 70% der SPD-EU-Parlamentarier dieser unsäglichen vertraglichen Vereinbarung ihren Segen gegeben haben.

Ich möchte Ihnen hiermit mitteilen, dass ich Ihr Abstimmungsverhalten missbillige, da mit SWIFT II fundamentale Interessen der europäischen Bevölkerung mit Füßen getreten werden. Die unter dem Deckmantel der Terrorbekämpfung erhobenen und übermittelten Daten gehören nicht in die Hände eines Staats, der permanent das Völkerrecht bricht, Angriffskriege nach Gutdünken führt, illegale Folterknäste unterhält und die Werte des Westens verrät, deren Verteidigung er vorgibt. Ihre Zustimmung zu SWIFT II ist für mich unerträglich, da damit die durch das Grundgesetz garantierte Privatsphäre in unzumutbarer Weise eingeschränkt wird. Die grundlose Überwachung des Zahlungsverkehrs von Millionen unbescholtener Bürger, die damit in den Fokus der amerikanischen Bespitzelungsmaschinerie geraten, ist ein Skandal und die Zustimmung dazu ein Schandfleck für das europäische Parlament.

Als geborener Aachener bin ich immer ein großer Anhänger der europäischen Idee gewesen. Ich habe diese Idee im europa-kritischen Freundes- und Bekanntenkreis stets nach Kräften verteidigt, auch weil ich glaube, dass eine gemeinsame europäische Außen- und Sicherheitspolitik im Sinne eines globalen Kräftegleichgewichts sinnvoll und notwendig ist. Angesichts Ihrer Zustimmung zu SWIFT II frage ich mich wirklich, ob Sie noch das Ziel verfolgen, sich für ein starkes, emanzipiertes Europa einzusetzen. Ihr Kotau ist für mich nicht weniger als eine Bankrotterklärung.

Bitte nehmen Sie zur Kenntnis, dass ich bei der nächsten Wahl zum europäischen Parlament (Ja, ich gehe tatsächlich noch zur Europawahl!) mein Abstimmungsverhalten entsprechend anpassen werde.

Mit freundlichen Grüßen,
Jörn Prochnow

Note to self: Eigenhygienisch. Musik: Melvins, Meshuggah.

Von wegen „Rote Furie“

Ok. Inzwischen geht es schon wieder. Gestern Abend war ich schon ziemlich geknickt, dabei hatte ich den Ausgang des Halbfinales gegen Spanien genau so getippt.

Es lag sicher nicht am Orakelkraken Paul, es lag an der Ausgekochtheit und abgeklärten Eingespieltheit der Iberer und natürlich lag es auch an der mutlosen Verzagtheit der jungen deutschen Mannschaft. Natürlich waren die Spanier gestern besser, trotzdem traten sie nicht wie die berühmte „Rote Furie“, sondern eher wie ein Rudel gewissenhafter Buchhalter auf. Eine Standardsituation wurde ausgenutzt, ansonsten fehlte zum Glück die Durchschlagskraft, sonst hätte die Partie auch vom Ergebnis her eindeutiger enden können. Dabei muss man der deutschen Defensive noch ein Lob aussprechen, denn sie war gegen Weltklasseleute einigermaßen im Bilde.

Es hat also nicht geklappt mit dem vierten Stern für Deutschland, verdammt schade. Andererseits muss man der Mannschaft zu einer famosen Turnierleistung gratulieren. Man kann nur hoffen, dass Löw als Bundestrainer im Amt bleibt und die spielerische Linie der Nationalkicker weiter verfeinern kann. Sicherlich ist noch Luft nach oben. Man sollte schauen, dass man mit einem Sieg im Spiel um den dritten Platz und damit erhobenen Hauptes nach Europa zurückkehren kann.

