Auf die Löffel

Ja, der Osterhase war keineswegs untätig, sondern hat einige musikalische Eier hinterlassen, die ich inzwischen verköstigt habe. Das allermeiste ist in den Weiten des Netzes kostenfrei zu saugen. Schauen wir mal nach:

MHD

Beginnen wir in Polen und lassen wir uns windelweich prügeln: Mortus gibt es seit 2004. Sie nennen auf ihrer Webseite ausdrücklich die Helden des Thrash-Metal (Metallica, Slayer, etc.) als maßgeblichen musikalischen Einfluss und das hört man auch überdeutlich. Auf ihrem 2008er Demo „Human`s Dilemma“ gibt es nicht nur eine gelungene Cover-Version des Klassikers „Fight Fire With Fire“ sondern noch mehr vortreffliches Geknüppel. Die Präzision des Schlagzeugs ist traumhaft (OK, getriggert, aber was solls), der Gitarrensound schön trocken, das Riffing beeindruckend und die Produktion makellos. Prima, Jungens: Rób tylko tak dalej!

ASIWYFA

Damit hier nicht der Eindruck entsteht, ich würde nur noch Metal hören, mal was ganz anderes: Die (nord)irische Kapelle: And so i watch you from afar ist ja eigentlich schon lange kein Geheimtipp mehr. Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich sie neulich erst in der Glotze gesehen habe und von der unkonventionellen Mucke des Quartetts mit dem sperrigen Namen sofort extrem begeistert war. Sie machen instrumentalen intelligenten Experimentalrock und erinnern mich manchmal ein wenig an Isis oder Red Sparrows. Punkige und sphärische Passagen wechseln sich ab. Witzige Soundideen flechten sich nahtlos ein. Das Schlagzeug ist ein absoluter Traum, sehr eigen und sehr gekonnt. Es sind die kleinen liebevollen Details, die das Besondere dieser Formation ausmachen. Play loud!

KI

Weiter gehts es mit einem galizischen -äh- Ambient-Jazz-Metal-Gothic-Dingens. Kataarsys sind ein Trio aus Nordspanien und brachten vor der aktuellen Scheibe zwei sehr traditionelle Black-Metal-Platten raus, die man übrigens bei last.fm kostenlos laden kann (leider nur 128kb/s, ich kapiere es einfach nicht). Auf der letzten Veröffentlichung „Intuition“ (die wohl inzwischen nur noch per Paypal zu bekommen ist, dann addieren sich noch mal 7 € „Bearbeitungsgebühr“ zu den 11 Tacken für die Scheibe, spinnt ihr?) gehen sie neue Wege: Insgesamt ruhiger und verschrobener fällt das Material aus, durchsetzt von Hochgeschwindigkeitssoli im Stile eines Django Reinhardts. Sehr schön, sehr schräg und innovativ (erinnert manchmal ein wenig an Kayo Dot, aber nicht ganz so abgedreht). Nur eine Bitte Leute: Demnächst auf spanisch, galizisch, meinethalben Suaheli singen, aber nicht auf englisch. Der Akzent ist furchtbar (also ähnlich schlimm wie meiner, nur anders).

SLB

Wenn eine Band Pink Floyd, Porcupine Tree und Dream Theater als musikalische Einflüsse nennt, dann weiß der geneigte Leser, was auf ihn zukommt. Silent Lapse aus den USA entsprechen diesen Erwartungen voll. Sie nennen ihre Musik „Progressive Metal“ und das kann man auch so stehen lassen. Das Erstwerk „Birthright“ ist perfekt produziert, präsentiert ausgefeiltes Songwriting und ist insgesamt sehr durchdacht und gefällig gemacht. Die richtige Scheibe für alte Säcke wie mich. Man mag kritisieren, dass diese Art von Reißbrettmusik sich inzwischen überlebt hat, aber das sehe ich anders. Man merkt den Jungs an, dass sie wirklich Überzeugungstäter sind und wenn man sich ihre braven Biographien auf der Webseite anschaut, würde man ihnen ohne zu zögern die eigene Tochter, das Familienauto und die Wohnungsschlüssel anvertrauen. Na und?

C

Melodic Death Metal aus Skandinavien? Kennen wir schon, wollen wir nicht mehr, gibt es mehr als reichlich. Stimmt irgendwie, aber jetzt mal ehrlich: Haben nicht die meisten Metalheads seinerzeit solche Sachen wie In Flames, Children of Bodom, Mors Principium est und so weiter mit Begeisterung gehört? Naja, ich bekenne mich hiermit mal dazu. Es handelt sich um metallische Hausmannskost und in diese Kategorie gehört auch Chastisement aus Schweden: Irgendwann in den 90ern gegründet, wenig Erfolg gehabt, fast in der Versenkung verschwunden. Aber immerhin haben sie das 2004er Album „Alleviation of pain“ jetzt zum Download freigegeben. Wir finden die typischen zweistimmigen Gitarrenläufe, die stampfigen Bridges, die knüppeligen Chori, kurz: Alles das, was in Nordeuropa im ausklingenden 20. Jahrhundert fast schon charttauglich war. Die Platte ist grundsolide, mit dem typisch opulenten Schlagzeug, den unvermeidlichen Gitarrensoli, den überschaubaren rhythmischen Verschiebungen, die keinem weh tun. Trotzdem schön!

DLSBDR

So, zum Schluß noch etwas Innovativeres aus deutschen Landen. Das Duo Dyse hat sich nicht zuletzt wegen ihrer schier unglaublichen Live-Performances einen Namen gemacht. Brüderchen hat sie als Support von Baroness in Köln gesehen und war so restlos begeistert, dass er stekum das Album „Lieder sind Brüder der Revolution“ vor Ort erworben hat. Seit ich die Platte als (vollkommen legale) Privatkopie hier habe, kann ich das durchaus nachvollziehen. Kompositionen wie „Zebramann“ oder „Krakenduft“ sind frisch, frech und angenehm absonderlich. Man ist teils schlicht vollkommen baff, was sich mit Schlagzeug, Gitarre und ein paar weiteren Zutaten so alles anstellen lässt. Außerdem bekommen Dyse von mir einen Extrapunkt für den Albumtitel. Mehr davon.

Note to self: Doch das Netzteil? Ach, ein Jammer. Musik: All of the above.

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