Ausgesprochen agile Gelähmte

DEP

Fans von „The Dillinger Escape Plan“ müssen sich mitunter vorkommen wie der einsame Rufer in der Wüste. Die breite Masse empfindet den liebevoll gemachten Chaoscore der Truppe aus New Jersey oft genug als enervierenden Lärm. Keine Frage, man muss ein Faible für das Absonderliche haben, um sich an den Machwerken von DEP vergnügen zu können. Auch das neue Album „Option Paralysis“ bildet da keine Ausnahme. Wieder einmal werden die trennenden Mauern zwischen Metal, Grindcore, Jazz und Pop auf höchst subtile Weise eingerissen, wieder einmal stoßen die Dillingers alle die vor den Kopf, die es lieben auf ausgetretenen musikalischen Pfaden zu wandeln.

Was spätestens mit dem genialen Vorgänger „Ire Works“ eingeläutet wurde, wird mit dem aktuellen Release konsequent fortgesetzt. Inzwischen scheinen Chefkompositeur Weinman und seine Mitstreiter ihren Stil endgültig gefunden zu haben. Angekündigt wurde die Platte von der Band als Metal-Album. Nun ja, es fällt mir schwer solche Bezüge wirklich herzustellen. Sicher, es gibt ein paar wenige Passagen in „Room Full Of Eyes“ und „Chinese Whispers“, wo tatsächlich recht traditionelles metallisches Riffing zu vernehmen ist. Aber diese Kurzausflüge in die doomige Ecke sind alles andere als dominant.

Jedes der elf Stücke auf „Option Paralysis“ ist ein Kunstwerk für sich, eine zur Perfektion verdichtete musikalische Miniatur, die die außergewöhnliche Begabung der Ausnahmekönner von DEP eindrücklich illustriert. Wir finden einiges wieder aus der Historie dieser Band: Die nach Faith No More klingenden Chori, die aus der Zeit der Zusammenarbeit mit Mike Patton übrig geblieben sind, die fast schon radiotauglichen Refrains, die uns schon auf „Ire Works“ vor den Kopf stießen, die wirren Abschnitte, die ich in Rubrik „moderne symphonische Dichtung“ einordnen würde und Stücke, bei denen sich Trent Reznor wahrscheinlich am liebsten in den Hintern beißen würde, weil er sie auch gerne geschrieben hätte, aber einfach nicht hinbekommt.

Man darf zu recht sagen, dass Dillinger Escape Plan sich seit ihrer Gründung konsequent weiterentwickelt haben und mittlerweile ein Niveau erreicht haben, das beängstigen muss. Ich habe keine Ahnung, wie diese Platte zu toppen sein sollte. Eine Extraerwähnung hat sich Greg Puciato verdient. Sein Spektrum von hysterischem Gebrülle, über getragenen und auch sehr naturbelassenen Klargesang, sauberes sphärisches Falsett bis hin zu den eindringlich geflüsterten und gezischten Passagen macht mich sehr sehr neidisch. Meine Herren, was für eine Platte, was für eine unglaubliche Band.

Note to self: Dann kommt doch her! Musik: The Dillinger Escape Plan.

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