Vulkanös

Ein kleiner Tapetenwechsel, den braucht man einfach ab und zu. Während es manche auf die Malediven zieht, oder wenigstens nach Malle, legte der Verfasser einen Kurzurlaub in der südlichen Eifel ein. Umsorgt und vortrefflich bekocht von einer gut organisierten Reiseleiterin und Wanderfreundin, die seit diesem Trip nur noch „Mama Calzone“ genannt wird.

Der oftmals schmale und kurvenreiche Weg führte uns über Perlen dörflicher Siedlungsformen wie „Baasern“ bis nach Manderscheid, südlich von Daun gelegen. Natürlich hätte man auch über die Autobahn fahren können, aber wir wollten ja schließlich etwas von der Gegend sehen und den Weg zum Ziel machen. Während man als Aachener die Rureifel ja sozusagen als eigenen Vorgarten kennt und schätzt, hat die Landschaft der Vulkaneifel schon den Reiz des Fremden. Das gilt auch für die Architektur von Kirchen und Bürgerhäusern und den Dialekt, der eher dem Moselfränkischen ähnelt und mit dem rheinischen Platt gar nichts gemein hat. Manderscheid selbst ist ein verschlafenes Nest mit hübschem Ortskern, und zahlreichen Ausflugslokalen.

VE1Niederburg Manderscheid

Bekannt sind die Manderscheider Burgenruinen, die sehenswerte Überreste deutscher Kleinstaaterei sind: Während die Niederburg ehemals zum Gebiet der Herren von Manderscheid, und damit zum Herzogtum Luxemburg gehörte, markierte die nur wenige hundert Meter entfernte Oberburg die Landesgrenze des Kurfürstentums und Bistums Trier. Man kann sich noch heute ganz gut vorstellen, wie die beiden Burgbesatzungen sich gegenseitig belauert und bekriegt haben. Und natürlich wurde beim Grenzübertritt von den Reisenden ein Wegzoll erhoben, von dem ein nicht unerheblicher Teil in den Ausbau der Burgen geflossen sein dürfte.

VE2Oberburg Manderscheid

Leider waren wir ein bisschen spät dran, auch wegen eines heftigen Regenschauers während und nach dem Aufbau des Zeltes und seiner Einrichtung, und konnten die Niederburg nur noch von außen besichtigen. Immerhin haben wir aber die 125 Stufen des Wehrturms der Oberburg erklommen und von dieser Warte aus die steilen Abhänge des Niedermanderscheider Talkessels in Augenschein genommen. Und die Zelte und Buden auf der Turnierwiese, die schon für das Ritterfest am kommenden Wochenende vorbereitet war, ließen die mittelalterliche Stimmung noch ein bisschen ruchbarer werden.

VE3Zusammengestellte Aufsteller

Natürlich wollten wir die landschaftlichen Schönheiten der Gegend erwandern. Deshalb brachen wir am folgenden Tag in Richtung der Ortschaft Meerfeld auf, die in der Mulde des gleichnamigen Maars gelegen ist. Wir haben gelernt, dass Maare keine Kraterseen sind, sondern Überbleibsel von phreatomatischen Explosionen. Folglich ist der erhöhte Ring um die Eintiefung eigentlich auch nicht als Krater zu bezeichnen, sondern als Rand des Einbruchstrichters. Das Meerfelder Maar ist eines der größten Maare der Eifel, aber heute nur noch zum Teil mit Wasser gefüllt, weil man Ende des 19. Jahrhunderts den Spiegel zwecks Landgewinnung künstlich abgesenkt hat. Von einem Trockenmaar spricht man übrigens, wenn der Grund des Einsturztrichters durch Sedimentation oder Verlandung vom Rand her nicht mehr mit Wasser gefüllt ist.

VE4Am Meerfelder Maar

Nach einer kurzen Pause am schattigen Ufer gingen wir das nächste Etappenziel an, nämlich den Windsborner Kratersee (eben kein Maar, sondern eine Wasseransammlung in einem echten Vulkankrater) in der Nähe von Bettenfeld. Noch war es sonnig und hochsommerlich warm. Die Länge und Steilheit der Anstiege erwies sich als echte Herausforderung für uns Flachländler, aber schließlich erreichten wir den kleinen See in unmittelbarer Nähe des Mosenberges. Jenen Hügel wollten wir eigentlich noch erklimmen, bevor es wieder Richtung Manderscheid gehen sollte. Im Nachhinein hat sich herausgestellt, dass wir beim Abstieg vom Kraterrand (mit Gipfelkreuz, daher die Irritationen) nur den Rand des Mosenberges streiften und uns kurz danach, so wie es unseren gemeinsamen Wandertraditionen entpricht, ein wenig verliefen (obwohl wir natürlich Karten mitführten). Tatsächlich wollten wir Richtung Campingplatz abkürzen und hätten das auch geschafft, wenn der zunächst so attraktive Weg nicht mitten in der Pampa mehr oder weniger geendet hätte. So entschlossen wir uns dazu, die Richtung einigermaßen beizubehalten und unser Glück zu versuchen. Dies zwang uns erst mal zur illegalen Durchquerung einer Tannenbaumplantage. Nachdem wir den begrenzenden Zaun auf der gegenüberliegenden Seite überstiegen hatten fanden wir uns in einem düsteren Waldstück wieder und mussten uns einen steilen Abhang hinunterkämpfen, um am Talgrund wieder einen auf der Karte verzeichneten Weg zu erreichen. Zunächst schien dieser Plan aufzugehen (das ist ja das Tückische am Verlaufen, man wähnt sich ganz woanders, als man in Wirklichkeit ist) und wir folgten dem fortwährend ansteigenden Pfad bis sich nach einigen Kilometern erste Zweifel einstellten. Beim erneuten Kartenstudium (wir hatten inzwischen eine Landstraße erreicht) begann es zu regnen. Den letzten Abschnitt (längs der Straße, sicher ist sicher) absolvierten wir also bei leichtem Donnergrollen und heftigen Niederschlägen und waren wirklich froh nach insgesamt 7 Stunden und 16 Kilometern den Campingplatz zu sehen und uns wie die toten Fliegen im Vorzelt niederlassen zu können. Ganz erstaunlich fand ich, dass die Reiseleiterin noch die Energie aufbrachte, auf dem Grill sehr leckere herzhafte Teigtaschen zuzubereiten und sich so ihren neuen Spitznamen zu verdienen. Hut ab!

