Betty Heidler

Ich hätte nicht gedacht, dass ich noch einen weiteren Beitrag zum Thema Schiedsrichter-Fehlentscheidungen bei Olympia schreiben müsste. Mir ist klar, dass dieses Thema die wenigsten Leute so aufregt, wie es mich aufregt. Aber was heute Abend beim Hammerwurf der Frauen passierte, das schlug dem Fass den Boden aus:

Betty Heidler hält den Weltrekord in dieser Disziplin und wurde bei den letzten Weltmeisterschaften Zweite. Sie hatte in dieser Saison enorme Probleme, man denke nur an die verpatzte Qualifikation bei der EM in Helsinki. Der Hammerwurf gilt neben dem Stabhochsprung als technisch schwierigste Disziplin der Leichtathletik. Selbst Spitzenathleten schaffen es häufig nur bei einem von sechs maximal möglichen Versuchen, den optimalen Bewegungsablauf und damit die optimale Weite hinzubekommen. Das muss man wissen.

Der Wettkampf heute lief für Heidler alles andere als gut. Sie konnte bis zum 5. Versuch keinen wirklich guten Wurf zeigen. Aber in genau diesem 5. Versuch steigerte sich Heidler auf etwas mehr als 77 Meter (man sah es im Fernsehen ganz deutlich), das hätte für die Bronzemedaille gereicht. Der Versuch war gültig, die weiße Fahne ging hoch, aber eine Weite wurde nicht angezeigt. Man sah die Athletin mit den Schiedsrichtern diskutieren, Papiere wurden studiert. Betretene Mienen beim Kampfgericht: Die Weite war offensichtlich nicht gemessen worden. Später stellte sich dann heraus, dass der Wurf zwar gemessen, aber nicht vom Datenerfassungs-Programm verarbeitet worden war und also auch nicht angezeigt werden konnte.

Im Fall der Siebenkämpferin Schwarzkopf schrieb ich davon, dass die Leistungen der Schiedsrichter auf dem Niveau eines Track-And-Field Meetings in einem Vorort von Gloucester lagen. In diesem Falle liegen sie auf dem Niveau der Bundesjugendspiele im Aachener Waldstadion. Denn gerade eben (der Wettkampf ist lange beendet) hat man angefangen, die im Wettkampf erzielten Weiten mit dem Maßband nachzumessen (Zum Glück hinterlässt ein einschlagender Hammer ja ein ziemliches Loch im olympischen Grün.).

BH1

BH2

BH3

Und tatsächlich: Man glaubt das richtige Loch im englischen Rasen gefunden zu haben. 77,13m. Heidler hat Bronze. Trotzdem: Der sechste Versuch fand ohne Konzentrationsphase statt, das Nervenkostüm von Frau Heidler dürfte zu diesem Zeitpunkt einem durchlöcherten Lumpen geglichen haben. Eine klare Benachteiligung.

Bevor ich jetzt noch einen länglichen Riemen darüber schreibe, dass ich es unverschämt finde, dass SPON einen Artikel über die völlig überzogenen Zielvorgaben für die Plakettenanzahl bei Olympia mit „Deutsches Team verfehlt Zielvorgabe deutlich“ betitelt, und bevor ich mich darüber ereifere, welche armselige Figur bei dieser Geschichte der Mann abgab, der so tut als wäre er Bundesinnenminister, mache ich den Laden zu.

Note to self: Kleiner, größer, anders und die Stunden gehen dahin. Musik: Keine, Glotze.

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