URU vs. POR 2:1

Nein, ich habe Argentinien gegen Frankreich nicht gesehen, ich habe gearbeitet (überhaupt habe ich in letzter Zeit vor allem gearbeitet). Nach den Toren in der Zusammenfassung muss es aber ein ziemliches Spektakel gewesen sein. Mein Weltmeistertipp bleibt immerhin intakt.

Gesehen: 90 Minuten

Das Spiel: Das Tor in der 7. Spielminute für Uruguay war ein kleines Kunstwerk. So was hat man lange nicht gesehen. Cavani – Suarez – Cavani: drin. Jetzt mussten die Portugiesen kommen und das bei bereits erwiesener Defensivstärke der Südamerikaner. Und die machten es wirklich gut, standen dem Europameister auf den Füßen, machten die Räume dicht und kamen selbst weiter zu gefährlichen Vorstößen. Portugal machte zu wenig aus seinen Standardsituationen und ging daher mit Rückstand in die Kabine. Eine schnell ausgeführte kurze Ecke führte dann zum portugiesischen Ausgleich in der 55. Minute. Nicht unverdient, auch wenn es den Europäern bis dahin an Präzision und Ideen gemangelt hatte. Portugal drehte jetzt auf und versuchte das Momentum zu nutzen. Aber Edinson Cavani schlug ein paar Minuten später zurück. Wunderbarer Schlenzer mit der Innenseite des rechten Fußes ins lange Eck, unwiderstehlich. Portugal war weiter fleißig, aber so richtig gefährlich wurde es nicht mehr. Das Spiel blieb fair und flüssig, weil der Schiedsrichter eine ausgezeichnete Leistung bot.

Ergebnis gerecht?: Ja, Uruguay hatte die besseren Situationen hinten und vor allem vorne.

Männer des Spiels: Louis Suarez und Edinson Cavani. Einfach sehr sehr beeindruckend.

Spruch des Spiels: „Er nimmts mit Humor, gefällt mir.“ (Tom Bartels über Christian Ronaldo)

GER vs. KOR 0:2

Gesehen: die (aller)letzten 70 Minuten im „Grillhaus“ in Geilenkirchen mit Fernseh- und Radiokommentar gleichzeitig, auf einem Fernseher, der zweimal ausfiel und direkt neben einem kaputten, flackernden Deckenspot angebracht war, verschwitzt und versifft von der Arbeit, die noch lange nicht zu Ende war. Ja, es passte alles zusammen.

Das Spiel: Blutleer, langsam, ohne Ideen. So agierte die N11 gegen Koreaner, die es so machten, wie in den Spielen zuvor. Hinten drin stehen und lauern. Für den deutschen Torso reichte das. Ja, es gab Chancen, sie wurden teils kläglich vergeben. Wer gehofft hatte, der späte Sieg gegen Schweden wäre eine Initialzündung gewesen, sah sich getäuscht. Dass die Herren Nationalspieler kicken können, weiß man. Warum sie diese Leistung in keinem der drei Spiele abrufen konnten, kann ich mir nicht erklären.

Es ist Zeit für einen Neuanfang. Einige Spieler sind über ihren Zenit hinaus und das System Löw hat sich verbraucht.

Ergebnis gerecht?: Klar.

Deppen des Spiels: Die N11

Spruch des Spiels: „Aus!“ (Der Typ hinter uns, dem beim ersten Tor der Koreaner fast der Döner aus dem Gesicht gefallen wäre)

