Zusammenkehren, aufwischen, auswringen

Also denn: Dreimal ist göttlich, entsprechend beschäftigt sich der dritte Beitrag dieses in Wirklichkeit nicht besonders aufregenden Sonntags auch mit drei Themen, die sozusagen noch offen, bzw. übrig geblieben, bzw. quasi selbstähnlich sind. Der umgekehrten Reihenfolge nach:

Zunächst sei einem ambitionierten Radfahrer, der heute bei Wind und Regen Teile des nordkölschen Speckgürtels unter die Pedalen genommen hat, folgendes zugerufen: Egal, ob Kölle, Berlin, München… – wenn man der so genannten Mittelschicht (leider immer noch) Pendlerpauschale und (glücklicherweise nicht mehr) Eigenheimzulage vorne und hinten reinstopft, dann darf man sich nicht wundern, wenn die Mitnahmeeffekte in Reihenhausform fröhliche Urständ feiern. Diese Siedlungskultur ist die großmaßstäbliche Abbildung der naiven und gleichzeitig überheblichen Ablehnung alles Urbanen und das vorörtliche Ghetto am Stadtrand die Fluchtburg der profillosen Biederleutchen, der Somazellen des gesellschaftlichen Binde- und Fettgewebes, deren Dasein sich in normgetreu gemähten handtuchgroßen Vorgärten in Wahrheit eben doch nicht erfüllen kann, auch wenn sie alle ganz fest daran glauben. Zu hart? Ah, mir ist gerade nicht nach Zwischentönen und Legato zumute.

Zwotens geht es um die Auflösung des Haifischrätsels, das in Wirklichkeit ein Käferrätsel war. (Die Flusslandschaftsstammleserschaft ahnt was. Allen Anderen wird dieser Abschnitt höchst spanisch vorkommen, aber da müsst ihr jetzt durch). Ich gebe zu, den Namen von Käfer II (war doch Käfer II, oder?) völlig verdrängt zu haben. Tatsächlich bilde ich mir ein, genau zu wissen, bei welcher Gelegenheit das Foto aufgenommen wurde (Für alle Nichtinsider: Der Typ da auf dem Beifahrersitz nennt sich jetzt Skidman). Die Fahrt endete im grenznahen benachbarten Ausland und der Tag ganz merkwürdig, wenn ich mich nicht irre. Ich kann mich außerdem noch an eine Fahrt abends aus der Stadt erinnern, bei der Schneeflöckchen durch irgendein Loch in der Verkleidung des Armaturenbretts drangen. Das müsste auch der himmelblaue Hai gewesen sein. Sämtliche andere Volkswagen-Erinnerungen aus dieser Zeit haben mit dem Goldenen (Käfer III) zu tun, zum Beispiel die Helmstedt-Episode. OK, to be continued.

Und das noch offene Thema? Ganz klar: 90 Minuten Schmusekurs. Nichts Neues. Frank Walter in den Sympathiewerten vorn, die Kanzlerin bei der Kompetenz. Münte feiert trotzdem schon mal überschwänglich. Ein Thema kam nicht vor, dabei ist es das wichtigste Thema, das alle-blockieren-alle-Thema, das alle-werden-aneinander-schuldig-Thema: Die Bildungspolitik! Oder soll ich wirklich glauben, die politisch Verantwortlichen nehmen die rasant fortschreitende Verblödung des Volkes hin, fördern sie sogar, damit sie ungestört weiter wurschteln können. Ja das soll ich.

Note to self: Tugend ist ein Produkt der Arbeit an sich selbst. Musik: keine, Glotze.

