Goldener Oktober

Nun ja, so richtig goldig gehts mir eigentlich nicht gerade. Aber der zehnte Monat des Jahres hat es aus musikalischer Sicht in sich, gerade so als hätten sich einige meiner Helden zu großen Würfen verabredet. Also, hören wir rein:

PII

Ich weiß noch ganz genau wie es war, als ich zum ersten Mal eine Platte von „Between The Buried And Me“ gehört habe, nämlich das Album „Colors“ aus dem Jahr 2007: Was für eine feine Melange aus Brachialem und Progressivem – subtil und skurril, verspielt und trotzdem deftig, irgendwie alles gleichzeitig! Und dazu noch unglaublich gekonnt dargeboten. Seit damals haben die Männer aus North Carolina ein weiteres Album und eine EP nachgelegt. Seit wenigen Tagen ist „The Paralax II“, also die Fortsetzung eben jener EP, endlich zu bekommen. Es handelt sich um ein Konzeptalbum, in dem es um die Seelenverwandtschaft zweier Wesen in weit voneinander entfernten Galaxien geht – verschrobener Kram also und folglich auch verbastelte Musik. Paralax II ist sicherlich das komplexeste Werk von BTBAM. Man könnte einen „Klingt wie“-Vergleich versuchen und würde bei Genesis, Yes, Queen einerseits und Anthrax, Slayer und Botch andererseits landen. Im Grunde verbieten sich solche Vergleiche, denn das Album ist so unglaublich monströs, dabei gleichzeitig elegant und teilweise berührend zart und sphärisch, dass es monolithisch wie die Cheops-Pyramide dasteht. Eines ist für mich aber sonnenklar: BTBAM haben mit diesem Werk eine Hommage an die die legendären Konzeptalben aus den 70ern abgeliefert. Sicherlich ist diese Platte nur etwas für ganz wenige Liebhaber, aber die kommen voll auf ihre Kosten. Und selbst hartgesottene Fans der Formation werden nach dem Genuss dieser 72 Minuten erst mal durchschnaufen müssen.

CV

Immer wenn ich Converge höre, frage ich mich, wie ein Mann mit chronischer Sehnenscheidenentzündung so dermaßen geil Gitarre spielen kann. Der Mann heisst Kurt Ballou und seine Band ist absoluter Kult. Converge sind ein Urgestein des Mathcore, seit 22 Jahren hauen sie der Hörerschaft mit größter Wucht auf den Allerwertesten. Dabei sollte man nie vergessen, dass diese Band eben nicht nur im Bauch und ein bisschen tiefer, sondern auch im Kopf stattfindet. Als 2009 „Axe To Fall“ herauskam war ich schlicht baff, die Kapelle hatte sich irgendwie neu erfunden. Die Platte war extrem facettenreich und strotzte vor halb versteckten Melodien und genialen Momenten, die den Hörer hinterrücks überfielen. Das neue Album „All We Love We Leave Behind“ geht wieder in eine deutlich traditionellere Richtung, trotzdem ist sie keineswegs so roh und schmutzig wie „Jane Doe“ oder „You Fail Me“, sondern sogar erstaunlich glatt und unglaublich druckvoll. Converges große Kunst besteht darin, ein auf den ersten Blick chaotisches Knäuel zu servieren, in dem erst nach und nach wohlgeordnete Feinstrukturen erkennbar werden. Bei konzentriertem Zuhören offenbart das Material auf „All We Love We Leave Behind“ eine beängstigende Souveränität – Converge befinden sich in einer Sphäre, in die 90% der aktuellen Hard- und Mathcorebands niemals vorstoßen werden. Da kann man auch gut verschmerzen, dass das Durchschnittstempo inzwischen ein bisschen abgenommen hat. Alle Hochgeschwindigkeitszocker sollten mal versuchen, ein so beißend böses Stück wie „Coral Blue“ oder eine symphonische Offenbarung wie das Titelstück hinzubekommen.

UM

Einige der allerbesten Bands der Welt sind Trios, zum Beispiel Rush, Primus oder von mir aus The Police. Damit will ich nicht sagen, dass Ufomammut aus dem Piemont in diese Kategorie einzuordnen wären, sicherlich gehören sie aber zu den experimentierfreudigeren Combos des Planeten (Scheint eine italienische Spezialität zu sein, man gebe sich mal ein Werk der Extremisten von Morkobot, aber nur, wenn man eine belastbare Magenschleimhaut hat, denn die Jungs haben definitiv einen an der Waffel). Es ist schwierig ihren Stil in ein Genre einzuordnen, sagen wir mal, es handelt sich um Space-Doom. Das neue Album „ORO: Opus Alter“ ist der zweite und offenbar letzte Teil des ORO-Gesamtwerks. Den Hörer erwartet böses Grollen und erdiges Stampfen, das sich mehr oder weniger langsam aber beharrlich auf einem kosmischen Synthie-Bett entwickelt. Obwohl oder gerade weil nichts an dieser Musik besonders raffiniert oder virtuos ist, verbreiten Ufomammut stets einen fiesen hypnotischen Sog. Das liegt auch daran, dass sie ihre Platten mehr oder weniger live einspielen, mit geringfügigen Overdubs (man hört es an den minimalen rhythmischen Schlampereien). Einziges Manko der neuen Platte: Alles ein bisschen flott, langsamer und schwerer wäre mir noch lieber.

Note to self: Pause beim Schiffeversenken. Musik: All of the above.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.