Nachzutragen

Nachdem ich gestern erst spät aus dem Bergland zurückgekehrt bin, will ich versuchen einiges aus den vergangenen Tagen nachzutragen. Zunächst gilt es, einen Titanen der Aachener Klappradbewegung zu feiern, der sich auch von seiner momentanen Invalidität nicht davon abhalten lässt, die Fortbewegung mittels faltbarem Drahtesel zu propagieren. Die Krücken werden einfach am Gefährt befestigt und ergeben einen schönen Farbkontrast zum güldenen Vehikel (Womit auch der Bogen zu einem goldenen VW Käfer gespannt wäre, der drei junge Männer vor Jahrzehnten mal ins noch nicht mauerlose Berlin trug.). Et voila:

Oedklapprad

Da unser Zweiradheld seine Blessuren bei einem Termin in der Unfallchirurgie der hiesigen Universitätsklinik behandeln ließ und mich als Chauffeur engagiert hatte, kam ich nach längerer Zeit mal wieder in den Genuss, diesen Albtraum eines magenkranken Architekten aus der Nähe bewundern zu dürfen:

Klinikum

Ja das waren noch Zeiten, als ich meine 20 Monate in diesem furchtbaren Kasten runtergerissen habe. Unzählige Liegende und Sitzende, zahlreiche Blutkonserven, Schnellschnitte, und Kreuzproben habe ich transportiert. Silberpfeile waren zu pilotieren, Blutdrücke zu messen. Andererseits habe ich auch stundenlang die Zeit totgeschlagen, wusste genau, bei welchen Stationen welche Frühstücksbestandteile zu schnorren waren und fühlte mich als Transportrebell, der den Mikrokosmos dieses Riesenbaus, der damals noch 5 Geschosse und nicht wie heute 9 aufwies, durchstreifte ohne feste Stationszugehörigkeit am lockeren Zügel eines Disziplinarvorgesetzten, der Hauptmann der Reserve war. Auch wenn mich die Versuchung packt, einige Anekdoten aus dieser Zeit zum besten zu geben, will ich mich zurückhalten. Aber ich erinnere mich gerne an einen jungen Gitarrengott aus Recklinghausen, den Bassisten der Hardcoreband „Human Desaster“, einen nicht besonders hellen Punk namens Joe, der gerne gegen 4 Uhr morgens an der Tür kratzte und nach Tabak fragte, und einen Messerwerfer auf Psychopharmaka mit einem irren Blick, die beiden letztgenannten waren meine Nachbarn im Wohnheim.

Die Geburtstagsfeier meines Vaters am Wochenende war sowohl in meterologischer als auch kulinarischer Hinsicht ein voller Erfolg. Ich war nach einer merkwürdig unruhigen Nacht ein bisschen groggy und habe wieder einmal festgestellt, dass Smalltalk nicht unbedingt meine Stärke ist. Da aber im Gegensatz zur letzten großen Familienfeier die Stimmung hervorragend war und alles harmonisch blieb, sehe ich dem am kommenden Wochenende stattfindenden Fest mit Gelassenheit entgegen.

Note to self: Vorsicht Suchtgefahr: Ikariam. Wer Interesse an einer Allianz hat, möge sich in der Welt „Beta“ kostenlos anmelden und seine Heimkoordinaten nebst Stadt- und Inselnamen mitteilen. Musik: Eumir Deodato, The Egg, Fu Manchu.

0 Antworten auf „Nachzutragen“

  1. …hach, der güldene käfer… *seufz*…
    die drei recken, die auf dem weg ins mauergeteilte berlin waren (es war zum jahreswechsel 1987/88, den sie in greifswald würden verbringen wollen), nahmen ab hamm einen tramper mit, der zunächst auf einem rastplatz vor helmstedt allerlei kraut inhalierte und sich, während sie in einer der schlangen am grenzübergang helmstedt/marienborn standen, als berliner erstmal transitpapiere besorgen musste.
    am ersten häuschen angekommen, hatten die recken papiere für vier mann und einen käfer vorzuweisen, waren aber nur zu dritt. der grenzer sächselte irgendwas unverständliches, worauf der käferfahrer mit „wie bitte?“ reagierte. netterweise wiederholte er seine anweisung, und da der käferfahrer auch nett war, nickte er und fuhr weiter.
    was der grenzer gesagt hatte, war: fahren sie bitte hinter diesem häuschen rechts ran. am nächsten häuschen, das hundert meter vom ersten entfernt und mit diesem mit einem transportband verbunden war, kamen die papiere nicht an. der grenzer bat die recken, hinter dem häuschen rechts ranzufahren, was sie auch taten. jetzt waren sie außer sicht des ersten häuschens, und die grenzer hatten folgendes problem: der im ersten häuschen hatte papiere für vier mann und einen käfer, aber kein auto, und der im zweiten drei mann und einen käfer, aber keine papiere.
    nach zwanzig minuten tauchte breit grinsend der tramper auf.
    nach weiteren zwanzig minuten kam ein entnervter grenzer, der die recken bat, das bitte-bitte niemals wieder zu tun.
    die geschichten von einer zugfahrt von ostberlin nach greifswald, einer völlig entfesselten silvesterfeier und einem blogger, der einem mädel, von der niemand wusste, dass sie rauchte, im beisein ihrer eltern eine zigarette anbot, müssen ein anderes mal erzählt werden.

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