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Während draußen der Augustregen niedergeht, durchstreife ich die Zugänge zu meiner iTunes-Bibliothek aus den letzten 6 Wochen und präsentiere hier in gewohnter Manier einige Highlights:

f7n

Es wäre ja schön, wenn es mal wieder ein neues Album von der besten Band der Welt, also von Tool, geben würde. Leider scheint da aber zurzeit gar nichts im Busch zu sein. In der Zwischenzeit trösten wir uns mit einer ganz ausgezeichneten Platte aus Karlsruhe. Natürlich können Futile und ihr zweites Album „7 Nightmares“ nicht ganz mit den großen Vorbildern mithalten, auch wenn Stücke wie „An Ocean Without Surface“ oder „The Moment Of Silence“ zuweilen sehr an die Kulttruppe aus Amiland erinnern. Die Musik von Futile ist schon deutlich einfacher gestrickt, sicher auch poppiger und eingängiger, aber die Richtung stimmt jedenfalls. Das Album ist gerade so opulent produziert, dass es nicht überladen wirkt. Der Gesang ist klasse, die Instrumentalarbeit solide, das Schlagzeug könnte für meinen Geschmack ein bisschen experimenteller ausfallen. Trotzdem: Prima Scheibe.

povd

In ein gänzlich anderes Fahrwasser geleiten uns Dissolution aus Neuseeland mit ihrem Erstwerk „Plague of Violence“. Auf dieser Band klebt das Etikett „Old School Thrash Metal“ und da will ich auch gar nicht widersprechen. Wir finden die üblichen Highspeedparts unterbrochen von kurzen Melodieschnipseln und Duettläufen der beiden Gitarren. Die Stücke warten mit zahlreichen Breaks, Takt- und Tempiwechseln auf und natürlich fehlen auch die typischen üppigen Soli nicht. Klar, das klingt zuweilen ein bisschen altbacken, aber man hört eben auch, dass das Quartett von der Südhalbkugel aus Überzeugungstätern und ehrlichen Arbeitern besteht. Im Unterschied zu manch anderen Thrashbands der neusten Generation verwenden Dissolution gerne wenig transparente, leicht doomige Gitarrensounds. Das hört man deswegen so gut, weil die Rhythmusgruppe ein bisschen weit nach hinten gemischt wurde. Trotzdem eine gelungene Debut-LP.

TE

Die Geschwindigkeit nimmt ab, das atmosphärische Moment zu: Willkommen bei Talbot aus Estland. Schon die Mini-LP „Tundra“ aus dem Jahr 2008 hat mir gut gefallen, aber mit dem aktuellen Album „EOS“ setzt das baltische Duo noch einen drauf, auch weil es sich nicht in ein bestimmtes Genre einordnen lässt. Einerseits könnte man die Musik schon für extrem verschrobenen Doom Metal halten. Andererseits wird das Tempo über einen recht großen Bereich variiert. Zu dem erdigen, schweren Fundament, das vorwiegend von einem formidablen Bass bestimmt wird (bei Talbot spielt niemand Gitarre, es klingt nur manchmal so), gesellen sich überraschend leichte Gesangslinien (und natürlich abgründige Growls), witzige Tüftel-Synths und ein perfekt aufgenommenes, absolut banddienliches Schlagzeug ohne Schnörkel. Die Scheibe bietet insgesamt ein großes Spektrum von progressiv-verspielt, über weltraumig-abgehoben bis hin zu minimalistisch-weiträumig. Man hört gut, dass sich da zwei Experimentatoren mit viel Liebe zum Detail ganz akribisch einen Tonträger erarbeitet haben. Klasse!

NM

Wenn eine Band sowohl Meshuggah als auch King Crimson als prägende musikalische Vorbilder nennt, dann kann eigentlich nur etwas Wunderbares dabei herauskommen. Die erste Platte mit dem Titel „Move Of Thought“ von Neuromist aus Moldawien erfüllt diese hohen Erwartungen. Manch Zeitgenosse mag diese Art von Musik als nerviges Gedudel empfinden, ich mag sie sehr. Von Meshuggah hat man den Basssound und die rhythmischen Verschiebungen übernommen, von King Crimson stammen die jazz-artigen, ausufernden Melodiebögen und die prägnanten, sich ständig leicht verändernden „Parallelverschiebungen“. Ich gebe gerne zu, dass Neuromist anstrengend sind. Die Stücke sind hochkomplex verschachtelt, eingängige Elemente finden sich kaum. Dafür bekommt der Hörer anspruchvollste Breaks und rhythmische Miniaturen auf allerhöchstem Niveau in schneller Abfolge serviert. Eins ist klar: Wer sich auf eine solche Gratwanderung begibt, der ist allenthalben der Gefahr ausgesetzt zu zerfasern und den Faden zu verlieren. Beim flüchtigen Hören könnte man den Eindruck gewinnen, dass die Band ab und zu auseinanderfällt. Wenn man konzentriert zuhört, dann offenbart sich aber, dass hier Ausnahmekönner am Werk sind, die ihren Laden voll im Griff haben. Beeindruckend!

Note to self: Keine schöne Baustelle. Sisyphos und die Spachtelmasse. Musik: All of the above.

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