UnAlben

Ui, zwei musikalische Beiträge hintereinander. Wie kommt das? Nun es kommt daher, dass es nach einigen stressigen Tagen mit Arbeit bis in den späten Abend heute mal ein bisschen ruhiger ist (Wäsche, Haushalt, Buchführung) und ich die Gelegenheit genutzt habe, mal einige Leichen, also seit langem nicht mehr gehörte Titel aus meiner iTunes-Bibliothek, „aufzulegen“. Diese Bibliothek enthält wirklich schräge Platten; Werke, die nicht nur dem Hörer von Mainstream-Musik nicht gefallen würden, sondern auch den Liebhaber experimenteller Klänge verstören könnten. Aber dann gibt es eben noch eine andere Kategorie, nämlich wirklich nervige Scheiben, deren Konsum mir fast schon Schmerzen bereitet. Und die unrühmliche Top 3 dieser „UnAlben“ möchte ich heute vorstellen:

WTLO

Auf Platz 3 landet die Kompilation „With The Lights Out“ von Nirvana, die lange nach dem Freitod Kurt Cobains, nämlich im Jahr 2004 erschienen ist. Klar ist, dass Nirvana mit ihrem Gesamtwerk eine absolute Landmarke in der jüngeren Musikgeschichte gesetzt haben, an der man einfach nicht vorbei kommt. Aber selbst für den verschrobensten Fan der Formation dürfte diese Ansammlung miserabel abgemischter Live-Aufnahmen und akustischer Demos in bescheidenster Tonqualität eine Zumutung darstellen. Traurige „Höhepunkte“ sind Titel wie „Beans“ oder „I Hate Myself And I Want To Die“ (hat er dann ja auch geschafft), die nie, nie, niemals hätten veröffentlicht würden dürfen. Und würde auf dieser Musik nicht das Label „Nirvana“ kleben, wären sie auch nicht veröffentlicht worden. Die ganze Kompilation ist reine, unverschämte Geldschneiderei von Geffen (Universal). Wie dieses Werk bei Amazon eine Durchschnitts-Bewertung von 4 Sternen erhalten kann, ist mir absolut unbegreiflich.

WTP

Auf den zweiten Platz der unverschämten Alben kommt „The Pod“ von Ween. Ween sind eine relativ unbekannte Experimental-Rockband, die Mitte der 80er Jahre in den USA gegründet wurde. Es gibt einige Platten dieser Combo, die man sich wirklich gut geben kann: Selbstironisch, merkwürdig, spannend und mit beißenden Texten. Auf „The Pod“ haben sie es aber übertrieben. Zwar sind die Songs sogar einigermaßen strukturiert, doch wurden die Stücke in der Postproduktion mit einer Vielzahl von Effekten und studiotechnischen „Tricks“ verunziert und das Endergebnis ist einfach grauenhaft. Besonders schlimm sind Songs, bei denen einige Spuren eingemischt wurden, die klingen, als würden sie von einer alten, leiernden Kassette kommen. Man schüttelt sich. Mehr als zwei Stücke hintereinander kann ich mir keinesfalls geben, sonst drohen Kopfschmerzen und Erbrechen.

ZTFS

Den unangefochtenen Spitzenplatz in dieser Reihung nimmt ein Album eines wirklich großen Künstlers ein, nämlich „Zero Tolerance For Silence“ von Pat Metheny. Metheny ist ein begnadeter Gitarrist, Komponist und Arrangeur. Sein Konzert 1989 in der Düsseldorfer Phillipshalle war eines der besten in meinem bisherigen Leben. Umso schlimmer ist der Totalausfall aus dem Jahr 1992 zu bewerten. Nun könnte man sagen, dass ein Musiker, der so viele geniale Alben vorgelegt hat, sich ruhig mal einen solchen Fehltritt erlauben darf. Das sehe ich anders. Das Album (auch das Cover ist scheußlich) enthält 5 Stücke, die sinnigerweise von „Part 1“ bis „Part 5“ durchnummeriert sind. Das ist auch kein Wunder, denn jede kreative Benennung dieser „Musik“ ist von vorne herein zum Scheitern verurteilt. Es handelt sich um reine E-Gitarren-Klänge, die wohl mit dem Ziel zusammengesampelt wurden, den Hörer der maximal möglichen akustischen Folter auszusetzen. Nicht nur, dass das Spiel des Meisters dilettantisch, die Spurauswahl willkürlich und eine Struktur nicht zu erkennen ist, nein, es fehlt jeder Spannungsbogen, nicht mal reiben kann man sich an diesem Elaborat. Es ist lieblos hingedroschener Lärm. Unfassbar.

Note to self: Wirds besser, oder gewöhne ich mich daran? Musik: Nirvana, Ween, Pat Metheny.

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