Ciao Ricky

Es gibt Leidenschaften, die nur wenige Mitmenschen teilen können. Eine meiner Leidenschaften ist das sogenannte Usenet (das die meisten eben nur als „Groups“ in Google kennen) und damit verhält es sich genau so. Das Usenet gab es schon als www noch keiner kannte. Damals bestand es aus einer Reihe von kleinen, meist privat betriebenen Servern (Fido-Netz, Maus-Netz) und war den wirklichen Internetpionieren vorbehalten. Heute, im Zeitalter der Webforen, in denen sich meist Halbstarke mit minimalen orthographischen Kenntnissen tummeln, bildet das Usenet eine der letzten Bastionen gegen die fortschreitende Online-Verdummung. Es ist eine kleine, vergleichsweise abgeschiedene Welt für sich, mit eigenen Regeln und Gesetzen. Nun verhält es sich aber so: Wenn man eine Zeitlang eine bestimmte Gruppe abonniert und regelmäßig liest, werden die (ohnehin nicht besonders zahlreichen) Regulars zu vertrauten Personen, die einem sozusagen näher stehen als so mancher Nachbar, oder andere Menschen, die man im „Real Life“ tagtäglich sieht.

Eine der von mir frequentierten Gruppen heißt „oecher.talk“. Darin geht es um regionale Dinge, manchmal aber auch um die große Politik. So bunt wie die Stadt ist auch die Gruppe. Wir haben Diskutanten mit sachlichen stilsicheren Postings, Rechthaber (sogar mit französisch klingendem Namen), Möchtegernrevoluzzer (Uff!), Eingeborene der Kartoffelsahara, pseudoanonyme Idioten, Jüngelchen, die wohl nie trocken werden hinter den Ohren, arme Würstchen, die Aachen am liebsten schon vor Jahren verlassen hätten (aber irgendwie nicht den Absprung aus dieser furchtbarsten aller Städte schaffen) und dann haben wir den großen Draufhauer. Der große Draufhauer postete früher unter seinem richtigen Namen (was im Usenet als höflicher Umgang gilt) und fiel des öfteren durch eben jene „mit-dem-Kopf-durch-die-Wand-Postings“ auf, die er mal zum Thema „von China lernen heißt siegen lernen“, aber auch zu „Personalausweis braucht man nicht“ oder „die Asozialen verkratzen mein schönes Auto“ verfasste. Jedem, der sich ein bisschen Mühe mit Tante Gugel machte, war es ein leichtes zu ermitteln, dass dieser Großkotz ein kleiner Versicherungsvertreter war, der gerne im wortwörtlichen Sinne abtauchte, immerhin mit so viel Chuzpe, dass er sich nicht hinter einem Pseudonym versteckte.

Diese Zeiten sind vorbei. Seit neustem firmiert der ekelhafte Ellenbogenmensch nun unter dem Namen „Ricky Proxy“. Ricky hat heute ein, wie ich hoffe, kühles zugiges Plätzchen in meinem Killfile zugewiesen bekommen und darf sich dort mit „Gunter“ und „dem Mösl“ vergnügen. Späßcken Jungens! Musik: Dream Theater.

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