Poppodium im Oefenbunker

PP

Ein wenig Live-Musik gefällig am Samstagabend? Warum nicht. Nach den Fußballergebnissen des Tages (Alemannia gewonnen, Borussia gewonnen) war ich ohnehin euphorisiert. Also schloss ich mich spontan der Fahrgemeinschaft nach Landgraaf an.

Das Kulturzentrum „Oefenbunker“ (Leute, wer hat denn die Webseite gemacht? Da krieg ich ja Augenkrebs!) entpuppt sich als typische Location (Getränke gegen Bons, Salzstangen auf den Tischen, Mittelalte Menschen mit Sozialpädagogengesichtern kontrollieren die Szene) mit niederländischem Einschlag (Komisches Bier in ganz kleinen Gläsern, Schaum wird nach dem „Zapfen“ abgestrichen, Süßliche Schwaden im Foyer).

LOG

Als wir ankamen waren „Lord Of Giant“ aus Mönchengladbach bereits zugange. Drei Gitarren und ein riesiger tätowierter Kerl am Mikro. Das fiel vor allem auf, als „Big Hand“ Eva als Zweitsängerin auf die Bühne gebeten wurde, die ungefähr halb so groß wie der Schrank war. Ging ganz gut ab. Stoner-Rock eben: Muss fett sein, schnörkellos und gut laut. Ein bisschen lauter hätten die Giganten schon sein dürfen. Ansonsten wird kein Besucher vergessen, dass der Gitarrist, der sich permanent hinter dem Bassisten versteckte, Tony Anioli heißt. Er wurde nämlich nach jeden Stück vorgestellt. Rätselhaft.

FF

Eigentlich waren wir wegen „Flash Future“ da. Eine Band, die bis gestern für mich aus einem älteren Mercedes-Bus bestand, der mit dem Bandlogo verziert ist und immer wieder in meiner Nachbarschaft geparkt wird. Mein lieber Bruder hatte mit seligem Plieren „drei Gitarren auf C runtergestimmt“ angekündigt. Dazu muss man anmerken, dass drei Gitarren in einer Band auch kräftig in die Hose gehen kann (Matsch). Bei den Flashies läuft das offenbar so, dass einer („The Motörvic“) fürs mächtige Fundament verantwortlich ist, einer („Cpt. Pelzer“) für sphärische Sounds und Spielereien sorgt und der dritte („Cpt. Frenz“) sehr sparsam ohne Plektrum auf einer Paula rumzupft und ansonsten singt, hüpft und rumhampelt. Spaß beiseite: Die Jungs hatten Lust, der Sound war klasse, alles sehr tight und gefällig gemacht und die Songs sehr überzeugend. Eines der Stücke hätte auf der ersten Platte von Tool sein können, das meiste ging eher Richtung „Queen Of The Stoneage“. Insgesamt nicht unbedingt der klassische Stonerrock, aber mit schönen Breaks und pfiffigen rhythmischen Akzenten. Auf ihrer Webseite kann man sich einige MP3s anhören, lohnt sich. Von mir aus hätten sie ruhig noch ein, zwei Stückchen mehr spielen können.

MS

Den Abend beschlossen die local Heroes „Mescaliner“ aus Heerlen. Die spielten aber keinen Stoner-Rock, sondern instrumentalen Post-Rock. Mich erinnerten sie an Bands wie „And so I watch You from afar“ und „Shadowcast Sun“. Der Auftritt wurde von einer abgedrehten Videoshow hintermalt, die aus schwarz-weißen Schnipseln bestand und die „üblichen Verdächtigen“ (Nixon, Agent Orange, Bikini, der junge Ronald Reagan) präsentierte. Mich begeisterte vor allem das abwechslungsreiche, akzentuierte Schlagzeugspiel, ansonsten konnte man konstatieren, dass die Jungs bestimmt ganz fleissig üben (10 Minuten-Stücke, zahlreiche Parts, technisch anspruchsvoll) und handwerklich voll überzeugten. Davon abgesehen ist Post-Rock für mich kaum Live-Musik. Ich hätte mir den Auftritt gut in einem fetten Ledersessel mit einem schönen Glas Rotwein geben können. In einem gut besuchten Kulturzentrum, in dem immer geschwätzt und neues Bier geholt wird (eben wegen der winzigen Gläser, das hatten wir ja schon), konnte einfach nicht die richtige Stimmung aufkommen. Und dann ist das Soundgewitter mit Delay, Flanger, Phaser, Hastenichgesehen irgendwann auch ein bisschen ermüdend.

Note to self: Zehnachtzwo macht auch nicht froh. Musik: All of the above.

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