Wegschnecken Galore

Feucht ist es und angenehm kühl. Auf das erste Exemplar stoße ich zwischen Zweifall und Breinig (Km 3): ca. 6 cm, dunkelbraun, noch dunklere Fühler, Arion lusitanicus, die Spanische Wegschnecke, eine Geißel des mitteleuropäischen Nutzgartenliebhabers. Mit jedem Schritt nimmt die Anzahl der schleimigen Genossen zu. Offensichtlich haben sie sich an diesem Tag verabredet, um aus den Wiesen in die menschlichen Bastionen vorzudringen. Von Breinig bis Büsbach (Km 6) zähle ich insgesamt 48 Tiere, die sich, Lemmingen in Zeitlupe gleich, über den kombinierten Rad- und Fußgängerweg auf die Straße stürzen möchten. Ich habe nichts dagegen.

In den Ortslagen liegt das Verhältnis von intakten zu bereits zerquetschten Exemplaren bei ca. 1:1. Südwestlich von Gedau betrete ich den völlig schneckenfreien Brander Wald (Km 11). Es regnet in Strömen und zwar ohne Unterlass. Entsprechend begleitet mich ein intensiver Waldgeruch von Zersetzung, Harz, Holz und Nadeln. Schön! Über den Höhenzug geht es bis zum Truppenübungsplatz und dann quer durch Richtung Buschmühle.

Inzwischen bin ich völlig aufgeweicht. Also doch den Bus nehmen? Kommt nicht in Frage und lohnt sich jetzt eh nicht mehr! Am Buschmühler Friedhof vorbei Richtung Atscher Dreieck zähle ich 14 iberische Wegschnecken, eine Weinbergschnecke und 2 dunklere, mir völlig unbekannte Vertreter, die sich offenbar gerade fortpflanzen. Der Regen steigert sich zu einem mittleren Wolkenbruch, als ich in den Feldweg mit dem lustigen Namen „Deltourserb“ einbiege (Km 14). Von hier ist mir die Strecke so wohlvertraut, dass ich sie auch bei völliger Dunkelheit laufen könnte. Der scharfe Geruch von Jauche und Silage begleitet mich über die Autobahn, die Freunder Straße bis zur Halfenstraße. Ich begegne zwei Hardcorejoggern und einem anscheinend depressiven jugendlichen Spaziergänger, der mit gesenktem Kopf durch den Tropfenvorhang schleicht.

In Richtung Eisenbahnweg komme ich an einer kreisförmig angeordneten Schneckenversammlung vorbei, die sich um ein offenbar besonders leckeres welkes Blatt schart. Selbst in den Alibibepflanzungsquadraten an den Aachen Arkaden (Km 16) kriechen fette Exemplare umher, das sind dann aber auch die letzten Mollusken für heute und es hört endlich auf zu regnen. Durch das Frankenberger Viertel rolle ich langsam aus. Die Sonne zeigt sich schüchtern und leicht rötlich und sachte dampfend erreiche ich die Burtscheider Brücke (Km 19). Eine schöne Tour.

Note to self: Und kein Feudel zum Aufklaren. Musik: Imogen Heap, Cro-Mags, Marduk, Melvins.

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