Der Untergang

AK

Diskussionen über Fußballklubs sollten mit großartigen und niederschmetternden sportlichen Leistungen zu tun haben, mit Auswärtssiegen, Heimniederlagen, Abstiegen, Aufstiegen, mit Pokal und Meisterschaft. Wenn man dagegen die Meldungen der letzten Tage über den TSV verfolgt, ist nurmehr von Straftatbeständen die Rede: Insolvenzverschleppung, Betrug, Urkundenfälschung, Beleidigung, Rufschädigung, Untreue auf der einen Seite und Sachbeschädigung, Körperverletzung, Widerstand gegen die Staatsgewalt und Volksverhetzung auf der anderen Seite.

Einerseits wird von einem Aufsichtsrat berichtet, der blind, taub und stumm war, andererseits von einem unfähigen Vorstand und ebenfalls unfähigen leitenden Angestellten. Und schließlich liest man immer wieder von einer zutiefst gespaltenen Anhängerschaft, die der jeweils anderen Seite extremistische politische Gesinnungen unterstellt. Die Lage ist desolat und hätten ein paar fußballbegeisterte Realgymnasiasten dies vor 112 Jahren gewusst, dann wären sie ein Bier trinken gegangen, statt einen Verein zu gründen.

In einem Beitrag vor ein paar Wochen habe ich die Frage gestellt, ob es nicht besser wäre die Lizenzspielerabteilung der Alemannia pleite gehen zu lassen. Das ist inzwischen Makulatur. Heute muss man sich fragen, ob es überhaupt gelingen kann, einen Etat für die Regionalliga zusammen zu bekommen. Ich glaube nicht daran. Und das bedeutet, dass die Alemannia wirklich in die Kreisliga C zwangsabsteigen würde, auch dieses Szenario habe ich vor ein paar Monaten bereits in düstersten Farben gemalt. Mir wäre es lieber gewesen, ich hätte nicht recht gehabt.

Klar ist, dass Schuldzuweisungen nicht weiter helfen. Es ist ganz egal ob Linden, Meijer, Heyen, Kraemer, Hellmich als Verantwortliche genannt werden. Jeder hat wohl sein Scherflein beigetragen. Es ist ein Jammer, dass persönliche Differenzen und Abneigungen dazu geführt haben, dass es bis zum Zusammenbruch kommen musste Das Schreien wird erst dann aufhören, wenn ein wirklicher Schlußstrich gezogen ist. Richtig ist außerdem, dass die ohnehin klamme Stadt Aachen und das Land NRW jetzt ein Stadion abbezahlen werden, das sehr schön, aber für den Verein zwei, drei Nummern zu groß und zu teuer war und ist. Ich gestehe hiermit, dass ich ein Befürworter dieses Stadions gewesen bin und mich gründlich geirrt habe. Von der Alemannia wird nur ein ehemals stolzer Name übrig bleiben, wenn im kommenden Jahr auf dem neuen Tivoli gegen Raspo Brand II vor 127 Zuschauern gespielt wird.

Und von diesen 127 Zuschauern werden immer noch ein paar unverbesserliche Neonazis sein, weil Aachen und Umgebung inzwischen zu einer Hochburg dieser widerlichen Spezies geworden ist. Und immer weniger werden dagegen ihre Stimme erheben, weil in einem Land, in dem die für die innere Sicherheit zuständigen Organe entweder unwillig oder nicht in der Lage sind, dem Einhalt zu gebieten, die Angst die Oberhand gewinnt.

Als ich das letzte mal am Tivoli war, verlor Aachen mit einer desolaten Leistung gegen 1860 München, goldene Zeiten waren das. Vielleicht gehe ich mal wieder hin, wenn der Verein hart aufgeschlagen ist und gucke mir das Gegurke an. Und wenn man dann mit Mühe 2:1 gegen Germania Eicherscheid II gewonnen hat, kann man vielleicht irgendwie auch wieder nach vorne blicken.

Note to self: 5 einzelne Socken, jetzt wirds existenziell. Musik: Dry Kill Logic, Caliban, Deftones.

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