Amtlich?

Zuerst hatte ich mich ja gefreut, dass auf SPON seit ein paar Monaten in der Rubrik „Amtlich“ wichtige musikalische Neuerscheinungen vorgestellt und besprochen werden. Weniger erbaulich fand ich, dass ausgerechnet Jan Wigger, dessen selbstverliebte, abgehobene Schreibe ich einfach nicht leiden kann, einer der Rezensenten war. Und auch der Aufbau der Artikel, also die verwendeten Kategorien („Aussehen“, „Cover“, „Anspruch“), begeisterten mich keineswegs. Gut, immerhin gab es etwas metallisches im wichtigsten Online-Nachrichtenmagazin Deutschlands, da muss man Abstriche machen.

Der miese Eindruck verstärkte sich allerdings in den letzten Monaten immer mehr und das lag vor allem an der Auswahl der besprochenen Platten: Die neuen Sachen von Nile, Dying Fetus, Cryptopsy, Enslaved, Ahab, Naglfar, Cannibal Corpse? Fehlanzeige. Von etwas innovativeren Combos wie Krallice oder Ufomammut ganz zu schweigen. Gut, jeder hält eben andere Musik für höchst relevant. Aber dann findet sich in der letzten Ausgabe eine Besprechung des Albums „No Holier Temple“ von Hexvessel, das nebenbei bemerkt gute Chancen hat, im unsäglichen „Metal Hammer“-Forum Album des Monats zu werden, mehr muss man eigentlich nicht wissen. Also gut, hören wir mal rein.

HV

Hexvessel nennen ihre Musik: „Forest Folk from Finland“ und der Sänger Mat McNerney sagt über das Album:

„This is the sound of a cult, all focused on summoning the same magic, joined in prayer, haunted by the same demons.“

Joh. Wenn man dann noch das Cover gesehen hat, dann weiß man eigentlich schon Bescheid: Es handelt sich um Musik für Freizeitdruiden, Baumliebhaber und Mondanheuler. Wer gerne in dunklen, nebligen Nächten im Wald hockt, um dort auf ein Erweckungserlebnis oder die Verwandlung in ein Fabelwesen zu warten, findet hier genau den Soundtrack für solche Aktivitäten. Man verstehe mich nicht falsch: Die Musik hat durchaus was. Sie ist variabel instrumentiert, gefällig gemacht und weiß atmosphärisch zu überzeugen. Aber es ist kein Metal, es ist nicht mal Post-Metal. Es könnte Neofolk sein, oder etwas ähnlich furchtbares.

Deshalb entschuldigt sich Boris Kaiser, seines Zeichens Textchef beim „RockHard“, auch dafür, dass er diese Platte in „Amtlich“ hineingenommen hat. Damit ist es aber nicht getan. Nicht wenn gerade wirklich epochale Neuerscheinungen (s. oben) ins Haus stehen. Ich sehe diese Plattenkritik im Zusammenhang mit einer aktuellen Strömung im Bereich „Heavy Metal“, die mir überhaupt nicht gefällt, nämlich die Begeisterung fürs seicht Okkulte, blödsinnig Esoterische. Im Grunde genommen ist das der logische nächste Schritt nach Pagan-Metal, völkischer Musik und Neuheidentum. Damit will man einfach nichts zu tun haben, also ich jedenfalls nicht.

Seis drum. Vielleicht werde ich mir die Lektüre von „Amtlich“ demnächst einfach sparen. Wenn ich abstruse Besprechungen von total merkwürdigen Platten lesen will, dann lese ich deafsparrow. Da lernt man wenigstens noch ein paar schräge Vokabeln.

Note to self: Man wird wärmer. Gut, gut. Musik: Hexvessel, Black September.

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