Göttlich

PJ

Da ist es: Das erste musikalische Mega-Highlight des Jahres. Gestern stellten Parajubu im Musikbunker ihr zweites Album vor. 6 Jahre nach der Veröffentlichung des Debüts „Japadimi“ gibt es endlich wieder einen frischen Tonträger der Aachener Avantgardisten.

Der Zuspruch bei der Release-Party hätte ruhig etwas größer sein können, alle, die nicht da waren sollten sich grün und blau ärgern, denn als das Quartett nach der Vorgruppe „Chapter 2“, über die ich den Mantel des Schweigens ausbreiten möchte, die Bühne enterte und loslegte, war er wieder da, der magische Parajubu-Moment. Es ist ja nicht nur so, dass sie auf höchstem technischen und musikalischen Niveau daherkommen. An die beängstigende Präzision, dynamische Variabilität und Souveränität des Vortrags hat man sich ja schon fast gewöhnt. Nein, es ist einfach so, dass Parajubu absolut einmalig und eigenständig sind. Sicher, man kann alle möglichen Etiketten an die Musik dranpappen: Prog-Metal, Jazz-Core, Avantgarde-Rock, aber man wird damit den Kompositionen der Gruppe im Grunde nicht gerecht.

Das gestrige Live-Erlebnis wurde abgerundet durch perfekten Sound, schönes Licht, einen extrem gut aufgelegten, wie immer charismatischen Savas, dessen unglaubliche Bühnenpräsenz in hartem Kontrast zur stoischen Performance der Instrumentalisten steht. Gespielt wurde wirklich nur Material der neuen CD, das fand ich dann doch ein bisschen schade, denn eine Zugabe mit ein paar Highlights des ersten Albums hätte sich die treue Anhängerschaft eigentlich verdient. Na gut, danach war Drum`nBass-Party im MuBu angesagt (wir zogen lieber ins „K und K“) und der Zeitplan war eng, Schwamm drüber.

Das Album (natürlich läuft es gerade im Hintergrund) ist eine Offenbarung. Es kommt, abgesehen von wenigen Studio-technischen Spielereien, frisch, transparent und mit einem bemerkenswert naturbelassenen Sound daher. Die Qualität der Schlagzeugaufnahmen ist atemberaubend und der Mixdown prima ausgewogen. Ganz klar: Alles was der Siro bei Nota Falsa anfasst, überzeugt durch liebevolle Detailarbeit. Der Mann hat Hände aus Gold.

Das neue Material (wir Hardcore-Fans kennen es natürlich schon von zahlreichen Konzerten) ist insgesamt verschrobener, sperriger und weniger massenkompatibel als die Stücke des Erstwerks. Ich komme damit gut klar und bin begeistert, dass die Vier ihren Weg konsequent weiter gehen, ohne Rücksicht auf die kommerzielle Verwertbarkeit des Endprodukts. So gesehen wird Parajubu den „Durchbruch“ wohl nicht mehr schaffen, auch egal. Sie sind ein heller Stern im zurzeit samtschwarzen Himmel über der Kaiserstadt und das scheint ihnen zu reichen. Mir solls recht sein.

Note to self: Schon heftig, wer da wie intensiv auf wen fliegt. Musik: Parajubu.

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