Versuchte Ehrenrettung der Silvana K.-M.

Silvana Koch-Mehrin ist eine Betrügerin. Sie hat beim Verfassen ihrer Doktorarbeit abgekupfert, woraufhin ihr der Titel seitens der Universität Heidelberg aberkannt wurde. So viel ist klar. Ob man in einer solchen Situation einen Sitz im Forschungsausschuss des Europäischen Parlaments einnehmen muss, ist dagegen eine Frage des politischen Anstands. Die Kritik von akademischer Seite war lautstark, Frau Koch-Mehrin ruderte zurück und möchte nun in einem anderen Gremium tätig sein. Im Grunde offenbart sich darin ihre Instinktlosigkeit und ein Mangel an charakterlicher Eignung, den man aber bei KM eigentlich erwarten musste. Man erinnere sich nur an die Affäre um ihre unzureichende Anwesenheitsquote bei Parlaments- und Ausschusssitzungen vor der EU Wahl 2009 und ihre Abgabe einer diesbezüglichen eidesstattlichen Erklärung zur Erwirkung einer einstweiligen Verfügung, die dann später zurückgenommen wurde. Silvana Koch-Mehrin ist eine Schande für die Demokratie und Parlamentarier wie sie erhärten den Eindruck, dass Politiker mit mangelndem Talent und Einsatzwillen in Richtung EU auf sichere Pöstchen abgeschoben werden.

K.-M.s Entscheidung, ihr Mandat nicht zurückzugeben zeugt immerhin von einer gewissen Chuzpe. Dass sich solche Dreistigkeit noch steigern lässt, wies heute mein Intimfeind, der bodenlose Jan Fleischhauer im SPON nach, der tatsächlich „Gerechtigkeit für Silvana Koch-Mehrin“ forderte. Seine Argumentation geht (leicht abgekürzt) so: Das laute Aufschreien der Wissenschaftler gegen K.-M. sei unlauter, weil die heutige Wissenschaftselite selbst sich durch vereinfachte Prüfungsverfahren nach 1968 unberechtigterweise Posten und Pöstchen im Unibetrieb gesichert hätte. Kumulative Habilitationen und studentische Mitsprache in Besetzungsausschüssen hätten das Niveau hierzulande versaut und deshalb sollte die Wissenschaft sich nicht so aus dem Fenster lehnen, sondern lieber die Fresse halten. Die Ausführungen Fleischhauers, gewohnt polemisch und zu kurz gedacht, muss man unter zwei Aspekten näher betrachten. Erstens muss man ihm raten, sich mit professioneller Hilfe seinem persönlichen Trauma zu stellen, denn die 68er sind nicht verantwortlich für alle politischen und gesellschaftlichen Entsetzlichkeiten der letzten Jahrzehnte. Zweitens sollte selbst ein Fleischauer sich nicht der fahrlässigen öffentlichen Selbstbesudelung hingeben, denn er selbst hat sein Studium der Philosophie und Literaturwissenschaft genau in dem Unibetrieb absolviert, dessen Niveaulosigkeit er lautstark beklagt. So ist das leider: Der Mann ist ein wandelnder Zirkelschluss. Vielleicht sollte er einfach aufhören für den Spiegel zu schreiben. Lagerist oder Handelsvertreter sind auch ehrbare Berufe.

Note to self: Siehste, kostenlos und dreist kommt weiter. Musik: keine.

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