Nager

Und wieder ein Maus-Beitrag. Nein, keine Bange, jenes an dieser Stelle bereits ausführlich behandelte renitente Nagetier ist nicht Thema, sondern das von den meisten Menschen intensiv benutzte Eingabe- und Zeigegerät für den Computer. Wie langweilig? Na, mal sehen:

Man kann Computernutzer in Mausschubser und Keyboarder unterteilen, oft genug ist damit auch eine Charakterisierung des informations-technologischen Durchblicks verbunden. Den Keyboardern wird nachgesagt, dass sie alle Shortcuts ihrer Programme auswendig kennen und sich ansonsten am liebsten den ganzen Tag auf der Konsole herumtreiben, wo sie mehr oder weniger Kryptisches in die Tasten hauen. Die Mausschubser gelten dagegen als ahnungslose arme Würstchen, die ohne ein buntes GUI mit Schaltflächen, Kästchen zum Ankreuzen und Icons verloren wären. Darunter kommen in der digitalen Hierarchie dann nur noch die E-Mail-Ausdrucker.

Seis drum: Die Auswahl des richtigen Nagers stellt den durchschnittlichen User mitunter vor erhebliche Probleme. Natürlich gibt es auch solche, die einfach irgendwie mit jeder vorhandenen Maus zurechtkommen. Wenn man sich aber jahrelang an ein bestimmtes Modell gewöhnt hat und dann umsteigen muss, dann fallen die ersten Schiebeübungen meist unerwartet schwer. Nicht nur, dass heute Mäuse am Start sind, die über Extrafunktionen en masse und programmierbare Zusatztasten verfügen, nein: Form, Größe, Gewicht und Reibungswiderstand sind wichtige Kenngrößen, die darüber entscheiden, ob man eine Maus (früher schrieb man immer Mouse, gell) richtig liebgewinnen kann. Abgesehen davon ist das auch eine Frage der Ergonomie am Arbeitsplatz und der Mausarm, mit dem der Verfasser auch schon zwischenzeitlich Bekanntschaft machen musste, ist eine der häufigeren Berufskrankheiten unseres Zeitalters.

Meine ganz persönliche Maushistorie sieht so aus:

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Meine erste: Die typische Performa-Maus der 90er Jahre: Beige, einigermaßen leicht, mit Kugel, die immer verschmutzte und natürlich nur mit einer Taste, Rechtsclick war etwas für Windows-Idioten.

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Im Institut benutzte ich dann zunächst die klassische Mac-Maus, ebenfalls beige, immer versifft, ziemlich ausgeleiert aber extrem kultig. Natürlich nur eine Taste, Rechtsclick war immer noch etwas für Windows-Idioten.

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Die so genannte Pro Maus kam mit dem G4 und sah aus wie ein Raumschiff. Größter Vorteil: Meine erste optische Maus, die Reinigung der Kugel war nicht mehr erforderlich. Benutzt habe ich sie nur ganz kurz.

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Plötzlich war Rechtsclick schick und unentbehrlich und Mausrad war noch viel schicker und unentbehrlicher. Damit war die Zeit der Original Apple-Mäuse erstmal vorbei. Ich verwendete die klassische Wheel-Mouse von Logitech in zwei Varianten. Zu Hause beige und mechanisch, auf Arbeit optisch, weiß/rot mit schicker LED. Es ist bis heute die Maus, die mir am besten in der Hand liegt, Gewöhnung halt.

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Ein Weihnachtsgeschenk von einem sehr lieben Menschen: Die „Mighty Mouse“ (was für ein Name) und zwar das kabellose Bluetooth-Modell. Ich liebte sie heiß und innig, auch wenn die Akkus ständig schlapp waren und das kleine Bällchen ziemlich bald komische Geräusche machte. Die rührten von dem Dreck her, der sich ständig darunter sammelte. Ich nahm sie auseinander, reinigte sie mit Hingabe, aber nach zwei Jahren war sie hin: Nach oben Scrollen und Click aufs Bällchen gingen nicht mehr, schade auch. Zurück zur Logitech Wheel Mouse.

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Das neuste Modell: Die „Magic Mouse“ (der Name ist noch bescheuerter) ist mir zugelaufen, gekauft hätte ich sie mir nicht. Die ach so innovative Gestensteuerung ist nix für einen alten Mann. Man kommt zurecht, aber am Hauptrechner benutze ich inzwischen wieder meistens eine „Mighty“, diesmal das kabelgebundene Modell, mal schauen, wie lange die durchhält. Dazu kommen die Logitech und eine NoName-Notebook-Maus. Aus ergonomischen Gründen habe ich mir angewöhnt, möglichst häufig den Nager zu wechseln, je nach der Anzahl der Stunden, die ich am Rechner verbringen muss, mehrmals am Tag.

Mir geht es immer noch so: Wenn ich an einem fremden Computer-Arbeitsplatz sitze, und das kommt aus beruflichen Gründen sehr häufig vor, dann sind die ersten Mausbewegungen oft genug ein Abenteuer. Man findet Exemplare vor, die so verschmutzt sind, dass man erstmal die Sagrotanflasche zücken möchte („Ich habe sie erst vor zwei Monaten sauber gemacht“). Manche haben die Zeigergeschwindigkeit so langsam eingestellt, dass man gefühlte Kilometer auf dem Schreibtisch zurücklegt („Sonst treffe ich nicht“), andere so schnell, dass man mit der Präzision eines Feinmechanikers vorgehen muss („Zeit ist Geld“). Dann gibt es noch die Spezialisten, die noch nichts von der Inkompatibilität von optischen Mäusen und Glastischen gehört haben („Ja sie springt, aber daran habe ich mich gewöhnt“). Aber am liebsten sind mir Benutzer, die ihre Multifunktionsmaus mit 15 Tasten stolz präsentieren, aber nicht mehr wissen, welche Funktion nun auf welcher Taste liegt („Warten Sie, warten Sie…“). Es ist nicht so, dass es nur die sprichwörtliche Ähnlichkeit von Hund und Herrchen gibt…

Note to self: Es scheint vollbracht. Ich jauchtze. Musik: Rolo Tomassi, Ulcerate, Origin.

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