ARG vs. NGR 2:1 / ISL vs. CRO 1:2

Gesehen: 80 Minuten parallel

Die Spiele: Im Gegensatz zu den Nachmittagsspielen war es am Abend spannend und sehenswert. Als Victor Moses für Nigeria den Elfer cool verwandelte, dachte ich mir „Das könnte es gewesen sein“. Zwar hatte Messi zuvor ein wunderbares Tor erzielt und Argentinien tat mehr fürs Spiel, aber Nigeria war mutig und ziemlich clever. Und sie stellen sich halt nicht hinten rein. Die Südamerikaner wollten es unbedingt, aber zeigten ungewohnte technische Fehler und waren zu überhastet in der Box. Gonzalo Higuaín fand nicht statt. Messi tauchte ab. Dann muss ein Innenverteidiger ran, Marcos Rojo. Der machte es richtig gut, gekonnt aus der Luft und mit Schmackes, und Nigeria war dann zu platt, um noch mal zuzuschlagen. Argentinien muss nun gegen Frankreich ran. Hmhmhm. Das andere Spiel hatte eine andere Charakteristik. Kroatien, bereits qualifiziert, spielte mit der B-Elf, Island griff nach dem Strohhalm. Und obwohl die abgezockten Kroaten in Führung gingen, kämpften die Nordmänner aufopferungsvoll. Und sie hatten Chancen, das Spiel zu drehen. Der zwischenzeitliche Ausgleich durch einen berechtigten Handelfmeter, aber Ivan Perisic erzielte dann das Tor zum Endstand. Kroatien wird gegen Dänemark antreten. Die Jungs vom Balkan haben noch eine Menge vor. 

Ergebnisse gerecht?: Zweimal ja. Tut mir ein bisschen leid für Island, die wirklich nah dran waren und alles gegeben haben. Auch Nigeria hatte es in der Hand.

Männer der Spiels: Rojo nicht Messi bei Argentinien. Alle Kroaten, die erste Mannschaft mit 9 Punkten nach der Vorrunde.

Spruch der Spiele: „Der dreht sich doch rein! Ja, er dreht sich rein.“ (Gerd Gottlob will keinen Strafstoß für Nigeria)

FRA vs. DEN 0:0 / AUS vs. PER 0:2

Gesehen: 90 Minuten parallel

Die Spiele: Dänemark müsste verlieren, Australien mit drei Toren Unterschied gewinnen, so wenig spannend war die Ausgangslage. Folglich spielten Franzosen und Dänen in Wirklichkeit um den Gruppensieg, Australien gegen Peru um die goldene Ananas. Die Peruaner schossen ein schönes Tor, Australien arbeitete Fußball, ohne die sich bietenden Chancen zu nutzen. Naja. Die Franzosen zeigten das kultiviertere Spiel, es gab auch mal schnelle Angriffe, die Dänen fuhren eher die Kontertaktik, aber reichlich unpräzise. Insgesamt ein lauer Kick So viel zu den ersten Hälften. Direkt nach der Pause legte Peru sehr glücklich nach: Der Pass abgefälscht, der Schuss abgefälscht. Steckste einfach nicht drin. Die Dänen waren somit endgültig qualifiziert und hätten jetzt befreit aufspielen können – sie taten es nicht, sondern blieben weiter defensiv. Und Frankreich schlief mehr oder weniger ein. Als das ganze Stadion zu pfeifen begann, versuchten sie den Schalter umzulegen. Die Australier hatten derweil aufgegeben. Ihre Fans weinten.

Ergebnisse gerecht?: FRA vs. DEN hatte keinen Sieger verdient. Der Sieg der Peruaner geht in Ordnung.

Männer der Spiele: André Carrillo, Torschütze für Peru. Im anderen Spiel gab es nur Deppen.

Sprüche der Spiele: „Im Moment die Stimmung fast wie im Theater“ (Tom Bartels). „Fieldgoal von Giroud!“ (Tom Bartels, der Franzose drosch ihn in den russischen Himmel) „Mann hofft einfach nur, dass die Nachspielzeit sich in Grenzen hält.“ (Tom Bartels)

IRN vs. POR 1:1 / ESP vs. MAR 2:2

Von den ersten beiden Spielen des Tages fast nix gesehen. Bei KSA vs. EGY war das wohl auch besser so. Dass Uruguay die Russen hochverdient schlug, hatte wohl jeder erwartet, bis auf einige Mitglieder unserer Tipprunde.