8 Antworten auf „Zusammenkehren, aufwischen, auswringen“

  1. …da hätte ich doch fast übersehen, wie sehr du dich ins zeug gelegt hast: lob, anerkennung und respekt hierfür – und das ist, mal wieder, nicht ironisch gemeint! also ärmel hochgekrempelt, das %&#§-passwort für diese wunderbare seite gesucht (wo ist es denn? w-o i-s-t e-s d-e-n-n?!) und… eine kurze replik geschrieben. von hinten nach vorne: es gab nur käfer I und käfer II (letztere der goldene, und die helmstedt-saga und der ganze rest wären es doch nun wirklich wert, erinnert zu werden!) ziel der reise war aber (zumindest dieses mal) nicht das nahe grenzland (bei der tour hatte die nette junge dame ihren köter dabei), sondern die schülerpower-gegen-abiklauer-demo in dortmund (?), wo kultusminister schwier (?) mit eiern beworfen wurde, was selbst ein mitglied der anarchistischen jugend „irgendwie nicht gut fand“ (ja, so waren die zeiten). später saßen wir irgendwo in der dortmunder (?) innenstadt und sehnten uns nach dem domkeller, dann saßen wir im domkeller und waren ziemlich geschafft, und dann hingen wir bei …diesem anderen jungen mann ab, und die junge dame und ich kamen, obwohl sie liiert war, blieb und jenen anderen später ehelichte, zusammen (*heftig erröt*). zumindest für kurze zeit. das ist die auflösung des bilderrätsels für dieses mal, das nächste folgt – und hey! ja, die geschichte mit den schneeflocken, die durch das armaturenbrett wehten, stimmt! die hätte ich nur fast vergessen! …und um diese ganze pure sentimentalität jetzt nicht zu zerstören, erspare ich mir wenig lustige und leider sehr wahre geschichten von der städteplanerischen front des nicht nur nördlichen teils absurdistans…

  2. Ah siehste, siehste: Wenn die Erinnerung Streiche spielt: Ich dachte Käfer I wäre ein ganz kurzer gewesen, der Dir unmittelbar nach Erhalt des Lappens -äh- abhanden gekommen wäre, aber da trog das Gedächtnis wohl. Äh, die Demo in Dortmund, ja, stimmt da waren wir ja auch. Im Abiklau-Zusammenhang erinnere ich mich nur an die flammende Rede, die ein uns beiden sattsam bekannter Agitator auf der Treppe des Gumminasiums hielt, und an die Ketten, mit denen ein Möchtegern-Bombenleger aus Knolle die Türen zur Aula verschlossen hatte. Aber ich kann natürlich verstehen, dass Dir, angesichts Deiner amourösen Errungenschaften, die ganze Angelegenheit wesentlich präsenter ist. Nur der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass meine gründliche Entflammung für eben jene junge Dame, die den Deutsch- und Englischunterricht der 9. und 10. Klasse halbwegs erträglich machte (eine Folge der Sitzordnung) zu diesem Zeitpunkt schon abgeklungen und durch die noch gründlichere Entflammung für eine andere junge Dame ersetzt worden war (in diesem Falle war die Sitzordnung im evangelischen Religionsunterricht ausschlaggebend, eine unheilige, eine sündig-fleischliche aber dennoch irgendwie passende Fügung). Oh Mann, ich möchte der Zeit danken, dass ich nunmehr in deutlich ruhigeren Fahrwassern dahindümpele, aber damit muss ich gleichzeitig zugeben, wie fade und trostlos es in dieser Abteilung inzwischen aussieht. Jedenfalls danke für Deinen Kommentar und den damit verbundenen sentimentalen Anhauch. Es ist kein Wahnsinn sich so früh schon zu erinnern, die Zeiten für solche Koketterie sind lange passe. Ich freue mich schon auf das nächste Rätsel und versuche mal mitzuhalten: Das osmanische Reich mit dem dicken orangen Licht, mit dem Dreibuchstaben-Ziel- und Ausgangsort, mit dem verrauschten Pinienhain, wo liegt das? OK, viel zu einfach 🙂

