Beati pauperes quia ipsorum est regnum caelorum

TB

Eine der bizarrsten Stellen in Umberto Ecos „Der Name Der Rose“ ist der bis aufs Blut ausgetragene Streit unter Mönchen und höheren kirchlichen Chargen, ob Jesus einen Geldbeutel besessen hätte. Angesichts der Diskussionen um den Limburger Bischof, der heute zum Speed-Dating bei dem großartigen Papst Franziskus war, kann man behaupten, dass genau diese Frage, nämlich ob die Kirche arm und ihre Repräsentanten bescheiden sein sollten, die Menschen nun schon seit mehr als 1000 Jahren umtreibt.

Mit dem Gebahren des Tebartz van Elst will ich mich ausdrücklich nicht befassen. Die Verschwendungssucht eines für sein Amt gänzlich ungeeigneten Mannes liegt auf der Hand und scheint uns fast krankhafte Züge anzunehmen. Er wird in die Schranken gewiesen werden und sein restliches Leben in der Abgeschiedenheit eines Klosters mit der Gewissheit verbringen, dass Christus ihn trotzdem liebt (siehe oben).

Nein, viel interessanter sind Fragen der Dotierung der Kirchen durch die öffentliche Hand, die in der Vergangenheit meist totgeschwiegen wurden und nur den Allerwenigsten bekannt sind. Seit dem Reichsdeputationshauptschluss, also der letzten gesetzlichen Regelung, die im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation beschlossen wurde, zahlt die weltliche Macht auf deutschem Boden an die Kirchen. In den letzten Jahren betrug der Obulus etwa eine halbe Milliarde. Damit werden Gehälter bezahlt und kirchliche Einrichtungen unterhalten (deren Mitarbeiter gekündigt werden, wenn sie geschieden sind und sich neu verheiraten. Das ist übrigens ein klarer Verfassungsbruch.). Noch mal zur Verdeutlichung: Das sind keine Kirchensteuern, die kommen noch mal oben drauf, sondern ein Ausgleich für die durch Napoleon durchgeführte Säkularisierung, also die Überführung kirchlichen Eigentums in weltlichen, meist fürstlichen, Besitz.

In einer Talkshow zu den Limburger Vorkommnissen war unter anderem auch der Hamburger Bischof Jaschke zu Gast, der übrigens in einer kleinen Mietwohnung wohnt und an diesem Abend vieles sagte, was hochvernünftig und der Sache angemessen war. Als aber die Sprache auf die Dotierung kam, da verlangte Jaschke eine Abschlusszahlung, etwa in Höhe des Zwanzigfachen der jährlichen Zuwendung. Seit 1803 zahlt das deutsche Volk an die Pfaffen und die Kirche kriegt den Schlund immer noch nicht voll.

Die Angelegenheit ist ein Skandal, aber wahrscheinlich wird nicht mal der Papst etwas daran ändern. Die Bundesrepublik sollte ein laizistischer Staat sein, ohne Religionsunterricht in öffentlichen Schulen, ohne Kruzifixe in Gerichtssälen und ohne staatlich alimentierte Kindesmißbraucher.

Note to self: Bewegung, schlimmer wirds auch so. Musik: Altar Of Plagues, ANNA1.

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