Gesehen: 90 Minuten mehr oder weniger parallel

Die Spiele: Ein ziemlich dummer Fehler von Sergio Ramos und ein sehr schönes Tor für Portugal, dass nicht durch Ronaldo, sondern durch Quaresma erzielt wurde. Viel mehr blieb bei mir nicht hängen von der ersten Halbzeit. Marokko packte die Kettensäge aus,  erzielte aber auch das erste Tor bei dieser WM ausgerechnet gegen die Spanier, die dann überlegt und cool zurückschlugen, der Iran war aber insgesamt der bessere Underdog. Es war nicht CR7 sein Abend. Er wollte den Elfer unbedingt, bekam ihn und verschoss, darauf drehten die Iraner mehr oder weniger ab, es gab hässliche Szenen. Im anderen Spiel traf Marokko das Lattenkreuz und machte Druck. Die zweiten Halbzeiten waren geprägt von Provokationen, Rudelbildungen, Video-unterstützten Abseits- und Elfmeterentscheidungen. Festzuhalten bleibt, dass Marokko zwischenzeitlich durch einen tollen Kopfball in Führung ging, woraufhin sich das Stadion kurzzeitig in die Place Djemaa El Fna verwandelte, aber Spanien sehenswert per Hacke ausglich. Weiterhin schlug Ronaldo seinem Gegenspieler den Unterarm auf den Kehlkopf und hätte vom Platz gestellt werden müssen. Iran verwandelte einen nicht berechtigten Handelfmeter. Die iranischen Betreuer feierten, als wäre Khomeini wiederauferstanden. Dann war Schluss.

Ergebnisse gerecht?: Teils teils. Marokko hätte wirklich gewinnen können, die Chancen waren da, Spanien war beeindruckt. Iran profitierte von einer Fehlentscheidung des Schiedsgerichts, aber Portugal überzeugte nicht.

Männer der Spiele: Die Videoschiedsrichter

Spruch der Spiele: „Auch der Chef darf sich so eine Fahrkarte mal erlauben.“ (Claudia Neumann und der verschossene Strafstoß)

POL vs. COL 0:3

Gesehen: 90 Minuten

Das Spiel: Von Anfang an merkte man, was für beide Mannschaften auf dem Spiel stand. Polen versuchte sich durch körperliche Härte Respekt zu verschaffen, war aber nicht mal bei Ecken gefährlich. Kolumbien kombinierte gekonnter, schaffte aber zunächst auch keine guten Abschlüsse. Die Südamerikaner übernahmen aber die Initiative und setzten mit Cuadrado und James offensive Akzente. In der Defensive konnten sie sich gegen im Durchschnitt größere und schwerere Polen gut behaupten. Nach knapp 40 Minuten die verdiente Führung durch eine prima Flanke von James, die vom freistehenden Mina sauber reingenickt wurde. Mit diesem Halbzeit-Ergebnis war Polen draußen. Trotzdem blieben sie ab der 46. eisern mit fünf Leuten hinten. Zwischen den drei offensiven Polen um Lewandowski und dem Rest der Mannschaft klaffte eine riesige Lücke. Torabschlüsse blieben auf beiden Seiten Mangelware, bis Falcao in der 69. nach einem schnörkellosen Konter mit dem rechten Außenrist flach ins linke Eck traf. Ganz ähnlich das 3:0 in der 75. durch Cuadrado nach Zauberpass von James. Der Fisch war geputzt.

Ergebnis gerecht?: Ja. Polen bieder und hilflos, Kolumbien sehenswert.