  3. ok, das hat jetzt ein paar tage gedauert, ich hoffe, du siehst es mir nach… jetzt, an einem wunderschönen spätsommer- oder frühherbsttag, zwischen dem ende des letzten sonnenschirm-einsatzes für diese saison und dem nachmittäglichen spaziergang mit meinem mir persönlich zugeteilten bundestagskandidaten auf unserem dorffest nehme ich mir die zeit zur rätsellösung. das heißt: genau genommen zum eingeständnis meines scheiterns, denn es war und ist *nicht* einfach. ich gehe davon aus, dass ich einfach auf dem falschen weg bin, führte mich das dicke und orange licht und der verrauschte pinienhain doch zu einer erinnerung an che““chaouen und den dortigen campingplatz… aber das passt nicht zu drei buchstaben, und auch nicht zum osmanischen reich… pinien bringe ich dann noch zusammen mit der ilha de tavira (und dem dortigen campingplatz und unserem lager unter diesem mickrigen baum – eine stelle, zu der ich übrigens dreimal zurückgekehrt bin, auch wenn zuletzt die erinnerung an die größe der vor der ersten tour bestehenden sehnsucht nach dem ziel „portugal“ nichts mehr mit der portugalesischen wirklichkeit zu tun hatte – aber auch dies, wie so oft übrigens, ein anderes thema, das allerdings erneut viel mit zersiedlung und selbstähnlichkeit zu tun hat, dieses mal allerdings in weiß und mit pool und meerblick), allerdings… drei buchstaben und osmanien – wiederum fehlanzeige… du merkst: ich komme nicht drauf, weil auch prag nun völlig ausscheidet: kein dickes oranges licht, kein osmanisches reich, und keine pinien, nirgends. also, wie schon gesagt, gehe ich davon aus, dass ich auf dem völlig falschen trichter bin, und statt an gemeinsame fernreisen eigentlich an näherliegendes hätte denken sollen. aber so sehr ich auch die rumpelkammer meiner erinnerungen durchforste, stoße ich doch, was deine drei hinweise anbetrifft, auf gähnende leere. gefunden habe ich allerdings im zusammenhang mit einer reise, die wiederum nichts mit osmanen, dickem licht und erst recht nicht mit pinien, dafür umso mehr mit nordsee, grolsch (je lauter das fump umso besser das schlorg) und inderinnen, die im wasser sitzen, weil sie ihr höschen verloren haben, zu tun hat, eine reihe von literarischen ergüssen, die mir und bestimmten mitreisenden zur steten freude gereicht haben (gelle??), nämlich:
    die deichgedichte.
    und solltest du sie in den dekaden seit jenen tagen vergessen haben, hier zu deiner erbauung eines von ihnen:
    guten morgen
    sagt der scheich
    ich geh jetzt joggen
    auf dem deich.
    kein haiku könnte schöner, könnte sinniger sein. und, lieber freund, wenn du jetzt vor sentimentalität in die tischkante beißt und es dich nach mehr verlangt: ich kann mich noch an sie erinnern, und zwar an ALLE!
    in diesem sinne, leeve jong, am engk dieses offenen und öffentlichen briefes leeve jrööß uss strunden bei dellbrück bei kölle am ring
    dinge blogghead

