Ach wissen Sie, Frau Steinberger…

…ich bin es leid. Die unumstößlichen Wahrheiten lauten: „Männer und Frauen passen nicht zusammen.“ Und: „Männer verstehen Frauen nicht. Frauen sollten nicht versuchen, Männer zu verstehen.“ Also, was zum Teufel hat Sie bewogen in der „Süddeutschen“ einen Artikel über männliche Singles zu verfassen und diesen dann auch noch mit: „Traurige, isolierte, einsame Gestalten“ zu überschreiben? Ich habe da schon so meine Vermutungen, aber die behalte ich mal für mich.

Zwei wesentliche Punkte, die ich an Ihrem Geschreibsel (mehr ist es nicht) auszusetzen habe, will ich mal voranstellen: Sie bemänteln Ihre Argumentation im wesentlichen mit zwei soziologischen Studien, einer aus Amerika, einer aus Europa. Bitte glauben Sie mir: Das Werkzeug der Soziologen ist vorrangig die Statistik und die mathematisch-statistischen Kenntnisse der soziologisch bzw. im sozialen Bereich tätigen Menschen in der mir bekannten Grundgesamtheit lassen mich, einen Naturwissenschaftler, zumindest zweifeln, ob solche Studien einer objektiven Begutachtung standhalten würden. Mein zweiter Einwand ist folgender: Sie schreiben über Männer, die nicht Single sein wollen, sondern durch äußere Zwänge dazu gemacht werden. Selbstverständlich ist es so, dass Menschen, denen die Erfüllung eines wesentlichen Lebensziels verwehrt ist, frustriert und traurig sind. Sie sollten aber zur Kenntnis nehmen, dass immer mehr Männer auf diesem Planeten ihr Single-Dasein als selbstgewählte, bessere Alternative verstehen. Und das nicht, weil sie Frauen nicht mögen. Ich bezweifle, ob dieser Umstand in Ihr spießiges, verbohrtes, mickriges Weltbild hinein passt.

„Getroffene Hunde jaulen“ könnten Sie mir jetzt entgegenhalten, Frau Steinberger. Und tatsächlich: Der Verfasser dieser Zeilen backt sich viel zu oft eine TK-Pizza auf, als sich was Frisches zu kochen. Sein ziemlich ungesunder Lebenswandel fordert allmählich Tribut in Form der sattsam bekannten Zivilisationserkrankungen. Aber, Frau Steinberger, er ist nicht isoliert, sondern sozial ganz gut vernetzt, ein durchaus kommunikativer Typ, auch wenn er das Alleinsein braucht, wie Grabenkrieger den Schnaps. Er ist nicht einsam, sondern im Rahmen seiner Möglichkeiten selbstbestimmt. Und natürlich ist er manchmal traurig, so wie jeder Mensch, aber dann versucht er sein Bestes zu geben, sich an die Kandare zu nehmen, niemand Anderem die Schuld zu geben, sondern sich auf die Dinge zu besinnen, die sein Leben bunt, aufregend, mit einem Wort lebenswert machen. Und davon gibt es eben abseits von Beziehung, Ehe, Familie eine ganze Menge, man muss vielleicht nur ein bisschen gründlicher suchen.

Eine gründliche Nachsuche, getragen von ehrlicher Objektivität, die hätte Ihnen auch besser zu Gesicht gestanden, Frau Steinberger, als die Absonderung ihres billigen, faden Artikelchens. Ihr Beitrag fügt sich nahtlos ein in eine ganze Reihe von Beiträgen in diversen Online-Medien, die in jüngster Zeit veröffentlicht wurden: Männer sind dümmer als Frauen, Männer sind weniger flexibel als Frauen, Männer sind desinteressiert, provinziell, randständig. Sehen Sie, Frau Steinberger, all diesen Veröffentlichungen und auch Ihrer ist eins gemeinsam: Viele Frauen glauben zu wissen, wie Männer ticken. Umgekehrt erliegen viel weniger Männer der Anmaßung, Frauen verstehen zu wollen. Sie haben diesen Anspruch nach den unerquicklichen Ergebnissen des Jahrtausende währenden Patriarchats als eigenen historischen Fehler verstanden.

Reden wir mal Tacheles, Frau Steinberger. Menschen leben, wie alle Primaten, in sozialen Gefügen, in denen sich Hackordnungen etablieren. Diese Hackordnungen funktionieren im Großen wie im Kleinen, in der Gesellschaft wie in der Familie. Und sie sind natürlich immer umstritten, umkämpft, vorläufig. Macht ist ein leckeres Stöffchen, Frau Steinberger. Ich will Ihnen und manchen Ihrer Geschlechtsgenossinnen nicht ankreiden, sich ein möglichst großes Stück vom Kuchen sichern zu wollen. Bei der Wahl Ihrer Mittel rate ich Ihnen aber zu größerer Subtilität, falls möglich. Und noch ein letztes: Gegen Schläge unter die Gürtellinie, werden wir Männer uns zu wehren wissen. Fest versprochen!

Note to self: Lief gut und wird noch besser laufen. Musik: Thin Lizzy, Moshe Leiser.

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