Mann des Spiels: James Rodruigez, Kolumbiens heimlicher Kapitän

Spruch des Spiels: „Der war mit viel Humor gespielt von Bednarek.“ (Steffen Simon)

JPN vs. SEN 2:2

Gesehen: 90 Minuten

Das Spiel: Die Senegalesen sind bislang das Team mit den glücklichen Toren, so war es zweimal gegen die Polen und auch heute ging man in Führung, weil der japanische Tormann einen nicht sehr platzierten, aber harten Schuss aus kürzester Distanz gegen die Schoner von Mané faustete. Drin war er. Die Führung war nicht unverdient, weil die Afrikaner mehr Ballbesitz hatten und mehr Zweikämpfe gewannen. Jetzt musste Japan reagieren, aber sie taten sich schwer. Der Ausgleich fiel nach einem sehr schönen Spielzug  über Yuto Nagatomo und einem prima Abschluss von Takashi Inui, da war für den senegalesischen Keeper nichts zu halten. In der zweiten Hälfte entwickelte sich ein offenes, mitreißendes Spiel. Ozako hätte nach einer Stunde das Tor machen *müssen*. Japan wurde stärker, der Senegal wirkte beeindruckt, erstarrte fast. Inui traf nicht das Tor, sondern die Latte. Und genau in diese Drangphase setzte der Senegal einen wirklich feinen Angriff zur erneuten Führung durch Sabaly. Natürlich gab Nippon nicht auf. In der 76. Minute fiel der erneute Ausgleich durch Honda. Das war der Beginn einer spannenden Schlussphase in einem sehr unterhaltsamen Fußballspiel.

Ergebnis gerecht?: Ja. Das Spiel hatte keinen Verlierer verdient.

Mann des Spiels: Takashi Inui. Ein Tor, einmal Latte, eine Vorlage.

Spruch des Spiels: „Und das alles vor den Augen von Prinzessin Masako“ (Florian Naß)

ENG vs. PAN 6:1

Gesehen: 90 Minuten

Das Spiel: Die Briten überrollten Panama, das konnte man erwarten und so kam es. Die Mittelamerikaner konnten einem leid tun. Andererseits kann man den Engländern nur dazu gratulieren, wie sehr sie sich in den letzten Jahren verbessert haben. Manche Leute behaupten ja, es läge an den kontinentaleuropäischen Trainern in der Premier League. Aber es liegt sicher auch am Mannschaftsgeist und am Nationaltrainer Gareth Southgate. Die 5 Tore der ersten Halbzeit: 2 Strafstöße, 1 Weitschuss, eine sehenswerte Freistoßvariante und ein Klassekopfball nach Ecke. Schon in ihrem ersten Spiel langten die Panamaer ganz schön zu, so auch diesmal. Und sie beschwerten sich ständig, ein einziges Geschimpfe. In der zweiten Hälfte spielte das englische Team dann Feierabendfußball. Panama erzielte den Ehrentreffer, keiner wurde verletzt und das Mysterium der Phantomregel beim Wiederanstoß wurde nach Abpfiff auch entmystifiziert Alles gut.

Ergebnis gerecht?: Logisch, auch in der Höhe.

Mann des Spiels: Harry Kane, diesmal drei.

Spruch des Spiels: „Der Schiedsrichter erklärt jetzt mal den Panamaern, dass es so nicht geht.“ (Gerd Gottlob)

Keine Angst Frau Berg,

sie haben wahrscheinlich schlecht geschlafen oder so, und dann veröffentlicht man eben auch schon mal substanzlosen Schwachsinn. Ihre Ausführungen sind so oberflächlich, inhaltsleer und krude, dass es schwer fällt, sich damit sachlich auseinanderzusetzen, aber ich gebe mir Mühe, OK?