Wir werden also einen neuen Weltmeister haben, so oder so. Und auch wenn ich den Sieg unseren niederländischen Nachbarn von Herzen gönne, so tippe ich doch auf ein erneutes 1:0 für die Spanier. Wer so ballsicher, so technisch und taktisch versiert, so stark im Zweikampf agiert, der kann es sich eben auch leisten, vergleichsweise langweiligen Verwaltungsfußball zu spielen, der zwar Kenner mit der Zunge schnalzen lässt, aber in Wirklichkeit keinen vom Hocker reißt. Das klingt vielleicht ein bisschen nach schlechtem Verlierer, doch so missgünstig bin ich nicht. Aber Fußball ist eben auch Bauch- und Herzensangelegenheit und deshalb schließe ich für heute mit einem kräftigen: „Hup Holland hup. Laat de leeuw niet in z`n hempie staan.“

Note to self: Auf eine ergiebige Probe, es ist Zeit. Musik: World Downfall, Wolves in the Throne Room, Futile.

Opulenz, Dach E, Skymaster

Bis zum unteren Ende des Brustkorbs sehe ich aus wie ein Tour de France Teilnehmer (vom Rest will ich mal lieber schweigen). Die Arme sind knackig braun, der Bart von der Sonne blondiert.

Heute war ein ereignisreicher Tag. Er begann mit einem leckeren Frühstück unter einem Sonnenschirm auf einer beschaulichen Terrasse, einer kleinen Portion Möbelrücken (jerubbelte Katz) und wohltuender Vertrautheit. Das habe ich sehr genossen. Dann erlitt ich eine unzureichend klimatisierte Busfahrt mit ganz schön vielen erstaunlich nervigen Schulkindern.

Was gibt es Schöneres, als an einem Sommertag auf einem Flachdach von der Größe von ca. 1,5 Badmintonfeldern den Besen, den Schrubber, den Abzieher, die Rolle und den Pinsel zu schwingen? Kaum etwas. Dieses besagte Flachdach kenne ich inzwischen schon ganz gut und auch die unterschiedlichen Anstriche, die ich aufzubringen das Vergnügen hatte, sind inzwischen fast schon Legion. Beim letzten Mal haben wir offensichtlich bei der Wahl der Farbe ein bisschen ins Klo gegriffen, weshalb im regenreichen Frühjahr die Niederschläge bis ins Garageninnere durchschlugen. Heute machten wir keine Kompromisse (auch nicht bei den Kosten) und verwendeten Dach E. Jetzt mal ehrlich, wenn ich ein Anbieter von Farbprodukten wäre, würde ich mein Zeugs auch „Dach E“ nennen. Man weiss sofort, wo es drauf soll und E klingt nach „Endgültiger Lösung“. Dach E ist silbern (UV-Schutz). Unser Dach glänzt wie eine Christbaumkugel. Der Hersteller sollte eine Sonnenbrille mit ins Gebinde packen.

Flachdächer sind nicht nur schön (gell, Oedli), sondern auch praktisch. Man kann beispielsweise seine Satellitenantenne darauf abstellen. Die Schüsseln stören niemanden, außer bei Malerarbeiten. So trug es sich heute zu, dass eines der Empfangsgeräte nach und nach immer weiter an den Rand gerückt wurde und zwar ohne die Betonplatten, die normalerweise als Antennenbeschwerer dienen. Es kam, wie es kommen musste. Ein eigentlich harmloser Windstoß brachte die Schüssel zum kippen und das Ding kam zu Sturz. Ich scherzte noch: „Jetzt hat ihr Bild einen Blötsch“, als dann aber nach Abschluss der Anstreicherei überhaupt nix an Bild zu entlocken war, kam angesichts des bevorstehenden Halbfinales Niederlande vs. Uruguay eine gewisse gespannte Stimmung auf. Was tun? Sämtliche TV-Märkte im Umfeld hatten schon lange zu. Unsere verzweifelten Bemühungen führten schließlich zum Abbruch des LNB-Trägerarms. Ein Alurohr mit einer Wandstärke von Nullkommakaumwas ist eben eine hinreichende und keine ideale Lösung. So viel zur Hardwarequalität des Skymasters. Mit Hilfe von Kombizange, Bohrmaschine, Küchenmesser, Zimmermannshammer und Schraubendreher ward der Metallrest schließlich aus dem Plasteträger rausgefriemelt, der verkürzte Träger installiert und ausgerichtet, die LNB angeschlossen und siehe da: Es flimmerte. Erleichtertes Abklatschen unsererseits und Feierabend am Ende eines in jeder Beziehung heißen Tages. Pünktlich zum Anstoß war ich zu Hause. Yeah!

