Dodge this!

Höchste Zeit, den Shuffle wieder mal neu zu bestücken. Also auch höchste Zeit, die Neuzugänge der letzten Wochen noch mal anzuhören und kritisch zu würdigen. Die folgenden Empfehlungen sind allesamt als freie Downloads verfügbar. Also denn, hinein ins Vergnügen:

GMC

Fangen wir mal mit den Ösis an: Zwar stammt das Mini-Album „God Mode“ von Eschaton bereits aus dem Jahr 2004, aber es ist erst seit kurzem gratis verfügbar. Auf dem Werk klebt das Etikett „Avantgarde Blackmetal“ und das ist auch nicht gelogen. Vortreffliches, erdiges Geknüppel wird immer wieder von gekonnten Breaks und akustischen Gitarren unterbrochen und das Ergebnis ist für schwarzmetallische Verhältnisse durchaus abwechslungsreich. Die Produktion ist meilenweit über dem Szenedurchschnitt. Es gibt nur eine Sache, die mich daran nervt und das ist der Sound der Schnarrtrommel. Die Snare ist viel zu hoch gestimmt und mit viel zu wenig Attack aufgenommen. So hebt sie sich zwar gut vom restlichen Kit ab, nimmt dem Gesamtergebnis aber Einiges an Düsternis. Schade, sonst sehr gelungen.

MWC

Weiter geht es mit schwedischem Melodie-Todes-Metall von Eucharist. Der gesamte back catalogue der Kapelle ist seit ein paar Wochen „für umme“ zu kriegen. Eucharist gehören zur so genannten Göteborger-Schule (In Flames, Arch Enemy, uvm.) und können stellvertretend für all die Bands aus den 90ern stehen, die es eben nicht zu breiter Popularität gebracht haben. Nach zwei Langrillen löste sich die Formation endgültig auf. Das 1997er Album „Mirrorworlds“ bietet klassischen Death Metal mit sehr schönen Gitarrenmelodien, prima krächzendem Gesang und einem typisch skandinavischen Rhythmusfundament mit enorm voluminösem Bass. Wer das ganze ein bisschen roher und mit Pseudoproberaumsound haben will, der greife zum Vorgänger „A Velvet Creation“ von 1993.

TNC

Nun zu etwas progressiveren Tönen aus Finnland. The Nibiruan aus Helsinki sind zwar noch Frischlinge, aber ihr erstes Demo kann sich durchaus hören lassen, nicht nur des bemerkenswert transparenten Sounds wegen. Die Stücke sind extrem abwechslungsreich, zum Teil sogar verspielt, aber trotzdem eingängig. An den Klargesang gewöhnt man sich, der war mir auf Anhieb ein wenig zu poppig. Ansonsten erinnern manche Passagen an die ruhigeren Instrumentalabschnitte von Meshuggah, auch wenn der Finnen-Kram natürlich insgesamt viel viel harmloser ausfällt. Bin mal gespannt auf das Album.

TPC

Von den harmlosen Finnen zu den bitterbösen Amis. Thou spielen erdschweren Doom Metal und scheinen einen Popularitätssprung vor sich zu haben, immerhin stehen sie bereits mit Szenegrößen wie „Salome“ auf der Bühne. Verdient hätten sie es, denn auf dem 2008er Album „The Peasant“ ist einiges an hinterlistiger Raffinesse zu hören. Zwar nennen sie ihre Musik Drone Doom, aber im Gegensatz zu den ganz strukturlosen Dröhnern und extra langsamen Doomern, kann man sich das recht abwechslungsreiche Album auch zum Frühstück anhören, ohne sofort wieder ins Bett zu wollen. Wenn einem danach ist, dann kann man sich das Erstwerk von Encircling Sea geben. 48 Minuten trostloseste Ausweglosigkeit aus Australien, die sich aber für unterwegs, also für den iPod, aus leicht ersichtlichen Gründen nur sehr bedingt eignen.

KRC

Zurzeit erlebt der klassische Thrash Metal ein echtes Revival, die Zahl entsprechender Veröffentlichungen ist fast unüberschaubar. Vielleicht hat das damit zu tun, dass NuMetal und Metalcore inzwischen allen aus den Ohren rauskommen. „Kickstart Revolution“ von Guerrilla aus Köln ist so ein Retro-Thrash-Album. Zwar Anfang des Jahres herausgekommen, würde sich keiner wundern, wenn es Mitte der 80er in der Bay Area aufgenommen worden wäre. Klar, irgendwie hat man das alles schon mal gehört, aber man hat es eben auch gerne gehört. Der Gesang liegt irgendwo zwischen Pantera und Arch Enemy, Zitate von Exodus und Sepultura sind unverkennbar. Warum nicht? Mosh on!

NOC

Zum Schluss noch etwas Eingängigeres aus Kanada. Sequester firmieren unter dem Label Power Metal. Damit kann man mich normalerweise jagen, denn Power Metal ist „true“ und brav und irgendwie komplett altbacken. Der frische Release „Nameless One“ aus Olympialand bietet denn auch die typischen angefolkten Gitarrenmelodien, ein grundsolides, aber wenig überraschendes Schlagzeug und schwülstigen Gesang mit viel Hall und noch mehr Backings. Hört sich alles nach einem Veriss an, oder? Schon, allerdings hat die Platte echte Ohrwurmqualitäten, einen traumhaft guten Sound und einen echten Hit namens „Three Ravens“.

Note to self: Der letzte Tag, das ging ja flott. Musik: All of the above.

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