Karsamstag im Blütenstaubland

Was für ein prächtiges Frühjahr! Sehr angenehme Temperaturen, strahlend blauer Himmel und ein langes Osterwochenende. Besser gehts nicht. Nach dem sehr verheißungsvollen Beginn am Karfreitag mit Grillfleisch-Frevel und gemütlichem Zusammensein gehörte der Samstag den Wanderfreuden. Es gibt kein besseres Rezept, um nach einer langen Nacht mit dem einen oder anderen Bierchen den Kopf wieder klar zu bekommen.

Das Ziel lag wieder mal im gemütlichen Ostbelgien. Nachdem wir beim letzten Mal die Barrage de Gileppe besucht hatten, nahmen wir uns diesmal die Wesertalsperre, ebenfalls in der Nähe von Eupen, vor. Um es vorweg zu nehmen: Diesmal haben wir uns kein bisschen verlaufen, ganz entgegen unserer Gewohnheiten, nur die Durchquerung von Eupen gelang trotz ausführlicher Beschilderung nicht ganz so glatt.

wt1Staumauer von Osten

Schon beim ersten Blick über den Stausee fiel uns auf, dass eigentlich für diese Jahreszeit viel zu wenig Wasser in der Sperre ist, wenn man mal überlegt, welche Schneemassen im Winter gefallen sind. Zum Stauziel fehlten sicherlich 3-4 Meter. Das ist umso bedenklicher, wenn man berücksichtigt, dass die Wesertalsperre die größte Trinkwassersperre Belgiens ist. Selbst wenn die Zisterne der unterwasserseitig gelegenen Trinkwasseraufbereitung wahrscheinlich gut gefüllt ist, muss man sich langfristig Sprgen machen. Das gilt natürlich genau so für die Trinkwasserversorgung der Nordeifel.

wt2Mauerfuß

Aus Sicht des angelernten Wasserbauers kann die Gewichtsstaumauer natürlich nicht mit der Gileppe mithalten. Dort thront ein beeindruckender Löwe auf der Mauerkrone, hier nimmt sich das Ganze relativ schmucklos aus. Sicherlich kann man daran auch einen Wandel des Zeitgeistes erkennen. Die Barrage de Gileppe stammt aus der Zeit vor dem ersten Weltkrieg, die Wesertalsperre wurde erst in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts fertiggestellt und kommt entsprechend als nüchterner Zweckbau daher. Das zeigt besonders die Gestaltung der Kontrollbauten an den Grundablässen mit ihren Rechenanlagen.

wt3Kontrollbau östlicher Grundablass

wt4Blick ins Unterwasser

Da man beim Bau mit ganz erheblichen Zuflüssen im Frühjahr rechnen musste, ist die Hochwasserentlastung mit ihren steilen Treppenstufen entsprechend üppig ausgefallen. Es ist bestimmt ein beeindruckender Anblick, wenn das Wasser dort zu Tal schießt bzw. von Stufe zu Stufe springt. Allerdings zeigt der Bewuchs am Überlauf, das dies schon länger nicht mehr der Fall gewesen ist.

wt5Hochwasserentlastung

wt6Hinterlassenschaft durstiger Radfahrer?

wt7Verstrauchter, trockener Überlauf

Die Wanderung um die Talsperre ist eine leichte Strecke von etwa 16 Kilometern über gute, breite Wege und bis auf den Abschnitt vor dem Gutshof „Gospert“ ohne längere Anstiege. Dort geht es nicht am Ufer entlang sondern ein Stück durch den Wald, dann durch die Wiesen bis man wieder nach Südwesten einschwenkt und die beiden dort gelegenen Zuflüsse, die ebenfalls kaum Wasser führten, überquert.

Zwar waren einige Wanderer, Radfahrer und ein Rollskifahrer mit Hund (Zughund?) unterwegs, doch war die Szenerie alles andere als überlaufen. Ein wunderschöner Tag in förmlich explodierender Natur und botanischer Geilheit, die in Form von gelben Blütenstaubansammlungen vor der Staumauer, auf Rucksäcken, Schuhen und sogar (wie sich später herausstellte) Füßen (ja, das Zeug durchdrang sogar die Socken) allenthalben sichtbar war. Gerne wieder.

Note to self: Schade um Shaun Murphy, tippe jetzt auf Mark Allen. Musik: Yes.

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