Heikles Praeputium

Endlich mal wieder etwas Politisches bei „Just Skidding“. Klar, die Frage ist heikel, sie spaltet die Nation und doch ist sie einfach zu beantworten:

Wir sind uns doch wohl hoffentlich einig, dass Verfassung und bürgerliches Gesetzbuch zu allererst das Zusammenleben in unserem Land regeln und dass Regularien, die dem Brauchtum, der Tradition und der Religion zugehörig sind, demgegenüber von nachrangiger Bedeutung sind. Jedenfalls wird dies in der Regel lauthals eingefordert, wenn salafistische Wirrköpfe ihre abseitigen Vorstellungen zu Gleichberechtigung, Straf- und Zivilrecht umsetzen wollen, oder Kreationisten ihre Kinder lieber zu Hause unterrichten, weil ihnen Evolutionstheorie und Sexualkundeunterricht ein Graus sind. Auch bei der entsetzlichen Praxis der Verstümmelung von Mädchen bei afrikanisch-stämmigen Migranten sind wir uns völlig einig, dass so etwas hierzulande verboten ist und schwer bestraft gehört. Ja, warum zum Teufel sollen wir es dann bei der religiös motivierten Beschneidung von männlichen Kleinkindern und Knaben anders halten?

Wir sind zum Glück ein säkularer Staat, der die körperliche Unversehrtheit als elementar wichtiges Rechtsgut unter besonderen Schutz stellt. Es wäre grundfalsch aus religiösen Gründen, für welche Glaubensgemeinschaft auch immer, an dieser Stelle eine Ausnahme zu machen. Jeder Junge kommt im Grunde mit einem Plakat auf die Welt, auf dem „Meine Vorhaut gehört mir!“ geschrieben steht. In dem Zusammenhang ist es mir übrigens völlig egal, wenn unsere Bundeskanzlerin meint, mit einem Beschneidungsverbot würde sich Deutschland zur Komikernation machen. Nein Frau Merkel, komisch ist das Ganze überhaupt nicht. Und die Vorstellung, ein Mann könne nicht ins Paradies oder in den Himmel kommen, wenn er morphologisch 100%ig intakt ist, finde ich archaisch, abstrus und durch und durch abscheulich.

Sollte im Bundestag, auch mit Rücksicht auf die furchtbaren Verbrechen, die in der unrühmlichen jüngeren deutschen Geschichte an den Juden verübt wurden, eine gesetzliche Regelung verabschiedet werden, die religiösem Brauchtum den Vorzug vor dem pragmatischen Rechtsrahmen unserer aufgeklärten, pluralistischen Zivilgesellschaft gibt, dann wäre es ein falsches Signal. Und man hätte wieder einmal einen Grund geliefert, warum wir auf unserem weiten Weg zu einer Bürgergemeinschaft, die sich nur auf Grundlage einer rationalen, durch und durch ethischen Werteordnung definiert, einfach nicht vorankommen. Mit 16 Jahren wird man in Deutschland religionsmündig. Ich meine das wäre ein vernünftiger Zeitpunkt, zu dem ein junger Mann entscheiden kann, ob er mit oder ohne Praeputium leben möchte. Alles andere ist Käse.

Note to self: Link down? Dead on arrival! Musik: Sting, Ween, Rolling Stones, De-Phazz.

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