Rocking the salad

Wie heißt es so schön: „He who pays the piper, calls the tune.“ Oder auf deutsch: „Wer die Musik bestellt, bestimmt was gespielt wird.“ Oder eben *wo* gespielt wird. Und so sind die Rahmenbedingungen des gestrigen Auftritts einer Alsdorfer Kohlenrock-Combo eben auch leicht zu begründen. Und diese Randbedingungen hätten kaum bizarrer sein können:

Für die Mitglieder von ANNA1 war die Ausgangslage ohnehin nicht übermäßig vorteilhaft: Über ein Jahr hatten wir an unserem neuen Album gefeilt und die Aufnahmen erst Anfang Mai glücklich abgeschlossen. Mit anderen Worten: Bis vor sechs Wochen hatten wir längere Zeit gar nicht mehr zusammen gespielt. Der Fluch der digitalen Einzelspuraufnahme ist ja bei aller Erleichterung, dass jeder an Kopfhörerverstärker und USB-Audio-Interface angeschlossen für sich selbst um die möglichst perfekte Aufnahme ringt. Der Prozess des Ringens hatte sich zeitlich immer weiter ausgedehnt, aber unsere Zusage „Wir spielen Ende Juni auf deiner Geburtstagsfeier auf!“ konnten wir unmöglich zurücknehmen. Also hatten wir uns mächtig ins Zeug gelegt und uns auf den letzten Drücker in Form gebracht.

So packten wir dann Samstag im frühen Nachmittag unser Equipment in einen weißen Lieferwagen. Diesmal war das ganz große Besteck gefragt: Neben den Instrumenten und Verstärkern wurde natürlich auch die komplette Gesangsanlage incl. Mischpult und Endstufe benötigt. Unser Schlagzeuger hatte sich die Location im Vorfeld mal angeschaut und bereits verkündet, auf zwei Toms, das kleine Crash- und das China-Becken verzichten zu wollen. Das hätte uns anderen eine Warnung sein sollen. Nun gut: Zwar geriet im ersten Kreisverkehr unsere Ladung ein wenig ins Schleudern, ein Bassverstärker gehorchte erst der Flieh- dann der Schwerkraft, aber schließlich trafen wir einigermaßen pünktlich kurz nach 4 am vereinbarten Ort ein.

Ein -hm- rustikales Ausflugslokal mit Biergarten in einem kleinen Ort in der Nähe von Stolberg sollte Schauplatz unseres Gastspiels sein. Wir enterten das Lokal und nahmen die uns zugewiesene Nische in Augenschein: Knapp, ganz schön knapp. 3×4,5 Meter vielleicht. Und das -hm- Design erst: Nachgebildete Ziegelmauern, künstliches Weinlaub, pittoreske angedeutete Dachvorsprünge, auf alt gemachte Balken, bräunlich eingefärbtes Spiegelglas, neckische Lampenschirme. Ein Traum! Na gut, wir hatten zu tun: Aufbauen, den (räumlichen) Mangel verteilen, uns dabei nicht gegenseitig auf die Füße treten, Rücksicht nehmen, nicht hektisch werden. In solchen Momenten zeigt sich, ob die Band als soziale Einheit funktioniert. Sie funktionierte. Als wir fertig waren blieben rechts neben dem Schlagzeug 40cm zur Bassbox und links 30cm zum Mischpult. Ich dachte mir nur: Wenn hier einer über ein Kabel stolpert, dann geht’s direkt ins Spital.“ Also Soundcheck, ein erstes Stirnrunzeln bei den Kellnern, den Besitzern und vor allem beim Patron, dem Seniorchef, der die Szene in beiger Wanderweste durchschlurfte, ob der erheblichen Geräuschentwicklung. Wir hatten angekündigt bei der Lautstärke keine Kompromisse zu machen. Es war Punkt 6, wir waren pünktlich fertig. Die ersten Gäste erschienen.

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Um halb 9 sollte das Konzert beginnen. In der Zwischenzeit taten wir uns am Buffet gütlich, tranken das eine oder andere Gläschen (Apfelschorle natürlich) und nahmen die Festgesellschaft in Augenschein, mehrheitlich ältere Herrschaften in Sakko und Kostüm, also der schiere Rock`nRoll. Die Gäste hatten sich genau am anderen Ende des Restaurants niedergelassen und unterhielten sich angeregt. Und zwischen der Bühne und den Gästen stand sie: Die Salatbar, mitten im Raum, bekrönt von einem mit Glasscheiben versehenen Dach aus poliertem Messing. Links und rechts jeweils ein Durchgang von vielleicht 1,5m Breite. Da sollte dann das frenetische Publikum stehen.

Der Rest ist schnell erzählt: Der Auftritt lief prima, wir gaben Gas, hatten viel weniger Fehler als beim letzten Gig und versuchten nach Kräften Stimmung zu machen. 75% der Gäste blieben am Platz hocken, eine Handvoll trat tatsächlich vor, also neben die Nische und der Rest trat die Flucht nach draußen an. Schwamm drüber, manchmal muss man sich damit zufrieden geben, den Salat zu rocken.

Note to self: Jaja die Spanier. Glückwunsch und so 🙁 . Musik: ANNA1.

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