Yes WICANN

Ich nehme die heutige halbstündige Störung meines Internetanschlusses mal zum Anlass eine ganz einfache Frage aufzuwerfen (und zu beantworten): Wem gehört eigentlich das Internet? Blöde Frage, wird der eine oder andere sagen, das Netz gehört allen, zumindest allen, die daran teilnehmen. Das ist zwar irgendwie richtig, gleichzeitig ist es aber völlig falsch.

Sicher, auf den ersten Blick besteht das Internet aus allen weltweit vernetzten Rechnern, also auch aus dem, an dem gerade dieser Artikel verfasst wird. Und weil mir mein Provider eine einmalige IP-Adresse zugeteilt hat, die meinen Mac (den ich an guten Tagen manchmal Gandalf den Grauen nenne, an schlechten Scheißkiste, das nur nebenbei.) zum Teilnehmer am globalen Datenverkehr macht, hat das Internet hier im Westzipfel also sozusagen ein Knötchen mehr. Und trotzdem gehört mir nicht mal ein winziges Stückchen vom Internet: Ich bezahle meinen Provider in erster Linie dafür, dass er die Hardware für die Vernetzung bereitstellt und unterhält, außerdem entfallen Kosten auf die Nutzung von Leitungen und Verteilungsknoten bis hin zu den globalen Backbones, die im Besitz anderer Provider sind. Also gehört diesen Diensteanbietern in Wirklichkeit das Internet? Nein, auch nicht.

Also, wem gehört es dann? Des Rätsels Lösung liegt einerseits in der Vergabe der schon genannten IP-Adresse, andererseits im DNS-System. Der Reihe nach: Es ist klar, dass jeder Teilnehmer am Datenaustausch als solcher eindeutig zu erkennen sein muss. Also werden IP-Adressblöcke von kontinentalen Verwaltern an die Provider verkauft. In Europa kümmert sich das RIPE darum und finanziert sich auch durch diese Dienstleistung. Aber auch dem RIPE gehört nicht das europäische Internet, es erhält seine IP-Adressen von der ICANN. So, da haben wir es: Das Netz gehört der ICANN, denn die regelt nicht nur die Adressvergabe, sondern kontrolliert auch die berühmten 13 RootLevel-Server des DNS-Systems, die dafür sorgen, dass man skidman.de bekommt, wenn man skidman.de als Zieladresse einträgt.

So, jetzt komme ich endlich zum Punkt, bzw. zu der Frage: Wem gehört die ICANN? Nun eigentlich ist es eine unabhängige Stiftung, de facto untersteht sie aber, und jetzt wird es unappetitlich, dem US-Amerikanischen Handelsministerium. Zwar wird schon seit Jahren darüber gestritten, dass die Organisation durch eine internationale Kontrollstelle (World-ICANN oder WICANN) ersetzt werden soll, aber bislang konnten sich die Staaten nicht einigen, wie eine solche Einrichtung auszusehen hat und wie sie kontrolliert werden soll. Und solange man sich nicht einigt, macht die ICANN eben weiter. Den USA ist das nur recht, sie sehen sich in der „historischen Verantwortung“ für die Netzsicherheit und haben sich verpflichtet für einen störungsfreien Betrieb zu sorgen.

Kann die amerikanische Regierung das Internet „abschalten“? Ja und nein. Die RootLevel-Server sind rund um den Globus verteilt. Würden die auf dem Boden der USA befindlichen aus dem System genommen, würde sich der Zugriff verlangsamen, aber es wäre kein Problem zusätzliche Server außerhalb der USA kurzfristig in Betrieb zu nehmen. Ob das DNS-System in einem solchen Fall den Ansturm der Anfragen bewältigen könnte, das ist reine Spekulation.

Die Angelegenheit hat jedenfalls ein Geschmäckle. Mir wäre wesentlich wohler, wenn die Kontrolle in den Händen einer wirklich unabhängigen Institution liegen würde. Darauf sollte mit Nachdruck hingearbeitet werden: Yes WICANN!

Note to self: Gerade noch rechtzeitig, puh ich freu mich. Musik: Krisiun, Iron Maiden, Manowar, Me First And The Gimme Gimmes.

Eine Antwort auf „Yes WICANN“

  1. Darüber las ich schon vor einiger Zeit mal einen Artikel, und mich beschlich wieder einmal das Gefühl „Big Brother is … well, maybe not always watching, but still governing you after all“. Es klingt ja toll, wenn die USA sagen, dass sie sich in der Verantwortung sehen; in Wahrheit wollen sie aber die Fäden in der Hand halten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.