    1. Na siehste, zu einfach: Natürlich meinte ich Chefchaouen (oder wie man das jetzt schreibt, anscheinend gibt es da ja mehrere Möglichkeiten). Also bleibt mir nur noch die zwei offenen Punkte zu klären: Ich schrieb vom osmanischen Reich, da wir dort doch intensiven Kontakt zu Osman hatten (Du erinnerst Dich? „Osman is looking for you.“) und der ja auch ein bisschen für unseren leicht überhasteten Aufbruch aus dieser wunderschönen Stadt verantwortlich war. Schließlich sahen wir uns ja dem lokalen Gemüseimperium ausgeliefert und wähnten uns bereits mit einem Bein in irgendeinem marokkanischen Knast, gell. Bleibt noch der Dreibuchstaben-Ausgangs und -Zielort, der natürlich Fes heißt und von dem Typen am Campingplatz in Chefchaouen ohne unser Zutun in diese überflüssigen Anmeldeformulare eingetragen wurde, so wie wir das auch am Ende der nordafriaknischen Episode machten, weil es einfach am schnellsten ging. Also lagst Du schon ziemlich gut.
      Zum Thema Nordsee, Grolsch und Deichgedichte: Weniger als an die Reise mit besagter Inderin und ihrem damaligen Freund (den ich ein paar Jahre später mal beim Bier in der Stadt traf und der an seiner Ex-Fluse kaum ein gutes Haar ließ), erinnere ich mich an die Tour mit Frl. B nach „KÜSTENKAFF“ und später dann nach Harlem (nein, ich glaube Grolsch haben wir da noch nicht getrunken). Dabei ist mir vor allem die Küche der Jugendherberge noch sehr präsent, der heftige Husten, den ich die ganze Zeit hatte, die beiden Studentinnen (?) denen wir uns anschlossen und ihre längsgestreiften Hippiehosen, die ich so dermaßen cool fand, dass ich mir auch so was besorgen musste und bis zum völligen Verschleiß mit Begeisterung trug.
      Tatsächlich hat mich das Deichgedicht ganz enorm sentimentalisiert und selbstverständlich würde ich mich freuen, weitere Teile aus diesem Textzyklus, den ich, wie so vieles Andere, komplett verdrängt hatte, nach so vielen Jahren noch einmal vernehmen bzw. lesen zu dürfen.
      Der heutige Wahlabend ist sicher kein schöner Abend für Dich. Deshalb sende ich mal ein aufmunterndes „Kopf Hoch“ an den Rhein, es kommen auch wieder bessere Zeiten. Mir ist zwar nicht so sehr nach ins-Kissen-heulen zumute (naja, ich habe sozusagen gewonnen, oder wenigstens hinzugewonnen), aber die kommenden Jahre werden frostig kalt werden.

