Lilli Schwarzkopf

Der Olympische Siebenkampf der Leichtathletinnen bot alles, was sich der Fernsehzuschauer wünschen kann: Persönliche Bestleistungen, verzweifelte Teilnehmerinnen, große Freude und Trauer in unmittelbarer Abfolge und Nachbarschaft. Und der Höhepunkt war natürlich der abschließende 800m-Lauf. Die Strecke ist ohnehin der Hammer. Wer aber schon einmal die Teilnehmerinnen des Mehrkampfs nach 2 Tagen Schwerstarbeit im Stadion beobachtet hat, die wirklich das allerletzte Körnchen mobilisieren, der muss voller Hochachtung sein.

Heute Abend war es besonders spannend, weil die Punkteabstände hinter der führenden Jessica Ennis sehr knapp waren. Für die deutsche Teilnehmerin Lilli Schwarzkopf war bis auf Gold alles noch drin. Schwarzkopf lief ein beherztes Rennen, übernahm sogar zwischenzeitlich die Führung und ließ vor allem die nach 6 Disziplinen zweitplatzierte Austra Skujyte weit hinter sich. Nach dem Zieleinlauf war klar, dass die Deutsche Silber gewonnen hatte. Also jedem TV-Zuschauer zumindest war es klar.

Das Ergebnis ließ nach dem Lauf lange auf sich warten. Dann wurde bekannt gegeben, das Schwarzkopf wegen Übertreten der Bahnmarkierung disqualifiziert worden war. Den Zuschauern im Stadion wars egal. Die Britin Ennis hatte den erwarteten Sieg errungen, da braucht man bei den anderen nicht so genau hinzuschauen, denn nicht die Deutsche, sondern eine Russin eine Bahn weiter hatte den Regelverstoß begangen. Die Zeitnehmer, technischen Delegierten und Schiedsrichter beim größten Sportereignis der Welt erreichten in diesem Fall leider nur das Niveau eines Track-And-Field Meetings in einem Vorort von Gloucester.

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Nach Protest und Gegenprotest wurde zum Glück Schwarzkopf die Silbermedaille zuerkannt. Sie bekam die Plakette vor wenigen Minuten umgehängt. Trotzdem: Als Ennis sich mit dem Union Jack auf den Schultern feiern ließ, schlich Schwarzkopf wie ein begossener Pudel im Innenraum herum. Den vielleicht größten Moment im sportlichen Leben der Lilli Schwarzkopf haben ihr die Blindfische aus London einfach gestohlen. Und so bleiben für mich nicht die die wirklich fabelhaften 3 Goldmedaillen (Ennis, Rutherford, Farrah) für Großbritannien an diesem Abend hängen, sondern das komplette Versagen einiger Briten drumherum.

Note to self: Völlige Blockade, aber nicht morgen. Musik: keine, Glotze.

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