Note to self: Ein Einblick nur. Musik: Napalm Death.

Weiß-blauer Dunst

Die Bayern haben sich entschieden: Sie möchten in Wirtshäusern, Restaurants und Bierzelten nicht mehr rauchen und passivrauchen. Damit könnte man es bewenden lassen. Angesichts der Hasstiraden in diversen Onlineforen möchte ein Raucher aber ein bisschen weiter ausholen, ohne allzu große deplatzierte Emotionen und mit Augenmaß:

Es sollte eine Selbstverständlichkeit für alle Nikotinabhängigen sein, auf ihre nichtrauchenden Mitmenschen Rücksicht zu nehmen, ist es aber leider nicht. Kein Raucher bricht sich einen Zacken aus der Krone, wenn er für eine Zigarettenlänge vor die Tür geht. Wer darauf besteht in Autos mit nichtrauchenden Mitfahrern, Wohnungen von Nichtrauchern und im Beisein von Kindern in geschlossenen Räumen zu qualmen, der sollte mal in sich gehen. Das ist es dann aber auch.

Die überwiegende Mehrheit der Nichtraucher sieht die Angelegenheit ganz vernünftig und pragmatisch. Leider gibt es aber auch militante Fanatiker, die unter dem Label „Gesundheitsschutz“ den Bogen weit überspannen. So liest man heute immer wieder, dass das Rauchen im öffentlichen Raum generell untersagt werden sollte, also auch auf der Straße, in Mehrfamilienhäusern und bei Freiluftveranstaltungen. Man fühlt sich durch die Glimmstengelemissionen bis ins Mark getroffen und stark eingeschränkt.

„Die Hölle, das sind die Anderen“ schrieb Jean-Paul Sartre und es stimmt. Vielleicht ärgern sich meine Nachbarn tatsächlich darüber, wenn ich mir auf dem Balkon eine Fluppe anstecke und der Rauch in ihre Bude zieht. Mich könnte es ärgern, wenn die Nachbarschaft unprofessionell grillt, Fisch zubereitet (Würg!), Gartenabfälle verbrennt, miese Musik in Fetenlautstärke emittiert oder feuchtes Holz in Kaminöfen verheizt, wie geschrieben: könnte, tut es aber nicht. Ich lebe nicht in einem freistehenden Haus in der Pampa, ich muss und kann damit leben, dass Menschen um mich herum ihre Gewohnheiten ausleben.

Der Mechanismus, der hinter der Hexenjagd gegen Raucher steckt, ist ganz einfach: Die Menschen möchten das Richtige tun, wissen aber meistens nicht, was das Richtige ist. Beim Thema Rauchen scheint es keine zwei Seiten der Medaille zu geben: Rauchen ist falsch, Nichtrauchen ist richtig. Eines wird dabei aber übersehen: Die Verhältnismäßigkeit.

Im SPON-Forum ereifern sich Einige, sie würden oft an Bushaltestellen oder auf dem Bahnsteig zugequalmt und somit geschädigt (Mir ist es übrigens auch schon passiert, dass ich beim Warten auf den Bus unter freiem Himmel von einer Mutter, die das Ergebnis ihrer Fortpflanzungbemühungen an einer vielbefahrenen Straße in Auspuffhöhe im Kinderwagen chauffierte, sehr unfreundlich aufgefordert wurde, die Zigarette auszumachen. Meine Antwort ist nicht zitierfähig.). Die Sache ist ganz einfach: Wer sich gestört fühlt, der soll ein paar Meter weggehen. So mache ich es auch, wenn mein Mitmensch Chanel No. 5, Knofi oder Mettbrötchen mit Zwiebeln emittiert. Wer glaubt, er würde in einer solchen Situation durch Passivrauchen geschädigt, sollte sich ein Mindestmaß an Wissen im Bereich Ökotoxikologie aneignen und seinen Irrtum eingestehen. Ganz unaufgeregt, ganz locker.

Note to self: Besser so, Mut zahlt sich aus. Musik: Talbot, Neuromist, Motorjesus.