  4. „das osmanische reich“ – suuuuuuper!!! klar kann ich mich noch gut daran erinnern, dass wir vor lauter „no paranoia“ nur noch paranoia geschoben haben, und das mir mulmig wurde, als ich mein feuerzeug, dass osman tags zuvor eingesteckt hatte, wieder in meiner schmutzigen wäsche fand (zu dem zeitpunkt, als wir kurz vor unserem überhasteten aufbruch alles, aber auch wirklich alles auf links gedreht haben). ja, ja, grün ist die hoffnung… achtzehn jahre später, als ich mit meiner liebsten nochmals auf unseren spuren gewandelt bin (und dabei immerhin über zagora hinaus bis m`hamid gekommen bin, wo die straße endet und die wüste beginnt), haben wir aufgrund diverser reisewarnungen einen großen bogen um das riffgebirge gemacht, und selbst wenn wir uns hineingewagt hätten, hätte ich mich sicherlich nicht mehr zur bewußtseinserweiterung mittemangs auf den marktplatz gesetzt… merkwürdig war allerdings, dass bei dieser zweiten tour ständig der muezzin rief, aber ich mich bei jener ersten tour zwar noch an alles mögliche erinnern kann (inklusive dem kryptischen ausruf „ismillah komm!“ von meinem bett- und zeltnachbarn), aber nicht an die täglich mehrfachen rufe. sehr merkwürdig.
    tour mit frl. b. nach küstenkaff… hm… war ich dabei? daran habe ich nämlich keinerlei erinnerung mehr. an frl. b. allerdings schon (wenn wir die selbe meinen): kurzzeit-große liebe, jahre tiefer enttäuschung, danach ein merkwürdig ambivalentes verhältnis und viel ärger um urlaubsplanungen (b. in marokko – das wär““s gewesen! vermutlich wären wir nicht bis algeciras gekommen, jedenfalls nicht alle zusammen). mit frl. b., frl. ja-wie-hieß-sie-gleich-noch-gute-gutaussehende-freundin von b. und herrn e. war ich mit e.`s mutter ihrem golf in paris – aber da warst du nicht dabei, aber ich weiß nicht mehr warum.
    jene inderin sitzt übrigens ab und an in der rheinischen landesklinik in unserer schönen stadt, und der tiefpunkt war wohl erreicht, als ganz ohne alles (also auch ohne höschen) an einem bahnhof im benachbarten ausland aufgegriffen worden ist. dies weiß ich allerdings alles nur vom hörensagen, ich selbst habe sie nun auch schon zwanzig jahre nicht mehr gesehen.
    zum wahlausgang möchte ich mich jetzt (noch) nicht äußern, und zwar nicht, weil ich die diskussion fürchtete oder dir nicht in dem ein oder anderen punkt absolut recht geben würde, sondern weil ich ein derart tiefes gefühl der müdigkeit, der leere und des ausgebranntseins habe, wie ich es seit langem nicht mehr empfunden habe. und das hat nichts mit 23 (sic!) prozent zu tun, sondern mehr mit den örtlich handelnden personen und (vermutlich) enttäuschten hoffnungen. es wird weitergehen, gewiss, und ich werde auch nicht, wie früher so gerne, hinschmeißen, sondern meine platz einnehmen und im april/mai auch wieder unter`m sonnenschirm stehen. aber jetz han ich dat schnüsschen vollll….
    zu guter letzt, leeve jong, sei mir dein wunsch befehl – also wohlan! das zweite deichgedicht:
    steht der kirchturm
    auf dem deich
    war der bischof
    furchtbar reich!
    (zu meiner schande muss ich gestehen, dass ich noch grübeln muss, ob es mehr als zwei gegeben hat. es *muss* mehr als zwei gegeben haben! erinnern kann ich mich allerdings an die replik eines wohlbehüteten menschen, der von deichgedichten zunächst genervt war, sich dann aber nicht anders zu helfen wußte:
