Fade to black

Ein Telefonanruf beendete die viel zu kurze Nacht von Freitag auf Samstag. Leicht fahrig und mit dem ersten Kaffee wecke ich auch meinen Rechner aus dem Schlaf, checke Mails, überfliege ein paar Headlines auf SPON und lese auf tonymacx86.com nach, ob sich das gestern erschienene Systemupdate auf 10.8.5 inzwischen weniger sperrig verhält als auf meiner Kiste, da gab es nämlich keine Audioausgabe und ich musste zur vorherigen Version zurück. Jaja, im Webforum tut sich einiges: Ziemlich viele Nutzer haben Probleme und ein paar Cracks versuchen zu helfen. Unter anderem wird um ein Bildschirmfoto gebeten, da will ich mal nicht so sein. Die externe Platte mit dem Installtionsversuch von gestern ist noch angeschlossen, starten wir mal eben neu.

Der BIOS-Screen kommt, der AHCI-Info-Screen kommt, der Bootloader… …hängt. Nanu. Nochmal versuchen. Tatsächlich: Der Loader schreibt einen „Slash“ auf den ansonsten schwarzen Bildschirm und… …verharrt. Habe ich doch tatsächlich gestern den Bootloader gehimmelt? Kann doch gar nicht sein. Ich krame meine Backupplatte raus, suche leise knurrend und fluchend Kabel und Netzteil raus, murmele was von „Freitag der 13“ und starte entspannt von der externen Platte, während ich mir den zweiten Kaffee eingieße. Als ich zum Schreibtisch zurückkehre blinkt mich erneut ein Slash auf einem ansonsten schwarzen Bildschirm an. Jetzt wird es psychologisch!

Als ich noch im bisschen grüner hinter den Ohren war, hätte sich spätestens jetzt die Panik meiner bemächtigt. Ich hätte Datenverluste, hohe Ausgaben und jede Menge Ärger vor meinem geistigen Auge gesehen. Letztes Jahr hätte ich mir bewusst gleichgültig eine Kippe angesteckt, dem Rechner ein „Sausack“ zugezischt und hätte zynische Szenarien der Verschrottung per aus-dem-Fensterwurf gemalt um meinen elektronischen Opponenten zu verunsichern. Das fällt weg, ich rauche nicht mehr und versuche wirklich möglichst wenig zynisch zu sein, weil das die Seele vergiftet. Also nippe ich am Kaffee, kratze mich an meinen Unaussprechlichkeiten und versuche mich an einer umfassenden Analyse des Problems.

Um den technischen Laien das Problem zu verdeutlichen: Ein Bootloader ist ein kleines Stückchen Software, das regelt, welches Betriebssystem von welcher Partition geladen werden soll. Bei einem Hackintosh besorgt der Loader zusätzlich noch die Initialisierung der Grafik- und Netzwerkhardware. Versagt der Loader, sind zwar alle Dateien auf der Bootpartition vorhanden und das Betriebssystem unter Garantie völlig funktionsfähig, aber das nützt nichts. Ein Rechner ohne funktionierenden Bootloader ist im Grunde ein Ziegelstein. Zurück zur Analyse:

Also, es ist nahezu ausgeschlossen, dass der Bootloader auf zwei Festplatten simultan korrumpiert wird. Kann also eigentlich nur ein BIOS-Problem sein, denn die CPU ist übertaktet und das schon leicht gammelige BIOS von Gigabyte kommt damit nicht zurecht. Hm. BIOS-Probleme können auch durch eine leere Stützbatterie verursacht werden. Zwar will der Chimera-Loader eigentlich nur AHCI, HPET 64-bit und VT-on, aber es kann ja sein, dass genau diese Werte nicht mehr im BIOS gehalten werden können. Rechner entkabeln, Batterie suchen, Batterie finden, Batterie austauschen. Rechner verkabeln, Rechner starten. Schwarzer Bildschirm mit Slash. Ätzend!

So allmählich gehen mir die Ideen aus. Sollte mein Rechner wirklich das Zeitliche gesegnet haben? Mit leichten Anzeichen der Resignation hänge ich mich am Alternativschreibtisch ins Internet und suche Rat. Und tatsächlich, nach 2 Stunden Google finde ich einen leidgeprüften Genossen, der exakt das gleiche Problem hatte und auch die Ursache ermittelt hat: Dateirotation auf einer internen „Time Machine“- Platte von Seagate bei einer Volumegröße über einem Terabyte nach einem Systemupdate. „Kann doch gar nicht sein“ denke ich mir, aber genau dieser Fall ist bei mir gegeben, klemmen wir die Sicherungsplatte mal ab. Und siehe da: Moses erwacht aus dem Schlummer, meldet sich ordnungsgemäß und fragt mein Passwort ab. Hätte mir vorher einer diese Geschichte erzählt, hätte ich sie ins Reich der Fabel eingeordnet.

So hängt eben alles mit allem zusammen und würden wir nicht über unseren externen Über-Neocortex namens Internet verfügen, wären wir arm dran. Mein Samstag ist gerettet. Ich schmeiße die Bundesliga an und mit der Erleichterung schleicht sich auch der Triumph in mein Herz, noch einmal davon gekommen zu sein.

Note to self: Schwer atmen wird schon gehört. Musik: Volbeat, Carcass, Best of Wacken auf NDR

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