Webhosting-Zecken, widerliche

Heute fand ich eine E-Mail von meinem Webhoster in meinem Postfach. Normalerweise würde ich jetzt den Mantel der Verschwiegenheit über den gesamten Vorgang breiten, inzwischen sehe ich aber nicht mehr ein an dieser Stelle ein Blatt vor den Mund zu nehmen: Die Firma, bei der meine Webseiten, meine wichtigsten E-Mailadressen und auch dieser Blog gehostet werden, ist die Strato AG. Früher war ich mit dem Service und den Angeboten dieses Ladens durchaus zufrieden und habe sie auch einigen meiner Kunden empfohlen. In Zukunft werde ich das sicher nicht mehr tun. Für mich ist Strato inzwischen ein Paradebeispiel für die Verscheißerung der Bestandskunden. Ich kann jedem, der einen Webhoster sucht, nur dazu raten Strato zu meiden. Warum? Darum:

Im Mai des letzten Jahres habe ich schon einmal eine E-Mail von Strato erhalten. Darin teilte man mir mit, dass mein bisheriges kleines Hosting-Paket („Webvisitenkarte C“), das für meine Ansprüche völlig ausreichte, nicht mehr angeboten würde und deshalb ein Upgrade auf das neue Paket „BasicWeb L“ vorgenommen würde: 400 MB mehr Speicherplatz, den ich nicht brauche, 50 E-Mailadressen, die ich ebenfalls nicht brauche, dafür wurde meine monatliche Gebühr mal eben um satte 50% erhöht. Ich ärgerte mich, verpasste aber den Termin zur Kündigung und blieb fortan mit den „tollen Neuerungen“ des neuen Angebots gesegnet und zahlte eben 50% mehr.

Heute nun wurde mir angekündigt, dass Strato mich erneut zu gängeln beabsichtigt, man schreibt: „wir möchten Ihnen stets die aktuellsten Produkte zur Verfügung stellen und diese kontinuierlich weiterentwickeln. Daher werden die veralteten CGI-Minianwendungen am 15. August 2013 abgeschaltet.“ Zwei Dinge fallen mir auf: 1.) Welcher hirnverbrannte Marketing-Fuzzi ist der Ansicht, dass man das Wort „aktuell“ steigern kann? Das kann man nämlich nicht. Wenn etwas aktuell ist, kann etwas anderes nicht „aktueller“ sein. Mindfarting at its best. 2.) Wenn man das mir vertraglich zugesicherte Angebot, das unter anderem auch aus den CGI-Minianwendungen (z.B. dem Gästebuch auf meiner Homepage) besteht, nicht mehr bereitstellt, müsste mir ein Recht auf außerordentliche Kündigung zustehen, oder? Wenn ich bei einem Bäcker ein Brötchen-Abo abschließe, das die allmorgentliche Lieferung von 2 Brötchen und einem Sesambrötchen vorsieht, und mir der Bäcker irgendwann mitteilt, in Zukunft nur noch drei „Normale“ liefern zu wollen, weil er Sesambrötchen nicht mehr herstellt, dann habe ich das Recht den Vertrag zu kündigen, so ist das bei uns.

Genau diese Rechtsauffassung habe ich heute auch dem Strato-Telefonsupport mitgeteilt. Natürlich sieht Strato die Sache ganz anders. Die CGI-Anwendungen werden durch die neue Plattform „AppWizzard Plus“ (ja, allein die Bezeichnung hört sich nach einem weiteren Hirnschiss der Marketingabteilung an) ersetzt und diese Plattform ist kostenfrei. Hört sich erstmal gut an, der Teufel steckt jedoch im Detail: Jede „App“ der neuen Plattform braucht eine eigene Datenbank. Das störende daran ist nur, dass mein Hosting-Paket keine Datenbanken umfasst. Das Einzige, was bisher auf meinen Seiten nach Datenbank roch, ist die SQLite-Datenbank, in der die Inhalte dieses Blogs gespeichert sind. Strato bietet demzufolge mit den „PowerWeb-Paketen“ (Hirnschiss No. 3) nur noch Verträge an, die mindestens zwei Datenbanken enthalten.

Das kleinste dieser Pakete kostet genau so viel, wie ich bislang bezahle. Zwar würde man mir für die Einrichtung 8,60€ abknöpfen, aber gut, damit könnte ich noch leben. Der Strato-Mitarbeiter am anderen Ende der Leitung teilt mir aber klipp und klar mit, dass ein solches „Sidegrade“ (der kleine Bruder von Upgrade, Hirnschiss No.4) nicht vor Ablauf meiner Vertragslaufzeit möglich ist, selbstverständlich könnte ich jederzeit auf ein größeres Paket upgraden. Das nächst größere Paket kostet dann 4,99€ statt 2,99€. Das wäre nochmals eine Preissteigerung um 67% und gegenüber meinem ursprünglichen Paket eine Preissteigerung von 150% innerhalb von 15 Monaten. Mit anderen Worten: Ein Paket, das den mir bislang vertraglich zugesicherten Funktionsumfang garantiert, kann Strato mir zum jetzigen Zeitpunkt nicht anbieten, eine vorzeitige Kündigung wegen nicht erbrachter Leistungen ist ebenfalls nicht möglich. So, wie der Mitarbeiter mir das sagt, höre ich ganz deutlich, wie ein „Im Übrigen sitzt unsere Rechtsabteilung da unter Garantie am längeren Hebel“ in seinen Worten mitschwingt. Ich sage ihm wortwörtlich, dass ich die Firma Strato für eine Versammlung von Arschlöchern halte und lege auf. Die Kündigung zum nächstmöglichen Zeitpunkt geht morgen raus. Bei der Konkurrenz bekomme ich 5 de-Domains und beliebig viele Datenbanken ohne Einrichtungsgebühr für 2,95€ im Monat. Saftladen.

Note to self: Essen? Echt nicht! Musik: Five Finger Death Punch, Farsot, Kaiser Chiefs.

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