    mir wird immer holder –
    ich glaub` ich steh auf`m polder!
    dein nachwelt-ruhm sei also gesichert! 😉 )
    in diesem sinne: mach et joot un bess demnähx!
    dinge blogghead

    1. Ah noch ein Marokko-Wiederholungstäter, sehr schön. Ich war auch noch mal später da, muss so um das Jahr 2002 herum gewesen sein. Allerdings waren wir da auch nicht im Riff, haben aber, davon abgesehen, nichts anbrennen aber jede menge abbrennen lassen. In Essaouira an der Küste war`s schön und sehr relaxed, vor allem in der Bar de la Plage, dem einzigen Ort in der ganzen Stadt, wo man eisgekühltes Bier bekommen konnte. Man konnte unheimlich gut draußen im Meer auf der halb im Sand versunkenen Ruine einer kleinen Burg sitzen und Richtung Horizont gucken. Das ist übrigens genau der Ort, der Hendrix zu seinem „Castles Made Of Sand“ inspirierte. Von der Küste ging es über Marrakech nach Taroudant, zwischen Atlas und Antiatlas, und von da aus zum Trekking in die Berge, wo wir uns verirrten, uns das Wasser ausging und wir von einer Bauernfamilie in einem kleinen Dorf mitten im großen Nichts aus Felsen und Geröll aufgenommen und gerettet wurden. Nach 4 Tagen in Gluthitze tagsüber und bitterkalten Nächten erreichten wir schließlich Ouarzazate, das uns zunächst wie das Paradies vorkam. Sogar die Einheimischen waren beeindruckt, als wir die Einfahrt zum Campingplatz entlang humpelten: Die Füße voller Blasen, einer mit verstauchtem Knöchel, der andere mit aufgeschlagenem Knie und mit aufgeplatzten ausgetrockneten Lippen, dicht an dicht besetzt mit Herpes-Bläschen. Auf besagtem Zeltplatz habe ich die schlimmste Nacht meines Lebens verbracht: 40°C, feucht-stickig wegen des angrenzenden Stausees, schmerzende Knochen, pochende Kopfschmerzen, ein frisch eingefangenes Magen-Darm-Virus, das mich regelmäßig zum Toilettenhäuschen trieb, die Mücken fraßen uns auf, kein Alkohol und keine Tabletten zur Betäubung zu bekommen und dazu der Geruch von verdorbenem Fisch. Am nächsten Morgen gings zurück an die Küste und die letzten Tage verbrachten wir damit, höchst benebelt unsere Wunden zu kühlen, eine raffinierte Tajine nach der anderen zu kochen und dabei Wein zu trinken. Doch, ein schöner Urlaub.
      Was die Tour ins KÜSTENKAFF anbelangt, da hast Du wohl recht, ich habe gerade mal die Fotos rausgekramt und Du warst wirklich nicht dabei (obwohl ich hätte schwören können…). Was die gutaussehende Freundin von B. betrifft, da kommen eigentlich nur Alex K. aus Knolle (groß, schlank, sehr blond) und Steffi H. in Frage (die dann später am Bahnhof überm Puff wohnte). Ansonsten lässt sich über B. nicht mehr viel sagen. Hab sie vor ein paar Jahren im weihnachtlichen Einkaufsstress samt Mutter und Kinderwagen gesehen und sie guckte so dermaßen mürrisch drein, dass ich keine Lust hatte mit ihr zu sprechen.
      Schönen Dank für Deichgedicht Nr.2, so allmählich wird die Erinnerung an jenen Trip doch etwas deutlicher. Ach ja, man hat seine Zeit schon mit merkwürdigen Dingen verbracht und mit komischen Leuten auch. Einstweilen wünsche ich gute Erholung vom Wahlergebnis, bleib tapfer und lass es Dir gut gehen.
      Groetjes,
      Skid

