Überschuss in den Fuß

Wenn sich jemand sprichwörtlich „in den Fuß schießt“, dann ist das die Umschreibung für ein klassisches Eigentor. Vor diesem Hintergrund sind die jüngsten Meldung zum Handelsbilanz-Überschuss Deutschlands zu werten. Die Bundesrepublik weist inzwischen das heftigste Ungleichgewicht aller Staaten zwischen Exporten und Importen auf. Der Leser von „Just Skidding“ atmet auf: Er schreibt nicht mehr über Sport. Genau: Olympische Spiele vorbei, Bundesliga noch nicht angefangen und Alemannia verliert wieder. Also dann mal los:

Die Zutaten zu unserem gigantischen Export-Überschuss haben wir schnell zusammen:

– die deutschen Waren sind beliebt: Hohe Qualität, vergleichsweise geringer Preis, Zuverlässigkeit bei Lieferterminen

– wir verkaufen die Waren gegen bedrucktes Papier, unsere Währung ist schwach, weil die anderen Euro-Staaten wirtschaftlich schwächer sind und daher der Euro nicht aufgewertet werden kann

– die Preise für unsere Exportgüter werden durch die seit 20 Jahren stagnierenden Reallöhne niedrig gehalten

– die Inlandsnachfrage stagniert aus genau diesem Grund. Was zur Zeit der Bonner Republik noch „Mittelschicht“ war, sortiert sich inzwischen zu einem großen Teil unter „working poor“ ein

– das Geld mit dem die Exportgüter bezahlt werden besteht hauptsächlich aus Schulden der Importeure

– können diese Schulden nicht bezahlt werden, dann haftet dafür derzeit im wesentlichen der deutsche Steuerzahler, jedenfalls wenn es europäische Schulden sind

– all dies ist nicht wie eine Naturkatastrophe über uns gekommen, sondern Ergebnis einer Politik, deren heilige Kuh „Wachstum“ heißt und in der „sozial ist, was Arbeit schafft“

– die durch den Export erwirtschafteten Gewinne kommt fast nur einer Splittergruppe zugute, die überdies von niedrigen Einkommenssteuersätzen und noch niedrigeren Steuern auf Kapitalerträge profitiert

Auch wenn es hierzulande keiner hören will: Damit es den einen gut geht, muss es den anderen schlecht gehen. Und langfristig lässt sich das System „Fressen und gefressen werden“ nur stabilisieren, indem die Profiteure abgeben, im Großen, wie im Kleinen. Wir alle werden die gemeinsamen Schulden im erträglichen Rahmen halten, bis sich endlich die Erkenntnis durchsetzt, dass wir keine privaten Banken brauchen. Die Superreichen werden den anderen hin und wieder ein Bröckchen hinwerfen, bis man sie endlich enteignet. Die Politik wird den letzten kleinen Rest „soziale Marktwirtschaft“ verteidigen, bis die Mehrheit kapiert hat, was Lebensqualität und Wohlstand wirklich bedeutet. Ich bin da voller Hoffnung, ein paar hundert Jahre mögen noch vergehen…

Note to self: JS exportieren, eine Leistung erhalten, für die man bezahlt hat. Ein Traum. Musik: A Forest of Stars, SYQEM.

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