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Mut zur Lücke haben die Macher von Alemannia Aachen in der jüngeren Vergangenheit genug gehabt, gemeint ist hier natürlich die Finanzierungslücke. Grundlage dieses Muts war die tiefe innere Überzeugung, die öffentliche Hand, also Land und Kommune, würde im Zweifelsfall schon die Schatulle öffnen und den Fehlbetrag ausgleichen. Davon ist zurzeit nicht auszugehen. 800.000 € will die DFL sehen, damit die Lizenz für den Spielbetrieb in der zweiten Liga (und seit Samstag kann man ja wenigstens wieder ein bisschen darauf hoffen, dass die Klasse gehalten werden kann) weiterhin erteilt werden kann. Woher soll das Geld kommen?

Ich sage: Nicht von Stadt und Land! Ernsthaft: Die Quersubventionierung des Volksspektakels „Profi-Fußball“ hat inzwischen Besorgnis erregende Ausmaße angenommen. Eine weitere Steigerung auf Kosten der Allgemeinheit ist nicht hinzunehmen. Der Rahmen der öffentlichen Bürgschaften ist, so weit ich weiß, vollständig ausgereizt.

Ich sage: Nicht von den Fans! Wir haben Stadionanleihen, sehr hohe Eintrittspreise und unverschämt hohe Preise für Devotionalien über uns ergehen lassen, aber jetzt ist der Kanal voll. Gerade in einer Stadt wie Aachen, mit hoher Arbeitslosigkeit und vergleichsweise geringem Durchschnittseinkommen, sollte man an dieser Stellschraube nicht weiter drehen.

Ich sage: Es muss jetzt ein tragfähiges Gesamtkonzept mit den privaten Geldgebern und Sponsoren gefunden werden. Die beteiligten Kreditinstitute sollten wissen, dass die Aussicht, das ausgereichte Geld jemals wieder zu sehen, nur dann zu realisieren ist, wenn man dem Schuldner nicht den Hals zudreht. Eine Umschuldung, die die derzeitige Geschäftsführung nun mit noch mehr Nachdruck einleiten muss, ist der einzige Weg. Wir dürfen leider nicht damit rechnen, dass, wie bei den Löwen aus München, plötzlich ein Scheich mit dicker Börse um die Ecke kommt. Gerade dieses Beispiel und die Entwicklungen bei 1860 in den letzten Tagen zeigen auch, wie trügerisch die Hoffnung auf Rettung aus privater Hand ist und welche Machtspiele damit verbunden sein können. Trotzdem bleibt diese Lösung im Falle der Alemannen der einzig gangbare Weg.

Die Erfahrung lehrt, dass Profi-Fußball ein Geschäft ist, das nur in Ausnahmefällen mit Gewinn zu betreiben ist. Selbst Welt-Vereine wie Real Madrid und Barca zeigen, dass dies kaum gelingen kann. Wenn also Zuschüsse zu diesem Verlustgeschäft mehr oder weniger ständig erforderlich sind, dann können diese Mittel nur von Fußball-Verrückten kommen, die entsprechend solvent sind. Im Grunde offenbart sich an dieser Stelle eine Parallele zu der aktuellen europäischen Schuldenkrise. Auch wenn es wünschenswert wäre, die chronische finanzielle Unterversorgung von Staaten und Fußballvereinen lässt sich nicht so einfach beseitigen. So klein können die Brötchen leider gar nicht sein. So lange immer nur den Kleineren die Luft ausgeht und genügend übrig bleiben, um den Schlamassel auszubaden, so lange wird es keine rigide Einschränkung der Ausgaben geben, weil die Gläubiger zu gut daran verdienen. Ein Teufelskreis und nur eine Abänderung des Prinzips von Zins und Zinseszins könnte daran etwas ändern.

Note to self: Besser, zum Glück. Musik: ANNA1.

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