  5. way back then hattest du (der du, soweit ich mich entsinne, in den letzten jahren doch auch die ein oder andere malaise ertragen musstest) dir auch einen magen-darm-virus eingefangen, und zwar in meknes… nach zwei oder drei versuchen, es wieder bis zum zelt zu schaffen, hattest du es aufgegeben und warst am toilettenhäuschen geblieben, wo wir dich morgens reichlich übernächtigt und über konferenztische mit kloschüsseln drumherum philosophierend (ja, die nacht muss *sehr* einsam gewesen sein!) fanden. später, das war dann allerdings schon in porto, wolltest du nach einem schönen abend mit reichlich porto und überraschungseiern (ich hatte ein segelboot in meinem) auch nicht ins zelt, aber dieses mal aus anderen gründen. m.e. und ich unterhielten uns über tiefkühlpizza mit broooccoli, was dir aus irgendwelchen gründen so gar nicht behagte…
    meine liebste und ich waren 2005 in marokko: wir hatten für die ersten nächte ein hotel in marrakech in unmittelbarer nähe zum djemaa el fna, sind von dort mit dem zug nach meknes und fes gefahren (an fes hatte ich merkwürdigerweise keine erinnerung mehr), waren wieder ein paar tage in marrakech und sind von dort für ein paar tage mit leihwagen über den atlas nach zagora gefahren, wo wir (etwa zwanzig kilometer hinter zagora) im hotel am ende der welt verbracht haben (guckst du hier: http://www.fotocommunity.de/pc/pc/mypics/591232/display/4668286). das hotel war am ersten abend – vom verschlafenen portier und den am empfang pennenden touareg von den zelten nebenan – komplett leer, am zweiten abend gab`s (wegen einer busreisetruppe) licht, musik, leben und was zu essen, und am dritten abend traf sich dort der etwas merkwürdige deutsche besitzer mit seiner offenkundig heimlichen geliebten. very strange. dann waren wir noch eine nacht in `kech, und hatten dann leider für eine woche ein ferienhaus im nichts zwanzig kilometer von agadir entfernt, was eine scheiß-idee war: essaouira wäre besser gewesen, aber so what? so haben wir wenigstens einen grund irgendwann zurückzukehren.
    in portugal war ich inzwischen noch vier weitere male: 1990, also aus heutiger sicht unmittelbar nach unserer tour, mit der frau, wegen der ich nach bonn gezogen war – wir haben ziemlich genau die reise gemacht, die wir damals auch gemacht haben, nur mit längeren stopps an den einzelnen orten. der kleine baum, unter dem wir in tavira campierten, stand damals immer noch. 1994 mit e. genannt p. p., seiner freundin, ihrem späteren freund und g. genannt g. v. haben wir ungefähr die selbe tour dann nochmals gemacht (mit ein paar modifikationen). die tour wird mir – neben vieler anderer dinge – auch deswegen in erinnerung bleiben, weil wir die strecke aachen-tavira und porto-aachen im fliegenden wechsel ausschließlich über landstraßen gefahren sind. so bekloppt muss man sein. 2000 war ich mit meiner liebsten da, nur um schon beim landeanflug zu sehen, dass die algarve inzwischen flächendeckend mit weißen häuschen zugeschissen worden war – dorthin wird`s mich also nicht mehr verschlagen, auch wenn die ilha de tavira immer noch schön war. 2007 waren wir an der küste bei cascais, was auch nur eine bedingt gute idee war, uns aber die gelegenheit gab, an vielen tagen nach lissabon zu fahren. ich liebe diese stadt (auch wenn sie an ihren rändern inzwischen ganz erheblich wuchert)! hach ja…
    die très `übsche junge dame war übrigens steffi h. keine ahnung, was aus ihr geworden ist. frl. b. habe ich das letzte mal vor etwa 17 jahren gesehen, als ich mit dem späteren freund von e. genannt p. p.`s damals noch zukünftiger freundin durch die uni meiner wunderschönen stadt ging und sie uns um einen heiermann anging. danach habe ich sie nicht mehr gesehen.
    leeve jong, und weil wir jetzt wieder einmal so schön in den tiefen unserer erinnerungen gewühlt haben („last night i took a walk into the back of my mind through the trash and the warning signs…“ adrian belew), habe ich zum feierlichen abschluss das letzte, wenn auch leider schwächste, der deichgedichte:
    geht die sigrid
    über`n deich
    werden marc`ies
    knie weich.
    you remember sigrid? nicht? war auch nicht der rede wert. (zur erinnerung: das war diese kleine, mit der ich ein paar tage vor unserem marokko-trip zusammengekommen war und die sich unmittelbar nach unserer rückkehr von mir trennte – so gesehen waren wir immerhin mehr als vier wochen zusammen…
    soweit. und: ja, natürlich habe ich frl. s. nicht wegen ihres gesangs hochgeladen – und ich hätte weitaus lieber von ihr und ihren verrenkungen (unfassbar!) geträumt – aldä, isch schwör!
    leeve jrööß, dinge blogghead
    btw und bevor ich`s vergesse: g. hat auch schon seit sieben jahren niemand mehr zu mir gesagt…