VE5Das Totenmaar bei Daun

Am folgenden Tag wollten wir es etwas ruhiger angehen lassen und brachen erst mal in aller Ruhe unser Lager ab. Dies dürfte vor allem die minderjährigen, extrem ruhebedürftigen Töchter unserer Zeltnachbarn gefreut haben (Eine ganz andere Geschichte, die ich vielleicht ein andermal erzählen werde). Dann ging es Los Richtung Daun. Südöstlich dieses Städtchens liegen drei Maare direkt nebeneinander, unter anderem das so genannte Totenmaar. Der Name klingt schauerlich, dabei ist seine Herkunft eigentlich lapidar: Das Totenmaar heißt nämlich in Wirklichkeit Weinfelder Maar. Die Ortschaft Weinfeld wurde aber nach einer Pestepidemie im 16. Jahrhundert aufgegeben, nur die Pfarrkirche und der zugehörige Friedhof blieb übrig und dient bis heute als Begräbnisstätte des Ortes Schalkenmehren. Wenn man vom Gräberfeld bei geschlossener Wolkendecke in das dunkle Wasser des Maarsees blickt, dann kann einen schon ein kleiner Schauer überkommen und deshalb kann es auch nicht verwundern, dass sich zahlreiche Geschichten um das Weinfelder Maar ranken, in denen mildtätige Grafen, hartherzige Grafengattinnen und hellsichtige Grafenpferde vorkommen.

VE6 Die Kapelle am Totenmaar

Nach der Besichtigung des Friedhofs und der trutzigen Kapelle machten wir uns über den Rundweg in Richtung des Schalkenmehrener Maars auf, dessen Wasserspiegel fast 80 Höhenmeter niedriger liegt, als der des Totenmaars. Entsprechend steil war auch der Abstieg über den Wall (und unser Tempo nach den Strapazen des Vortags doch sehr gemäßigt). Auch das Schalkenmehrener Maar besteht aus einem trockengelegten Teil, dort liegt auch die gleichnamige Ortschaft, und einem Maarsee. Und am Ufer des Sees liegt ein Freibad (Maarbad) und ein zugehöriger Tretbootverleih. Natürlich mussten wir unbedingt ein Ründchen mit dem Bötchen drehen und natürlich begann das Wetter umzuschlagen, während wir auf dem See waren.

VE7Das Schalkenmehrener Maar

Zwar kam noch mal die Sonne durch, so dass wir uns zu einem Ruhepäuschen in einem schattigen Apfelhain niederlassen konnten, doch dann grummelte es bereits vernehmlich. Als wir den Rand erklommen fielen die ersten Tropfen und als wir oben waren regnete es in Strömen und zwar weniger von oben als viel mehr von der Seite. Zum Glück war der Parkplatz nicht allzu weit entfernt. Und so verabschiedete uns die Vulkaneifel so, wie sie uns willkommen geheißen hatte. Trotzdem: Als wir Richtung Hillesheim und Stadtkyll tuckerten überkam mich der dringende Wunsch diese Landschaft noch einmal zu besuchen. Da gibt es nämlich noch einiges zu entdecken (und nächstes Mal wird der Mosenberg erklommen, jawoll.)

VE8 Kurz vor dem Schauer

Note to self: Der Auer, jetzt wirds grell. Musik: Red Hot Chili Peppers, ANNA1.

Eine Antwort auf „Vulkanös“

  1. Mein lieber, treuer Eifelwandergefährte,
    unbedingt machen wir eine zweite Tour in die schöne, wilde Vulkaneifel und erklimmen den Mosenberg! Vielleicht dann auf den Spuren eines Eifelkrimis oder so… 🙂 Habe die Tage außerordentlich genossen. Und mein feines neues Kochbuch hat da auch noch das eine oder andere Rezept parat für die gediegene Lagerküche überm Feuer 😉
    Es grüßt die Mama-Calzone 😉

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