Lasst rollen Mädels

Heute gehts endlich los: Die FIFA-Frauen WM startet. Seltsamerweise aber nicht mit dem Eröffnungsspiel Deutschland – Kanada, sondern mit der Partie Nigeria – Frankreich am frühen Nachmittag. Soll mir auch recht sein. Sobald das Turnier läuft ist wenigstens die Zeit der ganz besonders üblen Vorberichterstattung vorüber. Und das ist auch gut so.

Was da in den vergangenen Wochen auf uns einprasselte, das deckte das gesamte Spektrum von „Kennen wir schon“ über „langweilig“ bis „das darf noch nicht wahr sein“ ab. So kann ich etwa dieses Kaffeeservice, das die Gewinnerinnen des ersten EM-Titels für Deutschland vom DFB erhielten, nicht mehr sehen. Genau so geht es mir mit den Ausschnitten aus den 60ern und 70ern, die mit chauvinistischen Originalkommentaren unterlegt sind, denn diese sind überhaupt nicht fußballspezifisch. Wer sich Fernsehschnipsel aus dieser Zeit zum Themenkomplex Autofahren oder Haushaltsführung ansieht, findet dort genau den gleichen Ton. Der Gipfel der Peinlichkeit war der letzte Tatort aus Ludwigshafen, in dem eine an den Haaren herbeigezogene Story unter Mithilfe von Dr. Theo Zwanziger und Celia Okoyino da Mbabi verwurstet wurde.

Im Grunde genommen decken solche Idiotien vor allem eines auf: Der Frauenfußball lässt sich noch nicht ganz so gut vermarkten, wie das Premiumprodukt Männerfußball. Seien wir froh! Es bringt gar nichts, mit mehr oder weniger hilflosen Versuchen beide Sportarten auf das gleiche Niveau heben zu wollen. Wer sich für Frauenfußball interessiert, und das tue ich schon seit einigen Jährchen, der wird sich die Spiele in der Glotze mit Genuss angucken. Und wer ständig Vergleiche mit den kickenden Herren anstellen und sich dabei das Maul zerreißen will, der wird genau das tun. Hier sei an den unsäglichen Kommentar des unsäglichen Mehmet Scholl erinnert, der sich in seiner Rolle als ARD-Experte bei der Kommentierung einiger Ausschnitte von einem der letzten Testspiele nicht entblödete anzumerken, das „sehe ja fast wie Fußball aus“. Ehrlicherweise muss man sagen, dass die Wahrnehmung der Sportart bei den Fans und den meisten Durchschnittskonsumenten sehr viel realistischer und angemessener ist, als in den Medien.

Es ist doch so: Wenn bei den Olympischen Spielen die Frauen über 100 Meter ca. zwei Sekunden langsamer rennen als die Männer, dann ist das nicht weiter erwähnenswert. Wenn aber bei einem Frauenfußballspiel Torabschlüsse nicht ganz so hart getreten und Zweikämpfe weniger brutal geführt werden, dann hört man hämische Kommentare von den selbsternannten Experten. Frauen- und Männerfußball unterscheiden sich in Geschwindigkeit, Athletik und Körpereinsatz. Na und? Es gibt auch Aspekte, wo der Frauenfußball ganz klar vorne liegt: Er kommt beispielsweise ohne eitle Gockel wie Christiano Ronaldo aus. Wir sehen weniger Blutgrätschen an der Grenze zur Körperverletzung. Und vor allem muss man sich nicht ständig über unsportliche Schauspieleinlagen ärgern. So gesehen ist Frauenfußball ein kleines bisschen mehr so, wie Fußball eigentlich sein sollte.

Note to self: Jetzt hast Du wieder alle. Musik: Cowboy Junkies, Motorjesus, Arch Enemy.

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