Böse Mucke

Als ich begann mich wirklich für Musik zu interessieren, war das wahrlich nicht die beste Zeit für solch ein Unterfangen. Es waren die 80’er: Man hörte Sendungen wie „Schlagerrallye“ oder „Mal Sondocks Hitparade“; dort wurde damals vor allem Betroffenheitsmusik (BAP, Hans Hartz, Gänsehaut) gespielt, außerdem die Unsäglichkeiten der Neuen Deutschen Welle. Synthiepop war groß in Mode, mir ging er auf den Senkel, wer so was hörte war ein Popper und mit Poppern wollte man nichts zu tun haben. Zum Punk reichte es andererseits auch nicht, so blieb das übrig, was ich für ehrliche (schauder) handgemachte Rockmusik hielt: Queen, Bruce Springsteen, Bryan Adams (ja es ist schrecklich). Und dann war da noch dieses komische Zeugs namens „Heavy Metal“. Zu jener Zeit vor allem „Hair Spray Metal“ (Europe, Bon Jovi, Poison). Die Anhänger dieses „Lärms“ fuhren 80’er, trugen Jeanskutten und machten auf Parties komische Kopfbewegungen, die nicht gesund sein konnten. Also nix für mich.

Aber wenig später war ich dann so weit. Erst Whitesnake, Van Halen, Scorpions (aller Anfang ist schwer), dazu die Klassiker wie Deep Purple und Led Zeppelin. Von Black Sabbath ließ ich die Finger, erstens wegen des Namens, zweitens weil es hieß, dass satanische Nachrichten hörbar wurden, sobald man die Platten rückwärts laufen ließ. Tja, irgendwann bekam ich das Album „Master of Puppets“ von Metallica zu hören (In Schniedels rotem Derby mit Drehzahlmesser). Spätestens mit dieser Scheibe war die Sache für mich gelaufen, hunderttausend Anderen ging es genauso. Aus einer Subkultur wurde Mainstream.

Natürlich kann man nicht ständig Songs über reitende Leichen und Kettensägenmassaker hören. Ich mag Klassik (vor allem die späten Romantiker) und Jazz (besonders den chilligen Kram) ohne Kenner der jeweiligen Szenen zu sein, kann mich für die Größen des Progressive und Psychodelic Rock immer noch begeistern, verehre Avantgardisten wie Zappa und Waits und habe im Bereich Punk und Hardcore so manches nachgeholt. Ich kann mit Genuss ganze Abende mit Eels, Yo La Tengo, Modest Mouse, Muse und Nada Surf verbringen. Funk, Stoner, Industrial, Drum’N Bass, Ambient, Lounge, hin und wieder auch Emo, Shoegazing, Postpunk: kann man sich alles anhören: varietas delectat. Aber Schwermetal ist nach wie vor Nummer 1, von den NWoBHM-Klassikern über Thrash-, Death-, Prog-, bis hin zu Blackmetal (auch wenn er einsam macht). Dazu gerne eine Prise Screamo, Metal-, Grind- und Mathcore. Hauptsache es knackt.

Ein bisschen Selbstironie muss sein ;-). Möglicherweise ist Metal Musik für alte Männer mit Bauch und schütterem Haar oder Möchtegernmachos mit Minderwertigkeitskomplexen, das ficht mich nicht an. Wer sich über die Stereotypen und das Posing der Metaller lustig macht, sollte sich diese Vollpfosten hier geben: Darum höre ich Metal.

Note to self: Die 200 reichsten Menschen besitzen so viel Kohle, wie über 40% der Ärmsten der Welt. Wann fliegt uns der Laden um die Ohren? Musik: Children of Bodom, Mors Principium Est, Agoraphobic Nosebleed und natürlich Slayer!

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