Goodbye Gutti

Die Kolumne „Der schwarze Kanal“ von Jan Fleischhauer im SPON ist mir eine Quelle der Erbauung und der ständigen Erheiterung. Denn was der tiefschwarze Jan, der mit seinen Äußerungen in Talkshows, Printmedien und auf Webseiten seit Jahrzehnten das Trauma seiner antiautoritären Erziehung zu verarbeiten sucht, so von sich gibt, ist an Lagerdenken, politischen Scheuklappen, abstrusen Fehlkonstruktionen und verzehrendem Hass auf alles, was links von der Union liegt, nicht zu überbieten.

Noch vor kürzester Frist hat besagter Fleischhauer eine wirklich abenteuerliche Polemik abgesondert, in der er die Kritiker von KT zu G mit einer wirren Mischung von abgestandenen Klischees und alten Vorwürfen aus der politischen Mottenkiste zu diskreditieren sucht. Der Gipfel der Selbstbeschämung ist seine Überzeugung, dass der Adel eigentlich nur ein Furunkel am Hintern des bürgerlichen Lagers ist. Welche erdbebengleichen Erschütterungen muss das eigentlich so fest gefügte Weltbild des schwarzen Jans in den letzten Tagen erlitten haben, dass er so einen Bockmist verzapft?

Egal: Die Karriere des fränkischen Freiherrn hat vor ein paar Minuten ein jähes Ende gefunden. Es ist ein schöner Tag. Nur ein Naivling vom Schlage eines Fleischhauers durfte annehmen, dass zu Guttenberg zu halten gewesen wäre. Das hat nichts mit bürgerlichen Werten zu tun, sondern einfach mit Anstand. Das verzweifelte Festhalten der Union an ihrem angeschossenen Volksliebling, die merkwürdige Strategie der Springerpresse, die absonderlichen Einlassungen von Merkel, all dies wirft ein Licht auf die bedenkliche Verfassung der Konservativen in unserem Land.

Hätte zu Guttenberg sofort die Konsequenzen gezogen, als die Vorwürfe ruchbar wurden, er hätte sich die Chance auf eine Rückkehr auf die politische Bühne bewahrt. Das Gras wächst schneller, als man denkt. So aber wird dem Volk das Bild eines lavierenden, sich windenden, von Peinlichkeit zu Peinlichkeit stolpernden Mannes erhalten bleiben, der an seinem Sessel klebt. Phoenix bringt gerade die Rücktrittserklärung: Der Ex-Minister ist beleidigt, verweist auf seine Verdienste, versucht wortreich und mit dem ihm eigenen Pathos einen letzten Rest von Integrität zu bewahren, sucht die Schuld bei den Medien und sieht sich auch als Opfer. Einsicht sieht anders aus und das vermittelt einen Einblick in die kaputte Eigenwahrnehmung eines Selbstdarstellers. Ah, der tiefe Fall des adeligen Ikarus böte genug Stoff für eine klassische griechische Tragöde. Und wenn man die Figur Fleischhauer als Nebenrolle einführen wollte, dann käme unweigerlich ein Schmierenstück dabei heraus.

Note to self: Mach dich daran, angstlos. Musik: keine, Glotze.

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