Randständig

Der Sommer war keiner, das entsprechende Loch nichtsdestoweniger tief. Mit dem Urnengang in Meckpomm hat sich die Angelegenheit nun spätestens erledigt. Auf dem Rand stehend blicken wir zurück und hinunter und finden kaum Überraschendes:

1.) Tiere: Wie jedes Jahr, so hat auch diesmal eine bunt gemischte Menagerie versammelt, um uns die Zeit bis zum möglicherweise heißeren Herbst zu verkürzen: Eine Kuh namens Yvonne, ein Kaiserpinguin namens Happy Feet und ein armes Schwein namens Guido Westerwelle. Machen wir uns nichts vor, diese animalischen Helden und Antihelden sind Projektionen unserer innersten Sehnsüchte und Ängste. Wer würde nicht ab und zu davon träumen der Staatsmacht, symbolisiert durch Wärmebildkameras und Hundertschaften, ein Schnippchen zu schlagen? Wer würde nicht gerne als verirrter Gestrandeter die Aufmerksamkeit der Welt erregen, um sich dann als Exot gepäppelt und umsorgt mit dem Hintern voran wieder in den angestammten Ozean gleiten zu lassen, mit implantiertem Sender, der der Fangemeinde die Überwachung der weiteren Fortbewegung gestattet? Und wer würde nicht gerne ein wenig in der Weltöffentlichkeit herumdilettieren, gebettet auf ein Ruhekissen von Pensionsansprüchen, verkannt von den Freunden, bemitleidet von den Feinden, ein tragischer Held, dem das Schicksal übel mitspielte.

2.) Windmühlen: Der Sommer ist die Zeit der Scheingefechte. Diesmal ganz vorne: Die europäische Schuldenkrise, sie macht uns Angst, sie sorgt für nichtrationale Kaufentscheidungen (Gold), sie ist aber nur die Folge davon, dass Geld im Wesentlichen aus Schulden besteht (der verlinkte Film sollte jeden Tag im Fernsehen gesendet werden). Jaja, fast die ganze Welt in Knechtschaft einer verschworenen Clique, die sich nicht schämt. Nicht zu schämen scheinen sich auch alte geile Männer wie Silvio Berlusconi und Dominique Strauss-Kahn. Man muss einfach nur dreist sein, schon fliegen der mehr oder weniger teilnahmslosen Masse eben genau die Windmühlenflügel um die Ohren, die von dem winzigen Prozentsatz angestoßen wurden, die von der Promiskuität der selbsterklärten Eliten ein kleines bisschen zu sehr angewidert sind, ob diese nun gerichtsverwertbar ist, oder nicht. Die schönste Windmühle des Sommers lieferte indes Philipp Lahm ab: Wer mit 29 seine Autobiographie schreiben lässt (warum nur?) und dabei seit Jahren als guter Mensch des deutschen Profifussballs auf tugendhaftem Pfade wandelt, der kann sich nur in die Nesseln setzen. Und wir fragen uns: Wen wollte er damit beeindrucken? Lässt sich eine solche Seelenreinigung nicht viel besser auf der Couch eines gut dotierten Therapeuten vornehmen? Und glaubte Lahm tatsächlich, dass der aufgewirbelte Staub mehr als ein kurzes Räuspern der Fachwelt erzeugen würde? Das ganze Projekt ist einfach nur rätselhaft.

3.) Wiederholungen im Fernsehen: Es gibt ja Leute, die behaupten, dass nur diejenigen sich über das Wiederkäuen bereits ausgestrahlter Produktionen echauffieren würden, die eben zu oft und zu lange fernsehen würden. Das kann schon sein, allerdings hatte ich in diesem Sommer den Eindruck, dass die Zeitspanne zwischen Erstausstrahlung und Wiederholung inzwischen wirklich eine ungesunde Kürze aufweist. Ich mache es daher inzwischen so: Wenn ich bei einem Krimi bereits 5 Minuten nach dem Vorspann wieder weiß, wer der Mörder ist, dann mache ich die Kiste einfach aus und schaue mir lieber im Internet ein Rugby-Spiel oder ein paar Musikvideos an. Ein Lob der Technik.

Note to self: Zwei Stunden immerhin, da kann man zwar auch meckern und schmollen, es hilft aber nicht. Musik: Les Claypool, Bedlam of Cacophony, As We Draw, Necros Christos.

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