Lautbus

Wenn man in einem gut gefüllten, leicht miefigen, überheizten Schnellbus unterwegs ist, durch die nebelige konturlose Dunkelheit des ausgehenden Februars, dann könnte die Nordeifel genau so gut die argentinische Pampa sein. Ein paar Backfische schwatzen vernehmlich, das gleiche tun einige ältere Eiflerinnen, die erstgenannten will man nicht verstehen („…und dann ich so… …und dann er so…“), die letztgenannten kann man kaum verstehen, selbst wenn man des westrheinischen Dialekts einigermaßen mächtig ist. Ein Grüppchen Indio-Mamas mit gackernden Suppenhühnern im Gepäck würde sich wahrscheinlich so ähnlich anhören. Hinter mir zwei gehbehinderte Senioren, Männer wohlgemerkt, die Kochrezepte austauschen, die sie wohl in diversen Kochschows im Fernsehen aufgesammelt haben. Der eine räuspert sich fortwährend, wenn der andere redet. Der andere kann sich nicht entscheiden, ob er mir den Griff seines Gehstocks in den Nacken rammen möchte, oder nicht, aber er scheint nahe dran zu sein. So fühlt es sich jedenfalls an. Eine junge Mutter schaukelt den Nachwuchs so heftig, dass der Bus wackelt, wenn er an einer Ampel steht – kein Scherz. Ein Wunder, dass das Kurze die Tortur freudig quiekend erträgt, anstatt sich in den mütterlichen Schoß zu erbrechen, aber das kann ja noch kommen. Natürlich fehlen auch nicht die „Tanten“, die sich beim Muttertier nach dem Alter und dem aktuellen Fortschritt des Zahnungsprozesses des Kindes, es heißt Jana, erkundigen. Vorne leuchten gut lesbar die Ziffern einer Digitaluhr. 12 Minuten geht das schon so, mindestens 22 Minuten habe ich noch vor mir. Uff. Ich krame aus meinem Rucksack Kopfhörer und iPod heraus, unter den missbilligenden Blicken der kochenden Rentner, die gerade dabei waren ein virtuelles Risotto zuzubereiten, nun aber entgeistert verstummt sind. Bevor der eine sein „Unhöflicher Banause“ hervorbringen und der andere seinen Stock zum fatalen Hieb anheben kann erwische ich das Knöpfchen, schließe die Augen und bin weg. Ah, „Mirroring Dimensions“ von „Decrepit Birth“, schweinelaut. Noch mal davongekommen…

Note to self: Ja, es stülpt mich um. Musik: Oceansize.

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