Die asozialen Hunderttausend

Vor ein zwei Jahren stolperte der Skidman beim abendlichen Zappen über eine Dokumentation aus dem Jahr 2008, die sich mit so genannten Offshore Vermögen beschäftigte, also mit der Verbringung des Kapitalvermögens auf die Kanalinseln oder auf die Caymans zum Zwecke der Steuerhinterziehung. In diesem Feature wurde der Betrag der insgesamt an den Staatskassen vorbeigeschleusten Gelder auf etwa 13 Billionen US-Dollar geschätzt.

Vor einigen Tagen hat die NGO „Tax Justice Network“ aktualisierte Zahlen zu diesem Thema vorgelegt. Demnach beträgt die Summe inzwischen zwischen 21 und 32 Billionen US-Dollar. Gut, man sieht an der Spanne, wie schwierig es ist zu dieser Kenngröße exakte Zahlen zu ermitteln. Trotzdem darf man bei vorsichtiger Schätzung annehmen, dass allein in den letzten 4 Jahren noch einmal etwa 10 Billionen US$ an unversteuerten Vermögen dazugekommen sind. Die Hälfte der insgesamt gebunkerten Mittel gehört nach Angaben von TJN etwa 100.000 Superreichen.

Wir brauchen uns nicht zu fragen, warum jemand mit einem Vermögen von mehreren Milliarden sich nicht in der Lage sieht seine Steuern zu bezahlen. Für mich ist klar, dass Menschen, die derartige Kapitalmengen anhäufen können, skrupellos, amoralisch und asozial, mit einem Wort Charakterschweine sein müssen, sonst könnte eine solche Haufenbildung niemals zustande kommen. Eine Rechtfertigung des asozialen Tuns entfällt natürlich, vielmehr gilt das „Wer kann, der kann.“-Prinzip.

Wir erleben gegenwärtig, dass im Grunde nahezu jeder Staat der Erde chronisch unterfinanziert ist. Natürlich ist das auch eine Folge der blödsinnigen Überschuldungspolitik (Wobei ich an dieser Stelle noch mal darauf hinweisen will, dass die weltweit vorhandene Geldmenge eigentlich nur aus Schulden besteht. Dieser idiotische Mechanismus ist immer noch viel zu wenigen Menschen bekannt und könnte nur dadurch beendet werden, dass Zins und Zinseszins abgeschafft würden). Gleichzeitig gibt es keine ernsthaften Anstrengungen, der kleinen Clique, die die globale Bevölkerung teils seit Generation systematisch ausplündert, das Handwerk zu legen. Das kann nur daran liegen, dass die politischen Eliten, die dem deregulierenden Ökonomiekonzept das Wort reden, grenzenlos dumm (Ronald Reagan), ebenfalls asozial veranlagt (Magaret Thatcher) oder eben Marionetten (jede zweite afrikanische Regierung) sind. Und deshalb darf ich zwar von Marine-Infanterie Einheiten träumen, die die Bankhäuser auf Jersey und Grand Cayman im Handstreich besetzen, für die Begleichung der Steuerschuld sorgen und die Vermögen bis auf einen Selbstbehalt von, sagen wir, 10% beschlagnahmen, aber das wird nie passieren.

Einhunderttausend gegen sechs Milliarden. Einhunderttausend am längeren Hebel und sechs Milliarden wie das Kaninchen vor der Schlange. Was sind wir wir doch für eine armselige, zum Scheitern verurteilte Spezies.

Note to self: Mal ein paar Wochen aussetzen. Musik: Baroness, Hellyeah, Ahab.

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