Gepriesen

Da haben wir Europäer ihn also, den Friedens-Nobelpreis. Was fangen wir damit an? Naja, zunächst mal reiben wir uns verwundert unsere europäischen Äuglein, denn erstens erinnert uns die Vergabe daran, dass die EU eben nicht nur aus einer Staatsschuldenkriese besteht. Stimmt, da war noch was anderes. Dann nehmen wir zur Kenntnis, dass dieser Preis auch als Aufmunterung verstanden werden muss, im europäischen Einigungsprozess nicht nachzulassen, gerade auch vor dem Hintergrund von Interessengruppen, die raus wollen aus der EU und Interessengruppen, die andere raus haben wollen. Insofern fühlt man sich an den Preisträger Obama erinnert, der dafür ausgezeichnet wurde, was er versprochen, nicht was er vollbracht hatte. Und drittens wundert man sich, dass das Nobelpreiskomitee für den Friedenspreis, immerhin eine norwegische Institution und aus den Reihen des norwegischen Parlaments rekrutiert, ein Herz für die EU hat, wo doch die Norweger den Beitritt zur EU bereits zweimal in einer Volksabstimmung abgelehnt haben.

Was ändert sich für uns Europäer durch den Preis? Nichts wesentliches. Das Preisgeld von ca. 900.000 € würde aufgeteilt auf die 502,5 Mio Einwohner der EU einen Betrag von weniger als 0,2 Cent pro Kopf ausmachen. Also könnten sich jeweils 1000 EU-Bürger zusammentun und untereinander auslosen, wer auf Kosten von Alfred Nobel ein Glas Bier trinken kann. Aber vielleicht nutzen wir die Gelegenheit, uns noch mal darüber klar zu werden, was EU eigentlich alles für uns bedeutet. Und das ist eben mehr als ohne Grenzkontrolle in Vaals eine Fritte mit Gulasch essen zu können.

Als 1957 die Römischen Verträge unterzeichnet wurden betrug der Anteil der Europäer an der Weltbevölkerung 22%. Im Jahre 2050 werden es nur noch 6,5% sein. Wenn wir es nicht lernen in verschiedenen europäischen Sprachen aber mit einer Stimme zu sprechen, dann wird die Weltgeschichte über uns hinweg gehen. Der alte Kontinent könnte nicht nur zum überalterten Kontinent, sondern zur Marginalie werden. Vielleicht verstehen wir unseren Friedens-Nobelpreis als Einladung zur wirklichen Teilnahme am Großversuch Europa, gerade weil wir so unterschiedlich sind und auch irgendwie bleiben wollen. Ah, da ist sie: Die Gelegenheit meinen Lieblings-Europäer-Witz aufzuschreiben:

In a European Heaven
The cooks are French,
The policemen are English,
The mechanics are German,
The lovers are Italian,
and it is all organised by the Swiss.

In a European Hell
The cooks are English,
The policemen are German,
The mechanics are French,
The lovers are Swiss,
and it is all organised by the Italians.

Note to self: Das eine lassen, das andere tun. Immer und immer. Musik: A Forest Of Stars, Benea Reach, Fiona Apple.

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