    1. So, jetzt aber. Ja, der damalige Magen-Darm-Virus von Meknes ist bis heute legendär und auch der zugehörige Spruch („Möchte Monti Metifex?“) ist mir bis heute sehr präsent, auch wenn die Urheberin und damalige Reisegefährtin S. ziemlich aus meinem Blickfeld entschwunden ist, obzwar sie kaum ein paar Kilometer von hier mit Mann und drei strammen Jungs wohnt. Das muss man locker nehmen. Jene Nacht, in der ich dem Teufel meine Seele für einen geordneten Stuhlgang verkauft hätte, war schon extrem, aber die Attacke auf der zweiten Tour schlug so gesehen alles: Aus dem Gebirge wurden wir von einem netten Typen mit Pickup Richtung Tiefland mitgenommen. Mein Kumpel (Der lädierte Knöchel) nahm vorn in der Kabine Platz, ich erklärte mich großmütig mit dem Platz auf der Pritsche einverstanden, obwohl mir klar war, dass die Fahrt wenigstens 2 Stunden dauern würde und die Straßenverhältnisse ein Hinsetzen auf dem Bodenblech nicht zulassen würden. Kaum waren wir unterwegs schlug Montezumas nordafrikanischer Bruder unvermittelt zu und ein erster Schwall des Frühstücks (Fladenbrot, Datteln, Minztee) landete auf dem verdorrten marokkanischen Seitenstreifen. Keine Ahnung, ob die Kabinenbesatzung meiner Unpässlichkeit gewahr wurde, jedenfalls machte der Fahrer keine Anstalten anzuhalten. Die Speiattacken kamen mit schöner Regelmäßigkeit. Wenig später erreichten wir ein kleines, halb verfallenes Dorf. Man stelle sich folgende Szenerie vor:
      Die Hauptstraße, geduckte Lehmziegelhäuser, ein paar Beduinenopas hängen im Schatten rum, ein paar Buben bewerfen die Straßenköter mit Steinen. Auf der Straße nähert sich rumpelnd ein rostroter Pritschenlaster. Hinten drauf ein sonnenverbrannter, kahler Mitteleuropäer, der sich mit einer Hand am Wagen festhält und mit der anderen sein Berberkäppi auf der Pläte zu halten sucht, damit die Sonne ihm nicht den letzten Rest seines Verstandes aus der Birne kocht, und der kotzt, im hohen Bogen, immer wieder. Die Schlenkerbewegungen des Autos und das konvulsivische Zusammenkrampfen seines Körpers ergeben ein gar wunderliches Bewegungsmuster, das den Buben ein fettes Feixen, den Opas ein verächtliches Kopfschütteln entlockt.
      So war das. Ich war froh als ich einigermaßen entleert war, dann gings mir auch besser und ich schob das Ganze auf die Rüttelei, genehmigte mir einiges an extrem süßem Schmalzgebackenem nach unserer Ankunft auf dem Zeltplatz und das blieb bis abends auch drinn. Naja, den Rest habe ich ja schon beschrieben.
      Übrigens ein Klassefoto von Eurem Hotel am Ende der Welt, Respekt. Ganz so weit nach Süden hab ich es nie geschafft, Zagora hat mir gereicht. Da können die Unempfindlichen noch so sehr von der angenehmen trockenen Hitze erzählen, mich schafft sie. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum es mich in letzter Zeit im Urlaub immer in den Norden zieht. Was Deine portugiesischen Erfahrungen anbelangt, so werden sie von allen Freunden und Bekannten bestätigt, die in den letzten Jahren da waren: So schnell wie möglich weg aus dem Süden und an die Atlantikküste. Und an die Algarve würde keiner mehr fahren, selbst die hartgesottensten Strandlieger nicht.
      An Sigrid kann ich mich kaum erinnern. Irgendwie beginnt mit der Postmarokkozeit in meinem Oberstübchen der Prozess der allgemeinen Auflösung. Die Wochen in der Handverpackung bei Barbor haben Spuren hinterlassen, die Abhängerei am Karlsbrunnen und in diversen Spielhöllen, das war es dann auch schon. Erst mit dem Beginn des Zivildienstes setzt die Erinnerung dann wieder überdeutlich ein: Sauerstoffduschen in Geräteräumen, messerwerfende Nachbarn im Wohnheim, jede Woche brannte eine Matratze in den Grünanlagen, nächtliche Runden im breiten Kopf um den übergroßen Legostein, der die verbrauchte Luft deutlich hörbar in die Dunkelheit atmete, eine Fete bei M. P. im Muffeterweg bei der ich sehr bereitwillig Opfer eines blonden Engels aus Brand wurde. Ach ja. Man versucht es halt mit der Überholspur und die entpuppt sich dann als Standstreifen. Nuff said.
      Mach es gut Alter

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