„Frauen und Homosexuelle werden zunehmend als Lebewesen wahrgenommen. Vielen Männern macht das Angst – sie versuchen, diese Entwicklung gewaltsam aufzuhalten.“

Natürlich darf man in einer Spiegelkolumne provozieren und zuspitzen, aber man sollte sich dabei nicht zum Brot machen Frau Berg. Sehen Sie, selbst die so oft ins Feld geführten „alten weißen Männer“, die einem seit Jahrzehnten überkommenen Rollenbild das Wort reden, sind auch und vor allem von Müttern erzogen worden. Sie können sich darauf verlassen, dass nicht nur die Mütter, sondern auch die Ehefrauen, Freundinnen und Liebschaften, Töchter und Enkelinnen stets und mit großer Intensität als Lebewesen wahrgenommen wurden. Übrigens: Wäre ich homosexuell, würde ich mir verbitten, von Ihnen vor den Karren Ihres neofeministischen Furors gespannt zu werden.

Von einer gewaltsamen maskulinen Kampagne gegen Frauen kann zumindest in den westlichen Demokratien keine Rede sein. Das wissen Sie auch ganz genau. Vielmehr ist es so, dass durch die konfrontative femifaschistische Diktion, die seit einigen Jahren so ungeheuer en vogue ist, sich inzwischen Männer und Frauen nurmehr als Teilnehmer eines brutalen Verteilungskampfes sehen, also letztlich zu einer vernünftigen, angemessenen Bewertung der spätkapitalistischen Verhältnisse kommen. Dabei reklamiert eine Seite stets die Opferrolle, die Rosinen, aber auch die Deutungshoheit für sich.

„Obwohl – würden Männer sich wirklich für Babys interessieren, blieben sie zu Hause und würden sie wickeln. Wären sie an Nachwuchs interessiert, würden männliche Politiker sicherstellen, dass Hebammen gut bezahlt würden, Krippen und Kindergärten flächendeckend angeboten und Alleinerziehende finanziell besser unterstützt werden.“ 

Sprechen Sie doch einfach mal mit einem Vater, der seit Jahren um ein wenigstens anteiliges Sorgerecht für seine Kinder kämpft. Sprechen Sie mal mit einem angehenden Erzieher, der als einziger im ansonsten weiblichen Kollegium eine Wickelerlaubnis braucht. Machen Sie sich klar, dass im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen, Jugend seit 1968 siebzehn Frauen das Sagen hatten. Nehmen Sie zur Kenntnis, dass die Regelungen zur Elternzeit ein Erfolgsmodell sind und dass immer mehr Männer sich eine Reduzierung ihrer Arbeitszeit zugunsten der Familie wünschen, bzw. diese bereits vollzogen haben.

„Wenn eine Frau auf Gewalt aufmerksam macht, wenn sie fordert, beschreibt, anklagt, werden tausend Stimmen ihre Worte relativieren. Wenn sie zu laut ist, wird sie niedergebrüllt. Wenn sie zurückschreit, ist sie hysterisch. Wenn sie tot ist, herrscht endlich eine Ruhe.“

Was haben Sie geraucht Frau Berg? Kein anderes gesellschaftliches Thema wird, wenn wir den Komplex „Migration“ mal bitte für ein paar Minuten außen vor lassen, mit solcher Intensität und Verve diskutiert, wie die Gleichstellung von Frauen und Männern. Es gibt kaum einen Themenkreis (Kunst, Kultur, Justiz, Arbeit, Familie, Fortpflanzung, Ernährung, Umweltschutz, Medizin, Sprache), der nicht unter diesem Gesichtspunkt verhackstückt wird und der Gewaltbegriff im Sinne von Unterdrückung, Benachteiligung, Missbrauch, Fremdbestimmung ist doch zentraler Punkt feministischer Argumentationsketten. Da wird niemand niedergebrüllt, im Gegenteil hat die anti-männliche Selbstermächtigung inzwischen solch abstruse Ausmaße angenommen, dass beispielsweise der britische Verteidigungsminister zurücktreten muss, weil er vor 14 Jahren einer Frau die Hand aufs Knie gelegt hat.

