Eierlaufen

Zurzeit findet in Neuseeland die Rugby-WM statt, wovon man hierzulande kaum etwas mitbekommt, weil der Deutsche allen Mannschaftssportarten, in denen eiförmige Bälle verwendet werden, kritisch gegenübersteht. So weit es American Football betrifft würde ich diese Einschätzung voll unterstützen, denn dabei handelt es sich um einen maßlos überschätzten, im Grunde todlangweiligen Sport, bei dem in 4/5 der Spielzeit gar nichts passiert. Rugby ist dagegen eine hochspannende Angelegenheit, die mehr Aufmerksamkeit verdient hätte.

Der unkundige Beobachter würde Rugby wahrscheinlich als Gruppenringkampf mit Ball beschreiben und liegt damit total daneben. Allerdings gehört das Spiel zu den Sportarten, mit denen man sich schon ein bisschen intensiver beschäftigen muss, um wirklich Freude daran zu haben. Die Grundregeln sind einfach: Der Ball darf nicht nach vorne geworfen, aber nach vorne gekickt werden. Punkte erzielt man, indem man den Ball im gegnerischen Malfeld ablegt („Versuch“ bzw. „Try“ =5 Punkte), oder durch die Torstangen kickt („Drop Goal“, „Penalty“ =3 Punkte, „Conversion“ =2 Punkte). Etwas komplizierter sind die Regelverstöße, die zu Strafkicks oder „angeordneten Gedrängen“ (= Scrum) führen.

AGAngeordnetes Gedränge

Keine Frage, Rugby ist ein sehr körperlicher Sport, bei dem häufig Verletzungen passieren, zumal die Spieler außer dem obligatorischen Mundschutz, oder einer Haube bei Erste-Reihe-Stürmern zum Schutz der Ohren im Gedränge, keine weitere Polster tragen. Deshalb wird man häufig Spieler mit Platzwunden sehen, die aber auch während des Spiels auf dem Platz behandelt werden dürfen. Der Angriff auf den Gegenspieler ist eigentlich sehr streng reglementiert: Nur der ballführende Spieler darf getackelt werden und das auch nur unterhalb der Schultern, jeder Angriff auf den Hals oder Kopf ist ein verbotener „high tackle“.

HT„high tackle“

Man könnte denken, dass Rugby-Spieler in der Regel 150Kg wiegen und entsprechende „Kanten“ sind, aber auch das ist nicht richtig. Nur die Stürmer der ersten und zweiten Reihe (Nummer 1-8) sind solche Schränke, dagegen dominieren auf den anderen Positionen (Gedrängehalb =Nummer 9, Verbinder =Nummer 10, Innen- und Außendreiviertel =Nummer 11-14, Schlussspieler =Nummer 15) wendige und kleine Typen.

Folgt man zum ersten Mal einem Spiel, dann werden einem einige Absonderlichkeiten auffallen. Beispielsweise führt der enge Körperkontakt dazu, dass Spieler auch außerhalb des Tackles „aneinander geraten“, beim Fußball würde man von einer Tätlichkeit sprechen, beim Rugby gibt es so etwas nicht. Weiterhin wird man bemerken, dass der Schiedsrichter, dessen Kommandos im Fernsehen mit übertragen werden, sehr oft „please“ und „thank you“ sagt und von den Spielern stets mit höflichem Respekt behandelt wird. Die Engländer sagen: „Football is a gentleman`s game played by ruffians and rugby is a ruffian`s game played by gentlemen.“ Außerdem gibt es neben dem Gedränge Standardsituationen, wie den Einwurf in die Gasse, die dem Rugby-Neuling zunächst befremdlich erscheinen.

EGEinwurf in die Gasse

Die Faszination, die Rugby ausübt, lässt sich in Worten nur unzureichend beschreiben, deshalb zum Abschluss noch zwei Beispiele für herausragende Leistungen:

Ein wunderschöner „Try“, erzielt von der Neuseeländischen Nationalmannschaft:

Solche Genialität ist selten. In der Regel muss man sich die Punkte viel härter erarbeiten: Ein hochdramatischer Spielzug, das Spiel wird durch den „Try“ in der Nachspielzeit entschieden:

Note to self: Wo nur rinnt es hin? Musik: ABBA, Rose Kemp, Bran Van 3000.

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