Aus Glas

Meinem Telefon/Internetdienstleister ist es hochnotpeinlich. Hatte man nicht vor ein paar Monaten bereits einräumen müssen, dass die ausgelieferten WLAN-DSL-Router eine Sicherheitslücke in der Firmware hatten, so dass bei aktiviertem Funknetz jeder halbwegs Kundige nicht nur den fremden Internetzugang nutzen, sondern auch auf das Heimnetz des Betroffenen zugreifen konnte? Nun, heute setzt Vodafone noch einen drauf: 2 Millionen Datensätze inklusive Bankverbindung sind von einem Insider abgegriffen worden. „Vodafone bedauert den Vorfall sehr und bittet alle Betroffenen um Entschuldigung. Diese werden derzeit per Brief informiert.“ so schreibt man. Im Grunde fühlt man sich ein bisschen so wie ein Kunde einer Schweizer Bank, der aus der Presse erfährt, dass ein kleiner aber mit hinreichend großer krimineller Energie ausgestatteter Buchhalter eine Steuer-CD zum Verkauf anbietet. Der Unterschied ist halt nur, dass ich kein Schwarzgeld angelegt habe, sondern einfach nur Internet und Telefon nutzen möchte. Nervenkitzel powered by Vodafone. Immerhin gibt es eine Webseite, auf der man seine Kontonummer und Bankleitzahl eingeben kann, um zu checken, ob die eigenen Daten betroffen sind. Das habe ich dann mal gemacht:

SGH

Schwein gehabt! Gesetzt den Fall die Auskunft hätte genau anders herum gelautet, was hätte ich denn dann gemacht? Hysterische Anrufe bei meiner Bank? Hysterische E-Mail Anfragen bei Vodafone? Schon mal einen Rechtsanwalt aus dem Internet raussuchen? Sofort Kontoauszüge holen? Ach was, ich hätte dagesessen, wäre mir vorgekommen wie das letzte arme Schwein und hätte dem Gott der digitalen Datenverarbeitung ein Opfer in Form einer abgebrannten 3,5 Zoll-Diskette dargebracht, mit der gleichen Kopflosigkeit, mit der die ollen Azteken ihre Kinder opferten, wenn es eine Zeit lang nicht geregnet hatte.

Wir sind längst ausgeliefert. Wir kontrollieren nichts. Wir haben nichts privates mehr. Darüber in einem Blog auf einer Webseite Krokodilstränen zu vergießen, ist ungefähr so konsequent wie „Printen nach Aachen zu tragen“. Und erst wenn die Verluste aus Cyberkriminalität so groß sind, dass sie nicht mehr von Kulanzregelungen abgedeckt werden, so wie das zurzeit noch der Fall ist, wird es ganz gewaltig scheppern. Ein Scherbenhaufen alpiner Größenordnung.

Note to self: Ne halbe Stunde? Du kannst mich kreuzweise. Musik: Carcass, Coffins, Altar of Plagues, Deafheaven, Volbeat.

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