Öcher Löcher

In meiner Stadt tut sich mitunter Merkwürdiges und manchmal tut sich gar nichts. Ein immer größer werdender Anteil der Bevölkerung ist der Ansicht, das stets das Falsche getan wird, wobei zumindest ein großer Anteil der Unzufriedenen aus rein statistischen Gründen mit Sicherheit beim letzten Mal das Falsche gewählt haben dürfte. Selbst Schuld also. Und auch im unmittelbaren Umland der Stadt stößt man auf Projekte, die so bizarr sind, dass man eigentlich nur lachen oder weinen kann.

In meiner Stadt sollte ein großes Einkaufszentrum gebaut werden, direktemang im Zentrum, zu Füßen von St. Adalbert sozusagen. Also rückten Bagger und Laster an, machten eine Menge Staub und Lärm und hinterließen eine prächtige Brache. Ein durchtriebener Investor erwies sich als zu durchtrieben, wird wohl demnächst einfahren und ist ansonsten Pleite. Auf der Brache schickten sich Ein- und Zweikeimblättrige an, den typischen ruderalen Bewuchs herzustellen. Es wurde debattiert, geplant, verworfen. In dieser Woche nun soll die Entscheidung gefällt, wer wann was baut. Und das in einer Stadt, in der zahlreiche Ladengeschäfte leer stehen, so manche Gewerbeeinheit in eine Parterrewohnungen umgebaut wird und jeder zweite eingesehen hat, dass Amazon und Co. nicht zu schlagen sind. Einkausferlebnis? Pah.

Draußen vor meiner Stadt Richtung Niederlande wurde ein gewaltiges Areal einer mindestens ebenso gewaltigen Feldhamsterpopulation abgetrotzt. Es wurden Straßen gebaut, allen Infrastrukturbedürfnissen Rechnung getragen. Seit Jahren wartet man dort auf Ansiedlungen, passiert ist kaum etwas. Nur die Projekt-Entwicklungsgesellschaft plante, tüftelte, verwerkelte das Geld der Steuerzahler, setzte Millionen mit wackligen Finanzgeschäften in den Sand, legte aber bis heute kein schlüssiges Konzept vor, wie man aus dem Loch beiderseits der Grenze ein Gewerbegebiet machen könnte. Jetzt setzt man auf den Lohndrücker Zalando. Schlimmer geht immer.

Die Straßen meiner Stadt sind teils in erbärmlichem Zustand, also macht es Sinn, dass ausgebessert, abgefräst und neu geteert wird, besonders sinnvoll sind die Maßnahmen, wenn man dies in Kombination mit dem Telefonleitungsausbau und der Kanalsanierung tut. Ob man die Normaluhr ausgerechnet an einem Wochenende sperren muss, an dem ein großes Straßenfest in der Innenstadt stattfindet? Ob man in der Berdoletstraße über Wochen und Monate eine metertiefe Grube offen lassen muss? Ob man die Bachstraße monatelang sperren muss, auch weil die Sparkasse nebenan baut? Ich weiß es auch nicht.

Verlässt man meine Stadt Richtung Eifel, dann gilt es die Himmelsleiter zu erklimmen und die wird gerade noch ein Stück höher. Ein kreuzender Fernradweg genießt Priorität, offenbar rechnet man mit Myriaden von Pedalisten, denen eine vorsichtige Überquerung der Bundesstraße nicht zumutbar ist. Mit den Erdmassen, die dort bewegt und angekarrt werden, könnte man alle anderen Löcher in Stadt und Kreis jetzt und in Zukunft füllen. Das wäre vielleicht sogar die beste Lösung. Ach ja.

Note to self: Das wichtigste Kreuzchen vergessen? Musik: Shadowcast Sun, Pet Slimmers Of The Year.

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