Physische Gewalt gegen Frauen wird seit Jahrzehnten breit in der Öffentlichkeit thematisiert. In Deutschland existieren deshalb Beratungsstellen, Selbsthilfegruppen und  Dutzende von Frauenhäusern aber nur fünf Männerhäuser mit insgesamt etwa 15 Plätzen. Das ist deshalb so bemerkenswert weil wissenschaftliche Reviews der vorliegenden soziologischen Literatur zur häuslichen Gewalt zweifelsfrei nachweisen, dass Männer mindestens ebenso häufig Opfer wie Täter sind. Im Bereich der sexuellen Gewalt hat insofern eine Umorientierung stattgefunden, als es in vielen Ländern zu einer teils erheblichen Verschärfung der Strafen und zur Ausweitung von Straftatbeständen gekommen ist. Das führt im Extremfall dazu, dass etwa in Spruchkammern amerikanischer Universitäten der vermeintliche Täter seine Unschuld beweisen muss, mitunter ein geradezu kafkaeskes Unterfangen, und nicht die Kammer seine Schuld. Somit ist genau das eingetreten, was Alice Schwarzer damals in ihrer Begleitung des Kachelmann-Prozesses gefordert hat. Wenn ich darüber schreibe, so ist dies kein Whataboutism, sondern konstatiert, was Sie alles aufzugeben bereit sind, um Ihrer Sache dienlich zu sein.

Ach Frau Berg und zum letzten von Ihnen rausgerotzten und von mir zitierten Satz, der in seiner rabulistischen Erheischung wirklich beispiellos ist, ein Zitat von Andrea Dworkin:

„I’ve always wanted to see a man beaten to a shit bloody pulp with a high-heeled shoe stuffed up his mouth, sort of the pig with the apple.“
(Mercy, 1991)

„Der Krieg gegen die Demokratie ist immer ein Krieg gegen Frauen und Minderheiten. Aber nun kommt die gute Nachricht: Wir sind viele. Viele Männer und Frauen, die sich zur Wehr setzen. Die genug haben von Hass, Diskriminierung und den Zerstörungsversuchen aller humanistischen Errungenschaften der letzten Jahrzehnte.“

Warum machen Sie dann nicht dabei mit, sondern verraten die Sache, die sie angeblich betreiben? Ein vernünftiger Diskurs könnte unsere Unternehmnung nach vorne bringen, warum nehmen Sie nicht daran teil? Der Krieg gegen die Demokratie ist in erster Linie ein Kampf gegen die Kümmerer, die leidgeprüften Kompromiss-Sucher, die Hartgesottenen, die wissen, dass es nur in ganz kleinen Schritten vorwärts gehen kann. Wesentliches Kennzeichen des Humanismus ist die Entäußerung, das heißt in diesem Fall vor allem auch die Selbstbefreiung, die Abkehr von Zuschreibung und Etikettierung. Im Idealfall führt sie zu einer Position, die sich aus der Selbstwahrnehmung als Baustein eines unteilbaren Ganzen und eben nicht aus dem „wir gegen die“ speist.

Frau Berg, sie versagen auf ganzer Linie, auch wenn Sie eigentlich das Gute wollen. Das ist das Schicksal aller Moralapostel. Sie müssen auch die mitnehmen wollen, die widersprechen. Der bessere, einsichtige Mensch, von dem Sie träumen, existiert nicht. Und existierte er, würde er vielleicht ausgerechnet Ihre Einsichten nicht teilen. Machen Sie nicht alle, die nicht gehorchen wollen, zu Feinden.

Note to self: Lange schlafen können. Die Wünsche werden kleiner. Musik: Motorjesus, Pantera, Lily Allen, Orange Goblin.

Godspeed Vinnie

Come and be with me
Live my twisted dream
Pro devoted pledge
Time for primal concrete sledge

Vincent „Vinnie“ Paul Abbott 11.03.1964 – 22.06.2018