Schwarzgelbe Millionen

Ich hatte mir eigentlich fest vorgenommen zu diesem Thema nichts zu schreiben, aber nach Durchsicht einiger Artikel in der Lokalpresse, der zugehörigen Kommentare der Leser, sowie einiger Beiträge im oecher Nutznetz kann ich mich nicht mehr zurückhalten:

Kein Zweifel, man kann öffentliche Gelder besser anlegen als sie zur vorläufigen Rettung eines Fußballvereins, bzw. der angeschlossenen GmbH einzusetzen. An dieser Stelle braucht man auch nicht das Wort „Bürgschaft“ wie auf einem Plakat vor sich herzutragen. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Stadt Aachen das verbürgte Geld tatsächlich locker machen muss, ist sehr sehr hoch, denn angesichts der sportlichen Entwicklung, der enormen Tilgungs- und Zinsbeträge und der absehbaren Kosten für die Beseitigung der aufgetretenen Baumängel (Parkhaus) und erforderlichen Umgestaltungen (Fußgängerbrücke) ist mit einer kurzfristigen und deutlichen Verbesserung nicht zu rechnen.

Die Emotionen kochen angesichts der finanziellen Misere des Zweitligaclubs hoch und Jürgen Linden steht im Mittelpunkt der Kritik. Jetzt bleiben wir doch mal nüchtern und betrachten die Angelegenheit mit gesundem Abstand:

1.) Die Kalkulation für den Stadionneubau stand von vorne herein auf wackeligen Füssen und zwar genau in dem Sinne, wie sie auch beim Bau eines durchschnittlichen Einfamilienhaus auf wackeligen Füssen steht. Fest steht aber auch, dass der Spielbetrieb auf dem alten Tivoli von der DFL irgendwann untersagt worden wäre. Wo hätte die Alemannia dann spielen sollen? In Köln etwa (schauder)? Na also! Ein Umbau des alten Tivoli wäre nicht unwesentlich billiger gewesen, als das neue Stadion. So gesehen gab es keine Alternative.

2.) Nehmen wir mal an, die Alemannia hätte in der aktuellen Saison um den Aufstieg mitgespielt. Die Finanzlücke wäre um ein erkleckliches kleiner, die Wut vieler Aachener wäre erheblich kleiner und besonders die widerliche Arroganz derjenigen, die es schon immer gewusst haben, bliebe uns erspart. Alle, die behaupten, mit dem aktuellen Kader wäre ein Tabellenplatz 5 oder besser nicht machbar gewesen, sollen das Maul halten und Toto spielen gehen.

3.) Der Verein hat in der Vergangenheit immer wieder unter personellen Totalversagern im Vorstand und im Management der Lizenzspielerabteilung gelitten. Vor diesem Hintergrund mag man Linden Selbstherrlichkeit, mangelnde Bodenhaftung und Arroganz vorwerfen, die aktuellen Missstände hat er aber nur zu einem geringen Anteil zu verantworten. Hier werden zwei Paar Schuhe in einen Topf geworfen: Man kann von Lindens Leistungen als Abonnements-Bürgermeister halten, was man will, er hätte sich auch aufs Altenteil zurückziehen können anstatt den Kopf hinzuhalten, denn das drohende Desaster musste jedem Menschen mit Realitätssinn, und dass ist Linden ganz sicher, bekannt sein.

4.) Die Verantwortlichen des Vereins hätten von vorne herein mit offenen Karten spielen sollen, dann hätte sich so viel Ungemach gar nicht anstauen können. Es ist keine Überraschung, dass die Fraktionen des Stadtrats sich hinters Licht geführt vorkommen. Das wäre zu vermeiden gewesen.

5.) Es gab noch nie einen besseren Zeitpunkt, um den Kauf einer Dauerkarte für die kommende Spielzeit ernsthaft zu planen. Bei aller Enttäuschung über so manche Leistung in der aktuellen Saison kann es nur nach vorne gehen, wenn jeder fußballbegeisterte Aachener die Nörgelei hintenanstellt und sich zu seinem Verein bekennt.

Note to self: 3,5 km. Und zurück? Musik: Immer noch The Dillinger Escape Plan, Genesis, Converge, Tina Dico.

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