Kapitale Lügen

Unsere hochgelobte globale Wirtschaftsordnung, der Markt im freien Spiel der Kräfte, Risikobereitschaft, Leistungsfähigkeit, das sind die Werte und Prinzipien, die die Augen der ökonomischen Elite zum Leuchten bringen. Der Staat möge sich heraushalten, wird allenthalben gefordert, er sei nur Hemmnis bei der Verwirklichung der Pläne visionärer Himmelsstürmer. Ganz anders sieht die Sache dann aber plötzlich aus, wenn die Schwachköpfe, die sich in großen Lettern das Wort „Eigenkapitalrendite“ auf die Stirn tätowieren liessen, die Karre vor die Wand gefahren haben.

Wir lesen heute, dass das Bankhaus Bear Stearns für eine lächerliche Summe von 236 Millionen $ von einem Konkurrenten übernommen wird und im Zuge dieser Transaktion durch einen Kredit von nicht weniger als 30 Milliarden US-Dollar von der Amerikanischen Notenbank fitgespritzt wurde. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Bear Stearns ist nicht irgendwer. Der Wert des Unternehmens wurde noch vor etwa einem Jahr auf 20 Milliarden Dollar geschätzt. Das traditionsreiche Finanzhaus hat in seiner Geschichte diverse ökonomische Schieflagen wie etwa die Ölkrise in den ’70ern oder das Platzen der dotcom-Blase mehr oder weniger unbeschadet überstanden. Jetzt ist der Ofen aus. Nur der massive Einsatz öffentlicher Gelder verhinderte den Konkurs, die entsprechenden Unterlagen waren bereits vorbereitet.

Was können wir aus dem unglaublichen Vorgang lernen? Wer die ökonomischen Geschicke einer Volkswirtschaft in die Hände einer gewissenlosen bornierten Clique legt, die längst den letzten Rest von Bodenhaftung verloren hat, aber im Grunde nur dem Wesen der menschlichen Raubtiernatur folgt, der darf sich im Katastrophenfall nicht wundern. Je größer der Brocken, umso größer die Gefahr an ihm zu ersticken. Restriktive Maßnahmen zur Neuregelung der internationalen Finanzmärkte sind dringend erforderlich. Allein, ich sehe niemanden, der die Chuzpe besäße, sie durchzusetzen

Note to self: Selbstbestimmung in Freiheit für das tibetische Volk! Musik: Peter Ilyich Tchaikovsky.

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